Schottland

Weitere Pilgerwege in Europa
Antworten
Benutzeravatar
Liebhabdich
Beiträge: 14
Registriert: 15. Jul 2019, 19:48

Schottland

Beitrag von Liebhabdich » 4. Nov 2019, 17:22

Möchte 2020 diesen Weg gehen ohne Muschel.
Da wo diese fette Schlange im Wasser sitzt,
auf Pilger wartet. Gummibären verteilt, dann wieder untertaucht.

Hat da jemand Karten Reiseführer über

Die liegen oft so rum im Regal oder so.
Ich würde sie haben wollen!?!

Liebhabdich

Shabanna
Beiträge: 175
Registriert: 16. Jul 2019, 15:10
Kontaktdaten:

Re: Schottland

Beitrag von Shabanna » 4. Nov 2019, 20:18

Hey Liebhab,

du meinst Loch Ness? :) Das wäre dann der Great Glen Way. Da frag mal Kruemel, der war da schon.

Den Weg, den die meisten gehen, ist wohl der West Highland Way. Der lässt sich auch verbinden mit dem Great Glen Way, so dass du auf jeden Fall beim Ungeheuer vorbeischlappen könntest :-)

Reiseführer zum West Highland Way hab ich, brauch ich aber selber noch :D

LG & viel Spaß beim Planen!

Andrea

Benutzeravatar
Liebhabdich
Beiträge: 14
Registriert: 15. Jul 2019, 19:48

Re: Schottland

Beitrag von Liebhabdich » 5. Nov 2019, 09:06

West Highland Way. Genau so isses. Den wollen wir gehen.

Also wenn jemand gute Tips hat. Auch gern nette Unterkünfte Infos oder Karten. Dann gern her damit.

Liebhabdich freut sich.


Wir fahren mit unserem Bus von Amsterdam nach Newcastle per Fähre. Lassen dann das Teil da stehen.
Zurück mit dem Zug. Dann in den Norden fahren. So grob ein Plan.

Benutzeravatar
CyrusField
Beiträge: 45
Registriert: 10. Sep 2019, 11:02
Wohnort: Aachen
Kontaktdaten:

Re: Schottland

Beitrag von CyrusField » 5. Nov 2019, 13:19

Der Vorteil in Schottland ist das Jedermannsrecht - man darf also überall auf öffentlichem Land (d.h. nicht bewirtschaftet oder eingezäunt) zelten. Zelten, nicht campen! Am nächsten Morgen muss man also wieder weiter ziehen. Man braucht vom Weg aus gar nicht mal weit zu gehen und kann sein Zelt inmitten wunderschöner Natur aufschlagen, wenn man möchte auch völlig alleine. Weiterer Vorteil ist, dass die Etappen auf die Weise wirklich vollkommen frei einteilbar sind.

Aber an Loch Ness kommt man auf dem WHW nicht vorbei ;)

Ich habe letztens gesehen, dass Wikinger-Reisen eine Tour mit vorgebuchten Bead&Breakfast und Gepäcktransport anbietet. Auch wenn das nichts für dich ist, könntest Du die Etappenplanung von dort zumindest als Anhaltspunkt nehmen. Vom Outdoor-Verlag gibt es auch eines der typischen gelben Bücher.

Der Weg lohnt sich auf jeden Fall! Ich empfehle, vorher noch einen Tag in Glasgow, vielleicht sogar noch einen Extratag in Edinburgh einzulegen. Am Ende des Weges lohnt ein Tagestrip nach Glenfinnan, Oban, Mull oder Skye. Zum Loch Ness nimmt man am besten den Bus nach Inverness (oder läuft wie schon erwähnt den Great Glen Way).


Grüße und ganz, ganz viel Spaß
Stefan
Harrison Ford hat den verlorenen Schatz gejagt,
Michael Douglas den grünen Diamanten und das Juwel vom Nil,
Wallace und Gromit das Riesenkaninchen.
...und ich jage die gelbe Muschel. :geek:

Benutzeravatar
Kruemel
Beiträge: 59
Registriert: 17. Jul 2019, 17:10

Re: Schottland

Beitrag von Kruemel » 5. Nov 2019, 18:44

Ich kenne ja nur die Verlängerung - den Great Glen Way - wir unterhilten uns bereits darüber.
Ich empfehle unbedingt wenn du in Fort Williams bist auch den Ben Nevis zu erklimmen ;) Also unbedingt einen Extratag einplanen und den Berg nicht unterschätzen, der ist nicht Ohne.

Hier noch mal mein Bericht zum GGW. Hatte ich damals im alten Forum auch drin.

Entgegen meinem ursprünglichen Plan den West Highland Way zu gehen, war ich ja nun vom 20.05. – 01.06.16 in Schottland und unter anderem auf dem Great Glen Way unterwegs.
Bei meinen Vorbereitungen habe ich mich am Outdoor „Schottland: Western Highlands“ von Doris Dietrich und Anja Vogel an der 2. überarbeiteten Auflage von 2015 orientiert.

Gründe warum ich vom WHW zum GGW gewechselt habe, waren zum einen des Zerschlagen der kleine Gruppe, mit welcher ich eigentlich unterwegs sein wollte und zum anderen, dass mir der WHW bei meiner Planungen doch recht überlaufen schien und es spontan und dann aber auch auf Nachfrage sehr schlecht mit Unterkünften war.

Vorab: auf dem GGW hatte ich keine Probleme mit Midges (den kleinen schottischen Stechmücken) oder Bettwanzen (trotz sehr unterschiedlicher Unterkünfte) aber 4 Holzböcke.

Die kompletten Kosten für die 12 tägige Reise betrugen 800 €.

Die Anreise war am 20.05. mit dem Flugzeug von Berlin Schönefeld nach Glasgow. Die geplante Weiterreise mit dem Bus nach Fort William funktionierte leider nicht (Bus war bereits ausgebucht) aber mit der Nummer 500 rein in die Stadt und von dort mit dem Zug nach Fort William. Es war eine sehr schöne Zugfahrt, bei welcher man die schöne schottische Natur genießen konnte und unwahrscheinlich viel Wild zu sehen war. Die Busfahrt hätte ca. 32 Pfund gekosten – beim Zug waren es 56 Pfund.

Für Reisen innerhalb Schottlands gibt es eine wirklich gute Internetseite:
www.travelinescotland.com und ich würde beim nächsten Mal die Bustickets im Voraus online kaufen.

Der GGW ist einer der wenigen durchgängig gut markierten Wegen in Schottland und man bedarf keinerlei Karten, Kompass oder gutem Orientierungssinn. Überwiegend an blauen Holzpfeilern mit einer Diestel darauf, ist er zu erkennen.

In Fort William befindet man sich nicht nur am Ausgangspunkt vom GGW sonder auch am Fuße von Schottlands höchstem Berg - dem 1345 m hohem Ben Nevis. Für eine Besteigung sollte man sich aus meiner Sicht unbedingt einen Tag mit einplanen. Auch bei sehr vielfältigem Wetter, so wie es bei mir war, ist er definitiv einen Aufstieg wert. Ich habe für die wirklichen 1345 m rauf und wieder runter 7 h gebraucht und hatte dabei Sonnenschein, Nieselregen, Starkregen, wolkenverhangene Bereiche, Schneefelder und auf den letzten 100 Höhenmetern auch eine komplette Schneedecke von ca. 1 m Stärke. Die Temperaturen schwankten zwischen 17 °C Plus und 7°C Minus. Ich bin auf einem Sonnabend auf den Berg und es war schon recht voll. Auf dem Parkplatz unterhalb des Berges standen viele Autos von Tagesgästen und es waren auch Schulklassen unterwegs. Ich könnte mir vorstellen, dass es in der Woche ruhiger zu geht.

Beim Abstieg verlor ich leider eine Sohle meiner geliebten Trekkingsschuhe und stand nun vor der Frage: Laufe ich nur mit der Untersohle weiter, lass ich sie in Fort William reparieren oder kaufe ich neue? Schon mal vorab – ich hab mich für das Falsche entschieden. Reparieren ging in Fort William nicht und da ich etwas Sorge vor dem schottischen Wetter (viel Regen) hatte, entschloss ich mich für Neue (40 Pfund). Meine Alten habe ich da gelassen, da ich nicht unnötig Gewicht mit mir rumschleppen wollte.

Der GGW ist laut Outdoor in 7 Etappen aufgeteilt. Meine Planung war jedoch, es in 6 zu schaffen – in 5 sollte es auch gut gehen. Insgesamt ist der Weg nur gut 120 km – also keine wirkliche Herausforderung was die Länge angeht.

Meine erste Etappe führte mich von Fort William über das eigentlich Tagesziel Gairlochy (hier gab es aber keine Unterkunft) zum etwa 5 km vom Weg entfernten Spean Bridge. Ein kleines B&B am Ortseingang war meine Unterkunft nach ca. 22 km Weg. Diese erste Etappe geht fast ausschließlich am so genannten Caledonian Canal entlang –ein Verbindungskanal zwischen dem Altlantik und der Norsee. Keine Höhenmeter und immer ein paar Segelbote in Sicht. Rechts traumhafte Ansichten auf den Ben Nevis und seine umgebenden Berge. Zum Ende des Tages gab`s dann aber schon mal die erste Blase.

Die zweite Etappe sollte eigentlich bis zum kleinen Ort Laggan am nördlichen Ende des Loch Lochy führen. Für diesen Ort hatte ich jedoch im Vorfeld keine Unterkunft finden können und so hab ich mich entschlossen am Ufer des Loch Lochy in einer provisorischen halb offenen Holzhütte zu schlafen. Gute Isomatte und guter Schlafsack waren wichtig, denn die Temperaturen fielen auf 5 °C in der Nacht. Ein paar Höhenmeter gab es, aber es ging nie über mehr als 50 m über 0. Bei den ca. 16 km habe ich feststellen können, dass man bei Blasen auch wunderbar mit Crocs laufen kann. Wichtig war es für diesen Tag, genügend Wasser dabei zu haben. Als ich feststellen musste, dass dies bei mir nicht der Fall war, musste ich mich vom Wasser welches links von den Bergen kommt bedienen. Hierbei ist es wichtig darauf zu achten kein Wasser zu nutzen, welches möglicherweise durch den Kot der weidenden Schafe verunreinigt wird. Da hier die Berge jedoch sehr steil aufragen, war mit weidenenden Schafen weniger zu rechnen.

Die dritte Etappe war wieder mit ca. 25 km etwas länger und endete in Fort Augustus am südlichen Ufer des Loch Ness. Hier ging es erst sehr abwechslungsreich am rechten Ufer des Loch Oich entlang. Ein schmaler romantischer Weg direkt am Ufer – schade das rechts davon etwas höher gelegen ein neuer Weg – sicher für die vielen Radfahrer – angelegt wird. Dadurch wurde der Baumbestand dezimiert und es sieht natürlich nicht mehr ganz so idyllisch aus. Dann folgt man wieder ein Stück dem Caledonian Canal bis man Fort Augustus erreicht. Fort Augustus ist ein kleiner aber von Touristen sehr belebter Ort. Hier gibt es wieder mehrere Schleusen für die Boote und des herrscht ein reges Getümmel.

Gleich hinter Fort William eröffnet sich an der linken Uferseite des Loch Ness eine erste wirkliche Wegalternative. Entweder man geht ziemlich in Ufernähe im Wald oder man steigt sehr steil auf etwa 400 Höhenmeter an und läuft dann oberhalb der Baumgrenze auf weit hin sichtbarem Gelände. Ich entschied mich bei meiner vierten Etappe für den oberen Weg und war begeistert von der tollen Aussicht die sich mir bot. Allerdings ist hier der Wind natürlich immer etwas rauer und die Temperaturen bewegten sich bei 6 °C und ich kam immer wieder zwischen die Wolken. Eigentlich hätte es diesen Tag wieder bis zum ca. 2o km entfernten Altsigh führen sollen, aber da ich dort wieder keine Unterkunft hatte, schaute ich ab Invermoriston nach einem Fleckchen für mein Zelt. Auch hinter Invermoriston gibt es wieder einen Alternative was die Wegführung anbelangt. Entweder auf 500 m oder bis max. 200 m rauf und durch den Wald. Da man oberhalb der Baumgrenze nur schwer eine passende Zeltstelle findet (zu moorig, nass, kalt, windig) hab ich mich diesmal für den unteren Weg entschieden und einen tollen Platz am sogenannten „Ston Seat“ gefunden. Mein Einmannzelt passte da gerade so hin und ich hatte einen traumhaften Ausblick auf Loch Ness und Umgebung. Zwischenzeitlich hatten sich noch zwei weitere Blasen zwischen den Zehn und jeweils eine an den Fersen gebildet und ich lief immer mal abwechselnd mit den neuen Schuhen oder den Crocs.

Ab der fünften Etappe (ca. 23 km) wird es etwas mehr mit dem Auf und Ab. Es geht immer mal auf ca. 300 m rauf und teilweise auch wieder sehr steil runter. Meine Knie sind mir immer wieder dankbar, dass ich für solche Strecken die Stöcke dabei habe. Immer wieder hat man tolle Ausblicke auf Loch Ness und die gegenüberliegende Berge. Drumnadrochit als Tagesziel ist wieder ein von Tagesgästen sehr heimgesuchter Ort in welchem sich das sehr bekannte Loch Ness Exhibition Center befindet. Hier lohnt auf alle Fälle ein Besuch des ca. 3 km entfernten Urquart Castel.

Auf meiner letzten (sechsten Etappe) ging es dann gut 30km bis nach Inverness. Jetzt führte der Weg mehr ins Landesinnere, weg vom Loch Ness und man ist lange auf einer Hochebene auf etwa 300 m unterwegs. Die Landschaft verändert sich – ist nicht mehr so bergig und nach Inverness geht es wieder steil bergab. Zwischendurch gibt es im Abriachan Forest nach ca. 12 km einen sehr einfachen Zeltplatz. Hier wollte ich aber nicht übernachten – da mir der Weg einfach viel zu kurz war.

Einen Tag brachte ich dann noch in Inverness zu und zwei weitere in Glasgow bevor es wieder heim ging.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass es ein sehr abwechslungsreicher Weg ist, mit viel Wasser in unmittelbarer Nähe. Den Ben Nevis sollte man unbedingt immer mit nehmen. Ob es am Anfang wie bei mir unbedingt die richtige Wahl ist kann ich schwer sagen. Der Weg ist sowohl von Inverness nach Fort William oder eben wie ich ihn gegangen bin unproblematisch zu finden. Was mir besonders gefallen hat war der viele Ginster am Wegesrand – der durftet wundervoll und seine gelben Blühte sehen sehr, sehr schön aus. Vielen Menschen begegnet man nur in den Orten. Auf dem Weg selber habe ich manchmal Niemanden gesehen. Der GGW ist in Fort William, Fort Augustus und Inverness „Umschlagplatz“ für vielerlei Urlauber und Kreuzpunkt von Wanderern und Radfahrern.
Mit dem Wetter hatte ich bis auf den ersten Tag immer Glück und es wurde Richtung Inverness (20 °C) auch immer wärmer.
Was ich für mich gelernt habe – ich kann auch mit Blasen gut laufen - nur lange Pausen sollte ich damit nicht machen – das Loslaufen ist echt schwer.
Der Outdoorführer von 2015 ist nicht aktuell. Nicht ansatzweise alle Unterkünfte sind aufgeführt (auch in den kleinen Ortschaften gibt es immer mal die Möglichkeit zu übernachten) und Wegalternativen wie sie mir mindestens 3x aufgefallen sind, sind gar nicht erwähnt. Ebenso würde ich mir einen Hinweis auf die sicherlich noch mehr am Weg vorhandenen Notunterkünfte wünschen.
Im Gegensatz zu Spanien ist es ein sehr sauberer Weg gewesen. Man hat auch die Möglichkeit in Fort William oder auch in Inverness (je nachdem von wo man aus startet) einen Toilettenschlüssel für 5 Pfund Pfand bei der Touristeninformation zu erwerben und dann die Toiletten (ich habe 5 davon auf dem Weg gesehen) zu nutzen.
Meine Kosten für Unterkünfte lagen zwischen 13 und 45 Pfund pro Nacht – mal mit, mal ohne Frühstück, mal im Doppelzimmer allein und mal im Mehrbettzimmer bis max. 8 Personen.
Der Weg wäre ohne Probleme (da kein Regen) auch mit meinen alten Schuhen gegangen – bis auf wenige Abstiege könnte man den kompletten Weg durchaus auch mit Crocs laufen.
Würde ich den Weg noch mal gehen, würde ich mir max. eine Unterkunft vorbuchen und im Fall, dass ich nichts Weiteres unterwegs finde, immer auf das Zelt zurück greifen. Mir waren die Etappen oft einfach zu kurz – von daher war ich froh den Ebookreader dabei gehabt zu haben.

Wer also nicht so viel Zeit hat, einen landschaftlich sehr reizvollen und abwechslungsreichen, physisch nicht fürchterlich schweren Weg gehen möchte und dabei auch noch (zumindest zwischen den Hauptorten) Ruhe sucht, dem kann ich den GGW wirklich empfehlen.

Antworten