Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Allgemeine Diskussionen zur Pilgerei und ihrer Geschichte
Simsim
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Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Beitrag von Simsim » 24. Okt 2019, 17:21

Ich schrieb den gleichen Text zur Preiserhöhung der galizischen Herbergen und stelle ihn nochmal ein, als eigenes Thema, denn es liegt mir allgemein am Herzen und betrifft ja nicht nur diese Preiserhöhung von 6 auf 8 Euro in Galizien.
Die bisherigen Reaktionen vieler von Euch, auch im Norte-Forum, bewegen mich, Euch eine etwas andere und natürlich persönliche Sicht auf das ganze Thema zu schreiben.

Die meisten (natürlich nicht nur) deutschen Pilger sind recht wohlhabend und laufen mit Tagesbudgeds, bei denen 2 € mehr oder weniger so gut wie keinen Unterschied machen.
Es gibt aber eine Menge Leute, die, wenn sie lange unterwegs sein wollen, mit sehr wenig Geld laufen und das, ohne irgendwen auszunutzen oder in Donativo-Herbergen besonders zu geizen.
Für mich z.B. sind zwei Euro eine Mahlzeit und ich gehe zwei bis fünf Monate im Jahr mit einem Tagesbudget von 10 €. Warum, weshalb und wie ich das so mache ist ein anderes Thema (bitte nicht in diesem Thread).
Es funktioniert immer noch und selten fehlt mir was (ausser manchmal GefährtInnen, die auf ähnliche Weise pilgern (ich lebe aber auch sonst so...., das ist kein Sport von wegen "mit wie wenig Geld schaffe ich den Camino").

Also die Ankündigung von der Preiserhöhung in Galizien war für mich das Signal, diesen Winter weniger die guten galizischen Herbergen nutzen zu können, die ich so schätze, weil sie wirklich nie geschlossen werden und oft sehr angenehm sind.
Stattdessen sind mehr Nächte im Freien angesagt.
Leider verliert sich immer mehr die Möglichkeit für all diese Pilger/innen (das sind auch viele junge Leute, Leute aus Osteuropa, Leute die einfach wenig Geld zur Vefügung haben aus unterschiedlichsten Gründen), sehr einfache, sehr günstige Unterkünfte zu finden.
Es gab mal viel mehr davon, oft ohne Dusche oder nur kaltes Wasser, Matratze auf dem Boden oder auch ganz ohne, aber ein Dach über dem Kopf und die Möglichkeit, andern zu begegnen (was beim draussen übernachten nicht so ist).
Diese Unterkünfte wurden von den Pilgern selbst sauber gehalten und es wurde manchmal sogar Essen dagelassen für die nächsten (das alles kenne ich vor allem aus Frankreich).
Leider ändert sich halt auch die Haltung der allermeisten Pilger, denn wo es solche Unterkünfte noch gibt, werden sie immer weniger respektiert (Siff, Sachen kaputtmachen, klauen...usw.)
Und die Mehrheit scheint Komfort zu wollen.
Dabei kann es so gut sein, zu entdecken, was für ein Fest eine warme Dusche ist! Ein Luxus! Wasser aus dem Hahn! Warm!!Phantastisch!

Die Übernachtungspreise auf dem Camino steigen, aber die Renten, der Lohn aus Minijobs, oder auch Einkommen in anderen Ländern steigen nicht immer. Es müsste doch für alle möglich bleiben, den Camino zu laufen, aber sehr einfache Unterkünfte werden wohl auch deshalb weniger, weil sie als Konkurrenz angesehen werden. Tja.
Aber wer deshalb glaubt, Geld regiere die Welt, irrt..... :)

Bei den galizischen Herbergen dachte ich, vielleicht zu Unrecht, dass sie in ihrer Schlichtheit und mit dem großen Pilgeraufkommen (plus Unterbestzung und miserabler Bezahlung des Personals) doch sicher locker hinkommen mit 6 € und hoffte, dass es noch lange dabei bleibt, wie auch andere Herbergen nicht erhöhen. Aber es wäre auch toll, wenn es möglich wäre ein Solidarsystem zu haben, wie z.B. dass jeder der mehr geben kann, dies tut und andere dafür weniger bezahlen müssen. Der Idealfall der Donativos (das waren ja die galizischen Herbergen zu Anfang).
Aber klar...ich weiss schon... utopisch in der Umsetzung...so schade...
Aber wäre es vielleicht angesichts derer, die durch die vielen Preiserhöhungen Schwierigkeiten haben und mit einfachsten Unterkünften glücklich wären, eine Initiative wert, sich an die spanischen Jakobusvereine zu wenden? Ob solche Unterkünfte nicht wieder eingerichtet werden könnten?
Oder eine andere Idee? Bin ich da naiv ?
Keine Ahnung. Aber vom Pilgern wird mich das alles eh nicht abhalten.

Simone

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Bertram
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Re: Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Beitrag von Bertram » 24. Okt 2019, 18:51

Von 6 auf 8 ist eine Erhöhung um gut 33 % !
Und wenn das womöglich dann noch für die gesamten Kosten gilt - m.E. erheblich!

Gruß
Bertram
Bin ein Pilger überall.
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WoM
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Re: Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Beitrag von WoM » 24. Okt 2019, 22:58

Hi Simone,

vielen Dank für deine Offenheit!

Ein spannender Gedanke! Sicherlich wäre es eine tiefe persönliche Erfahrung zu versuchen mit 10-15€ am Tag auszukommen.
Ob ich jetzt 30 oder 35€ am Tag brauche, darüber mache ich mir keinen Kopf. Mich bestimmt der Gedanke, dass viele Spanier am Weg davon leben ...

Grüßle Wolfgang
Nach dem Camino ist vor dem Camino 8-)

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Raimund Joos
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Re: Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Beitrag von Raimund Joos » 31. Okt 2019, 19:18

Hallo Simone

Vielen Dank für deinen Beitrag und dafür, dass du den Mut aufbringst, dich dazu zu bekennen eben nicht dem allgemeinen Trend zu folgen den Jakobsweg immer mehr oder fast nur noch mit den Kriterien eines normalen Tourismus zu beurteilen.

Grundsätzlich finde ich, wie ich schon mehrfach geschrieben, habe € 8 sachlich angemessen (10 € wären aber m.E. an einigen Orten zu viel).

Es gibt viele berechtigte Art und Weisen den Weg zu erleben, persönlich finde ich es allerdings schon bedauerlich, dass der Jakobsweg immer weniger im Sinne eines bewußt bescheidenen Lebens verstanden wird und bescheidene Pilger sich gegen den fast schon pauschalen Vorwurf zu Wehr setzen müssen sie seien eben einfach nur geizig. Diese Art von Pilgern die sich mit wenig zufrieden gaben und deshalb eben den Jakobsweg nicht nur als Urlaub, sondern als Lebensstil gewählt haben werden nach meiner Erfahrung leider immer weniger und von vielen sogar als ein Problem des Jakobsweges betrachtet die man möglichst schnell verkrämen sollte, da sie nichts einbringen und den modernen Wohlstandspilger eher stören.

Großkotzigkeit und lapidare Bemerkungen wie 2 bis 4 € mehr können doch für niemanden ein Problem sein - da man denn eben einfach ein Bier weniger trinkt solle und ja sowieso schon mit teuren Kleindern rumlaufe stoßen heute kaum noch auf, da es der weit verbreiteten Mentalität vieler Pilger entspricht.

Leider ist es kaum möglich, einem Pilger, der den Weg noch nie so wie du (und vor Jahren auch ich) erlebt hat eine Haltung wie deine zu erklären.

Das Entsolidarisieren und die Auffassungen wie "Hauptsache mir gehts gut" und "Were ein Problem damit hat soll eben woanders Urlaub machen" macht sich eben auch bei Pilgern immer breiter.....

Der Jakobsweg ist heute leider ein massenfähiger Tourismus geworden durch den die alte Kultur des Pilgerns leider nur noch recht verblaßt durchschimmert .... aber sie schimmert noch durch (zB. in deinem Beitrag) ... und das ist schon mal was.

Ich denke inzwischen kann man leider nicht mehr davon ausgehen, dass die meisten Pilger die einem heute auf dem Weg begegen wirklich noch so etwas suchen wie vermutlich du. Das macht es nicht mehr ganz so einfach wie in der Vergangenheit Gleichgesinnte zu finde...

Ich wünsche dir deshalb um so mehr den Mut und die Kraft für deinen Weg ....

Bon Camino

Raimund

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Re: Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Beitrag von Simsim » 1. Nov 2019, 11:59

Danke für die Ermutigung, Raimund.

Ansonsten halte ich mich, so weit es mir gelingt, an den Spruch:

"besser ist, ein Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu klagen"

Ich denke Du hast über Deine Bücher die Möglichkeit, etwas beizutragen.
Leider ist es kaum möglich, einem Pilger, der den Weg noch nie so wie du (und vor Jahren auch ich) erlebt hat eine Haltung wie deine zu erklären.
Ja, das stimmt, daher LEBE ich ihn so und rede nur darüber, wenn ich gefragt werde (was ziemlich oft vorkommt).
Man kann ihn noch genau so erleben und viele tun das auch (eher weniger die Deutschen), aber man trifft sie halt kaum, weil sie, mangels einfacher Schlafplätze draussen schlafen müssen, wie ich auch.

Ich habe auch schon in anderen Beiträgen geschrieben, dass es auf uns selbst ankommt, den Weg in Ehren zu halten.
Und der Weg selbst macht es noch viel besser und überrascht Leute, trifft sie zutiefst, schenkt ihnen die Erfahrung von Großzügigkeit und Wohlwollen,
oft z.B. über die bewundernswerten Hosptalero/as, die trotz der Massen noch ihre offene, urteilsfreie Haltung beibehalten.

In meinen Augen geschehen die Wunder halt anders als noch vor Jahren und ja, vieles ist sehr bedauerlich, mehr als das....schwer erträglich.
Auf dem Camino, wie auch sonst. Dazu zählt für mich z.B. auch die Smartphonesucht....und manchmal muss auch ich schimpfen, jammern und klagen.

Aber wie gesagt, danke, es braucht etwas Mut, man fühlt sich manchmal einsam, und dennoch hält mich nix ab, so weiterzumachen.

Simone

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Re: Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Beitrag von Hobbypilger » 1. Nov 2019, 14:01

Raimund Joos hat geschrieben:
31. Okt 2019, 19:18

Der Jakobsweg ist heute leider ein massenfähiger Tourismus geworden durch den die alte Kultur des Pilgerns leider nur noch recht verblaßt durchschimmert .... aber sie schimmert noch durch (zB. in deinem Beitrag) ... und das ist schon mal was.

Ich denke inzwischen kann man leider nicht mehr davon ausgehen, dass die meisten Pilger die einem heute auf dem Weg begegen wirklich noch so etwas suchen wie vermutlich du. Das macht es nicht mehr ganz so einfach wie in der Vergangenheit Gleichgesinnte zu finde...

Raimund
Diese Meinung wundert mich nun schon etwas. Ich denke, dass die Pilgerführer, damit meine ich die Wanderbücher, und andere Publikationen einen erheblichen Anteil am Zustrom auf den Pilgerwegen haben.

Ciao
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Re: Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Beitrag von Camineiro » 1. Nov 2019, 14:56

Hobbypilger hat geschrieben:
1. Nov 2019, 14:01
Raimund Joos hat geschrieben:
31. Okt 2019, 19:18

Der Jakobsweg ist heute leider ein massenfähiger Tourismus geworden durch den die alte Kultur des Pilgerns leider nur noch recht verblaßt durchschimmert .... aber sie schimmert noch durch (zB. in deinem Beitrag) ... und das ist schon mal was.

Ich denke inzwischen kann man leider nicht mehr davon ausgehen, dass die meisten Pilger die einem heute auf dem Weg begegen wirklich noch so etwas suchen wie vermutlich du. Das macht es nicht mehr ganz so einfach wie in der Vergangenheit Gleichgesinnte zu finde...

Raimund
Diese Meinung wundert mich nun schon etwas. Ich denke, dass die Pilgerführer, damit meine ich die Wanderbücher, und andere Publikationen einen erheblichen Anteil am Zustrom auf den Pilgerwegen haben.

Ciao
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Wir alle tragen zum heutigen Zustand des Caminos bei.
Nicht nur die Wanderbuchautoren ...
Alles unterliegt ständiger Veränderung ... auch der Camino.
Und jeder kann dazu beitragen, dass es sich zum positiven verändert.
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Re: Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Beitrag von Pooh_der_baer » 1. Nov 2019, 15:24

[/quote]


Wir alle tragen zum heutigen Zustand des Caminos bei.
Nicht nur die Wanderbuchautoren ...
Alles unterliegt ständiger Veränderung ... auch der Camino.
Und jeder kann dazu beitragen, dass es sich zum positiven verändert.
[/quote]

Zu Camineiros Zitat:

Als meine Frau und ich wir uns 1987 entschlossen, den Camino zu gehen, fanden wir kaum Informationen über diesen
Weg. So im Laufe der Jahre gab es dann eine richtig Infaltion: Bücher, Sendungen im Fernsehen.
Später Harpe und dann noch der Film "Dein Weg".
Wen verwundert es, dass der Camino so beansprucht wird.

Sicher können sich die meisten Personen auf dem Weg die höheren Übernachtungspreise bezahlen. Aber leider gibt es unter
diesen Einige, die die Donativo-Herbergen ohne ein Donativo verlassen.
Anreise mit dem Flugzeug, Abendessen und Ü aber nichts in das Körbchen gegeben. Muss doch nicht sein, war die Antwort auf meine Frage.
Habe ich 2010 und auch später erlebt.
Ein Hospitalero, der auch im alten Forum unterwegs war, kann davon ein Lied singen.

Ich bin mir sicher, dass der Betrag, den die öffentliche Herbergen einnehmen nicht alle Kosten der Herbergen deckt. Die Differenz
muss dann eh die Allgemeinheit zahlen. Wenn der Differenzbetrag zu hoch ist, schließt man die Herberge. Keine Kosten mehr.

Dann findet sich evt. ein privater Herbergsbetreiber. Der will dann davon leben und die Kosten von Unterhaltung und ggf. Kauf der Herberge
wollen auch gedeckt werden. Dann gibt es nur Herbergen auf höherem Preisniveau, was auch niemand will.
Zuletzt geändert von Pooh_der_baer am 1. Nov 2019, 15:26, insgesamt 1-mal geändert.
Wer sich nicht erinnert, den bestraft die Zukunft.

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Re: Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Beitrag von Hobbypilger » 1. Nov 2019, 15:56

Camineiro hat geschrieben:
1. Nov 2019, 14:56
Wir alle tragen zum heutigen Zustand des Caminos bei.
Da stimme ich dir natürlich zu.
Camineiro hat geschrieben:
1. Nov 2019, 14:56
Und jeder kann dazu beitragen, dass es sich zum positiven verändert.
Darf ich fragen was du damit konkret meinst? Mir sind auf meinem bisher einzigen Weg keine Menschen aufgefallen die sich daneben benommen haben.

Ciao
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Re: Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Beitrag von Thüringer » 1. Nov 2019, 16:04

Pooh_der_baer hat geschrieben:
1. Nov 2019, 15:24
Sicher können sich die meisten Personen auf dem Weg die höheren Übernachtungspreise bezahlen. Aber leider gibt es unter
diesen Einige, die die Donativo-Herbergen ohne ein Donativo verlassen.
Anreise mit dem Flugzeug, Abendessen und Ü aber nichts in das Körbchen gegeben. Muss doch nicht sein, war die Antwort auf meine Frage.
Habe ich 2010 und auch später erlebt.
Ein Hospitalero, der auch im alten Forum unterwegs war, kann davon ein Lied singen.
[/quote]

Das ist leider viel zu oft so. Dann wird noch an den aus bescheidenen Mitteln ( Aussage eines Hospitaleros) das Essen bereit gestellt und daran rumgemäkelt. Die Nähe des Spendenkästchen aber gemieden. Vor wenigen Wochen auf den France erlebt....ich rede nicht von den wenigen, die
wirklich einen Geldbeutel aus Zwiebelleder haben.....aber auch die hatten Kosten (Anreise), die sie irgendwie begleichen mußten.

Übernachte in Santiago in einer privaten Herberge in der Nähe der Kathedrale, dort ist der Preis von 11€( 2014) auf inzwischen 17€ gestiegen.

Thüringer
4 mal den Camino auf verschiedenen Wegen durch die Schweiz, Frankreich und Spanien von der Haustür nach Santiago.
Den de Norte, den Primitivo, der Ingles und Muxia/Finiterre mehrmals. Den Portuguese das letzte Drittel.

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Re: Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Beitrag von Camineiro » 1. Nov 2019, 16:17

Hobbypilger hat geschrieben:
1. Nov 2019, 15:56
Camineiro hat geschrieben:
1. Nov 2019, 14:56
Wir alle tragen zum heutigen Zustand des Caminos bei.
Da stimme ich dir natürlich zu.
Camineiro hat geschrieben:
1. Nov 2019, 14:56
Und jeder kann dazu beitragen, dass es sich zum positiven verändert.
Darf ich fragen was du damit konkret meinst? Mir sind auf meinem bisher einzigen Weg keine Menschen aufgefallen die sich daneben benommen haben.

Ciao
Detlef

Es geht nicht um „danebenbenehmen“, sondern um mehr Kommunikation unter Pilgern anstatt jeder für sich im Handy oder Tablet versunken zu sein.
Keinen Müll am Weg hinterlassen, Donativoherbergen entsprechend ent- (be-) lohnen, municipal-Herbergen nutzen wenn möglich. Auf Luxusherbergen verzichten, um einfachere Herbergen zu unterstützen ... etc.
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Re: Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Beitrag von Raimund Joos » 2. Nov 2019, 13:51

Hobbypilger hat geschrieben:
1. Nov 2019, 14:01
Raimund Joos hat geschrieben:
31. Okt 2019, 19:18

Der Jakobsweg ist heute leider ein massenfähiger Tourismus geworden durch den die alte Kultur des Pilgerns leider nur noch recht verblaßt durchschimmert .... aber sie schimmert noch durch (zB. in deinem Beitrag) ... und das ist schon mal was.

Ich denke inzwischen kann man leider nicht mehr davon ausgehen, dass die meisten Pilger die einem heute auf dem Weg begegen wirklich noch so etwas suchen wie vermutlich du. Das macht es nicht mehr ganz so einfach wie in der Vergangenheit Gleichgesinnte zu finde...

Raimund
Diese Meinung wundert mich nun schon etwas. Ich denke, dass die Pilgerführer, damit meine ich die Wanderbücher, und andere Publikationen einen erheblichen Anteil am Zustrom auf den Pilgerwegen haben.

Ciao
Detlef

Na - Das war jetzt wieder klar dass das kommt....

Pilgerführer gibt es schon seit dem Mittelalter und bevor der Outdoorfrührer erschienen waren, die ich großteils von meinem Vorgänger übernommen habe, gab es bereits schon Wanderführer von anderen deutschen Verlagen...

Ich werde wenig an dem Umstand ändern, dass Pilger mit Pilgerführern unterwegs sind aber kann meine Pilgerführer so schreiben, dass diese möglichst wenig für eine immer kommerzielle Art des Pilgerns "werben" und im Gegensatz dazu die Vorteile eines bescheidenen Pilgerns hervorheben und Pilger die in dieser Weise pilger wollen besonders unterstützen.

Über den Tranport von Rucksäcken schreibe ich dort deshalb z.B. bewußt nichts - und ebenso erscheinen dort bis auf zwei Ausnahmen keine Tipps, wie man die etwas weniger beliebten oder schwierige Stücke mit öffentlichen Transportmitteln abkürzen kann. Premiumherbergen, die immer mehr Pilgerhotels ähneln und über 13 € kosten kommen nur dann rein wenn es am Ort sonst nichts gibt und über Massageangebote und andere Wellnessangebote schweige ich mich bewußt aus....Wo Internet zu finden ist habe habe ich erst dann veröffentlicht, als die Herbergen ohne WLAN eher die (löbliche) Ausnahme waren als denn die Regel.
Mehr liegt nicht in meiner Macht als Autor ... die ich auch weiterhin so nutzen möchte.

BC

Raimund

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Re: Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Beitrag von Hobbypilger » 2. Nov 2019, 18:14

Raimund Joos hat geschrieben:
2. Nov 2019, 13:51
Hobbypilger hat geschrieben:
1. Nov 2019, 14:01
Raimund Joos hat geschrieben:
31. Okt 2019, 19:18

Der Jakobsweg ist heute leider ein massenfähiger Tourismus geworden durch den die alte Kultur des Pilgerns leider nur noch recht verblaßt durchschimmert .... aber sie schimmert noch durch (zB. in deinem Beitrag) ... und das ist schon mal was.

Ich denke inzwischen kann man leider nicht mehr davon ausgehen, dass die meisten Pilger die einem heute auf dem Weg begegen wirklich noch so etwas suchen wie vermutlich du. Das macht es nicht mehr ganz so einfach wie in der Vergangenheit Gleichgesinnte zu finde...

Raimund
Diese Meinung wundert mich nun schon etwas. Ich denke, dass die Pilgerführer, damit meine ich die Wanderbücher, und andere Publikationen einen erheblichen Anteil am Zustrom auf den Pilgerwegen haben.

Ciao
Detlef

Na - Das war jetzt wieder klar dass das kommt....
................................
Raimund
Ich wollte dir persönlich nicht zu nahe treten.

Ohne Pilgerführer und andere Publikationen wäre ich vermutlich nie einen Pilgerweg gelaufen. Ich bin froh, dass es Pilgerführer gibt.

Dein Bedauern über das Verschwinden der „alten Kultur des Pilgerns“ ist mir allerdings unverständlich, da eben auch durch Pilgerführer die Wege zur Veränderung der "alten Kultur" beitragen.

Ciao
Detlef

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Re: Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Beitrag von Simsim » 2. Nov 2019, 19:41

Hallo Detlef,
so kritisch ich die Bücher von Raimund sehe, so wenig gebe ich Dir recht.
Niemand lässt sich durch die Existenz eines Pilgerführers davon abhalten, den Weg auf seine/ihre Weise zu gehen.
Die Veränderungen haben völlig andere Ursachen.
Wie Raimund schon anmerkte, solche Führer, Landkarten etc. hat es immer gegeben.
Und es stimmt auch, dass Raimund versucht, die einfache Art des Pilgerns durch seine Tipps zu unterstützen.

Kritisch sehe ich seine allzu persönlich gefärbten Beschreibungen der Herbergen z.b. und die ganze, auf mich irgendwie überheblich wirkende Ausdrucksweise.Aber die Absicht nehme ich ihm ab, wenn es auch im Widerspruch mit dem Geschäftssinn steht, den er auch zeigt.
Aber wer ist nicht widersprüchlich?

Du? Ich?
Es ist zu billig, den Fehler und die Ursache für etwas was uns gegen den Strich geht, bei anderen zu suchen.
Es ist unbequemer, selbst alles zu tun, um das zu fördern, was wir uns wünschen.

Simone

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Re: Persönliche Sicht zu Herbergspreisen

Beitrag von CyrusField » 2. Nov 2019, 20:19

Das Raimunds Bücher eben dieser Veränderung so wenig wie möglich Vorschub geben, zeigt sich - meine ganz persönliche Meinung - übrigens auch ganz gut an einigen Bewertungen bei Amazon, in denen sich "Pilger" beschweren, es gäbe zu wenig Beschreibung der Sehenswürdigkeiten, die Karten wären zu schlecht und man müsse ein Navigationsgerät mitnehmen, dass Kneipen und Bars nur am Rande bzw. Herbergen/Hostels/Hotels vielfach gar nicht beschrieben werden.

Ich gestehe, dass ich außer den gelben Büchern kaum andere gedruckte Pilgerführer kenne. Aber z.B. die Buen Camino-App ist da ganz anders unterwegs. Dort werden schließlich alle Unterkünfte in einem Ort gelistet und bewertet. Wo werden also die meisten Pilger hingehen? In die hippe 5-Sterne-Herberge mit WLAN und Fußmassage oder in eine galicische Municipal , wo es außer einem Dach überm Kopf und einem Bett nicht viel mehr gibt?
Harrison Ford hat den verlorenen Schatz gejagt,
Michael Douglas den grünen Diamanten und das Juwel vom Nil,
Wallace und Gromit das Riesenkaninchen.
...und ich jage die gelbe Muschel. :geek:

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