[Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

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Transalper
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Transalper »

Hallo Chris,
lese sehr gerne deine Tagebucheintragungen, lustig, informativ.
Hoffentlich hattest du schönes Wetter in Santiago.
Bin gespannt wo es demnächst hingeht.
BC
Beate
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Hoib3rgA
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Hoib3rgA »

Zusammenfassung zum CGA
Der „Caminho Da Geira e dos Arrieiros“, kurz „CGA“ hat es wirklich in sich. Landschaftlich ein wirklich schöner Weg, allerdings durch die vielen Höhenmeter, und teilweise recht langen Etappen, auch sehr kräftezehrend.
  • Zeitraum: 01. Mai bis 10. Mai '26
  • 10 Gehtage, davon 8 mit Regen
  • Temperaturen von 6°C bis 16°C
  • 256,8 km
  • 5.978 hm ⬆️
  • 5972 hm ⬇️
  • Schritte Gesamt: 364.434
  • andere Pilger getroffen: 4 (davon gingen 2 allerdings den CMR - der CGA und CMR teilen sich einige Etappen)
(km und hm jeweils getrackt auf dem Weg)


Allgemeines:
Der CGA wird nicht umsonst der „Primitivo Portugals“ genannt, denn von den Höhenmetern her sind beide Wege fast auf den Meter gleich. Auf dem CGA erreicht man die Summe von rund 12.000 Höhenmeter jedoch auf (offiziell) 239km, wohingegen der Primitivo sich etwa 310km dafür Zeit nimmt.
Wichtig zu wissen ist, dass auf dem Streckenabschnitt nach Caldelas für etwa 25km lang keinerlei Verpflegungsmöglichkeit besteht! Hier muss man sich also vorab irgendwie eindecken. Auch sonst sind die Abschnitte, ohne eine Möglichkeit sich Verpflegung zu holen, manchmal recht lang, 12 bis 15km ohne Einkehrmöglichkeit (direkt auf dem Weg) sind keine Seltenheit.

Einige der Wegstrecken teilt sich der CGA mit dem CMR, dem „Caminho Minhoto Ribeiro“. Die Beschilderung ist an sich wirklich gut, man kommt theoretisch ohne GPS-Tracks zurecht. An einigen Stellen war ich dann aber durchaus froh, mal eben einen Blick aufs Handy werfen zu können, ob ich denn richtig gehe. Die Wegmarkierungen sind teilweise etwas unglücklich gesetzt, z.B. fehlt an Kreuzungen oder Weggabelungen hin und wieder eine Markierung. Wobei „fehlt“ ist nicht ganz richtig, denn meist kommt 20m oder 50m weiter eine Markierung. Aber eben nicht an der Stelle, wo die Markierung sinnvoll und hilfreich wäre.
Schön wäre natürlich auch eine Bestückung des Weges mit den typischen Monolithen, welche neben der Richtung auch die noch zu gehenden Kilometer anzeigen.

Sprache:
Sprachlich sollte man hier eine Möglichkeit finden, sich irgendwie zu verständigen, denn mit Englisch kommt man meistens nicht wirklich weit. Es waren zwar wirklich die meisten Leute sehr bemüht, und irgendwie hat auch alles immer geklappt, dennoch musste mir hin und wieder eine App zum übersetzen Hilfe leisten.

Übernachtungsmöglichkeiten:
Unterkünfte gibt es, aber man sollte sie am besten im voraus reservieren. Herbergen, sprich Albuerges sind nur sehr vereinzelt auf dem Weg zu finden, was nicht ganz so schlimm ist, da einige Hotels und Pensionen Sonderpreise für Pilger geben. Das man wirklich auf einer historischen Route unterwegs ist, merkt man spätestens beim Versuch die Unterkünfte via Booking oder über deren Internetseite zu reservieren.
  • Viele Unterkünfte haben keine Webseite, und
  • sind auch nicht bei Booking gelistet,
  • bei manchen kann man via WhatsApp reservieren, was die Kommunikation vereinfacht.
  • Ein Hotel war dabei, da musste man noch ganz klassisch auf dem Festnetz anrufen … und die Reservierung in spanischer Sprache tätigen.
Auch wichtig zu wissen ist, dass manche Unterkünfte erst gar nicht öffnen, wenn sie keine Reservierung haben! Der Betreiber meiner Unterkunft in Feás wohnt z.B. im 90km entfernen Vilanova de Arrousa. Liegt für die Unterkunft in Feás keine Reservierung vor, ist da auch niemand vor Ort um „spontan ein Bett zu vergeben“.

Auch wichtig ist, dass es in Feás, ein mögliches Etappenziel, mittlerweile KEIN Restaurant mehr gibt! Auch einen Supermarkt oder ähnliches sucht man vergebens! Zwei Frauen sind gerade dabei, in diesem Ort eine Herberge aufzubauen, dort kann man dann auch zusammen mit den Damen essen. Als ich dort war, war die Herberge allerdings noch mehr Baustelle als Herberge. Die Herberge, bzw. die beiden Damen sind mit dem Account "losangelesdelcaminofeas" auf Instagram zu finden.

Zeitzonenwechsel von Portugal und Spanien:
Und da ich gerade bei den Reservierungen der Unterkünfte bin, sprich bei der Etappenplanung, da sollte man auch ein Auge darauf haben, dass man auf dem CGA zweimal die Grenze von Portugal nach Spanien überquert. An sich klingt das unbedeutend, aber zwischen Spanien und Portugal liegt eine Stunde Zeitunterschied! Bei jeder Grenzüberschreitung von Portugal nach Spanien „verliert“ man eine Stunde Gehzeit! Überquert man diese Grenze um 15 Uhr, springt die Uhr direkt um auf 16 Uhr! Gerade bei langen, bergigen Etappen, kann einem da schnell mal die Zeit davonrennen.

Wetter:
Dass es in Galizien gerne mal bis tief in den Mai hinein regnet, ist jetzt nichts Neues. Auf dem CGA muss man sich aber bewusst sein, dass man in den Bergen unterwegs ist! Und wenn es auf dem CP da Costa schon 25°C und Sonnenschein hat, hat es hier in den Bergen gerne mal nur 10°C und Regenschauer. Sergio, einer der Unterkunftsanbieter meinte, als wir abends zusammen saßen, dass es hier eigentlich erst im August trocken wird, da ist man dann bei maximal einem Regentag. In den vorherigen Monaten ist Regen hingegen keine Seltenheit, sondern eher schon an der Tagesordnung.

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Mein Fazit zum CGA:
Wer die Ruhe und Einsamkeit sucht, ist hier genau richtig aufgehoben. Wenn man zufällig mal auf einen anderen Pilger trifft, kann man durchaus ein Kreuz im Kalender machen.
Dieser Camino wächst zwar in der Beliebtheit ganz langsam an, aber um ihn wirklich populär zu machen, muss sich an der Infrastruktur noch einiges ändern. Teilweise gäbe es durchaus Orte mit einer Bar oder ähnlichem, der Camino schlängelt sich aber mit etwa 1 km Abstand durch die Natur. Das macht den Weg durchaus sehr schön, auf der anderen Seite aber auch sehr anspruchsvoll, was die Verpflegung angeht. Dieser Camino führt durch einige verlassene Dörfer, was den Aufbau einer Infrastruktur auf dem Weg nicht leichter macht.

Schlußgedanken:
  • Alles in allem hat mir der Weg wirklich gut gefallen.
  • Würde ich etwas anders machen, als dieses Mal? - Definitv ja
  • Würde ich den Weg weiterempfehlen? Age- Unter Vorbehalt, ja.
  • Würde ich den Weg nochmal gehen? - Generell ja.
Eine Einteilung der Etappen auf rund 11 bis 13 Gehtage ist sicher sinnvoll, auch wenn ich ihn vermutlich wieder in zehn Etappen gehen würde.
Zuletzt geändert von Hoib3rgA am 21. Mai 2026, 23:12, insgesamt 2-mal geändert.
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Caminista
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Caminista »

Danke Chris für Deinen informativen und unterhaltsamen Bericht. Das scheint ja noch einer der Wege zu sein, auf denen man ohne großen Trubel nach Santiago reinkommt. Was die Infrastruktur betrifft, so finde ich die nach Deinen Berichten eigentlich als recht komfortabel. Auf den meisten Wegen gibt es weniger, wenn man mal von der Handvoll an Pilgerautobahnen absieht...
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Hoib3rgA
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Hoib3rgA »

11.05.2026 Mein Pausentag in Santiago

Als ich gegen 9:30 Uhr wach werde, ist das ganze Zimmer feucht. Die Wäsche? Natürlich auch. Ein wenig döse ich noch im Bett, um dann zu realisieren „oh Mist, ich wollte doch um 12 Uhr in die Pilgermesse!“, und vorher etwas frühstücken wäre eine gute Idee.

Gleich um die Ecke ist eine Bäckerei, mit einer sehr köstlichen Auslage an Süsskram, wovon ich mich sehr schnell beeinflussen lasse, und mir sogleich im Laden einen Platz suche. Von diesen ganzen süßen Leckereien überfordert, bestelle ich mir "Brot mit Schinken". 🤷🏼‍♂️

Gegen 11 Uhr bin ich an der Kirche, und suche mir einen Platz im Seitenschiff direkt am Eingang. Meinem Empfinden nach ist die Kathedrale noch ganz schön leer, es sind noch wirklich jede Menge Plätze frei. Auch musste ich nicht wirklich anstehen. Einer des Sicherheitsdienstes betritt den Altarbereich, stellt sich ans Mikrofon, und kurz darauf ertönt ein „sssssssscht, Silencio — La visita esta Silencio — Silencio, por favor — Gracias“
Bei der dritten Durchsage spreche ich den Text schon mit, bei der vierten sage ich ihn in Gedanken schon auf, als der Herr den Altarbereich betritt. 🙈
Ehrfürchtig hängt das Botafumeiro über dem Voraltar, wartend auf seinen Einsatz. „Wenn aber so wenig los ist wie heute, wird das Weihrauchfass heute aber einen Ruhetag einlegen“ ist ein Gedanke, der mir durch den Kopf geht. Eigentlich schade, denn ich hätte das schwingende, rauchende Fass wirklich gerne mal im Einsatz gesehen. Da der Einsatz aber 400€ kostet, und bei so wenigen Besuchern, diese Summe an Spenden sicher nicht zusammenkam, wird es wohl ein Wunsch für den nächsten Camino bleiben, das Botafumeiro schwingen zu sehen.
Direkt links neben mir ist die Sakristei. Diese entdecke ich auch eher zufällig, da sich hinter einer Glastür jemand bewegt hat. Von meinem Platz aus kann ich einen direkten Blick hineinwerfen, sehe die ganzen Priester in ihren weißen Gewändern.
Mittlerweile wechselt sich die Durchsage von vorhin mit der Durchsage „dass das Fotografieren und benutzen Filmen während der Messe verboten ist, und bei Zuwiderhandlung wird man von der Messe ausgeschlossen“. Auf gut deutsch: Mach ein Foto und wir schmeißen dich raus.

Die Zeremonie wird von den Mitarbeitern der Pilgerfürsorge eröffnet, welche die Pilger in ihrer Landessprache begrüßen und beglückwünschen. Schade dass von der deutschen Fürsorge scheinbar niemand dabei ist.
Pünktlich um 12 Uhr verlassen die Priester die Sakristei und betreten den Altar. Die gesamte Messe wird nur in der Landessprache gehalten, ich bekomme aber mit, dass zu anfangs alle Nationen aufgezählt werden, welche am gestrigen Tag sich nach ihrem Camino im Pilgerbüro registriert haben.
Kurz vor dem Ende der Messe sehe ich, wie nach und nach insgesamt acht Männer vom Personal der Kathedrale in die Sakristei verschwinden, und sich einen roten Talar überwerfen.
Nach ein paar Minuten verlassen 3 der 8 Personen die Sakristei und betreten Altarbereich. Mein Herz pocht ein wenig schneller, und in mir steigt Freude auf. Ich bin nun zum vierten Mal in Santiago, und darf wohl heute das Botafumeiro schwingen sehen. ♥️
Kurz darauf kommen auch die anderen Männer aus der Sakristei, gehen nach hinten zum anderen Seitenflügel um das Seil zu packen und das Weihrauchfass herab zu lassen.
Das Verbot von Filmaufnahmen wird mit der ersten Bewegung des Botafumeiro zunehmend ignoriert, bis dann so gut wie jeder zweite sein Handy in der hat hält, um diese Szene zu filmen. Und ja, auch ich bin einer dieser „Verbotsbrecher“.
Es ist schon wirklich ein beeindruckender Moment, wenn der rauchende Silberkessel an einem vorbei in die Höhe schwingt!
Nach rund 45 Minuten ist die Messe vorbei, und alle Tore der Kathedrale werden geöffnet. Binnen kürzester Zeit leer sich die Kathedrale, und auch der zuvor erzeugte Weihrauch wird in fast einem Zug aus den Seitenschiffen gezogen.

Bis zur Führung auf dem Dach der Kathedrale um 14 Uhr ist noch etwas Zeit, so dass ich noch eben eine Cola und Café con Leche in meiner Unterkunft von 2024 trinken kann. Nachdem es relativ kühl ist, und die meisten Bars der Altstadt, auf Grund der engen Gassen und den zeitgleich doch recht hohen Gebäuden, meistens im Schatten liegen, ist das kleine Hostal mit dem sonnigen Platz und den zwei Tischen vor der Bar gerade genau richtig.
Nachdem ich meine Bestellung aufgegeben habe und von der Theke raus zu einem der Tische gehe, ziehen schon die ersten Wolken auf. Und noch bevor mein Café con Leche fertig zubereitet ist, fallen auch schon die ersten Tropfen.
Das darf doch echt nicht wahr sein!?!? Nun ja, was soll’s. Ich nehme also an einem der Tische im Inneren der kleine Bar platz, und nippe genüsslich an meinem Café con Leche.
Als ich mich dann auf dem Weg zur Kathedrale mache, ist der Himmel noch immer schwarz behangen, aber wirklich geregelt hat es bisher nicht. Okay, ist klar, es ist ja auch noch nicht 14:00 Uhr. 😂
Treffpunkt, beziehungsweise Startpunkt für diese Führung ist innen am "Praza da Quinta de Vivos", dies ist der Treppenaufgang auf der linken Seite, wenn man auf dem großen Vorplatz (Praza do Obradoiro) der Kathedrale steht und auf die Kathedrale blickt. Als die Führerin der Tour mit Regenschirm bewaffnet den Vorraum betritt, bin ich hellauf begeistert. 🙈
Hier gleich noch kurz vorweg einen Tipp von mir: man kann die Führung sowohl hier vor Ort, als auch online auf der Seite der Kathedrale buchen. In beiden Fällen kostet die Führung 15 €, und wer einen Pilgerausweis vorlegen kann, bezahlt nur zwölf Euro. Nachteil ist, dass diese Führung, soweit ich weiß, nur auf Spanisch angeboten wird. Aber per Übersetzung App mit Spracherkennung, kann man sich die Führung übersetzen lassen. Ist zwar keine perfekte Lösung, aber die wichtigsten Dinge bekommt man mit.
Ich bin froh, die Führung auf dem Dach der Kathedrale mitgemacht zu haben, auch wenn sie schon fast an eine Bergetappe des CGA erinnert:
- 31 Stufen bis in den Festsaal
- 72 Stufen bis aufs Dach
- 78 Stufen bis in den Turm hinauf
... und am Ende natürlich alles wieder runter.
Aber der Ausblick von hier oben über die Stadt, als auch der Blick in die Kathedrale selbst, einfach atemberaubend! Die Stunde hier oben vergeht wie im Flug, und - wer hätte es gedacht - es hat nicht geregnet! :-D
Nach der Führung wieder unten angekommen, schlendere ich erst Mal ein wenig ziellos durch die Gassen der Altstadt, und entdecke immer wieder mal, bei dem ein oder anderen "Juwelier" eine Ecke mit Ringen und Schmuck mit dem Wort "ULTREIA". Der alte Pilgergruß "ULTREIA - et suseia" ist ein für wichtiger Bestandteil meines Tattoos, da ich diesen Gruß eine sehr große Bedeutung zuschreibe. Einen Ring oder anderen Schmuck trage ich nicht, da wären die 50€ aufwärts einfach "rausgeschmissenes" Geld. Mir sticht aber immer wieder ein weißes Band, mit silberner Verschlußkugel, in einer kleinen weißen Dose ins Auge, die bei den ganzen Schmuckstücken liegt. Das ist jetzt der vierte Laden, der eben genau diese Sachen zum Kauf anbietet, aber bei keinem ist ein Preis für das Armband angegeben. In den ganzen Souvenirläden gibt es solche Bänder für jeden Weg, und kosten 1 bis 1,50€, was auch in Ordnung ist. Ein solches Band habe ich auch von jedem Weg, und noch einige andere baumeln an meinem Rucksack - teilweise waren es Geschenke von anderen Mitpilgern, teilweise sind sie von mir selbst gekauft worden. Würde ich diese Bänder verlieren, wäre das zwar sehr schade, aber finanziell ist es verkraftbar. Ein Band für 20 oder 25€ an den Rucksack zu hängen ... nein ... da bin ich echt zu geizig. Aber, warum eigentlich??? "Jemand" gibt mir einen Ruck, und ich gehe in den Laden, deute auf das Armband, und sage, dass ich bitte eines haben möchte.
Die Dame am Tresen schaut mich an, schaut das Armband an, und fragt dann eine Kollegin, ob sie denn wüsste, was es kostet. Diese meinte "tres euros". Ich glaubte, mich verhört zu haben, und fragte nochmal nach "Que?" (ja ist eigentlich falsch, aber ich kann nur "QUE?"). Sie wiederholt die Zahl, ich reiche ihr ungläubig einen zehn Euro Schein, und bekomme, nebst eingepackter weißer Dose mit Armband, meine 7€ Wechselgeld zurück. Oh ich freu mich soooo sehr über dieses Armband!!! Was für ein toller Tag!
In dieser ganzen Freude hätte ich beinahe die Leermeldung meines Magens überhört, welcher er mit einem erneuten grummeln nochmal Nachdruck verleiht.
Okay, Essen. Ich suche mir ein Restaurant, und bestelle ein Bier als auch etwas zu essen. Laut Googleübersetzer habe ich mir "Lende mit Käse und Kartoffeln" bestellt. Laut Kellner und Küche habe ich "Kartoffeln, darauf zwei dickere Scheiben Kochschinken, und das ganze mit Käse überbacken" bestellt. Ich grinse ein wenig, und fange an zu essen. Was soll ich sagen? Es ist wirklich sehr köstlich! Und irgendwie tatsächlich genau das richtige, für diesen doch recht kalten Tag in Santiago. Neben mir sitzen zwei Männer am Tisch, welche ich auf der Tour in, bzw. auf der Kathedrale schon gesehen habe. Sie haben sich ein halbes Rind zum selber grillen bestellt. :-) Zuerst wird ihnen ein kleiner Gasgrill auf den Tisch gestellt, danach bringt man ihnen geschätzte 1,5kg Fleisch, sowie Pommes und Salat als Beilagen. Was sehr interessant klingt, ist für alle hier im Gastraum ein "Erlebnis", denn "Grillen ohne Rauch" gibt es halt nicht.
Als es mich dann wieder auf die engen Gassen der Altstadt spült, denke ich mir "Und jetzt?". Von Bildern auf Facebook weiß ich, dass es hier irgendwo einen Souvenirshop gibt, der einen großen Pfeil aus Holz hat, auf dem der Startort "Braga" des CGA mit der Kilometerangabe von 239km zu sehen ist. Leider habe ich nicht herausfinden können, wo dieser eine Laden ist. Aber auf der Recherche nach eben diesem Laden bin ich über einen Souvenirshop gestolpert, dessen positiven und herzlichen Bewertungen mich direkt angesprungen haben. Da dieser in unmittelbarer Nähe des "FROIZ" Supermarktes ist, was auch auf dem Weg zu meiner Unterkunft liegt, sieht meine Agenda jetzt so aus:
- im Supermarkt Proviant für die morgige Etappe einkaufen
- den Souvenirshop besuchen
- Einkäufe eben schnell in die Unterkunft bringen
- ein zweites langärmliges Oberteil holen, und zurück zur Kathedrale gehen
Mein erstes Ziel ist also der "Praza do Toural", wo sich der "FROIZ" Supermarkt befindet. Hier fülle ich meine leergewordenen Proviante wieder auf, um für den morgigen Weg Richtung Fisterra gerüstet zu sein.
Als das erledigt ist, überquere ich einmal schräg nach links den Platz, um auch schon direkt vor dem Souvenirshop "A Rúa Recordos" zu stehen. Erst Mal sieht man nur Bekleidungssachen, um weiter hinten im Laden dann die Souvenirs zu entdecken. Kurz überlege ich noch, ob ich hier wirklich noch rein muss, gebe mir dann aber einen Ruck und betrete zum Glück den Souvenirshop.
Ich gehe durch zu den Souvenirs, werde von einer Dame freundlich begrüßt, und schaue mich kurz um. Daraufhin kommt ein Mann aus dem "Lager" und begrüßt mich ebenfalls. Mit dem Mann, er heißt Oscar, ist man sofort auf einer Ebene, sein freundliches Lächeln, seine liebe Art zieht einen direkt in seinen positiven Bann. Er fragt, woher ich den stamme, und welchen weg ich denn gegangen wäre, und sieht mich dann, den Kopf leicht auf die Seite gelegt, an und meint "Braga?" - "Si". Er sagt mir auf Deutsch "warte mal", geht kurz in das Lager hinter der Kasse, und kommt mit einem Barhocker zurück. Er deutet an, ich solle mich setzen, bittet um mein Handy und greift hinter mir auf den Boden um etwas aufzuheben.
Ich bin völlig baff, als er mir auf einmal eben dieses große Holzschild in die Hand drückt, den großen Pfeil mit der Aufschrift "Braga - 239km"!!!
Er schiesst allerlei Fotos, zeigt mir noch, wie ich mein Handy besser halten sollte, um einhändig Fotos zu schiessen, und freut sich einfach für mich, dass ich den Weg gegangen bin. Nach diesem Fotoshooting räumt er sein Schild wieder auf, und ich schaue mich dort um, von wie vielen Wegen er wohl Schilder hat. KEIN EINZIGES weiteres Schild ist hier! Er hat wirklich nur dieses eine Schild vom CGA!
Ich frage ihn, wie er denn dazu kommt, eben genau von diesem doch sehr einsamen Weg ein Schild zu haben. Er erklärt, er habe es selber anfertigen lassen, genauso wie einige der Magnetpins und Armbänder. Er deutet auf einen Pin und sagt "schau mal". Der Pin ist auf Deutsch, und sagt - kurz zusammengefasst - aus, man soll langsam machen! Das ist genau mein Thema, weshalb ich so gerne auf einem Camino unterwegs bin. Mein Wort für meine Caminos, mein Leben ist -> ENTSCHLEUNIGEN.
Was für ein toller Laden! Oscar ist ein herzlicher Mensch, drängt sich nicht auf, und ist dennoch da. Ich bin so sehr von den beiden begeistert, dass ich Ihnen eines meiner mitgebrachten Festivalbändchen vom CGA schenke.
Als ich mit Oscar dann doch eine längere Zeit am Reden war, fing Petrus mal wieder mit seiner privaten Zaubershow an ... "Ich kann trockene Orte nass machen".
Nachdem ich es nicht weit bis zur Unterkunft habe, komme ich fast trockenen Fußes an. Leider hört der Regen nicht mehr wirklich auf, weshalb ich dann beschließe, den Abend im Bett zu verbringen, und an meinem Tagebuch weiter schreibe.
Meine Tagebücher: Münchner Jakobsweg (2023) | Camino Portugues (2024) | Rota Vicentina (2025) | Caminho da Geira e dos Arrieiros (2026)
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Simsim
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Simsim »

Toll erzählt! Durch Deine Berichte lerne ich mal ganz andere Seiten von einer Ankunft und einem Aufenthalt in Santiago kennen. Ich selbst bin halt budgetmäßig so eingeschränkt, dass ich durch Santiago nur noch straight durchlaufen kann, außer einem Stop für die Pilgermesse. Aber ich war schon einige Jahre nicht mehr dort.

Das ausgesprochene Film und Fotoverbot bei der Messe finde ich gut und angemessen.
Den Botafumeiro zu filmen, naja... man könnte ja auch den Moment mit allen Sinnen staunend genießen, anstatt den Wald von gezückten Handys vor der Nase zu haben. Es gibt schon unzählige Videos davon im Netz. Warum braucht jeder noch ein eigenes? Aber das versteh ich eh nicht wirklich, warum alles auf den Bildschirm gebannt werden muss. Sorry Chris, bitte nimm mir die Bemerkung nicht krumm. Es ist ok, es muss nicht jeder meiner Ansicht sein, aber ausdrücken möchte ich meine Sicht deswegen trotzdem.

Hab noch schöne Tage und erzähl gerne weiter :D
Joker
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Joker »

"A Rúa Recordos"....
Den Laden kenne ich und er ist ein fester Anlaufpunkt, wenn ich in SDC bin.
Oscar ist ein herzlicher und hilfsbereiter Mensch. Er hat Patches für so ziemlich jeden Weg und jede Entfernung. Und er versendet auch.

Als ich das letzte Mal da war, wurde ich abgelichtet mit einem Invierno-Holzschild.
„Nicht alle, die wandern, sind verloren …“

Gandalf
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Hoib3rgA
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Hoib3rgA »

12.-14.05.26: in 3 Etappen von SdC zum Cabo Fisterra

- 3 Gehtage, davon 2 mit Regen
- 93,6km
- 1.796hm ⬆️ + 1885hm ⬇️ = 3.681hm Gesamt
- 112.916 Schritte
Der Weg bis Fisterra wird für mich ein sentimentaler werden, was mir jetzt noch gar nicht wirklich bewusst ist.
Über den Weg an sich möchte ich gar nicht so viel schreiben, er ist den meisten eh bekannt. Und wer den Weg noch nicht kennt, sollte ihn unbedingt selber kennen lernen! Diese 90 bzw. wenn man Muxia mitnimmt 120km, sind mit die schönsten Etappen aller Wege, welche ich bisher kennen lernen durfte.
Der liebgewonnene, 2 Kilometer lange Anstieg auf der ersten Etappe, der Anstieg zur Aussichtsplattform auf den Stausee der zweiten Etappe ... man kennt die schönen Stellen des Weges. Die alte Mühle, die Stahlschuhe beim "Väkner", und etwas später dann die große Statue des legendären Monsters kurz nach der Weggabelung in Hospital.
In den folgenden Zeilen möchte also weniger auf den Weg an sich eingehen, sondern viel mehr über Begegnungen schreiben, Begegnungen mit alten Bekannten, mit neuen Gesichtern ... mit den eigenen Emotionen.

Es ist kühl in Santiago, gerade mal 9°C prophezeit mir mein Handy über das Display voraus. Das meine Wäsche, welche ich gewaschen hatte, immer noch tropf nass ist wundert mich tatsächlich nicht, das war gestern schon irgendwo klar. Der Rucksack darf somit ein weiteres Mal als Wäscheständer herhalten, was er durchaus schon gewohnt ist.

Nach dem CGA ist es fast schon eine neue Erfahrung, auf andere Pilger zu stoßen! So schön diese Ruhe auch war, so ist es dann schon auch ein schöner Moment, wieder "in der Pilgergemeinschaft" angekommen zu sein. Auf den ersten 5 Kilometern begegne ich schon 3x so vielen Pilgern, wie auf den gesamten 240 Kilometern des CGA. Lustigerweise waren die 5 Pilger, welche ich auf dem CGA gesehen habe, alle mit schwerem Rucksack unterwegs, hier sind es zu 90% FastFootTourigrinos, auf welche man trifft. Aber gut, das soll keine Diskriminierung sein, es ist halt auch hier die "100km Einflugschneise" von SdC zu spüren. Laut schnatternd ziehen die teilweise 6 Personen großen Gruppen, auf den ersten 8 bis 10 Kilometern, im zügigen Schritt an mir vorbei. Ich grinse nur, wohlwissend was auf mich, und sie, noch so alles zukommt, und bin mir sehr sicher, sie demnächst wieder einzuholen. Noch vor dem großen Anstieg ist bei den ersten Gruppen dann auch schon die Luft raus, und ich darf in meinem Tempo wieder an ihnen vorbeiziehen.
Der Weg nach Finisterre war damals auch meine erste Berührung mit dem Jakobsweg, und ich erinnere mich so gut daran zurück, wie wir damals im "Stechschritt" an allen vorbeigezogen sind, die 20km bis Negreira in einem Rutsch durchmarschiert sind, um dann auch noch die extra Strecke bis zur Unterkunft, welche 5km außerhalb vom Jakobsweg lag, zurückzulegen. Und ich erinnere mich noch so gut an den 
Morgen danach, als ich aufstehen wollte, meine Beine jedoch nicht! Ich hatte solch einen Muskelkater, dass ich die Beine nicht mal aus dem Bett heben konnte. :-D Das war damals mein erster Tag auf dem Camino.
Heute habe ich dasselbe Ziel wie damals, sprich dieselbe Unterkunft, das "Casa do Folgo" von Juan und seiner Frau Angeles. Nur mein Weg wird anders sein.
Da die Unterkunft von Juan etwas vom offiziellen Weg entfernt liegt, bietet er an, seine Gäste in Negreira mit dem Auto abzuholen, und am nächsten Morgen wieder dorthin zurückzufahren. Lange bevor ich mich auf den Weg gemacht habe, hatte ich Juan per Whatsapp angeschrieben, und nachgefragt, ob er mich denn auch in "A Pena" abholen und auch wieder absetzen könnte. Juan meinte nur, dass dies kein Problem sein, er würde am Morgen aber erst seine Gäste nach Negreira fahren und danach mich nach A Pena. Für mich, perfekt - Deal :-)
Auf Juan und seine Frau freue ich mich schon die ganze Zeit, die zwei sind solch herzensgute Menschen! Auch wenn die Unterkunft wirklich teuer ist, und das "Pilgermenü" 29€ kostet - es ist es mir einfach wert! 
Als ich das letzte Mal hier war, was meine erste Nacht auf einem Camino war, habe ich bei Juan meine erste Jakobsmuschel gekauft. Seither hat mich diese Muschel auf allen Caminos begleitet, sie ist ein fester Bestandteil meines Rucksacks geworden, und erinnert mich immer wieder an diesen ersten Tag in Negreira ... und den Muskeltiger am Folgetag.
Da ich Juan und Angeles eine Freude machen möchte, habe ich zu Hause eine Jakobsmuschel mit echtem Blattgold belegt, und diese als kleines Dankeschön mit in den Rucksack gepackt. In die Muschel habe ich für die zwei noch eine kleine Dankensnachricht geschrieben, selbst verständlich auf Spanisch.
Als Juan mich dann eigesammelt, und wir an der Unterkunft angekommen sind, frage ich ihn, ob seine Frau vielleicht kurz Zeit hätte. Erst schaut er ein wenig komisch, und eilt dann in die Küche, um Angeles zu holen. Sie erkennt mich tatsächlich wieder, und fällt mir sofort in die Arme. Da ich weiß, dass Angeles gerade schon am Kochen ist, mache ich es kurz, und erzähle den beiden, dass ich eben hier bei Ihnen meine 1. Jakobsmuschel bekommen habe, und ich den beiden ein kleines Dankeschön für Ihre Gastfreundschaft mitgebracht habe. Gut, nicht ich erzähle es ihnen, sondern mein Handy hat den Text für mich ins spanische übersetzt ... aber wer will denn jetzt schon kleinlich sein :-)
 Die beiden sind sichtlich gerührt, und Angeles macht Juan gleich mal klar, dass dies IHRE Muschel sei! Er dürfte sie aber gerne mal anschauen kommen :-)
Am nächsten Morgen gibt es, nach dem Frühstück, eine herzliche Verabschiedung von Angeles, bevor Juan mich an den gestrigen Auflesepunkt zurückbringt. Auch Juan wird jetzt noch einmal gedrückt, um mich dann mit den Worten "bis zum nächsten Mal" von ihm zu verabschieden.

Als ich letztes Mal diesen Weg gegangen bin, war gerade "Semana Santa", also die Woche vor Ostern, weshalb viele Cafés und Bars, als auch sonstige Läden geschlossen hatten. So hatte auch das "Punto de Información ao Peregrino", vermutlich den meisten besser bekannt als das "Vákner"Haus mit den Stahlschuhen vor der Türe, geschlossen. Heute hat es geöffnet, und ich schaue mich ein wenig um, fülle einen Fragebogen aus, und setze meine Reise dann fort.
Schon vor diesem Ort sieht man hin und wieder mal Werwolfmotive an Wänden oder auf Plakaten. Diese sind dem "Vákner" geschuldet, der, einer Legende nach, im 15 Jahrhundert hier sein Unwesen getrieben haben soll. Wer an der Weggabelung direkt nach Finisterre geht, kommt kurz danach an der 5 Meter hohe Statue vorbei, welche diesen Werwolf darstellt. Wer den Weg nach Muxia einschlägt, kann an der großen Weggabelung mit den zwei Monolithen auch erstmal der Beschilderung nach Finisterre folgen, um dann kurz nach der Statue, an der nächsten Wegkreuzung nach rechts abzubiegen. An dieser Kreuzung sind zwei Sitzbänke, die eine zeigt "geradeaus" den Weg nach Finisterre, die andere nach rechts den Weg Richtung Muxia an. Heute ist bereits der letzte Gehtag meiner diesjährigen Pilgerzeit, was mir gerade so richtig bewusst wird. Jeder Tag hatte seine schönen Seiten, als auch die ein oder andere zu bewältigende Schwierigkeiten. Sei es der Check-In gewesen, oder auch nur die Höhenmeter, welche mich gefordert haben. Der schwierigste Teil des Weges liegt aber noch vor mir!
Genau eine Woche bevor ich mich auf den Weg gemacht habe, ist mein Vater verstorben. Vor vielen Jahren hatte er mir mal anvertraut, dass er gerne eine Seebestattung hätte, was in Deutschland unter Auflagen durchaus möglich ist. Ob er sich dann jetzt doch nochmal umentschieden hat, oder sonst niemand von diesem Wunsch wusste, kann ich nicht beantworten, auf jeden Fall wird es eine normale Urnenbeisetzung werden.
Noch bevor ich mich auf den Weg gemacht hatte, habe ich zu Hause drei Muscheln verziert.
- eine mit goldfarbenem Schlagmetall, welche ich bei Sergio gelassen habe
- eine mit echtem Blattgold für Juan und Angeles
- und eine mit grünem Schlagmetall, die ich dann auch irgendwo als '"Andenken" zurücklassen wollte
Auf dem CGA kam mir dann der Gedanke, dass ich die grün verzierte Muschel nach Fisterra tragen könnte, als Symbol für meinen Vater. Bei dem Gedanken fiel mir dann auch ein, dass er früher am liebsten eine Biermakre trank, die ein grünes Flaschenetikett hatte. Ich schrieb also einen letzten Gruß in die Muschel, und trug sie seither im Rucksack mit mir mit. Und als ich so an eben diese Muschel im Rucksack denke, fällt mir auf, dass heute, also an dem Tag an welchem ich das Cup Finisterre erreichen werde, Vatertag ist!
Auf den letzten Kilometern ist auf der rechten Seite eine Kirche, die geöffnet ist. In der Kirche wird einem mitgeteilt, dass in der "Igrexa de Santa María das Areas", also in der Kirche auf der rechten Seite, wenn man Finisterre Richtung Leuchtturm verlässt, jeden Tag um 18 Uhr ein Gottesdienst für Pilger abgehalten wird. Zeitlich sollte sich das gut ausgehen, denn wenn nichts dazwischen kommt, dürfte ich gegen 17 Uhr Finisterre erreichen.

In Finsterre treffe ich auf "Michelle aus den Staaten", die mich anspricht, da sie mich aus dem Bus heraus an der Straße entlang gehen gesehen hat. Sie erkundigt sich danach, wie der Weg hierher denn so ist, und woher ich den komme, bzw. welchen Weg ich hinter mir habe. Mit dem CGA kann sie nichts anfangen, selbst der Name ist für sie unverständlich. Ich zeige ihr eines meiner Bändchen, auf welche ich den Namen habe drucken lassen. Als sie mir das Band zurückgeben möchte, sage ich ihr, dass sie es gerne als Andenken behalten darf, was sie mit Freude macht.
Nachdem ich letztes mal an einem Karfreitag in Finisterre eingelaufen bin, hatte an diesem Tag selbstverständlich alles zu. Da ich zumindest einmal eine Fisterrana erhalten möchte, mache ich mich jetzt auf den Weg zur Albuerge Municipal in der "Rua Real", um mir dieses Dokument ausstellen zu lassen. Die Einrichtung liegt direkt auf dem Weg, und direkt nebenan ist ein Supermarkt. Perfekt!
Eine sehr freundliche Dame nimmt meinen Fisterrana-Pass entgegen, begutachtet kurz die Stempel, schreibt per Hand meinen Namen und das heutige Datum auf die Urkunde, und beglückwünscht mich für das Abschließen des Weges. An der Freundlichkeit könnte sich der Mitarbeiter im Pilgerbüro von Santiago ruhig mal eine Scheibe abschneiden.
Da ich noch etwas Zeit habe, nehme ich in einer Bar platz, und gönne mir noch eben ein Bier, bevor es in die Kirche zur Pilgermesse gehen soll. Am Nebentisch sitzen zwei Frauen, die sich auf Deutsch unterhalten. Man kommt irgendwann ins Gespräch, und so erfahre ich, dass die beiden aus SdC erstmal hierher gegangen sind, um morgen mit dem Bus zurück nach SdC zu fahren, und sich dann auf den Ingles begeben wollen. Gut, komische Abfolge der Wege, aber es ist ja nicht meine Entscheidung. Sie werden sicher Ihre Gründe dafür haben. Auch den beiden schenke ich zur Erinnerung an diese Begegnung, jeweils eines meiner Bändchen, bevor ich mich dann auf den Weg in die Kirche mache.
Als ich diese um ziemlich genau 18 Uhr betrete, sind schon etwa 50 bis 60 andere Pilger in der Kirche und proben mit dem Pfarrer zusammen ein Lied ein. Na das wird ja lustig :-)
Kurz darauf beginnt die Messe, und es wird gemeinsam das zuvor einstudierte Lied gesungen. Der Pfarrer hält die Messe sowohl in Spanisch, als auch in Englisch, wodurch man dann auch als "No Hablo espanol"-Person mitbekommt, was der Pfarrer gerade zuvor gesprochen hatte.
Es wird nochmal zusammen gesungen, bevor er darum bittet, dass nun nach und nach jede Nation, bzw. jede Landessprache das Vaterunser beten darf. Es folgt die Eucharistie, und danach bittet der Pfarrer alle Teilnehmer des Gottesdienstes einen großen Kreis um den Altar herum zu bilden. Er segnet jeden einzelnen Teilnehmer mit Weihwasser und zeichnet mit seinem Daumen ein Kreuz auf der Stirn eines jeden Teilnehmers. Als er bei mir ist, halte ich die grüne Muschel in der Hand, was der Pfarrer sieht, und auch ihr seinen Segen mit auf den Weg gibt. In diesem Moment kullern mir wiedermal ein paar Tränen die Wange herunter, ohne eigentlich zu wissen, warum.
Nach ziemlich genau einer Stunde ist die Messe beendet, und ich muss zugeben, dass diese Messe um Welten schöner war, als die in der Kathedrale von SdC. Die Einfachheit des Ganzen, das Miteinbinden aller Kirchengänger, die Ausführung in Englisch, all das macht die Messe einzigartig.

Mittlerweile bin ich auf meinen letzten Metern unterwegs, kann aus der Entfernung schon den Parkplatz vor dem Leuchtturm sehen, und dann auch zuerst das Restaurant mit dem Hotel und dann ... den Leuchtturm, sowie den berühmten Stein mit der Angabe "0,000 km". Ich freu mich so sehr, diesen Ort wieder besuchen zu dürfen, und bin meinen Beinen dafür dankbar, mich bis hierher getragen zu haben. Da dieser Weg einen besonderen Abschluss verdient hat, wird die letzte Unterkunft auch etwas Besonderes sein, und zwar ein Zimmer hier im Hotel am Leuchtturm. Nachdem ich mich mit dem letzten Monolithhabe fotografieren lassen, checke ich im Hotel ein, bringe nur eben schnell meinen Rucksack ins Zimmer, und gehe direkt nochmal los, um hinter dem Leuchtturm Richtung Atlantik zu gehen.
Was sich im Kopf als ein einfaches Unterfangen dargestellt hatte, ist dann auf einmal gar nicht so leicht umzusetzen, denn ich hatte die Küstenlandschaft um den Leuchtturm als weniger steil in Erinnerung. Kurz überlege ich, ob ich die Muschel vielleicht doch erst morgen in den Atlantik werfe, wenn ich in der Früh wieder zurück nach Finisterre komme, was mir aber eigentlich so gar nicht zusagt. Ich bin heute angekommen, heute ist Vatertag, und ich möchte auch heute den Abschluss finden.
Ich stehe oben hinter dem Leuchtturm, und suche mir meinen Weg nach unten, um möglichst nah an den Atlantik zu kommen. Das Vorhaben gestaltet sich gar nicht so einfach. Ein wenig abseits sehe ich einen kleinen "Trampelpfad", welcher sich Richtung Meer schlängelt, und dem wohl schon mehrere Leute gefolgt sind. Während ich Richtung Meeresspiegel klettere, sehe ich, wie sich eine Regenfront auf mich zubewegt. Klettere ich bis ganz runter, schaffe ich es sicher nicht mehr im Trockenen bis nach oben. Auf nassen Felsen möchte ich hier aber nicht nach oben klettern müssen. Oh man, soll mein Vorhaben so kurz vor dem Ende doch noch scheitern?
Ich überlege kurz, was ich machen soll. Von hier aus schafft es die Muschel nicht, bis in den Ozean. Weiter runterzuklettern ist im Moment zu riskant. Ein kleines Stück weiter rechts ist der Atlantik fast senkrecht nach unter einem, von dort aus könnte ich die Muschel ins Wasser bekommen. Um die Muschel werfen zu können, binde ich einen Stein an sie. Als ich einen Platz gefunden habe, an dem der Atlantik so gut wie direkt unter mir ist, und ich einen guten Stand zum Werfen habe, ist der Moment des letzten Abschieds gekommen.
Ein letzter Gruß in Gedanken formuliert, hole ich aus, und entlasse die Muschel in den Atlantik.

"Möge das Meer dich sanft tragen, auf dass du Ruhe und Frieden in den Wellen findest".
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Weltenbummler
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Weltenbummler »

Hallo Chris,
herzlichen Glückwunsch !
Gut geschrieben !
Vielen Dank, dass wir deinen Weg und deine Gedanken verfolgen durften.
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Simsim
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Simsim »

Das ist sehr berührend, wie Du Deinen Weg abschließt. Ich habe ein bisschen mitgeweint...
Auch sehr besonders finde ich, dass Du so gerne anderen kleine Geschenke machst.
andrea+wildgans
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von andrea+wildgans »

Danke, dass Du uns an diesen so kostbaren und wertvollen Erfahrungen teilhaben lässt... und es lässt mich berührt und auch ein wenig sprachlos zurück... danke...
Andrea
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Hoib3rgA
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Hoib3rgA »

Ich hätte wirklich schon viel früher auf all die Kommentare antworten wollen, aber das wäre nur ein "mal eben zwischendrinn schnell schreiben" gewesen. Da ich mir für eine Antwort gerne Zeit nehme, möchte ich dann jetzt auf den ein oder anderen Kommentar von euch antworten.
Bitte nicht böse sein, oder falsch verstehen, wenn ich nicht auf jeden einzelnen Kommentar antworte!
Ich habe mich über jede einzelne Antwort wirklich sehr gefreut, möchte mich bei jeden von euch bedanken, der mir geschrieben, gratuliert, oder "beigestanden" ist.

Simsim hat geschrieben: 4. Mai 2026, 21:38Vielleicht wird so der Weg etwas weniger einsam.
Caminista hat geschrieben: 18. Mai 2026, 10:00Das scheint ja noch einer der Wege zu sein, auf denen man ohne großen Trubel nach Santiago reinkommt.
Ich hatte das tatsächlich auch gehofft, bevor ich diesen Weg geangen bin. Jetzt, nachdem ich den Weg kenne, vermute ich, dass der CGA immer ein Nieschenweg bleiben wird. Die Infrasturktur fehlt an vielen Stellen, auch wenn man wirklich bemüht ist, dem Weg Leben einzuhauchen.
Eine Chance hätte der CGA auf jeden Fall verdient!

Simsim hat geschrieben: 9. Mai 2026, 07:37Du läufst ziemlich große Etappen! Und das mit den Bändchen zum Verschenken ist eine tolle Idee! Kein Wunder, dass die beiden so berührt waren. [...]
Ja die Etappen sind zum Teil sehr lang, sind aber oftmals auch nicht anders machbar. Der CGA verläuft durch eine sehr dünn besiedelte Gegend, Hotels werden teilweise nur geöffnet, wenn eine Buchung vorliegt. Man kann sicher auch einfach drauf los laufen, muss dann aber eventuell sehr lange Etappen in Kauf nehmen. Mir haben die 30km absolut gereicht, durch die ganzen Höhenmeter hätte ich oftmals nicht nochmal 10km mehr gehen wollen / können, um eine geöffnete Unterkunft zu finden. Bei dem Weg ist es wirklich ratsam, die Unterkünfte im voraus zu buchen. Wenn man allerdings in einem der früheren Monate des Jahres bucht, sind einige Unterkünfte noch gar nicht buchbar. Man muss nehmen, was man bekommt ... woraus sich dann auch meine Etappenlängen ergeben haben, und eben auch die Einteilung in 10 Etappen.

Das mit den Bändchen ist mir letztes Jahr auf dem Fischerweg eingefallen.
Ich fand es irgendwie schön, eine persönliche Erinnerung an diesen Weg zu haben, weshalb ich mir für diesen Weg auch schon ein "Festivalbändchen" designed und habe anfertigen lassen. Für den CGA habe ich dass dann nochmals gemacht, um sie zu verschenken, oder auch irgendwo als "Andenken" zurück zu lassen.

Gertrudis hat geschrieben: 10. Mai 2026, 22:40Ich staune ja immer, wie Du und eine ganze Reihe anderer es schafft, unterwegs so viel Text zu verfassen! Ich bin froh, wenn ich zwischendurch ein paar Stichpunkte in mein Tagebuch kritzeln kann...
Das ist eigentlich ganz einfach ;-)
Ich notiere mir unterwegs immer wieder ein paar Stichpunkte im Handy, z.b. wenn es etwas bestimmtes auf dem Weg zu sehen gab, etwas zum Weg an sich gibt, wo ich Pausenplätze gefunden habe ... und so weiter. Meist mache ich das tatsächlich via "Spracherkennung", sprich ich öffne nur die NotizenApp, und diktiere dann den Text.
Wenn ich dann mal alleine bin, z.B wenn ich bei einer Pause sitze, wenn ich abends im Bett liege, oder auch morgens, formuliere ich die Stichpunkte aus. Manchmal finde ich dafür mehr Zeit, manchmal weniger. So kann es dann schon mal sein, dass ich ein paar Tage hinterher hänge.

Simsim hat geschrieben: 13. Mai 2026, 21:31 Ich meine es auch wirklich nicht im Geringsten irgendwie negativ!
Ich habe das auch in keinster Weise negativ aufgenommen :-), habe die Beiträge dann jetzt aber doch nochmal gegengelesen und hoffentlich alle Tipp und Schreibfehler bereinigt.

andrea+wildgans hat geschrieben: 16. Mai 2026, 23:56Fällt mir grad auf: Macht man beim Gehen eigentlich wirklich Erfahrungen??? Müsste man das nicht anders nennen?
lach! Ich habe JETZT beim antworten erst bemerkt, was du eigentlich meinst :-)
Als ich die "Formatierung" des Wortes dreimal angeschaut habe, ist mir erst aufgefallen, dass du sicher "Ergehungen" meinst? :-)
Hahahahaha, wie cool ist das denn???? :-D

Transalper hat geschrieben: 17. Mai 2026, 17:50Bin gespannt wo es demnächst hingeht.
Mein Plan für 2027 ist der Frances ab SJPdP

Simsim hat geschrieben: 18. Mai 2026, 17:04Durch Deine Berichte lerne ich mal ganz andere Seiten von einer Ankunft und einem Aufenthalt in Santiago kennen.
Das ausgesprochene Film und Fotoverbot bei der Messe finde ich gut und angemessen.
Den Botafumeiro zu filmen [...] Es gibt schon unzählige Videos davon im Netz. Warum braucht jeder noch ein eigenes? [...] Es ist ok, es muss nicht jeder meiner Ansicht sein, aber ausdrücken möchte ich meine Sicht deswegen trotzdem.
Es freut mich wirklich sehr zu lesen, dass ich dir eine andere Seite aufzeigen konnte.
Und ja, ich verstehe das Filmverbot sehr gut! Und ja, ich habe mich auch nicht daran gehalten.
Während der Messe finde ich es auch mehr als in Ordnung, dass keine störender Blitzlichter und Co die Zeremonie durchbrechen.
Aber das Botafumeiro? Ganz ehrlich? Wo in der Welt hat man die Möglichkeit, etwas vergleichbares zu sehen? Und auch hier in der Kathedrale ist der Einsatz ja auch eher ein "Glücksfall".
Weshalb ich das gefilmt habe? Aus dem selben Grund, warum ich das Tagebuch schreibe! Diese ganzen Tagebucheinträge habe ich alle in meinem Handy gespeichert, habe so jederzeit von überall aus Zugriff auf diese Erinnerung. Sicher wirst du jetzt sagen, man hat die Erinnerungen doch auch im Kopf gespeichert, womit du grundlegend schon recht hast. Aber eben nur grundlegend! Denn die Erinnerungen im Kopf sind oftmals nicht mit den wahren Begebenheiten deckungsgleich. Ich schmöckere öfters mal in einem meiner Caminotagebücher, und denke mir dann "Ach ja stimmt, das war so!". Auch auf dem Weg nach Finisterre habe ich mir jetzt wieder gedacht "Ups, stimmt, dieser Anstieg war ja auf der letzten Etappe, und nicht der Weg aus SdC raus." Ich schaue mir auch hin und wieder meine Fotos an, oder zeige sie bei Erzählungen her. Und wenn ich eben vom Botafumeiro schwärme, kann ich dieses beeindruckende Schauspiel als Video auf meinem Handy herzeigen.

Joker hat geschrieben: 18. Mai 2026, 18:46 "A Rúa Recordos".... Den Laden kenne ich und er ist ein fester Anlaufpunkt, wenn ich in SDC bin.
Oscar ist ein herzlicher und hilfsbereiter Mensch. Er hat Patches für so ziemlich jeden Weg und jede Entfernung. Und er versendet auch.
Oh ja, so wird es bei mir auch sein :-) Wobei ich weniger dem Laden einen Besuch abstatten würde, als viel mehr Oscar :-D
Als ich aus Fisterra zurück nach SdC gefahren bin, hatte ich zwei Stunden Aufenthalt, bevor mein Bus nach Porto ging. Ich bin dann vom Busbahnhof nochmal zu Oscar gegangen, und habe ihm, mit den Worten "Er trifft hier sicher mehr Pilger die den CGA gegangen sind, als ich zu Hause in Deutschland. Es würde mir eine Freude sein, wenn er die Bändchen annimmt, und an andere Pilger, die bei ihm vorbeikommen, eines der Bändchen weitergeben würde", meine restlichen 25 bis 30 Festivalbändchen überlassen. Oscar war völlig baff, und war sichtlich gerührt. Ich finde, die Bändchen sind bei ihm in sehr guten Händen.

Simsim hat geschrieben: 19. Mai 2026, 06:51 Das ist sehr berührend, wie Du Deinen Weg abschließt. Ich habe ein bisschen mitgeweint... Auch sehr besonders finde ich, dass Du so gerne anderen kleine Geschenke machst.
andrea+wildgans hat geschrieben: 19. Mai 2026, 13:05 Danke, dass Du uns an diesen so kostbaren und wertvollen Erfahrungen teilhaben lässt... und es lässt mich berührt und auch ein wenig sprachlos zurück
Danke <3
Und ja, ich gebe sehr gerne, es macht mir Freude, anderen eine Freude zu bereiten! Ich finde, man sollte nicht immer nur erwarten, sondern einfach mal von sich aus geben! Jeder hat die Möglichkeit, einem anderen eine Freude zu machen, egal wie groß diese ist. Aber genau das macht unsere Welt ein klein wenig besser.


Ganz liebe Grüße, und ein Buen Camino
Chris
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Simsim »

Oooh, danke für Dein ausführliches Eingehen auf unsere Kommentare!

Und:
eigentlch schade, dass Du die "Fehler" aus den Texten korrigiert hast, viele waren so lustig! Aber ich kann es gut verstehen. Hätte ich sicher auch gemacht...man will sich ja nicht lächerlich machen.. :D

Alles Gute Dir und schöne Vorfreude auf den Camino Frances. Das wird natürlich in jeder Hinsicht so ziemlich das Gegenteil sein, aber das weißt Du natürlich. Bin sehr gespannt, wie Du dann "meinen alten Freund" erlebst!
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Hoib3rgA »

Simsim hat geschrieben: 20. Mai 2026, 08:04Alles Gute Dir und schöne Vorfreude auf den Camino Frances. Das wird natürlich in jeder Hinsicht so ziemlich das Gegenteil sein, aber das weißt Du natürlich. Bin sehr gespannt, wie Du dann "meinen alten Freund" erlebst!
Ich bin tatsächlich hin und her gerissen, ob ich den Frances kommendes Jahr gehen soll. Denn wie du schon schreibst, ist der Frances keine "Chillout Area" ;-)
Ich will den Frances ohne große Vorplanung gehen, was, zumindest bis Sarria, eigentlich kein großes Problem sein sollte.
ABER, 2027 ist ein heiliges Jahr, und ich habe echt bedenken, ob der Frances dann nicht noch überlaufener ist, als sonst.
Geplant hätte ich, den Frances Mitte / Ende April zu starten, und mich dann treiben zu lassen.
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Simsim »

Mitte April oder sogar Anfang April erlebst Du eine noch ruhigere und landschaftlich wunderschöne Zeit auf diesem Weg.
Du begegnest den verschiedensten Menschen, das ist Teil dieses Weges und kann sehr spannend sein, wenn man sich darauf einlassen kann. Die Infrastruktur des CF erlaubt Dir, Dir jederzeit relativ preiswerte Einzelzimmer zu gönnen, wenn Du Ruhe brauchst.

Ich war ja dieses Jahr im April dort und es war wirklich noch recht entspannt. Die meisten starten erst im Mai. Nur die Karwoche ist überall voll.
Das heilige Jahr wirkt sich erst ab Sarria sehr stark aus.

Du kannst für die letzten hundert km auf einen anderen Weg wechseln (Invierno, Sanabres, Primitivo).
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Hoib3rgA »

*ich vermisse echt einen Dankebutton hier :-)

Hallo simsim,
ich habe bewusst Mitte bis Ende April für den Start gewählt, um eben dem größeren Run auf dem Frances zuvor zu kommen.
Dass es ab Sarria voll wird, ist eh klar, und auch da habe ich mir schon einen kleinen Schlachtplan zurecht gelegt.
Der Gedanke, auf einen der anderen, angrezenden Wege auszuweichen, kam mir auch schon, aber das fühlt sich für mich irgendwie "falsch" an. Wenn ich etwas begonnen habe, möchte ich das auch zu Ende bringen ... in diesem Fall dann eben den Frances.
Wer weiß was passiert, wenn ich dann wirklich kurz vor bzw. in Sarria bin.
Aber bis dahin ist noch viel Zeit, mal schauen was die kommenden 300 Tage so alles mit sich bringen :-)
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