De faro en faro: siguiendo el ritmo de la luz - Planung&Bericht von der Spanienquerung 2026

Weitere Pilgerwege auf der iberischen Halbinsel
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Caminista
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Re: Neue Pilgerpläne 2026

Beitrag von Caminista »

(118)-Peitho hat geschrieben: 19. Jun 2026, 20:24 Okay, das war tatsächlich so, dass ich nicht den Eindruck hatte, es interessiert wen.
Doch, sehr sogar. Nur war ich selbst unterwegs, als Du die Beiträge geschrieben hast, so dass ich sie erst heute gelesen habe - und kaum war ich durch, kam der nächste. :lol: Ich danke Dir für die bisherigen Berichte und freue mich auf die Fortsetzung.
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Simsim
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Re: De faro en faro: siguiendo el ritmo de la luz - Planung&Bericht von der Spanienquerung 2026

Beitrag von Simsim »

Ja, dito, vielen Dank!
angel2969
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Re: De faro en faro: siguiendo el ritmo de la luz - Planung&Bericht von der Spanienquerung 2026

Beitrag von angel2969 »

danke schön, das du den Weg mit unsgeteilt hast.
bc angel
(118)-Peitho
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Re: De faro en faro: siguiendo el ritmo de la luz - Planung&Bericht von der Spanienquerung 2026

Beitrag von (118)-Peitho »

Ein wenig Weg fehlt noch bis Gallur, ich nähere mich langsam nur, auch wenn der Teil ab dort schon im Forum steht. Ein weiteres Stück des Weges, ab Quinto, folgt nun:

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Der 30. Mai bedeutet auch einen Abschied vom ersten Paar Schuhe, durch deren Sohlenlöcher die aragonesische Sonne scheint. Hoffentlich warten in Burgos postlagernd bei Correos schon bald die eigens bestellten "Enkel" - DHL liefert nicht an Postämter, sondern nur Hermes, wie ich später feststellen muss. Ein Bild von mir an diesem Tage zeigt mich etwas ausgezehrt, sonnengebrannt, aber mit leuchtenden Augen, mildem Glanz auf den Haaren und mit einer gewissen Leichte in den Zügen. Es scheint, als ob ich mehr als Gewicht in den sandigen Fluren zurücklassen konnte, der Weg mich gefordert hat und zugleich umarmt.

Wir fahren an diesem Ebrotag noch einmal zusammen und nach dem Frühstück nach Quinto zurück. Obwohl so ein typisches Frühstück kaum den Energiemangel behebt, in den ich gekommen bin - auch wenn ich das an diesem Tag noch nicht wusste - steht ein Lauftag auf dem Programm: auch die letzten Kilometer bis Fuentes wollen gelaufen sein, für mich geht es danach weiter bis El Burgo de Ebro. Beim Ausstieg am "Busbahnhof" in Quinto ist es noch still, ein Samstag der Peripherie. Schon wenige Querstraßen später und nach der Gleisquerung des wirklich selten verkehrenden Zuges sind wir auf den Getreide- und Gemüsefeldern. Meist werden sie von offenen Kanälen mit Ebrowasser versorgt und sind eine deutliche Abwechslung zu den Tagen jenseits des Tales, sichtbare Lebensadern.

Cirren und flockige, hohe Cumuluswolken über morgendlichem Dunst weichen bald tiefblauer Klarheit des Tages. Gras blüht, Disteln, Mohn, Himbeeren, verstreute Haferrispen als Zeichen des Vorjahres, dazwischen gelbe und weisse Sprenkel. Wir sprechen wenig nur, beobachten, hören zu wie sich unsere Schritte in diese Wege einfügen. Dann und wann finden sich Schilf und Bambus, später wieder ausgedehnte Weizenfelder. Der Boden gelbrot, steinig, staubig, wird unterbrochen von murmelndem Wasser in Beton wenn ab und an Kanäle überquert werden, die grünende Gemüsefelder umranden. Die Feldwege verlaufen hier, sich immer wieder verzweigend, zwischen den nun häufigeren Häusergruppen. Dieses Morgens werden sie von einzelnen Hund-Mensch-Gruppen und ersten Spaziergängern genutzt, ein Pilgergruß verbindet uns kurz.

Die Trogform des Tales ist weithin erkennbar, beidseits verlaufen Anhöhen mit Windrädern, Stromleitungen und dazwischen Erosionsnarben und wie eingefleckt Streusiedlungen und Anwesen, Höfe und Landwirtschaftsbauten. Bizarr rostend stehen alte Bahnsignale, wo die Trasse das Land scheidet, verlorene Hinweisschilder und immer wieder vergessene Landmaschinen und abgelagerter Schutt. Ruinen und herausgeputzte Häuser und Anwesen wechseln sich ab. Bisweilen malt der Wind Muster und Wellen ins hellgelb wiegende Korn an den Seiten des Weges, Störche kreisen und alles ist vor allem eines: langsam. Es folgt einem still abgestimmten Rhythmus, die Zeit scheint zyklisch, nicht mehr linear und sich stetig verkürzend, bis der AVE vorüber- und hindurchrast, die aufgeregte Schafherde, frisch geschoren, übertönt. Wie ein plötzlicher Regenguss geht dies aber schnell vorüber, als ob kurz die überhitzte Stadt eingebrochen wäre, sich aber bald in der Weite verausgabt hätte. Noch weist der Pfeil geradeaus, doch dort schon beginnt der Drahtzaun, dahinter der aufgeschüttete Bahndamm. Es ist eine eigene Art Hinweis am und im Weg, der nun den so typischen Umgehungsbrückenbogen schlägt.

Auf die Ausrichtung der Muschel neben ihm ist ohnehin kein Verlass, das wird hier sehr flexibel gehandhabt. Auf der anderen Seite der Trasse blüht in seinem Weiss ein Zwiebelfeld. Bald kommen wir in Fuentes an, erneut, aber diesmal wird es ein finaler Abschied sein. Nach einer Caña und nachdem ich meinen für den ersten Wegteil zurückgelassenen Rucksack im Hostel geholt habe, breche ich schnell auf, denn der Tag misst 30km. Bis El Burgo wird sich aber die Landschaft, unverkennbar menschgeformt, nicht sehr verändern. An einzelnen Häusern begleiten mich Oleander, Feigensträucher und Rosen, eine Pracht für Falter, an der ich ein wenig teilhaben kann.

Die Unterkunft in (El) Burgo de Ebro stellt mich vor Herausforderungen: erst anwortet im Rathaus keiner, eine Mail bleibt ebenso ohne Reaktion. Als ich gegen 16:30 Uhr im Ort ankomme und den Schlüssel im Centro Social abholen will, weiss mensch dort nichts davon, ihn an Wochenende bereit halten zu sollen. Zum Glück findet gerade eine Hochzeitsvorbereitung statt und mir wird geholfen. Auf die typische Weise: setzt dich doch erst mal, trinkt das kühle Wasser hier und wir rufen mal wen an. Derjenige kennt wen, die Kette beginnt. Am Ende wird ein Angestellter der Verwaltung gefunden, der einen Generalschlüssel hat und mal eben zur Herberge fährt. Die dann schnell zu finden ist fast noch eine andere Geschichte wert. Das Haus ist als Refugio zu klassifizieren, ich teile es nicht, zumindest nicht mit Menschen. Ein undichtes Dach hat das Bad großflächig schimmeln lassen, aber sonst ist das Nötigste vorhanden, es wurde Platz für eine Mikrowelle, einen Heizlüfter, vier (zugegeben wacklige und zusammenreparierte) Betten und einen halben Tisch mit Stuhl gefunden. Kaum vorstellbar, dass hier mal eine Familie gelebt hat, aber dieses Haus hat gleiche Nachbarn und in den ethnografischen Museen der Region ist diese Wahrheit allzu deutlich. Später kümmert sich mein Gaskocher nach dem Besuch des Supermarkts um weitere Bedürfnisse. Und bei aller Kritik: Infrastruktur gerade auf den Nebenwegen in kleinen Orten zu erhalten, ist eine finanzielle und politische Herausforderung. Hier kostet sie mich das, was ich geben mag und ich bin versorgt! Der Camino del Ebro kann und braucht sich in Vielem zum Glück nicht mit touristischen Massenpilgerrouten mit ganz anderen Problemen vergleichen.

Letztlich versöhnt mich ein abendliches Fest vollends mit Tag und Ort. Ich hatte es schon beim Einkauf bemerkt. Als Pilger bin fremd und allein in solchen Momenten, aber das hat auch einen Reiz. Es ist die Möglichkeit ganz unverfälscht den kleinen Alltag eines Somnerwochenendes - diese Feiern sind Teil davon - im ruralen Spanien zu sehen. Hier feiert sich der Ort selbst, miteinander, die wenigen Gäste sind meist Verwandte, die Kinder bis um elf beim Schminken und Toben, ältere genießen die Musik, jüngere die Bierbankmomente miteinander oder sie gehen plakativ zu einer anderen Bar. Den Bezug zur Feier lösen sie aber dadurch nicht und erkennbar wissen sie das auch. In diesen Situationen scheint der Ort umfassend. An Ständen werden lokale Handwerklichkeiten verkauft, es gibt künstlerisches, Essen und zwischen Neuestem und den alten Geschichten des Ortes, vergeht der Abend und ganz am Ende der Straße versinkt die Sonne während es eben um römische Wurzeln und deren Gottheiten geht, um Verbindungen auf mancherlei Weise. Ein paar Tropfen fallen, das beunruhigt keinen, schnell endet es und zur Nacht schläft auch der Wind ein, hört auf hinter dem Türspalt Staub tanzen zu lassen, wie ich kurz vorm Einschlafen noch bemerke. Es ist der erste Abend wieder allein, es ist viel zu warm, aber schnell schlafe ich ein.
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Beste Grüße aus León, am Ende des Camino Vadiniense und vorm Beginn des Camino San Salvador
Zuletzt geändert von (118)-Peitho am 14. Jul 2026, 22:32, insgesamt 5-mal geändert.
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Simsim
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Re: De faro en faro: siguiendo el ritmo de la luz - Planung&Bericht von der Spanienquerung 2026

Beitrag von Simsim »

Toll geschrieben! Bilderreich, poetisch und lebendig. Ich kann die Atmosphäre fast riechen :D !
(118)-Peitho
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Re: De faro en faro: siguiendo el ritmo de la luz - Planung&Bericht von der Spanienquerung 2026

Beitrag von (118)-Peitho »

Jetzt ist der 30.5. komplett :)
(118)-Peitho
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Re: De faro en faro: siguiendo el ritmo de la luz - Planung&Bericht von der Spanienquerung 2026

Beitrag von (118)-Peitho »

Burgo de Ebro, 31.5.26

Gegen acht Uhr starte ich am Platz des Friedens, die Nacht war warm und der Geruch von Regen liegt in der Luft, es ist bewölkt und ein Tropengefühl eröffnet den Tag. Als ich die Tür ins Schloss ziehe tönt ihr Schnarren und Stöhnen durch die Gasse, nur Wind und ein seltenes, vorbeiziehendes Auto durchbrechen den Stillstand dieses Sonntags. Fremd wirkt das Zischen des Trinkbrunnens auf dem Platz, fremd das hallende Tappen meiner Schritte. Gab es gestern noch so etwas wie eine unbesprochene Übereinkunft, dass ich als Pilger Beobachter, Teilhaber, Besucher sein darf, so wirkt der Morgen als ob ich mich besser bald entferne, weiterziehe, da das zurückbleibende und das nur passierende Moment in der Stunde des Aufbruchs nicht mehr zusammenfinden können. Keine Bar, kein Frühstück heissen mich verweilen. Das hatte ich von der grauen Stadt erwartet, mein Supermarktfrühstück noch im kleinen Geviert der Pilgerzuflucht eingenommen. Ein Blick zurück zeigt Moos, kleine Blüten, erstes Gras auf dem Dach meiner Unterkunft. Meine ersten Schritte sehen nur die Schwalben und ein einzelnes Pilgerspiegelbild flieht auf dem Fensterglas geschlossener Geschäfte und Häuser vorbei. Ein weißgrauer Asphaltweg führt zum Stadtrand, zum Ebro, nach Nordwesten und dann in die Morgensonne.

Der Fluss mäandriert, in einigen Bögen folge ich ihm, so manchen schneide ich ab. Ich folge dem GR99, Pfeile sind selten, aber so lange ich den Fluss zur Rechten habe, braucht es wenig Hilfe. Ein 08:14 Uhr aufgenommenes Foto zeigt Azulejos am Tor der Finca Santa Anna: Privateigentum - Zutritt verboten! Umher Heuballen, Tannen, Strohblumen, Hartgras und Lattichgewächse.

Weißer Kalkstaub des Feldwegs bedeckt bald die Schuhe, bisweilen sehe ich den Fluss, seine Ufer und Schleifen, dann wieder nur den einsamen Weg selbst. Bald soll ich in La Cartuja Baja, der Karthause, die einst diese Gegend sozial und geschichtlich prägte, passieren, doch vorerst dominiert die Autovía del Ebro zur Linken, Strommasten, storchennestbekront, zur Rechten, und der Eindruck, dass dieses Gebiet nur noch Passage ist, nur wenig mehr als vergessener Zwischenraum - Seitenstreifenromantik für Pilger. Zaragoza A-68: 8km sagt ein blaues Schild mit Reflektoren.

Ein weisser Citroën steht am Wegesrand, strohgefüllt, strohbedeckt, tief in seine Radkästen eingesunken, wie ein Widerstreit von Kraft und Beharrung. Mit seinem leeren Fahrerplatz scheint er festgewachsen und zugleich wie in Erwartung: eine Zwischenwelt von Feld und Autobahn. Er steht und wartet in Überfüllung, ich laufe vorbei, mein Rucksack knarrt leicht, die Autobahn rauscht. Worin fügen sich meine Schritte, die es nach Zaragoza zieht? Mein Schatten gleitet sanft über seine Seiten, über Radkästen und Stroh hinweg, fällt leicht in Richtung Stadt und Autobahn.

Eigentlich soll ich das kommende Dorf links des Pfades liegen lassen, doch ich entscheide mich, den Wegweisern nicht zu folgen. Was bliebe mir verborgen? Ich werde überrascht. Die frühere Kartause zur Unbefleckten Empfängnis hat ihre Mauern überwunden, ist Dorf geworden, der Kreuzgang Straße, die Zellen Häuser. Im Klosterhof tollen Hunde, Strebebögen und Kapitelle weisen himmelwärts und doch nur ins Leere. Auf Bündelpfeiler folgt ein Hausdach, der Klosterkirche und der Marienstatue eine geschlossene Bar. Ein Schild erklärt: der Innenhof und früher Friedhof sind jetzt ein Kinderspielplatz. Für mich wirkt das Ensemble wie ein Streit der Bedeutungen von Säkularisation. Ich sehe von Gras durchbrochenes Pflaster und aufgesetzte Ziegelmauern mit quadratischen Fensteröffnungen, LED-Straßenlaternen im Kapitelsaal. Der Ort erscheint mir als Matrix, wie eine Referenz und Abkehr. Ich lese ihn als profane Interpretation von Kloster und Klausur nach der Desamortización, als architektonisches und soziales Palimpsest.

Drei Straßen, einen Spielplatz und eine geöffnete Mauer weiter, wo an einem wohl stets offenen, verrosteten Metalltor schon Blumen wachsen, scheint das Dorf wie jedes andere. Eine Bar mit Edelsteinnamen, drei fröhlich lärmenden Radpilgern und sonntäglichen Besuchern präsentiert ihr Angebot. Ich begebe mich zurück in diese Gegenwart: Tostada und Kaffee, Saft, die obligatorische Ablehnung der Tortilla, zu emaillierten Schildern, die von Ambar und Guiness, von Route 66 und Burgern als Familientherapie künden. Es ist der Ort eines Frühstücks eines Pilgers, eines Wanderers, des ewigen Gastes - des Vorübergehenden.
angel2969
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Re: De faro en faro: siguiendo el ritmo de la luz - Planung&Bericht von der Spanienquerung 2026

Beitrag von angel2969 »

Danke schön, toller Bericht, ich kann förmlich dir auf dem Weg zusehen, so lebendig beschrieben.
bc angel
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Simsim
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Re: De faro en faro: siguiendo el ritmo de la luz - Planung&Bericht von der Spanienquerung 2026

Beitrag von Simsim »

Sag mal, bist Du ein professioneller Schreiberling?
Deine Texe sind so hochqualitativ, dass Du, wenn Du es nicht eh schon tust, viel mehr Leute als uns paar Forianer an Deiner Kreativität teilhaben lassen solltest! Finde ich. :D
(118)-Peitho
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Re: De faro en faro: siguiendo el ritmo de la luz - Planung&Bericht von der Spanienquerung 2026

Beitrag von (118)-Peitho »

Nein, gar nicht :) Aber ich habe ein vor vielen Jahren nicht abgeschlossenes sprachgeschichtliches Studium in meinem Lebenslauf, was wohl auf ein gewisses Interesse deutet.

Der Teil von La Cartuja Baja übe Zaragoza bis Gallur (31.5.-5.6.) ist noch im Werden.
(118)-Peitho
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Re: De faro en faro: siguiendo el ritmo de la luz - Planung&Bericht von der Spanienquerung 2026

Beitrag von (118)-Peitho »

Gegen elf Uhr kehrt der Weg zum Seitenstreifen zurück. Zuvor sehe ich Zeichen der Debatte um die Anbindung der Umlandorte an die Hauptstadt Zaragoza, um die lokale Buslinie, und um die Gelder für die öffentlichen Sportanlagen und Freibäder, die jetzt im Mai noch geschlossen sind. "Wir sind auch Zaragoza!" Wie stets schwankt so ein Ruf zwischen Normativ und Appell. Möglichst zügig versuche ich die nächsten 1,5km zu absolvieren, vorbei an Tankstelle und Mobilfunkmast, überholt von zahllosen Autos und Lastwagen, jenseits des Asphalts das Industriegebiet San Valero, diesseits etwas, das wohl als 'erschlossenes Land' gilt, ein schattenfreies Straßenraster mit Strom- und Wasseranschlüssen, die unter grotesken Verrenkungen ihre Kästen verlassen. Eingestreut parken Trucks zwischen Schutt und im Wind umherrollenden Kaffeebechern. Sie bleiben liegen, wo Disteln und anderer Widerstand größere Zukunftspläne ignorierten. In solche Betrachtungen versunken übersehe ich fast das Quad, das diese Brache als Übungsfläche nutzt und ebenso überrascht ist.

Bald wende ich mich dem Ebro wieder zu, der Pilgerweg verläuft auf dem Camino Natural de La Alfranca zum Auengebiet des Ebro hin, das ihn wie ein grünes Band umsäumt. Im Fluss liegen flache Inseln, es gibt Aussichtspunkte und Tafeln zur Vogelvielfalt, der lange Vormittag wechselt sonnenmatt und flußträge zum Mittag, als ich der der Stadt nun merklich nahekomme. Immer häufiger werden Jogger:innen, Menschen mit Hunden; ich werde von Radler:innen überholt und gegrüßt, als ein Umweg übers Feld führt, weil der Uferweg kurz nach der Einmündung des Gállego am letzten Bogen vor der Baugrenze weggespült wurde und abgebrochen ist.

Zaragoza betrete ich 17,5km nach El Burgo unter einer Auto- und Eisenbahnbrücke hindurch. Sofort wandelt sich das Bild zu einem Park mit Bänken, Trinkwasserbrunnen, gepflegtem Rasen und abgegrenzten Wegen, wenn auch ehemalige Kioske längst geschlossen sind, von allzu menschlichem Geruch scharf umweht. Den typisch deutschen sanften, langen Übergang von Vorstadt und zunehmender Bebauung und höher werdenden Häusern und Einfamilienhäusern nebst Vorgarten mit Waschkiesbrache gibt es nicht, hier setzen Städte unvermittelt ein. Es beginnt die dichte urbane Bebauung, auf beiden Uferseiten mehrstöckige Häuserfronten mit Flecken aus Klimaanlagen und kleinen Geschäften und Bars. Hinter dem Sperrwerk im Ebro sehe ich einen kleinen Hafen und ein Amphitheater, diesseits Bänke, Spielplätze und unter der Puente de la Unión eine verschlungene, glänzende Chromstahlskulptur wie eine Mischung aus Kristallgitter, Strompfeiler und menschlichen Gliedern, die sich zusammen dem Fluss zuneigen. Wurde hier Natur geformt oder eine gemeinsame Wachstumsrichtung gefunden?
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Re: Neue Pilgerpläne 2026

Beitrag von (118)-Peitho »

(118)-Peitho hat geschrieben: 17. Jun 2026, 09:09 Ich belasse es mit dem Bericht mal dabei :) Nur so viel: ich bin in Burgos angekommen.
Und gestern dann auch in Santiago, final und abweichend über den Norte, nach 1709km seit Anfang Mai. Noch bleibt das kleine letzte Stück wie ein Auslaufen in der Abenddämmerung nach Fisterra, aber langsam läuft die Welle dieses Fahrwassers ab und ich habe nicht das Gefühl schon irgendwo angekommen zu sein.
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beliperegrina
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Re: De faro en faro: siguiendo el ritmo de la luz - Planung&Bericht von der Spanienquerung 2026

Beitrag von beliperegrina »

Wie schön, eine tolle Tour. Danke für deine Berichte.
Einen guten Abschluss wünsche ich dir, buen camino für alle weiteren deiner Wege.
Beate
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