[Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

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Hoib3rgA
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[Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Hoib3rgA »

01.05.26: Braga -> Caldelas des Santiago
- 17,8km
- 257hm ⬆️
- 356hm ⬇️
- Unterkunft: „Corredoura Garden“
- Abendessen: Restaurant „O Afonso“

Mein Tag startet heute in Porto in einem kleinen Guesthouse, nahe der Metro-Station Trindade.
Nachdem der Rucksack endlich gepackt ist, sitzt er auch schon auf den Schultern und ich ziehe los, um irgendwo frühstücken zu können.
Auf halbem Weg zur Metro Station finde ich ein kleines Restaurant, welches auch Frühstück anbietet. Passend für Portugal sticht mir gleich der Toasta Mista ins Auge. Dazu gesellt sich dann noch ein Galao (vergleichbar bei uns mit einem Milchkaffee), und der Tag kann beginnen.
Eigentlich war geplant, mit Bus oder METRO nach Braga zu fahren.
Da ich den Tag heute aber sehr gemütlich begonnen habe, steige ich doch auf Plan B um und bestelle mir ein Uber. 35 Minuten später lässt mich Edison, der Fahrer, an der Kathedrale in Braga aussteigen.
Nachdem ich einmal rechts herum um die Kathedrale gegangen bin, entdecke ich auf der linken Seite den Eingang zur selbigen. Na das fängt ja schon mal gut an 🙈
Im Vorraum zur Kathedrale erhalte ich meinen ersten Stempel, und frage noch kurz nach, ob ich für ein kurzes „innehalten“ in die Kapelle darf, woraufhin mir die Dame freundlich zunickt. Ich nehme auf einer der Bänke Platz, lass den Rucksack neben mich auf die Bank gleiten, um dann in Gedanken ein stilles und kurzes „Danke“ auf dem Weg zu schicken. Auf der Bank sitzend fülle ich nun auch den Pilgerpass aus, bleibe noch kurz sitzen, und mache mich dann, nachdem ich eine Kerze angezündet habe, auf den Weg meiner ersten Etappe.

Von der Kathedrale aus führt der Weg erstmal bergab. Irgendwie habe ich das Gefühl, man geht Richtung Strand am Meer 🙈. Nach den ersten 100m sieht man dann auch schon den ersten Wegweiser des "Caminho da Geira e dos Arrieiros", kurz CGA. An dieser wirklich übersichtlichen Wegweisung kann sich Porto, mit seiner Beschilderung des Camino Portugues, mal ein Beispiel nehmen ;-).
Gerade als ich Braga am verlassen bin, höre ich auf einmal hinter mir das Böllern eines Feuerwerks! „Am helllichten Tag?“ frage ich mich, während ich den Kopf nach hinten drehe um das Gehörte visuell zu bestätigen. Und tatsächlich hat jemand (die Stadt Braga?), mir zu Ehren 😇 ein Feuerwerk abgefackelt, weil ich mich gerade eben auf den Weg nach SdC gemacht habe. „Danke Braga, das wäre echt nicht nötig gewesen“ läuft bei mir im Kopf ein Gedanke ab, während ich grinsend weiterziehe.
Die heutige Etappe ist eher langweilig, man ist sehr viel an der Straße unterwegs, teilweise auch auf der Straße. Geschätzt macht es heute etwa 90% des Weges aus, dass man entweder auf Asphalt oder Kopfsteinpflaster geht. Ein paar wenige Strecken verliefen auf Naturboden, diese Wege war heute aber in der deutlichen Minderheit.
Nach etwa 8km gab mein Magen den Befehl „Einkehrmöglichkeit suchen, ich bin leer“. In Palmeira gibt es dann erstmal noch einen Wegpunkt, der verwirrend beschildert ist. Hier gehen gelbe Pfeile in alle Himmelsrichtungen. Einfach nicht verwirren lassen, und geradeaus weiter gehen, kurz danach geht es rechts hoch Richtung Hauptstraße. Hier kam ich dann auch dem Wunsch meines Magens nach, und nahm in einer Pastelaria Platz, und mir ein Gebäck, einen Galao und eine Cola zu gönnen. Nebst Verpflegung gab es hier auch gleich noch einen Stempel im Credencial, dem Pilgerpass.
Frisch gestärkt ging es an der Hauptstraße weiter Richtung Caldelas, der wieder perfekten Beschilderung folgend.
Meine heutige Unterkunft, ein Hotel mit Frühstücksbuffet, liegt direkt auf dem Weg, und ist somit leicht zu finden. Freundlich werde ich vom Hotelier empfangen und nach einer kurzen Erklärung, was hier wo zu finden ist, sagt er mir auch, wo ich mein Auto parken kann 🙈. Okay, hier steigen also eher selten Pilger ab.
Für das Abendessen gibt es einige Möglichkeiten, mich zieht es irgendwie ins „O Alfoso“. Ein eher unscheinbares Lokal, mit eher kleiner Karte, die dafür preislich mehr alles in Ordnung ist. Man sollte nur darauf achten, dass es hier auf der Karte halbe (1/2 Doz) und ganze (1 Doz) Portionen gibt. Die Bedienung klärt auf, dass die halbe Portion für eine Person ist, die ganze Portion hingegen für zwei Personen gedacht sei.
Nach einem leckeren, "halben" ;-) Abendessen, was fast nicht zu schaffen war, geht es zurück ins Zimmer, um die erste Nacht auf dem Weg zu verbringen.

Schön an der heutigen Etappe war, dass sie wirklich sehr gut beschildert ist. Nebst zwei Supermärkten auf dem Weg, um sich Verpflegung holen zu können, gab es auch einige Cafés, Bars, Bäcker und Restaurants, in welchen man einkehren konnte.

Das Frühstück für morgen gibt es im Hotel. Ich kann also erst mal ausschlafen.
Zuletzt geändert von Hoib3rgA am 17. Mai 2026, 23:02, insgesamt 2-mal geändert.
Liebe Grüße und Buen Camino

Chris
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Hoib3rgA »

02.05.26: Caldelas -> Campo de Geres
- 30,5km
- 825hm ⬆️
- 303hm ⬇️
- Unterkunft: „Casa dos Cobertos“
- Abendessen: „Casa dos Cobertos“

Von Regentropfen, welche an die Scheibe klopfen, werde ich gegen 7 Uhr geweckt. Erst dachte ich noch, ich würde träumen, war doch für heute, als auch die kommenden Tage, zwar bewölktes, aber trockenes Wetter angesagt.
Dass es auf dem CGA durchaus öfters mal regnet, habe ich schon gelesen gehabt, aber wer glaubt schon daran? 🙈
Langsam schäle ich mich aus dem Bett und springe in meine Klamotten um mich fürs Frühstück fertig zu machen. Ich betrete kurz darauf den Frühstücksraum, der für geschätzte 40 Leute ausgelegt ist, sehe ein wirklich reichhaltiges Buffet … für mich alleine! Gut, der Kaffee ist ausbaufähig, aber sonst? Es gibt alles was das Herz begehrt, und jede Menge selbstgemachte Puddings, Kuchen und Marmeladen.
Gesättigt frage ich bei einer der Damen freundlich nach, ob ich denn eine Banane mitnehmen darf, was mit freundlichem Nicken und „Si, Si“ bejaht wird.

Raus aus dem Ort führt der Weg stets bergauf, bis man eine altes, großes verlassenes Gebäude erreicht. Leider erkennt man nicht mehr, ob dies hier eine Fabrik, ein Bauernhof, oder einfach nur ein wahnsinnig großes Anwesen war. Der Weg führt durch einen großen Torbogen des Gebäudes hindurch, welcher dann auch erst mal die Grenze vom bisherigen Asphalt zum folgenden Naturweg bildet.
Obwohl es heute nur 15° hat, der Himmel bewölkt ist, bringen mich die Anstiege durchaus zum schwitzen. Der kalte Wind lässt mich fast schon frösteln, so dass mir gerade warm und kalt zugleich ist.
Nach ein paar Kilometern pilgert man dann auf dem alten Römerweg. Der Weg führt immer noch stetig bergan, mit nur kurzen Passagen bergab. Abwechslungsreich führt der Camino teilweise an alten, dick mit Moos bewachsenen Mauern entlang, teilweise durch Eukalyptuswälder und an Feldern entlang.
Nach etwa 15 km hinter Caldelas geht man auf ein Tor zu, welches den Weg versperrt. Aber keine Angst, das Tor lässt sich einfach etwas anheben, und aufschieben … schon ist der Weg frei für die nächsten Pilgerkilometer. Aber bitte nicht vergessen, das Tor hinter sich wieder zu schließen! Hier sollen schließlich nur Pilger weiter ziehen, nicht aber die Weidetiere, welche das Tor vermutlich zurückhalten sollte ;-)
Weiter geht es auf dem alten Römerweg mit einer unverändert schönen Landschaft.
21km nach dem Start der Etappe ist einem erneut der Weg versperrt, diesmal hat man die Wahl zwischen zwei Toren. Der CGA führt durch das linke Tor, welches sich nach außen öffnen lässt.
25km nach dem Start der heutigen Etappe in Caldelas erscheint dann ein kleiner unscheinbarer Laden auf der rechten Straßenseite, was für heute dann auch die erste Möglichkeit ist, sich mit Getränken sowie etwas zu essen zu versorgen. Nachdem es in Caldelas keine offene Einkaufsmöglichkeit gab, die Vorräte schon zu Ende waren, war dieser kleine Laden wie eine Oase für mich. Es gibt nicht viel, aber hätte ich einen Einkaufswagen gehabt, und keinen Pilgerrucksack, ich hätte ALLES leer gekauft.
Mit Keksen, Cola und Wasser bestückt, ging es jetzt auf die letzten 5km, die es nochmal in sich hatten. Und weil es noch nicht genug bergauf ging, darf man gleich nochmal einen weiteren Hügel hinauf gehen, um auf der anderen Seite wieder runter zu wandern.
Diese Etappe schlaucht mich, bringt mich ans Ende meiner Kräfte. Durch fehlenden Möglichkeiten einer Einkehr, und da es auch nicht wirklich irgendwelche Rastmöglichkeiten wie Bänke oder ähnliches gab, bin ich die 30km ohne Pause durchmarschiert, weshalb mir mein Rücken und die Beine schon sehr beleidigt sind. Ich hoffe, sie spielen morgen wieder mit, und lassen mich schmerzfrei in den Tag starten.
Nach einem scheinbar nie endenden Weg, stehe ich dann endlich vor meiner heutigen Unterkunft, ein Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad und gemeinsamer Küche. Der Check in erfolgt im Restaurant gleich nebenan, wo ich auch gleich nachfrage, ob man hier auch etwas zu Abend essen kann. Antwort „Ja eigentlich schon, aber man muss dafür reservieren. Aber, ich kann dir schon etwas machen, eine Kleinigkeit“. Okay, das reicht.
Ich beziehe mein Schlafgemach, ruhe mich kurz aus und belege dann das Gemeinschaftsbad.
Die Dusche ist mit zwei Drehknäufen bestückt, beide ziert eine blaue Markierung! Gut, ich drehe also den linken Hahn auf, wo normalerweise das Warmwasser angeschlossen ist. Nichts! Es kommt nur kaltes Wasser! Na das kann ja was werden. In der Hoffnung, dass vielleicht die Leitungen vertauscht sind, drehe ich jetzt auch den rechten Hahn auf ... leider ohne einen "warmen Erfolg" zu bekommen. Haben die hier echt nur Kaltwasser? Und es gibt deshalb zwei blaue Drehknöpfe? Ich drehe das Wasser nochmal zu, ziehe den Vorhang zur Seite, und werfe einen Blick auf das Waschbecken. Zwei Drehknöpfe, einer mit einer blauen, der andere mit einer roten Markierung. Okay, mal sehen. Ich hänge meinen Nassrasierer oben in eine der Ösen des Duschvorhangs, steige aus der Dusche und watschel zum Waschbecken - Ja, beim roten Drehknopf kommt warmes Wasser aus dem Hahn. Also zurück zur Dusche - dritte Testphase: Ich drehe mal nur die rechte Seite auf, und siehe da, es wird warm! YES, strike :-) Sobald man aber das kalte Wasser mitaufdreht, kommt nur noch kaltes Wasser aus der Brause! Den Drehknopf für kalt darf man wirklich nur ein oder zwei Millimeter weit aufdrehen, um eine angenehme Duschtemperatur zu erreichen. Gut, also jetzt "schnell schnell" fertig werden, und dann nichts wie zurück ins Zimmer.
Um 20 vor 8 erscheine ich, frisch geduscht, im Restaurant … welches nun voll ist. Mit entschuldigender Miene schaut mich die Dame an, und meint, sie hat leider vergessen, dass sie eine Reservierung von 10 Personen hat, und das Lokal somit voll besetzt ist.
Ich frage, ob ich denn etwas mitnehmen kann? Da dies klappt, ziehe ich mich mit
- 1x Bifana,
- 3x Bolinhos (leider kalt)
- 1x Muffin
in den Händen in die Gemeinschaftsküche zurück, und lasse mir mein Abendessen munden.

Kurz darauf läuten meine Augen auch schon die Schlafenszeit ein, denn heute bin ich wirklich geschafft.
Zuletzt geändert von Hoib3rgA am 17. Mai 2026, 23:31, insgesamt 1-mal geändert.
Liebe Grüße und Buen Camino

Chris
andrea+wildgans
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von andrea+wildgans »

Danke, Chris, dass Du uns auf Deinem Weg mitnimmst!! Ich hab mir nochmal das Video von Ly über den Weg hervorgesucht... so dass ich zu Deinen Beschreibungen jetzt auch Bilder vor Augen habe! Und der Weg muss wohl sehr schön sein!
Dir ein "buen camino" (morgen scheint es ja über die spanische Grenze zu gehen!?) aus dem derzeit etwas regnerischen Emsland, Andrea
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Hoib3rgA
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Hoib3rgA »

Hallo Andrea,
ja der Weg an sich ist schön, wenn auch wirklich einsam.
Heute ist Tag 4 auf dem Weg gewesen, bisher habe ich 1 andere Pilgerin getroffen, die mir aber nur aus der Entfernung zugewinnen hat.
Und Verpflegung auf dem Weg … na ja … man muss schauen wie man zurecht kommt
Liebe Grüße und Buen Camino

Chris
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Hoib3rgA
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Hoib3rgA »

03.05.26: Campo do Geres -> Lobios
- 24,3km
- 424hm ⬆️
- 657hm ⬇️
- Unterkunft: „Hotel Lusitano“
- Abendessen: „San Bar Tolo Meu“

Heute endet die Etappe in Spanien, das heißt, man verliert, auf Grund der anderen Zeitzone, eine Stunde.
Geht man z.B. um 10 Uhr los, und ist 6 Stunden unterwegs, kommt man in Lobios um 17 Uhr an (6 + 1 Std.).

Man verlässt das Dorf durch eine schöne alte Gasse und würde dann, an der Hauptstraße angekommen, der Beschilderung nach links folgen. Wenn man hier jedoch geradeaus, beziehungsweise leicht rechts weitergeht, trifft man an der nächsten (übernächsten?) Kreuzung auf der rechten Seite auf eine Albuerge mit zugehörigem Restaurant, in welchem es Frühstück gibt. Man kann hier an dieser Kreuzung auch links gehen, und sieht direkt auf der linken Straßenseite einen Bioladen, in welchem man ebenfalls Frühstück bekommt. Folgt man dann dieser Straße weiter, trifft man unmittelbar wieder auf den Camino.
Nach etwa 2km erreicht man den See, an welchem der Weg auf der rechten Uferseite entlangführt. In einer Rechtskurve gibt es geradeaus einen schönen Fotopoint, jedoch ist das Wetter heute nicht auf meiner Seite, denn es ist stark bewölkt und es regnet. Aber was soll’s, ein Foto schieße ich dennoch. ;-)
Etwa 6km nach Campo de Geres hört man schon den Wasserfall tosen. Hier trifft man dann auch zum ersten Mal auf die alten römischen Steine, welche einen nun eine Zeit lang begleiten werden.
Rund 2,5 km später führt der Weg über eine Brücke, um eine Spitzkehre zu machen.
Ca. 11km nach dem Start der heutigen Etappe, erreicht man die spanische Grenze, welche nur noch optisch besteht. Besetzt sind die Zollhäuschen schon seit Jahren nicht mehr.
Der Weg folgt einen kurzen Moment der Straße, um daraufhin gleich links auf den „Camino naturales“ abzubiegen.
Hier besteht der Weg zumeist aus einem Naturpfad, welcher nach einer längeren Regenzeit durchaus sehr schlammig wird. In diesem Fall sollte man gleich vorher schon auf einen neu angelegten Weg ausweichen, welcher etwa 50 m linker Hand den Naturpfad begleitet. Beide Wege treffen später wieder aufeinander.

Leider hat man auch auf diesem Weg keinerlei Einkehrmöglichkeiten, oder sonstige Möglichkeiten, um sich mit Lebensmittel zu versorgen.

Der Check-In im Hotel ist etwas, sagen wir mal unfreundlich, man fühlt sich definitiv nicht willkommen. Mit einem freundlichen „Olaa“ reiche ich meinen Personalausweiß, welcher zugleich entgegengenommen und angeschaut wird. Nach einem kurzen Blick auf die Reservierungen werde ich gefragt, wie ich denn gebucht habe. Okay, muss ich nachschauen. Nach kurzem Überlegen fällt mir ein, dass ich über deren Internetseite reserviert habe, was ich der Dame dann auch mitteile. Die kurze und knappe Antwort: „Sie braucht die Reservierungsbestätigung“. Zum Glück habe ich die Email gespeichert gehabt, und kann sie nach kurzem Suchen vorzeigen.
Daraufhin reicht man mir einen Zettel in englischer Sprache, mit den wichtigsten Infos zur Unterkunft. So wird dort z.B. erwähnt, dass das empfehlenswerte, auf deren Webseite angepriesene Restaurant des Hauses nur Freitag und Samstag geöffnet hat. Gut das heute Sonntag ist!
Frühstück gäbe es ab 7:30 Uhr, aber irgendwie möchte ich hier keinen Cent mehr als nötig lassen. Nachdem meine E-Mail mit der Bestätigung nun bis zum Ende durchgelesen wurde, holt die Dame erneut das Reservierungsbuch, legt es auf den Tresen, und setzt neben meinen Namen einen Haken. Ach ja? Warum denn nicht gleich so?
Egal. Ich beziehe dann also mal mein Quartier, welches „zufällig“ in der obersten Etage das letzte Zimmer auf dem Gang ist. 😡
Das Zimmer ist okay, den angepriesenen Fön gibt es jedoch nicht, was mir jetzt nicht all zu viel ausmacht. 😂
Dafür ist das Zimmer hellhörig. Durch das offene Fenster höre ich ein nicht weit entferntes kläffen mehrere Hunde, die wohl um die Wette bellen. Das Gebelle geht bis gut 22 Uhr, und startet ab ca. 6 Uhr morgens erneut. Ob das Fenster geöffnet oder geschlossen ist, tut dem Schallpegel von draußen übrigens nicht viel ab. :-)
Aber dazu dann morgen mehr ;-)

Frisch geduscht geht es auf Nahrungssuche. Gleich rechts neben dem Hotel gibt es ein Restaurant, in welchem die Küche, wie man mir mitteilt, heute nicht geöffnet hat. Im Betrieb gegenüber herrscht dieselbe Situation vor. Ein Stück die Straße hoch, Richtung „SPAR“ Supermarkt, befindet sich auf der rechten Seite das „San Bar Tolo Meu“, in welcher es nebst Abendessen, dann auch einen sehr schönen Stempel in das Credencial gibt.

Mit vollem Bauch ziehe ich mich in mein Schlafgemach zurück, in der obersten Etage am Ende des Südflügels gelegen.
Genug Höhenmeter für heute ;-)
Zuletzt geändert von Hoib3rgA am 17. Mai 2026, 23:43, insgesamt 1-mal geändert.
Liebe Grüße und Buen Camino

Chris
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Simsim
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Simsim »

Danke für Dein Tagebuch hier! Vielleicht wird so der Weg etwas weniger einsam.
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Hoib3rgA »

Simsim hat geschrieben: 4. Mai 2026, 21:38 Vielleicht wird so der Weg etwas weniger einsam.
Ja einsam ist der Weg tatsächlich, am Tag fünf habe ich zum ersten mal zwei andere Pilger, ein Mann und frau aus Italien, getroffen
Liebe Grüße und Buen Camino

Chris
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Hoib3rgA »

04.05.26: Lobios-> Castro Laboreiro 23km
- 24,7km
- 923hm ⬆️
- 398hm ⬇️
- Unterkunft: „Miradouro do Castelo“
- Abendessen: „Miracastro“

Eigentlich hätte es im Hotel ab 7:30Uhr Frühstück geben sollen, aber, dem ist nicht so. Hier ist alles dunkel und leer, weit und breit ist kein Angestellter zu sehen. Ich komme mir vor wie im Baumarkt, da trifft man auch nie einen Mitarbeiter wenn man einen bräuchte :-)
Aber gut, soll mir eh egal sein, ich hätte hier eh nicht frühstücken wollen. Das blöde ist nur, dass ich mir gestern beim Einchecken keinen Stempel geholt habe, und jetzt auch niemand zu sehen ist, der das noch machen könnte.
Nun ja, wer weiß für was es gut ist?!
Ich gehe wieder die Straße Richtung „SPAR“ hoch, wo sich direkt links daneben ein Café befindet, in welchem es Frühstück gibt. Eine wirklich sehr freundliche Dame zaubert mir einen „Café con Leche“ und reicht mir eine sehr lecker belegte Semmel. So lässt es sich in den Tag starten ;-)
Nachdem ich in der vorigen Unterkunft meinen Rasierer in der Dusche des Gemeinschaftsbades habe liegen, bzw. "hängen" ließ (natürlich ohne ihn benutzt zu haben), weil es in der Dusche ja erstmal nur kaltes Wasser gab und ich so nicht länger als nötig in der Dusche bleiben wollte, lege ich noch eben einen Abstecher im Supermarkt ein, um mir einen neuen Nassrasierer zu kaufen. Neben dem Rasierer finden noch eine Cola, eine Packung Kekse und 1,5 Liter Wasser den Weg über das Kassenband zu mir in den Rucksack.

Nun geht es endlich auf den Weg, welcher durch den alten Teil des Ortes hinaus führt. Nach einem kurzen Marsch erreicht man eine Tankstelle auf deren Rückseite des Gebäudes sich ein Naturpfad den Berg hoch schlängelt.
Nach rund insgesamt 3km führt der Weg durch ein schönes altes Dorf, mit einem Restaurant und Café an der Kreuzung des Ortes. Mein letzter Kaffee ist zwar noch nicht lange her, aber was soll’s. Lieber einmal zu viel Pause gemacht, als einmal zu wenig.
Etwa 1 bis 2 Kilometer nach dem Restaurant, kommt man in den nächsten Ort, der mit Supermärkten, Bars, Cafés und einer Apotheke aufwarten kann.
Und … das war’s auch wieder für diese Etappe! Die restlichen rund 15km ist man auf den Inhalt seines Rucksacks begrenzt, ab hier kommt keine Einkehrmöglichkeit mehr.
Nachdem es zuvor noch leicht geregnet hat, und jetzt noch ein ziemlich kalter Wind weht, suche ich kurz hinter dem Ort „A Pereira“ ein wenig Schutz unter einer Hecke, um Pause zu machen. Man glaubt gar nicht, wie gut auf einmal ganz einfache Kekse und eine Cola schmecken können ;-)

Kurz nach meiner Pause erwartet mich dann auf einmal ein Landschaftswechsel. Gefühlt ist man jetzt in einer Art Hochebene unterwegs, weit und breit blühen lila und gelbe Bodendecker, ringsherum sind überall Berge zu sehen. Welch wunderschöne Natur!
Kurz bevor es nun auf eine Straße gehen würde, zeigt ein Pfeil an, dass man hier links dem Naturpfad folgen soll.
Ab der Ländergrenze, die nur anhand eines Grenzsteins zu erkennen ist, macht es gedanklich kurz „Katschinggg“ als mir eine Stunde (Zeitumstellung) wieder gutgeschrieben wird. Der Weg wird nun wieder deutlich waldlastiger, und somit auch matschiger.

Etwa 4km vor dem Ziel sieht man bereits rechts oben am Horizont zwei größere Gebäude des Ortes "Castro Laboreiro". Das rechte Gebäude ist das Hotel „Miradouro do Castelo“, das Linke, mit der großen Fensterfront, das Hotel „Miracastro“, dessen Restaurant einen wunderschönen Blick über die Landschaft bietet.
Bis man dort ankommt, dauert es aber noch ein wenig, denn jetzt geht man erstmal noch auf dem Naturpfad weiter, bis dann etwas später eine Straße erreicht wird. Dieser folgt man, bis in den Ort Castro Laboreiro. Es geht zwar jetzt schon stetig bergauf, das harte Ende kommt aber erst noch. Etwa 2km vor dem Ort führt die Straße nochmals kurz bergab, so als würde sie einem sagen wollen „Und jetzt nehme Anlauf, gleich wird’s steil“! Die letzten 1,4km in den Ort gehen bergauf, und man legt auf dieser kurze Strecke 170 Höhenmeter zurück, was einer durchschnittlichen Steigung von etwa 12% entspricht.

Da das Einchecken irgendwie meine Hürde zu sein scheint, gestaltet sich dies auch hier erstmal nicht so einfach. An meiner Unterkunft laufe ich nämlich erstmal vorbei, da ich es nicht auf dem Schirm habe, dass dieses tolle Gebäude ein „Alojamento“ ist. Als ich dann am Ende des Ortes stehe, bemerke ich meinen Irrtum, drehe um, und gehe den Weg halt nochmal zurück. Gegen 16:20Uhr an der Unterkunft angekommen, ist die Türe verschlossen 😳. Ich klopfe - nichts. Einmal ums Gebäude herumgegangen entdecke ich den Eingang zum Restaurant, welches offiziell um 19 Uhr seine Pforten öffnet. Zum Glück kommt gerade das Personal an, so dass die Türe offen ist. Ich betrete das feine, gehobene Restaurant, denke mir schon „Oh mein Gott, hier kann ich mich nicht zum Essen reinsetzen“ als ich einen der Mitarbeiter anspreche. In perfektem portugisiesch teile ich ihm mit "meu nome Christian e tenho uma reserva". Daraufhin werde ich einmal genustert, und ein wenig entsetzt gefragt "Für das Restaurant????" - "Nein, für das Hotel!", was den Mitarbeiter irgendwie sehr zu beruhigen scheint. Er meint nur, ich solle ihm folgen, dies hier ist nicht das Hotel sondern das Restaurant. "Ach echt" denke ich mir "man schläft hier nicht auf Tischen?" währemd ich vom Mitarbeiter zur Rezeption geführt werde.
Eine ältere Dame zeigt auf zwei Umschläge mit Namen, welche am Tresen lehnen, einer ist mit meinem Namen beschriftet. Passt.
Da der Tag noch jung ist, ich schon einen leichten Hunger verspüre, lege ich meine Sachen nur eben schnell im Zimmer ab, und gehe gleich noch rüber zum gegenüberliegenden Café mit Supermarkt. Ich gönne mir einen, vermutlich letzten, Galao und ein sehr leckeres Stück Apfelkuchen. Mensch ist der Kuchen lecker! So schön saftig, ein toller Apfelgeschmack, einfach perfekt.
Im Supermarkt nebenan decke ich mich gleich noch mit Proviant für den morgigen Tag ein, und ziehe mit Wasser, Keksen, einer Banane und einer Dose Cola zurück Richtung Unterkunft. Rein? … komme ich nicht! Die Türe ist erneut verschlossen, und an meinem Zimmerschlüssel hängt nur der Schlüssel fürs Zimmer. „Gut“ denke ich mir, „gehe ich halt wieder über das Restaurant ins Hotel, den Weg kenne ich ja nun“. Aber diesmal ist auch diese Türe verschlossen!
Nun stehe ich da, in kurzer Hose und Badelatschen, beide Hände voll mit Lebensmitteln, bei 6°C Außentemperatur und einem eisig wehenden Wind. Zum Glück hat der Regen mittlerweile aufgehört. Ich schaue auf die Uhr, sie zeigt 17:55 Uhr. Das Restaurant öffnet um 19 Uhr, das Café, in welchem ich gerade war, schließt um 18 Uhr. Okay, ich muss da jetzt rein! Mit dem Ellbogen klopfe ich ans Fenster, woraufhin sich eine Nonne auf dem langen Gang blicken lässt! Vehement versucht sie mich davon zu stauben, und erklärt mir, dass der Eingang zur Unterkunft „links um das Gebäude herum“ sei. Jahaaa, das weiß ich! Aber die Türe ist verschlossen!!! Noch bevor mir das portugiesische Wort für "geschlossen" einfällt, dreht sie um und geht Richtung Durchgangstüre zum Hotel. „Yes“ denke ich mir, fetze außen herum zum Eingang und warte, und warte, und warte. NICHTS!
Die kommt einfach nicht! Also wieder zurück, aber auch im Restaurant ist sie nicht mehr zu sehen.
Also gehe ich erneut zurück zum Eingang der Unterkunft, und versuche in der Unterkunft anzurufen. Es klingelt, aber keiner hebt ab. Irgendwann hält neben mir ein Auto, und der Fahrer steigt aus. Hey, den kenne ich doch! Der hat mich zuvor doch schon vom Restaurant ins Hotel gebracht! Und tatsächlich, er ist es. Völlig verwundert warum hier abgeschlossen ist, greift er zum Telefon. Aber auch sein Anruf bleibt unbeantwortet. Kurzerhand geht er Richtung Restaurant, meint nur, ich soll kurz warten. Von innen höre ich dann Schritte heraushallen, woraufhin sich auch fast im selben Moment die Türe öffnet. In relativ gutem englisch sagte er mir dann „Es tut mir leid, die Türe sollte eigentlich nicht abgesperrt sein, ab jetzt ist sie wieder jederzeit offen“.
Ich bedanke mich für seine Hilfe, und husche hoch in mein Gemach, um endlich zu duschen und mich fürs Abendessen fertig zu machen. Nachdem das Restaurant im Hotel schon sehr gehoben aussieht, und ich da nicht in meinen Pilgerklamotten und Badelatschen einlaufen möchte, gehe ich einmal über die Straße ,um das dortige Restaurant aufzusuchen. Und da stand ich dann, mitten im Restaurant, in Pilgerkleidung und Badelatschen, in einem noch edleren Restaurant als bei mir im Hotel 😂
Aber gut, jetzt bin ich hier. Hier sitzt man direkt an einer Glasfront, welche man auf dem Hinweg schon von weitem gesehen hat, und hat dementsprechend auch eine atemberaubende Sicht über das Tal.
Gesättigt von einem sehr lecker zubereiten Beef-Burger mit selbstgemachten Pommes, einem Salat und einem Bier, verlasse ich lediglich 16€ ärmer das Restaurant … betend dass die Türe diesmal offen ist 🙈
Diesmal geht alles gut, ich darf durch die Pforte treten, und mein Schlafgemach aufsuchen.
Mit dem Gedanken an das morgige Frühstück, schlafe ich kurz darauf glückselig ein.
Zuletzt geändert von Hoib3rgA am 18. Mai 2026, 00:42, insgesamt 2-mal geändert.
Liebe Grüße und Buen Camino

Chris
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Simsim
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Simsim »

Die Skrupel wegen der Pilgerklamotten darfst du dir abgewöhnen :D. Es ist nichts verkehrt daran, als Pilger erkannt zu werden!
andrea+wildgans
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von andrea+wildgans »

Moin Chris, alles okay bei Dir???
In der Hoffnung, dass Du noch gut auf dem Weg bist - und einfach so viel spannende Sachen erlebst, dass Du deshalb nicht zum Schreiben kommst...
liebe Grüße, Andrea
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Hoib3rgA
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Hoib3rgA »

andrea+wildgans hat geschrieben: 7. Mai 2026, 23:54 Moin Chris, alles okay bei Dir???
In der Hoffnung, dass Du noch gut auf dem Weg bist - und einfach so viel spannende Sachen erlebst, dass Du deshalb nicht zum Schreiben kommst...
liebe Grüße, Andrea
Hallo Andrea,
klar ist alles okay ;-) Aber das Schreiben der Einträge erfordert doch einiges an Zeit, welche ich nicht unbedingt am Handy verbringen möchte. Deshalb kommen meine Einträge dann gerne mal ein paar Tage später.
Simsim hat geschrieben: 6. Mai 2026, 09:07 Die Skrupel wegen der Pilgerklamotten darfst du dir abgewöhnen :D. Es ist nichts verkehrt daran, als Pilger erkannt zu werden!
Ich hab da tatsächlich nicht wirklich Probleme mit ;-)
Aber man muss es ja auch nicht übertreiben.
Liebe Grüße und Buen Camino

Chris
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Hoib3rgA
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Hoib3rgA »

05.05.26: Castro Laboreiro -> Cortegada
- 29,7km
- 510hm ⬆️
- 1318hm ⬇️
- Unterkunft: „Casa do Cortegada“
- Abendessen: „Bar Rivera“

Scheinbar benutzt Petrus ein sehr altmodisches Handy, auf jeden Fall eines, ohne App für die Wettervorhersage. Laut App sollte es seit gestern Abend trocken sein, heute war nur für 12Uhr eine 20%ige Regenwahrscheinlichkeit vorhergesagt. Jedes Mal wenn ich nachts wach war, hörte ich die Regentropfen auf dem Dach vor meinem Fenster prasseln. Und auch morgens werde ich mit dem selben Geräusch geweckt. Ein Blick in die App zeigt jedoch ein unverändertes Bild, nämlich "kein Regen".
Egal, es ist wie es ist, jetzt erstmal frühstücken.
Im Speisesaal sind schon einige Tische mit Tellern und Tassen eingedeckt. So wie es scheint, bin ich die erste Person heute Morgen, denn es sind noch alle Tische frei.
Ich suche mir einen Tisch am Fenster, mit Blick über das Tal und den gestrigen Anstieg hierher, aus. Die Dame vom Check-In fragt in bestem Portugiesisch, was ich denn gerne hätte. „Café con Leite“ verstehe ich, nicke und werfe ihr ein freundliches „Si“ zu. Während ich mein Frühstück zu mir nehme, klart der Himmel etwas auf, und der Regen lässt nach, bis er schließlich ganz aufhört. Hat Petrus etwa einen Blick in seine App geworfen und sieht seinen Fehler ein? Dazu später mehr.
Als ich dann aufbreche, frage ich die Dame noch in Zeichensprache, was sie meint, ob es heute denn nochmal regnen wird. Sie deutet mir an „Vermutlich nicht“. Na das wäre ja prima!
Heute stehen etwa 28 km auf der Sollseite, nebst 1200 Meter Abstieg und 400m Aufstieg. Dazu kommt der erneute Grenzübertritt zurück nach Spanien, was bedeutet, dass auf meine Gehzeit nochmal eine Stunde oben drauf kommt.

Ich verlasse den Ort, vorbei an der Bäckerei mit Supermarkt, in welcher ich gestern noch eingekehrt bin, und mir auch gleich ein wenig Proviant für heute gekauft hatte. Gestern hatte ich noch kurz überlegt, ob ich mich heute Früh erst eindecken soll, was ich zum Glück dann doch schon gestern erledigt hatte. Denn eigentlich wird hier um 7 Uhr aufgesperrt, jetzt, um 9:30 Uhr ist jedoch noch alles dunkel und verschlossen.

Kurz hinter dem Bäcker sehe ich aus dem linken Augenwinkel zwei große schwarze streunende Hunde auf der anderen Straßenseite. In der Hoffnung, dass ich sie nicht interessiere, wenn ich ihnen keinen Blick zuwerfe, schreite ich mit den Trekkingstöcken weit nach hinten reichend, an den Hunden vorbei. Aber mein Hoffen verpufft, die zwei Hunde haben ihre Chance gewittert, etwas Liebe und oder Essbares zu bekommen. Beides würde ich ihnen wirklich gerne geben, weiß aber, dass ich sie in diesem Fall nicht mehr loswerde. Ich gehe also einfach weiter, ohne die Hunde zu beachten, halte meine Stöcke aber immer etwas hinter mir … ein wenig unwohl ist mir nämlich schon. Es dauert keine Minute, bis der eine Hund mich überholt, und voraus geht. Die zwei kennen auf jeden Fall den Weg, denn sie wissen genau, wo sie auf welchen Weg abbiegen müssen. Die zwei begleiten mich ein ganzes Stück aus dem Ort raus, vorbei an einer Sportanlage durch einen Park hindurch, bis der Weg dann auf eine Hauptstraße trifft. Der eine Hund hat die Straße schon überquert und wartet auf dem gegenüberliegend weiterführenden Weg auf uns (also mich und den anderen Hund). Und tatsächlich! Genau wo der eine Hund steht, zeigt die Markierung an, dass der Weg dort weiter ginge. Mein Handy sagt mir aber „Ne, geh hier links an der Straße entlang“, was ich dann auch mache. Das war dann auch das Ende der Begleitung meiner beiden allradbetriebenen Pilgerfreunde, die an dieser Wegkreuzung zurückbleiben.
Nachdem ich ein kurzes Stück an der Straße entlang gegangen bin, sehe auch schon rechts den offiziellen Weg hier herunter auf die Straße führen. Wir wären dann also wieder vereint ;-)
Im nächsten Ort, etwa 3,5km nach dem Start, führt der Weg rechts hoch, und mündet dann auf einen Naturpfad. Auf Grund des Regens gehe ich jetzt jedoch keinen Naturpfad entlang, sondern schreite in einem kleinen Bachlauf bergauf.
Der Weg schlängelt sich nun so dahin, bis es dann, nach etwa 6km auf der Habenseite, steil bergab geht. Der Weg wird deutlich schmaler, da nicht zuletzt auf Grund des Regens die mit Wasser vollgesaugten Äste der Büsche und Sträucher weit und tief in den Weg hineinhängen. Das hat schon ein wenig etwas von einem Urwald, eine Machete wäre sicher nicht verkehrt, vor allem da es sich teilweise um Sträucher mit Dornen und Stacheln handelt.
Im Ort Lapeja , rund 8km hinter Castro Laboreiro, versperren mir auf einmal zwei knurrende und kläffende Hunde den Weg! Erneut bin ich froh um meine Trekkingstöcke, welche ich heute eigentlich zum ersten Mal von Anfang an benutze. Jetzt dienen sie aber weniger der zusätzlichen Stabilität beim bergab gehen, sondern dürfen gerade eher meine „Komfortzone“ beschützen. Die zwei Hunde stehen etwas seitlich am Weg, als ich sie, mich mit den Stöcken breitmachend, passiere. Kurz nachdem ich an den beiden vorbei gegangen bin, höre und spüre ich, wie einer der Hunde seinen Standpunkt aufgibt, und mir kläffend nachläuft. Ich drehe mich geistesgegenwärtig um, stoße den einen Stock gerade von mir gestreckt zwischen mich und den Hund in den Boden und rufe „NO“. Kurioserweise verstehen das beide Hunde, und hören zeitgleich auf zu bellen, um wieder von dannen zu ziehen. Warum denn nicht gleich so?
Würde diese Etappe einen Titel bekommen, es wäre sicher irgendwas mit Hunden ;-)

Bestand das erste Drittel des Weges noch hauptsächlich aus Naturpfaden, so kommt jetzt die Zeit des Asphalts. Das Mittelstück ist sehr unspektakulär, man geht hauptsächlich auf Asphalt, durch ein paar Dörfer hindurch, natürlich ohne Cafe, Bar oder Supermarkt. Wann genau ich die Grenze zu Spanien überschritten habe, bekomme ich diesmal nicht mit. Beim Blick auf die Uhr bemerke ich irgendwann die Stunde plus, woran ich festmache, dass ich jetzt wohl in Spanien sein müsste. Im Kopf höre ich ein „Bauwauuwaaawauuuuu“, das Geräusch des „Zonks“ … falls jemand diese Sendung noch kennt.

In „Monterredondo“ kommt dann auch das einige Highlight der letzten Kilometer. Hier sind die zwei, lebensgroßen Puppen im Bushäuschen zu finden, die, was einige Bilder belegen, öfters mal umgezogen werden. Nachdem es seit gut einer Stunde regnet, und ich eh eine Pause gebrauchen kann, schieße ich erst noch schnell ein Foto für die Galerie der Outfits der beiden, und geselle mich dann zu ihnen. Während ich an meiner Cola nippe, und die Banane verzehre, denke ich mir, dass die zwei eigentlich einen Eintrag in Googlemaps wert sind. Warum also nicht einen Marker setzen, und einen neuen Eintrag hinzufügen! Zwei Minuten später bekomme ich auch schon die Email, dass mein Eintrag überprüft, und anschließend eventuell frei geschaltet wird. Mal sehen ;-)
Als Titel für den Eintrag habe ich „Los Eternos del Paradero“ gewählt, was so viel bedeutet wie „Die Ewigen der Haltestelle“.
Etwa eine Stunde später treffe ich dann auch zum ersten Mal auf andere Pilger auf diesem Weg. Ein Mann und eine Frau aus Italien, wie ich später erfahre.
Für den Weg habe ich extra Festivalbändchen designed und mir diese anfertigen lassen. Zum einen um sie anderen Pilgern zu schenken, oder um sie an einem der „Ablegepunkten“ zurück zu lassen. Bisher bin ich weder auf solche Stellen zum Ablegen und zurücklassen von Andenken gestoßen, noch traf ich auf andere Pilger. Freudig überreiche ich den beiden jeweils ein Bändchen, und bin von deren Freude und Dankbarkeit gerührt.

Der dritte Teil dieser Etappe besteht wieder überwiegend aus Naturwegen. Kurz nachdem man den „Rio Miño“ überquert hat, biegt der Camino links von der Straße ab.
Ein gutes Stück nach dieser Abzweigung, rund 25km nach dem Start der heutigen Etappe, geht man in einem Waldstück bergauf und kommt dann an eine Kreuzung. Der Weg geradeaus führt relativ steil bergauf, der nach links führt an einer kleinen Mauer entlang. Man muss hier links gehen! Leider ist der wegweisende Pfeil hinter einem an der Mauer angebracht, weshalb er beim gehen leicht übersehen wird.

Etwa 3 km vor dem Ziel will es der Weg nochmal so richtig wissen. Hier führt der Weg rechts hoch, und höher, und höher, und nochmals höher. Keine Ahnung wie das sein kann, denn laut Höhenprofil ist hier gar kein Anstieg zu sehen. Auch war nie davon die Rede, dass man hier auf steilem Gelände unter, quer über den Weg wachsender Äste und Bäume hindurch muss. Nachdem ich diese Passage gemeistert habe, bin ich kurz am überlegen, ob ich mich für die nächsten Meisterschaften im Limbo Tanzen anmelden soll … nachdem mir meine Knie jedoch nur fragende Blicke zu werfen und einen Vogel zeigen, verwerfe ich diese Idee dann doch.
Rund 1,5 km vor dem Ziel ist links eine Aussichtsplattform, welche auf den Fluss hinausragt. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf den Ort, und sieht auch gleich „Oh ne, der liegt ja oben!!!“
Es werden also die letzten Kräfte gesammelt, um ans Ziel zu kommen. Etwa 30 Minuten später stehe ich auch vor dem Tastenfeld an der Tür der Unterkunft, und versuche mein Glück mit dem PIN Code, welcher mir per WhatsApp mitgeteilt wurde. Das "Problem" ist diesmal, dass das Tastenfeld "aus" ist, sprich man muss es erst aktivieren. Jetzt die Preisfrage: "Zählt der erste Druck auf das Tastenfeld schon zum Pin?" - "Ja, tut er" ... stelle ich nach ein paar Versuchen fest. Irgendwann klappt es dann auch mit der Codeeingabe, und die Türe lässt sich öffnen.
Man sieht eine Rezeption mit Gästebuch, daneben ist ein Stempel samt Stempelkissen. Im Raum hinter der Rezeption befindet sich ein riessiger Gemeinschaftsraum, an welchen sich eine sehr große, und gut sortierte Küche anschliesst. Wow, einfach nur wow!
Als Empfehlung für das Abendessen, wurde mir unter anderem eine Bar in fußläufiger Entfernung empfohlen, welche somit mein Ziel des heutigen Abends wird. Auch wenn der Betreiber irgendwie wenig motiviert aussah, als man ihn nach etwas zum Abendbrot fragte, bekam ich dann doch ein wirklich leckeres Essen, und … auch einen Stempel ins Credencial.
Bevor ich zurück im Zimmer bin, telefoniere ich noch kurz mit zu Hause, falle dann kurz darauf, müde aber satt ;-) in mein Bett.
Zuletzt geändert von Hoib3rgA am 18. Mai 2026, 00:42, insgesamt 2-mal geändert.
Liebe Grüße und Buen Camino

Chris
andrea+wildgans
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von andrea+wildgans »

Danke, Chris! Und ich wollte Dir auch gar keinen Druck machen!! Klar braucht das Schreiben Zeit und auch Ruhe... und Priorität hat immer das, was Dir im Moment gut tut und die aktuelle Situation gerade "hergibt"!!! Du hattest uns die letzten Tage so verwöhnt, dass ich einfach ein wenig Sorge hatte... denn passieren kann ja doch immer mal was...
Aber ich bin froh, dass Du weiterhin gut unterwegs bist - und danke für Deinen Bericht!
Liebe Grüße und buen camino, Andrea
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Simsim
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Simsim »

Auch von mir wieder Danke! Du läufst ziemlich große Etappen!
Und das mit den Bändchen zum Verschenken ist eine tolle Idee! Kein Wunder, dass die beiden so berührt waren.

Alles Gute weiterhin!

Und zum Thema, dass wir uns Sorgen machen, wenn Du nichts schreibst: das war bei mir ja kürzlich auch so und daher hab ich, wenn ich an einem Tag nicht zum Schreiben kam, wenigstens das geschrieben:" Bericht folgt" oder ähnliches. Und wenn mal gar nix geht, ist das auch nicht schlimm. Und überhaupt, ich weiß, dass es ganz schön viel Zeit einnimmt, die Berichte zu schreiben. Bei mir ging das nur, weil ich so viel alleine war. In Gesellschaft würde ich auch nicht so viel Zeit am Handy verbringen wollen.
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Hoib3rgA
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Re: [Tagebuch] Camino Da Geira e Dos Arrieiros - Mai 2026

Beitrag von Hoib3rgA »

Ich bin heute in SdC angekommen ;-) Es muss sich keiner Sorgen machen. ♥️
Morgen habe ich einen Tag Pause, möchte endlich mal die Führung auf dem Dach der Kathedrale machen.

Weiß da zufällig jemand, ob festes Schuhwerk benötigt wird?

Übermorgen geht’s weiter nach Fisterra
Zuletzt geändert von Hoib3rgA am 10. Mai 2026, 21:13, insgesamt 1-mal geändert.
Liebe Grüße und Buen Camino

Chris
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