Zurück vom Olavsweg - Kurzfazit und ein paar Tipps

Von Oslo nach Trondheim
Antworten
Benutzeravatar
donjohannes
Beiträge: 352
Registriert: 21. Jul 2019, 21:40

Zurück vom Olavsweg - Kurzfazit und ein paar Tipps

Beitrag von donjohannes »

Ich stell vielleicht noch eine längere Zusammenfassung zusammen. Aber hier ist ein Kurzfazit:

Meine Vorbereitung:
Prof Kenneth W Harl, the Great Courses - "The Vikings" - 36 Lektionen zur Vikingerzeit
Sigrid Undset - "Kristin Lavransdatter" (1200 Seiten Roman über die namensgebende Protagonistin, die im 14. Jahrhundert lebte. Der Olafsweg kommt darin auch vor. Gute Hilfe um das christliche Leben im Mittelalter in Norwegen im Rahmen einer fiktiven Geschichte zu verstehen), 1928 wurde dieses 3-teilige Werk mit dem Literaturnobelpreis gekrönt. Für mich waren damit viele Orte zwischen Oslo (mit seinen Ruinen), im Gudbrandsdal mit Jorungard oder Husaby bei Skaun bis nach Trodheim selbst mit einer Geschichte verbunden, die den alten Steinen einen (fiktive) Zusammenhang gab,
Empfehlung: Sigrid Undset - "Saga of the Saints" - mit einer Olafsbiographie - ein eher komplexer und über weite Lebensstrecken nicht sehr heiliger Heiliger

Zeitraum - und Route
Am 6. Juni geflogen, am 7. Juni in Oslo losmarschiert auf der Westroute (zur Zeit da das alte Schiff noch nicht von Kapp nach Hamar fährt). Habe später die lutherische Pastorin Barbara getroffen. Sie ging die Ostroute und meinte, dort sei durch die Autobahn und den Flughafen lange und viel Lärm gewesen, neben dem vielen Asphalt... Dafür hatte ich Hamar nicht gesehen - verschmerzlicher, weil der berühmte Glasüberbau wegen pulverisierten Scheiben gesperrt war.
Ich hatte zwei Wochen Zeit bis Meslo Gard. Das liegt bei km 554 (wenn man ohne Schiff unterwegs ist). Zusätzlich bin ich im Dovre-Fjell zwei Bonus-Runden gelaufen + 80 km. Also bei 630 km bis dahin ein hoher Schnitt in den ersten 14 Tagen.
In Meslo Gard traf ich nach einem Ruhetag auf meine Pilgergruppe, die ich als Priester auf den letzten 110 km begleitet habe. Da war dann der Schnitt entsprechend entspannt. Wir kamen am 28. Juni in Nidaros an (und waren dann noch Radeln und Kajaken in den Fjorden um Bergen und Flam im Südwesten des Landes)

Fazit
- Die Norweger sind im Naturell zurückhaltend, aber rund um den Pilgerweg sehr freundlich und hilfsbereit
- Norwegen ist (keine Überraschung) teuer, auch wenn es im Supermarkt nicht so schlimm war, wie befürchtet
- Die Infrastruktur fand ich top. Auch wenn ich die meisten Nächte im Zelt verbracht habe, waren die Gapahuks und die Pilgerquartiere (dann im 2. Teil mit der Gruppe) wirklich top.
- Als Pilgerweg fällt er für mich in 4 Teile: 1) bis Lillehammer viel Straße, wenn auch manchmal mit Schotter und gelegentlich Wegen. Eher unaufgeregt und landwirtschaftlich. 2) Gudbrandsdal: hier nehmen die Höhenmeter zu, während man immer wieder die Hänge des Tals entlang hoch und runter marschiert. Landschaftlich wird es interessanter und es gibt die ersten Blicke auf den Schnee des Fjells. 3) das Fjell: absolutes Highlight und ich empfehle den Aufenthalt dort zu verlängern (mehr unter Tipps) 4) Trondelag: der Weg der letzten 160 oder so km ist manchmal sehr nett, wenn es über die Hochmoore geht. Sonst auch immer mal wieder so wie der erste Teil
- Sandalen waren ein gutes Schuhwerk aufgrund der Nässe (ich sah manchen Leder-Wanderschuh, der kaum mehr trocken wurde.
- Geregnet hat es fast jeden Tag (und ungewöhnlich viel, meinten die Norweger). Aber im Fjell - wo es am wichtigsten war - kam auch immer wieder die Sonne durch und ich hatte die sonnigsten Tage dort. Die offzielle norwegische Wetterapp YR ist "hilfreich". Sie zeigt eine der möglichen Wettersituationen (aber selten das was passiert)
- Der Weg ist stellenweise herausfordernd mit seinem auf und ab. Auch wenn das Höhenprofil nicht extrem scheint, macht man einige Höhenmeter durch die Rampen.
- Obwohl ich eher früh unterwegs war aber lange Tage ging, und somit nicht in einer "Blase" zwischen vorherigen und nachkommenden Pilgern blieb, habe ich eine Reihe von Pilgern getroffen. Viele Norweger (von denen die meisten in Etappen gehen) und einige Deutsche, einen Polen, eine Dänin, einen Neuseeländer, einen Texaner. Man hatte letztes Jahr, glaub ich 1400 Leute gezählt und steuerte früh in der Saison auf einen neuen Rekord zu. Im Gästebuch von Rhyphusan war ich der 4916. Pilger seit 1997 (aber alle haben dort nicht Station gemacht - und ich selbst lief noch am Abend weiter)

Persönliche Highlights
- die Norweger
- Im Juni wurde es nie dunkel. Es war ein einziger langer Tag. Schlafmaske war Gold wert.
- Unsere Liebe Frau von Gudbrandsdal, ein Projekt des jungen Priesters Matthias, der fast direkt am Pilgerweg die alte Schmide zu einer Kapelle umbaut
- die lebendigen katholischen Gemeinden in den Städten, wo es ein weltkirchliches buntes Bild der Migranten vieler Länder und viele Suchende und Konvertiten - vor allem unter den jungen Männern - gibt.
- Das Fjell und die Tour zu den Moschusochsen bei der Snohetta
- Das freundlich grinsende Portrait eines lutherischen Pastors im Quartier von Segard Hoel, der scheinbar wohlwollend meiner Messefeier zugesehen hat
- Der Nidarosdom ist wirklich schön. Aber auch der Weg zur kath. Kathedrale lohnt sich. Dort finden sich Reliquien des hl. Olaf, wo ich den Abschluss mit meiner Gruppe gefeiert habe (in der englischen Messe am Vorabend haben wir die musikalische Gestaltung übernommen). Es sind 3 Priester dort. Zuständig ist auch junge Priester Florian, der aus Deutschland kommt. Also holt euch einen Segen nach der Messe.

Tipps und Empfehlungen
- Wer so ankommt, dass er am ersten Tag (oder 2. Tag) nur ein bisschen laufen möchte, der findet bei Kjersti - einer Pilgerin - Zimmer nach 12 km im Haus Vugelsang. Es findet sich auf der pilgegrimsleden Seite im Internet, die allgemein sehr hilfreich ist!
- In Oslo die katholische Kathedrale nicht auslassen. Dort sind Reliquien von Olaf. Ein guter Startpunkt für einen religiösen Pilger.
- Das lutherische Kloster Engen mit Sr Eva und Sr Magnhild ist eine Besonderheit und nahe des Weges nehmen sie Pilger auf. Zwar kostet die Übernachtung offizielle 400 NOK (günstig), aber statt der Bezahlung kann man eine Postkarte aus Nidaros schicken (hab beides gemacht)
- Das Freilichtmuseum in Lillehammer mit seiner Stabkirche. Bekam eine Führung von Sebastian, einem Reinländer, der seit 20 Jahren in Norwegen lebt.
- Wenn es sich ausgeht in der Hütte von Stahlbergen (ober Tretten) übernachten und den ersten Blick auf das Fjell am Tagesende genießen
- eine andere nette Hütte ist Ovre Skar - mit Grasdach, und vielleicht Aussicht. Bei mir hat's geschüttet. Code 10km vorher im Pilegrimcenter in Dale Gudbrands erfragen und dort bezahlen.
- Im Dovrefjell. Es lohnt sich wirklich "Ruhetage" (Zusatztage) einzuplanen. Hab 1km aufwärts von der Hageseter Turisthytta bei einem Wasserfall übernachtet und bin tags darauf zur Grimsdalshytta gewandert. Sehr schöne Ausblicke auf das Rodane Fjell und guter breiter Wanderweg. Auch der Weg hinüber nach Nysaetrin war nett und gut zu gehen. Von dort - um die Schleife zurück zur Hageseter zuzuziehen - waren aber meine OSM Karten nicht mit der Wirklichkeit konform und ich hab mich im weitere Verlauf einen sehr sumpfigen Kilometer vorwärtsgekämpft. Es nahm ein gutes Ende, aber ich empfehle vielleicht den Weg zurück über das fjell zu nehmen. Die Schlaufe von Hjerkinn zu Snoheim, über denn Pass zur Reinheim Hütte (die Besteigung der Snohetta war im Juni noch nicht möglich) bot mir erstmals die Begegnung mit Moschusochsen (importiert aus Grönland vor 100 Jahren). War eine tolle, alternative Schlaufe nach Kongsvold, auch wenn zu meinem Zeitpunkt noch die Brücken über die Flüsse fehlten und ich so hinüber musste. Wer nicht mehr km laufen möchte, kann an einem Ruhetag vielleicht an einer Pferdesafari teilnehmen, die in Hjerkinn Fjellstue angeboten wird.
- wie oben erwähnt: man besuche die kath. Kathedrale in Trondheim, die 2016 gebaut wurde. Rechts vorne der Olafsaltar mit den Reliquien.
Zuletzt geändert von donjohannes am 3. Jul 2026, 12:30, insgesamt 4-mal geändert.
AT-Santiago (1998) FL-Etschmiadsin-Jerusalem-Rom-FL (2013-14) Via Alpina Sacra (2018)
Kolumbansweg IE-IT (2022) Martinsweg HU-FR Mitteroute Plus (2025)
Kartäuserpfad Köln-Kalabrien (2025)
www.4kmh.com
Benutzeravatar
TimCamino
Beiträge: 317
Registriert: 25. Nov 2023, 19:18

Re: Zurück vom Olavsweg - Kurzfazit und ein paar Tipps

Beitrag von TimCamino »

donjohannes hat geschrieben: 3. Jul 2026, 11:42 Also bei 630 km bis dahin ein hoher Schnitt in den ersten 14 Tagen.
Danke für den kurzen Einblick. Dein Tagespensum ist wirklich beeindruckend. :D
Antworten