Wieder Italien - Via Francigena

Auf den Spuren des Franz von Assisi und auf anderen Wegen in die ewige Stadt
Antworten
Jole
Beiträge: 2
Registriert: 11. Feb 2020, 22:37

Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Jole » 11. Feb 2020, 22:56

Hallo in die Runde,
habe (leider) erst jetzt bemerkt, dass es das alte / neue Forum wieder gibt.

Habe im Mai 2018 meine (ertse) Pilgertour von Florenz nach Rom gemacht und von vielen guten Tipps und Erfahrungen der tollen Menschen hier im Forum sehr profitiert. Ich hatte sogar einen "live - support" :D Es war wunderbar und mit das Beste, was ich je gemacht habe. Leider konnte ich anschließend nicht mehr von meinen tollen Erfahrungen berichten, da das Forum zwischenzeitlich eingestellt wurde.

Jetzt möchte ich gern wieder los, im Mai. Leider nur für max. 2,5 Wochen. Habe überlegt, noch mal Florenz - Assisi zu laufen, war einfach wunderschön! Aber es gibt ja noch die Via Francigena. Wer von euch kennt sie und kann mir da ein paar Infos geben. Mir wäre wichtig, einen Abschnitt zu laufen, der möglichst viel durch die Natur fohrt und wo man nicht permanent Asphalt unter den Füßen hat.

Würde mich sehr freuen, wenn jemand hier einen Vorschlag für einen geeigneten Teilabschnitt hat.

LG Jole

Shabanna
Beiträge: 448
Registriert: 16. Jul 2019, 15:10
Kontaktdaten:

Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Shabanna » 12. Feb 2020, 09:16

Hey Jole,

ich kenne die Via Francigena ab Lausanne bis Rom und zurück (Richtung Santiago) und so ganz ohne Asphalt geht's da auf keinem Abschnitt. Allerdings wurde die VF vor einigen Jahren pilgerfußfreundlicher ausgeschildert, d. h., viele Strecken, die früher an Straßen entlang geführt wurden, gehen jetzt etwas mehr durch die Natur - natürlich mit kleinen und größeren Umwegen. Ganz krass ist das z. B. kurz vor Rom geschehen (Etappe La Storta bis zum Monte Mario), da ging ich noch vor und zurück an der vierspurigen Via Trionfale - z. T. ohne Bürgersteig - entlang. Inzwischen geht man durch den Parco Insugherata und kann so im Grünen bleiben.

Auch die Etappen vor la Storta sind übrigens überhaupt nicht städtisch und asphaltlastig. In meinen Vorträgen zeige ich immer Fotos, da könnte ich irgendwo in einem Urwald stehen, fern von jeglicher Zivilisation, mitten in der Natur. Und die Leute sind immer total von den Socken, wenn sie hören, dass ich mich da 20 km vor Rom befinde :) Man kann also auch ab Siena oder Lucca bis Rom pilgern und ne schöne Zeit haben. Hier wird man wohl auch die meisten Pilger treffen.

Natürlich sind die beeindruckendsten Etappen (wenn man die Berge liebt) die Abschnitte über den Großen Sankt Bernhard ins Aostatal (dafür ist Mai aber etwas zu früh). Oder der toskanische Abschnitt über den Cisa-Pass, etwa bis Siena. Die Emilia Romagna (das Stück ab dem Po vor dem Cisa-Pass), hat mich sehr an die Schweiz erinnert, etwas flacher zwar aber mit Biodiversität in ihrer ganzen Mannigfaltigkeit, wie es sie bei uns kaum mehr gibt. Wunderschön.

Hach ja, du siehst, ich könnte mich kaum entscheiden :) Sogar die die Etappen durch die Reisfelder (mesetaähnlich ohne Buckel, ohne Schatten, ohne Touristen, mit rudimentärer Infrastruktur) und meine Lieblingsstadt Pavia liegen mir am Herzen. Ich hab dort so viel erlebt und so viel gelernt.

Irgendwie hab ich grad das Gefühl, du weißt jetzt auch nicht mehr als vorher. Deshalb hier noch der Link zu Efrén. Er hat ab Canterbury bis Rom jede einzelne Etappe gefilmt. Vielleicht machen dir seine Videos genau so viel Freude wie mir :)

Efrén González

Und - bitte schreib doch noch ein bisschen was zu deinem Franziskusweg! Das bringt immer so schöne Erinnerungen zurück. Ich würd mich sehr freuen!

LG,
Andrea

wanderer
Beiträge: 27
Registriert: 16. Jul 2019, 08:43

Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von wanderer » 12. Feb 2020, 17:08

Auch Bertram , hier aus unserem Pilgerforum , hat einen wunderschönen Film gemacht über ihren Weg von Lausanne nach Rom Mai / Juni 2016 . Ich war zufällig ein /zwei Tage vor ihnen unterwegs und hatte es genossen mir den Weg anschliessend nochmal" anschauen " zu können !
Mai / Juni 2019 bin auch ich Florenz - Rom gegangen. Beide Wege waren einzigartig , schwer zu vergleichen . Die Via hat auf jeden Fall weniger Naturweg .
Ich würde aber jeder Zeit beide Wege nochmal gehen !
Vielleicht hilft dir ja der Film von Bertram eine Entscheidung zu treffen !

https://www.youtube.com/channel/UCYt7wb ... GrUbgJqFBg

Benutzeravatar
donjohannes
Beiträge: 72
Registriert: 21. Jul 2019, 21:40

Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von donjohannes » 13. Feb 2020, 15:20

Ich kenn nur den Abschnitt vom Aostatal bis nach Lucca, den ich rückwärts am Weg heim von Jerusalem gelaufen bin. Aber wenn es Italien sein soll, dann gibt es auch noch mehr Möglichkeiten - manche landschaftlich auch sehr reizvoll - die sich gut in 2,5 Wochen machen lassen. Zum Beispiel:

Der Benediktsweg (deutsch Version der Seite vorhaben, aber muss eine automatische Sache sein)
https://www.camminodibenedetto.it
Wanderführer hier: https://www.tyroliaverlag.at/list/9783702233402
Mit Nursia - leider durch Erdbeben vor ein paar Jahren stark zerstört - Subiaco und Monte Cassino ein paar der für die Kultur Europas bedeutsamsten Stätten. Asphaltfrei ist der Weg (bin ihn rückwärts gegangen) leider nicht.
Österreich -Santiago 1998
Liechtenstein - Jerusalem und zurück 2013-14 (http://www.4kmh.com/neo)
Triest - Cannes (Via Alpina Sacra) 2018 ( http://www.4kmh.com/vas )
Aktuell: Erde - Himmel (Hindernislauf): begonnen 1978 - Ziel noch in weiter Ferne

Benutzeravatar
Via2010
Beiträge: 244
Registriert: 16. Jul 2019, 16:08
Wohnort: Eifel

Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Via2010 » 13. Feb 2020, 16:34

Hallo Jole,

bei zwei Wochen Via Francigena würde ich vielleicht Aosta-Piacenza machen, da kann man dann später wieder gut weitermachen. Es kommt jetzt auch ein aktueller Rother-Führer raus. Ansonsten gibt es da auch Apps und Planungstools.
https://www.viefrancigene.org/de/mappe/

Etwas Italienisch sollte man für die Unterkunftsreservierung schon können. Vororganisierte 2-wöchige Reisen gibt es m. W. für das Teilstück Siena-Rom.

Den Benediktsweg - Cammino di San Benedetto - wollte meine italienischen Freunde letzten Sommer gehen. Da läuft aber ohne Vorbuchung nichts, die Unterkünfte sind relativ teuer und waren letzten Sommer auch bereits langfristig ausgebucht. So sind sie dann den Camino Sanabrés in Spanien gelaufen.

BC
Alexandra

Shabanna
Beiträge: 448
Registriert: 16. Jul 2019, 15:10
Kontaktdaten:

Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Shabanna » 13. Feb 2020, 19:15

Via2010 hat geschrieben:
13. Feb 2020, 16:34
Hallo Jole,

bei zwei Wochen Via Francigena würde ich vielleicht Aosta-Piacenza machen, da kann man dann später wieder gut weitermachen.
Mutig, diesen Abschnitt zu empfehlen. Aber ich liebe ihn auch. Da scheinen wir schon zu zweit zu sein :)

So ab Ivrea wird's spannend (oder eben nicht :)). Italienische Pilger trifft man da kaum mehr. Die erklären einen für verrückt und steigen nach der Po-Ebene wieder ein ;) Aber auch mein Mitpilger hat dort aufgegeben und wollte "ein paar Etappen mit dem Zug fahren" ...

LG,
Andrea

P.S.: Wir sind schon zu fünft! ;)
https://youtu.be/OyCZv5R3RT8

Jole
Beiträge: 2
Registriert: 11. Feb 2020, 22:37

Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Jole » 16. Feb 2020, 20:07

Guten Abend,
vielen lieben Dank für Eure Antworten. Allerdings hat Andrea völlig recht - irgendwie bin ich nicht so wirklich schlauer.

Hatte mir mal den Outdoor Reiseführer besorgt. Dieser mag hilfreich sein, wenn man unterwegs ist und die Info braucht, an welcher Milchkanne man links abbiegen muß. Aber um einen Eindruck von Gegend, Landschaft und Menschen zu bekommen, hat er nicht viel zu bieten.

Die Tips zu Aosta-Piacenza und Ivrea verstehe ich nicht. Was ist mutig an dem Abschnitt? Warum wird es ab Ivrea spannend (oder auch nicht)?

Mit wäre es wichtig, einen Abschnitt zu finden, wo man zumindest nicht so viel an Hauptstrassen langläuft. Am Franziskusweg haben mir besonders die Abschnitte fern ab von der Zivilisation gefallen. Von Stia nach Camaldoli, der Zauberwald vor La Verna, Citerna, Pieve del Saddi und und und .... Je weiter ich jedoch Richtung Rom kam, desto mehr Straßenkilometer waren auch dabei. Wenn es so etwas ähnliches gar nicht gibt, ist die Via Francigena ja vielleicht auch nicht das Richtige!?

Gut wäre auch, einen Startpunkt zu haben, wo man möglichst mit dem Zug hinkommt. Fliegen möchte ich nicht so gerne (da gibt es ja auch ein Kapitel zu hier im Forum).

Also, wäre über weitere Ratschläge sehr dankbar. Werde parallel natürlich weiter recherchhieren.

LG - Jochen

Benutzeravatar
Gertrud
Beiträge: 42
Registriert: 14. Aug 2019, 15:35

Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Gertrud » 16. Feb 2020, 21:57

wie wäre dann mit dem Cammino di Sant‘Antonio von Padua (gut mit dem Zug zu erreichen) nach La Verna? Ab Bologna nur noch Natur pur.
viewtopic.php?f=30&t=401.

Zum Cammino di San Benedetto: die Wegführung wurde auf einigen Etappen komplett weg von Asphalt auf Naturwege geändert. Und mit dem Pilgerausweis gab es erhebliche Nachlässe. Ich bin diesen Weg im Mai 2019 gegangen.
LG Gertrud

Shabanna
Beiträge: 448
Registriert: 16. Jul 2019, 15:10
Kontaktdaten:

Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Shabanna » 16. Feb 2020, 22:40

Hey Jochen,

die Via Francigena beginnt in Canterbury in England, geht dann durch Frankreich (kaum Pilger-Infrastruktur), dann am Genfer See in die Schweiz, über den Großen St. Bernhard Pass nach Italien ins Aosta-Tal, dann durch die Po-Ebene (Vercelli, Pavia, Piacenza), weiter in den Apennin (Cisa-Pass, Pontremoli) hinunter ans ligurische Meer in die Toskana (hier geht's durch die ganzen bekannten schönen, aber auch touristischen Orte wie Lucca, San Gimignano, Siena) und schließlich ins Latium (Montefiascone, Viterbo) nach Rom.

Wenn du dir das mal auf einer Karte anschaust, verstehst du auch sofort, warum es ab Ivrea spannend wird (oder eben nicht). Dort ist es über lange Etappen einfach nur flach und schattenlos, über Tage läuft man kreuz und quer durch Reisfelder. Ansonsten gibt's da nicht viel zu sehen, deshalb gibt's da auch wenige Touristen. Das kann man hassen oder lieben, die meisten finden das hart - im Sommer auch sehr, sehr heiß - und eintönig. Deshalb hab ich dir auch Efren verlinkt ... da kann man genau das z. B. ganz deutlich sehen und fühlen.

Davor sind die Berge (Großer St. Bernhard Pass), das ist eine irre schöne Strecke, aber teuer (da teilweise noch in der Schweiz) und vor Höhenmetern darf man keine Angst haben. Mai ist hier zu früh, da es dort oben noch Schnee hat.

Nach der Po-Ebene im Apennin ist es auch bergig, aber natürlich nicht mit dem Großen Sankt Bernhard Pass zu vergleichen. Hier hast du eventuell die meisten Etappen, die mit den von dir genannten Abschnitten auf dem Franziskusweg vergleichbar wären.

Mit dem Zug kommst du auf der VF (fast) überall hin.

Natürlich kann es sein, dass die VF für dich nicht das Richtige ist. Es gibt so viele tolle Wege.

LG,
Andrea

P.S.: Ach, jetzt schnackelt's grad bei mir. Ich glaube, ich erinnere mich an dich ...

Benutzeravatar
Gertrudis
Beiträge: 141
Registriert: 15. Jul 2019, 23:35
Wohnort: Hohenpeißenberg

Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Gertrudis » 16. Feb 2020, 22:58

Wenn Dir die einsamen Abschnitte auf dem Franziskusweg gut gefallen haben - so, wie mir übrigens auch :D - könntest Du vielleicht den Weg nach dem Buch von Angela Maria Seracchioli weitergehen - nicht nach Rom, sondern nach Poggio Bustone und dann durch die Berge weiter auf dem Erzengel-Michael-Weg...
Wir sind letzten Sommer bis zur Romita di Cesi gekommen und laufen im Juni dort ca. 8 Tage weiter (eine "Runde" ab Narni, das ist mit der Bahn - Öbb Nightjet etc. - von München aus ganz einfach zu erreichen)

Liebe Grüße
Gertrudis

Antworten