Live vom Camino ab März 2026

Von St. Jean Pied de Port auf dem navarrischen oder vom Somportpass auf dem aragonischen Weg nach Santiago
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Pilger Franz
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Re: Live vom Camino ab März 2026

Beitrag von Pilger Franz »

Gertrudis hat geschrieben: 7. Apr 2026, 23:06 So wünsche ich Dir, dass die Engel Dich beschützen!
Das wünsche auch ich dir!
BC
Franz
andrea+wildgans
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Re: Live vom Camino ab März 2026

Beitrag von andrea+wildgans »

Oh je... Dir viel Kraft für heute Nacht!!! Ich denk an Dich! Und mögest Du morgen/nachher ein gutes Plätzchen zum Trocknen und Ausruhen finden!
Ganz liebe Grüße, Andrea
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Klopfer66
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Re: Live vom Camino ab März 2026

Beitrag von Klopfer66 »

bow liebe Simone, dass ist doch nicht normal was Du so alles erlebst....siehst den Pfarrer tot aus der Herberge tragen. den Du kanntest und wertschätzest....und just dann regnet und donnert und gewittert es gewaltig....als wolle der Himmel seine Trauer zeigen indem er weint und zornig ist...

mir läuft ein Schauer über den Rücken....

Dir viel Kraft dies zu verarbeiten, dass gerade DU das zu genau dem Zeitpunkt erlebt hast.Es sollte vielleicht so sein um dass Du Dich gedanklich von ihm verabschieden kannst...es hat ja immer alles aufn Camino eine Bedeutung.

so nun hoffe ich die Nacht bei Dir war vom Gewitter (für mich wäre das ein Alptraum) noch erträglich und Du kannst morgrn Deine Sachen trocknen und der Himmel ist wieder gnädig und lacht und trõstet.

LG Claudia
der eigentliche Pilgerweg liegt im Alltag des Lebens
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Simsim
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Re: Live vom Camino ab März 2026

Beitrag von Simsim »

The day after :D

Bild

Es war krass. Eine der nassesten Nächte überhaupt. Aber alles geht vorbei und heute, liebe Claudia und alle Ihr anderen, die mir gute Gedanken gesendet habt, ist alles wieder gut.
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Simsim
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Re: Live vom Camino ab März 2026

Beitrag von Simsim »

Heute schaff ichs nicht mehr, aber morgen geht's weiter ;)
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beliperegrina
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Re: Live vom Camino ab März 2026

Beitrag von beliperegrina »

Liebe Simone,
Ich komme leider immer nur alle paar Tage dazu, ins Forum zu schauen, und da stehen deine Berichte immer ganz oben für mich.
Wie gut, dass du die nasse Nacht überstanden hast. Heute ist es hoffentlich besser. Alles Gute für deinen Fuß. Dieses Mal scheint der CF einige Prüfungen für dich bereitzuhalten. Aber du bist unglaublich stark. Hab eine erholsame Nacht und einen guten Start in den neuen Tag.
Liebe Grüße, Beate
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camina
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Re: Live vom Camino ab März 2026

Beitrag von camina »

Liebe simone,
bitte versuch frischen ingwer zu bekommen, den als tee trinken, scheiben in deine wasserflasche und gerieben im essen, ausserdem gel frio in der apotheke, stelle am fuss maximal kalt halten, damit enzündung zurück geht.
buen camino, heidi
Heidi
Hospitalera der
Albergue Taberna Vella
camino france, km 33,664
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Simsim
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Re: Live vom Camino ab März 2026

Beitrag von Simsim »

camina hat geschrieben: 9. Apr 2026, 10:21 Liebe simone,
bitte versuch frischen ingwer zu bekommen, den als tee trinken, scheiben in deine wasserflasche und gerieben im essen, ausserdem gel frio in der apotheke, stelle am fuss maximal kalt halten, damit enzündung zurück geht.
buen camino, heidi
Danke für die Tipps, Heidi!
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Simsim
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Re: Live vom Camino ab März 2026

Beitrag von Simsim »

Vom Wald hinter Santibanez nach Astorga

Mittagspause. Ich erzähl mal von gestern.

Also die Nacht im Wald bei permantem, teils heftigem Regen, war noch nasser als erwartet.
Immerhin ist jetzt klar, dass ich das Gatewoodcape unter solchen Umständen vergessen kann.
Es tropfte innen. Das Fußende des Schlafsacks lag in einer Pfütze...
Puh. Aber immerhin war der Himmel gnädig, denn gegen alle Vorhersagen hörte es am frühen Morgen auf zu regnen und ich konnte meine Sachen zusammenpacken.

Dann ging ich erstmal nicht weit. Eine knappe halbe Stunde bis zum Jardín del Alma, wo ich sehr lieb mit Umarmungen begrüßt wurde, einen Kaffee bekam und dann erstmal lange mit Kevin Neuigkeiten austauschte. Das tat alles schonmal sehr gut.
Es war aber kalt und grau und zu feucht, um meine Sachen trocknen zu können.

Ich ging also weiter, wollte nach Astorga zu der neuen Herberge der Franziskaner. Sie haben 30 2er Zimmer, da hatte ich Hoffnung auf eins für mich allein.
Aber am Kreuz von San Justo angekommen, kam plötzlich kräftig die Sonne raus und ich machte erstmal eine große Trockenaktion (Foto). Das war so ein gutes Gefühl, als nach einer Stunde die ganze nasse Nacht vergessen war und alle meine Sachen wieder trocken!! Was das ausmacht! Einfach die absoluten Grundbedürfnisse zu erfüllen!

Um 15 Uhr war ich dann in Astorga und an der Herberge. Und da wurde ich sehr freundlich von einem Bruder im Habit empfangen, bekam ein Zimmer mit Bad, er sagte "10 Euro Donativo". Naja, angesichts dessen Freundlichkeit verkniff ich mir die Bemerkung, dass Donativo eben nicht ein fester Beitrag ist...

Ich war eigentlich müde, sehr müde, aber es gab viel zu tun. Wäsche waschen, einkaufen, kochen, eine Freundin anrufen....keine Zeit für eine Siesta.

Um 19 Uhr war Messe in der sehr schönen Hauskapelle. Und den Rest berichte ich später.
Zuletzt geändert von Simsim am 9. Apr 2026, 21:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Pellegrina
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Re: Live vom Camino ab März 2026

Beitrag von Pellegrina »

Wie schön zu hören, dass du die schlimme Nacht heil überstanden hast und alles wieder trocken geworden ist! Das freut mich sehr!
Ich hatte mir bei deinem Foto schon Gedanken gemacht, wie schnell wohl so ein Schlafsack trocknet.
Ja, die Grundbedürfnisse... Deren Wichtigkeit habe ich erst beim Pilgern schätzen gelernt.
Haustür nach Santiago (Elsass, Via Podiensis, Camino francés)
Ökumenischer Pilgerweg, Ausoniusweg
Haustür nach Assisi und Rom (über Schweiz und Via Francigena)
Martinusweg (von Szombathely bis Reims, Fortsetzung folgt)
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Simsim
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Re: Live vom Camino ab März 2026

Beitrag von Simsim »

Ja, der Schlafsack war zum Glück nur am Fußende nass von außen.

Jetzt geht's weiter:

Die Messe war so wunderschön gestaltet von den ausgesprochen zugewandten vier Franziskanern.
Alle die wollten, durften in ihrer Sprache zur Messe beitragen und hinterher gab es einen Kreis um den Altar, eine kurze Runde, in der jeder etwas sagen durfte, und dann einen Segen.

Danach hatte ich noch ein Gespräch mit einem der Priester, das mir sowas von gut tat...
Und überhaupt, ich fühle mich seit gestern mit Geschenken überschüttet! Ach dieser Camino! Er ließ mich eine Nacht leiden, ich dachte an aufgeben, schaute nach Zügen und Blablacar, es gab beides, direkt gestern von Astorga nach Pamplona.....

Also ich schlief einen Erschöpfungsschlaf und als ich heute morgen die Treppe runterkam, waren die Brüder in der Kapelle und sangen die Laudes. Sie leiern die Psalmen nicht hastig und lustlos runter, wie ich es öfter erlebe, sondern sie beteten die Gesänge von Herzen und auch für uns aufbrechende Pilger.
Das war unbeschreiblich.
Irgendwie bekam in diesem Moment mein Camino seinen Sinn, für dieses Mal. Warum? Dafür gibt es keine Worte. Manches findet in den Tiefen der Seele statt, unmöglich es zu begreifen, aber dennoch völlig klar.

Und so ganz nebenbei waren heute sogar fast gar keine Schmerzen mehr in meinem Fuß zu spüren!!
Sowas!

Das Wetter heute und morgen könnte nicht günstiger sein, um die Berge zu überqueren. Ab Samstag wird es hier saukalt.
Also ging ich einfach los, die Sonne am Himmel und im Herzen, den Wind im Rücken.

Bald traf ich auf einen älteren Franzosen, der auch ein gemächliches Tempo lief und wir kamen in ein wirklich wunderbares Gespräch....und dann wurde ich noch zu Kaffee, O-saft und Tapas eingeladen. Danke!!

Und wie schön hier alles ist! Zahlreiche blühende Bäume und die hübschen Dörfer...im Winter ist es ja auch schon wohltuend, endlich in eine andere Region zu kommen, aber jetzt im Frühling ist es umwerfend, jedenfalls bei diesem Wetter.

Ich lief fast ohne Schmerzen die Strecke bis Rabanal, wo ich jetzt im Garten des Refugio Gaucelmo zelte. Es war in den 90er Jahren die erste Herberge in Rabanal und hier sind ja alle Herbergen schön, aber diese ist bei weitem die beste. Sie ist nur so gut wie immer geschlossen gewesen, wenn ich hier vorbei kam.

Alles wunderbar! Aber sowas von...... :)
Zuletzt geändert von Simsim am 9. Apr 2026, 21:34, insgesamt 2-mal geändert.
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Klopfer66
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Re: Live vom Camino ab März 2026

Beitrag von Klopfer66 »

liebe Simone, Du fragst was der Camino Dir gerade sagen will...
vielleicht prüft der Camino Dich gerade: "was machst Du aus unbequemen Situationen? Aufgeben?"

Auf den Körper hören, lansamer machen, umdenken.Und trotzdem einen wunderschõnen Camino haben.

Leid und Segen liegen nah beieinander.Das spürst Du gerade sehr stark.

Manche Dinge kann man nicht erklären und auf dem Frances schon mal garnicht.

Schõn, dass Du heute so wundersame Erlebnisse hattest und vor allem, dass Du kaum Probleme mit Deinem Fuss hattest.

Liebe Grüsse Claudia
der eigentliche Pilgerweg liegt im Alltag des Lebens
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Simsim
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Re: Live vom Camino ab März 2026

Beitrag von Simsim »

Vielen Dank mal wieder, liebe Claudia, für Dein Feedback!!
Flipper
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Re: Live vom Camino ab März 2026

Beitrag von Flipper »

Ich freue mich sehr so schöne Neuigkeiten von dir zu hören!
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Simsim
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Re: Live vom Camino ab März 2026

Beitrag von Simsim »

Von Rabanal nach Riego de Ambros

Ja, Flipper, gestern war so ein Höhenflug-Tag, und ich bin dafür dankbar. Aber Stimmungen sind wie das Wetter, sie wechseln, und haben eigentlich wenig Bedeutung. Auch wenn man einfach nicht davon loskommt, Hochgefühle festhalten zu wollen :). Aber das Leben sorgt schon dafür, dass man in Bewegung bleibt und nichts von Dauer ist.

Der Abend im Refugio Gaucelmo, ein wahres Pilgerparadies, war angenehm. Es gab selbstgebackenen Kuchen und 5-Uhr Tee im riesigen Garten mit zahlreichen blühenden Obstbäumen, Gespräche, Sonnenschein und Wohlsein.

In der kleinen Kirche gegenüber sangen die dortigen Benediktinermönche das Vespergebet auf Latein. Was für ein Kontrast zu den Franziskanern in Astorga! Die Benektiner, obwohl Missionare und nicht in Klausur, wirken so streng und unnahbar. Förmlich, fast kalt, was der schwarze Habit noch unterstreicht.

Es waren viele Pilger anwesend, aber man merkte, dass die meisten sich überhaupt nicht angesprochen fühlten und man blieb auch völlig ausgeschlossen. Wenn man die Liturgie nicht kennt, wirkt sie dort fremdartig und unverständlich. Ganz im Gegensatz zu den Gebetszeiten mit den Franziskanern.

Danach gingen die meisten ins Restaurant. Ich kochte mir Nudeln mit frischen grünen Kräutern aus dem Garten (toll!).

Mit Schlafen war dann aber leider nicht viel los, obwohl mein Zeltplatz im Garten unter schönen Kiefern nicht hätte besser sein können.
Aber erstens schlugen die Glocken direkt nebenan laut jede halbe Stunde bis Mitternacht und zweitens wurde in der Nachbarschaft getrommelt :(, ein Hund heulte dazu..., also viel Unruhe.

Aber der Aufenthalt in dieser bemerkenswerten Herberge mit so viel Geschichte, war mir die kurze Nacht locker wert.
Außerdem traf ich in Rabanal einige alte Bekannte, was auch sehr schön war.

Schon früh waren alle auf, gefrühstückt wurde schon um halb 7, und im ersten Tageslicht ging es los. Ich war schnell weit abgeschlagen, denn alle anderen hatten es irgendwie eilig, weiß der Himmel warum.

Angekommen am Cruz de Ferro. Ein Ort, der mich immer wieder stark ergreift.
Ich ließ etwas dort...legte etwas ab....nicht buchstäblich, keinen Gegenstand, aber innerlich.

Bis zu diesem Platz war ich entschlossen gewesen zu gehen und dann wollte ich schauen ob ich umkehre, oder ob ich meinem Fuß den steilen Abstieg zutraue.
Es ist schwer, einfach so kehrt zu machen. Der Camino hat seine Richtung und seine Dynamik...
Ich ging also weiter.

In Manjarin gibt es eine neue, erstklassige Bar mit umwerfend netter Besitzerin, und dem schönsten Ausblick am Camino. Es ist alles sehr improvisiert, aber liebevoll gestaltet und gepflegt. Ein toller Platz, wo so gut wie jeder Halt macht. Unwiderstehlich.

Bei Tomás fällt alles in sich zusammen. Es wirkt, als wäre alles einfach liegen und stehen gelassen worden. Nicht mal die Schilder "Refugio" und "Sello" hat jemand weggenommen.
Anscheinend wohnt Oso, der langjährige Mitbewohner von Tomás noch dort, aber davon ist nichts zu sehen. Ein Haufen Steine, Ziegel und Müll.

Es wurde mühsam mit dem Gehen. Blieb auf der Straße. Die wird teils sehr steil. Ich nahm den Karren vor mich, was etwas leichter war zum Bremsen als wenn er von hinten schiebt. Trotzdem..

Das Wetter wurde unangenehm. Starker, rötlicher Dunst, Calima, Wüstensand und drückende Hitze. Und hier auf über 1000 Höhenmetern geht es noch, in Ponferrada sind es heute 30°!
Und am Sonntag soll es hier oben schneien!
Dagegen sind meine Stimmunswechsel harmlos ;).

In el Acebo ging nichts mehr, nach 500 Höhenmeter Abstieg.
Es tat zwar nicht sehr weh, aber nur weil ich wirklich sehr langsam machte und das ist total anstrengend. Jeder Schritt ist ein kraftaufwendiges Bremsen.

Ich suchte mir zwischen el Acebo und Riego de Ambros einen Platz. Habe einen gefunden, sehr mittelprächtig, im Ginster und mit hubbeligem Untergrund, aber egal. Bin müde. Weiß wieder mal nicht, wie es weitergeht. Morgen erstmal nach Ponferrada, soviel ist klar.

Also Grüße von hier oben, aus dem sandigen, dichten Dunst, der die Luftwege reizt. Kein Ausblick heute.

Hasta mañana!
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