Was habt ihr von eurem Pilgern mit ins Leben genommen?
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ThomasHolt
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Re: Was habt ihr von eurem Pilgern mit ins Leben genommen?
Ich denke schon, dass der Weg jeden Pilger / jede Pilgerin etwas lehren kann. Doch sind solche Erfahrungen nur schwer in Worte zu bringen. Wenn ich anderen von meinen Erfahrungen erzählte, spürte ich mehr und mehr mein Zögern. Wer den Weg nicht gegangen ist, der muss schon sehr viel Fantasie und Empathie aufbringen, um zunächst einmal zuzuhören, was nur stotternd gesagt wird. Auf dem Weg mache ich Erfahrungen und dort sind sie mir klar. Sobald ich versuche, diese Erfahrungen in meinen Alltag zu übertragen, wird es schwer. Mir ist der Weg zu einem Coach geworden. Dafür habe ich sehr viel Zeit benötigt. Für mich ist Ruhe zwar auch wichtig, ich würde mein Lernen auf dem Weg jedoch als Einübung in eine gelassene Form der Aufmerksamkeit beschreiben. Ich gehe anders durch eine Stadt, achte auf Flecken der Natur oder schlichtweg fallen mir einfach die Wegzeichen, also die Muscheln, auf. Ich glaube, es bedarf dreier Perspektiven, da ist der, der geht, dann der, der sich als Gehenden beobachtet und die dritte Instanz ist die, die dem Ganzen eine Deutung gibt. Ich habe das durch die Göttliche Komödie von Dante für mich so erfahren. Andere Pilger finden die Deutung anders. Ich bin mir allerdings sicher, dass man eine solche Deutung braucht. Gleichzeitig führen diese unterschiedlichen Deutungen auch dazu, dass man andere Pilger als merkwürdig empfindet. Auf dem Weg sind alle gleich, obwohl sie ihr Gehen / Pilgern subjektiv unterschiedlich sehen. Eine solche Erfahrung wurde mir durch ein Gespräch auf dem Weg klar. Wir redeten darüber, welches Wort das richtige ist. Laufen, Wandern treffen nicht, was man beim Pilgern fühlt. Gehen oder schreiten treffen eher das Gefühl. Durch dieses Gespräch wurde ich vorsichtiger. Und das habe ich auch bei anderen Dingen gelernt. Massiv wurde dies auf den letzten 100 Kilometern vor Santiago. Mir fiel die Formulierung Ballermann für Sinnsucher ein. Sicherlich trifft diese Formulierung, was man dort erlebt. Und dann gibt es Begegnungen mit Menschen, wo ich gedacht habe, das ist nicht meine Sicht, doch genau für diesen Menschen findet irgendwie ein Lernprozess statt. Auf der anderen Seite habe ich im Laufe des Weges nach Möglichkeiten für ein Lernen gesucht. Manche haben nur wenig Glück und erleben solche Möglichkeiten nicht oder nur selten. Und andere marschieren einfach nur, sie wollen diese Möglichkeiten vielleicht gar nicht sehen. Insgesamt bietet der Jakobsweg, egal in welcher Variante, eine besondere Möglichkeit fürs Lernen und die ist aufgrund der Atmosphäre schon außergewöhnlich.
- CyrusField
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Re: Was habt ihr von eurem Pilgern mit ins Leben genommen?
Meinen ersten Camino habe ich u.a. gestartet, weil ich mit meinem (Berufs-)Leben höchst unzufrieden war und meinen Job, der mich an den Rand eines Burnouts gebracht hat,, hingeschmissen hatte. Das, was ich mir von meinem Weg erhofft hatte waren:
- Sebstbestimmtheit
- Freiheit
- Muße und vielleicht ein bisschen Glück
...und ich wollte von mir, Gott und der Welt wissen, wie es mit mir weitergehen kann bzw. soll.
Bekommen habe ich das alles - und noch viel mehr. Die Erkenntnis, mit wie wenig man auskommen kann, wenn man will (...und eigentlich noch nichteinmal muss). Die Erkenntnis, dass es viel zielführender ist, die Zukunft zu planen, statt der Vergangenheit nachzutrauern. Die Erkenntnis, Die Erkenntnis, dass meine eigenen Probleme bzw. die Päckchen, die ich mit mir rumschleppe im Vergleich zu denen anderer Menschen im Großen Ganzen echt nicht nennenswert sind. Viele Erlebnisse und Begegnungsn an teils unwahrscheinlichen Orten. ...und letztlich: Dass das Pilgervirus echt hartnäckig ist
- Sebstbestimmtheit
- Freiheit
- Muße und vielleicht ein bisschen Glück
...und ich wollte von mir, Gott und der Welt wissen, wie es mit mir weitergehen kann bzw. soll.
Bekommen habe ich das alles - und noch viel mehr. Die Erkenntnis, mit wie wenig man auskommen kann, wenn man will (...und eigentlich noch nichteinmal muss). Die Erkenntnis, dass es viel zielführender ist, die Zukunft zu planen, statt der Vergangenheit nachzutrauern. Die Erkenntnis, Die Erkenntnis, dass meine eigenen Probleme bzw. die Päckchen, die ich mit mir rumschleppe im Vergleich zu denen anderer Menschen im Großen Ganzen echt nicht nennenswert sind. Viele Erlebnisse und Begegnungsn an teils unwahrscheinlichen Orten. ...und letztlich: Dass das Pilgervirus echt hartnäckig ist
Das kann ich - leider - nur unterschreiben. Die Tretmühle des Alltags hat mich nach allen meinen Jakobswegen viel schneller wieder eigeholt als mir lieb war. Aber auch außerhalb der Arbeit gibt es in unserer Gesellschaft mittlerweile so viele Anforderungen an einen, dass die Batterien immer schneller wieder leer gehen und länger zum Aufladen brauchen.l.incredulo hat geschrieben: ↑17. Jan 2026, 14:21 Auch wenn ich selbst vieles ruhiger sehe oder angehe, ist es auch und vor allem der große Wunsch nach mehr Ruhe durch weniger Input von außen. Was leider durch "Immer mehr, immer bunter, immer schneller" wirklich nicht einfach ist.
Camino Francés 2018
Mosel-Camino 2019
Via Mosana 2019 - ... (das wird noch
)
Caminho Portugês Central 2020
Camino Inglés 2022
...und auch sonst viel zu Fuß unterwegs: https://stefanspilgerspuren.wordpress.com/
Mosel-Camino 2019
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Camino Inglés 2022
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Re: Was habt ihr von eurem Pilgern mit ins Leben genommen?
Das kann ich nur bestätigen. Als wir neulich nach gerade 2 Wochen Camino im glitzernden Sevilla ankamen, hat mich die Vielfalt sogar mittags erschlagen: so viele Restaurants, so viele Möglichkeiten auf der Speisekarte! Nichts davon hat irgendeine bleibende Bedeutung, dennoch muss ich jetzt eine Entscheidung treffen - das fand ich so unangenehm wie noch nie zuvor, so banal es auch ist. Und es war noch nicht einmal ein richtiger Camino.l.incredulo hat geschrieben: ↑17. Jan 2026, 14:21 Auch wenn ich selbst vieles ruhiger sehe oder angehe, ist es auch und vor allem der große Wunsch nach mehr Ruhe durch weniger Input von außen. Was leider durch "Immer mehr, immer bunter, immer schneller" wirklich nicht einfach ist.
Re: Was habt ihr von eurem Pilgern mit ins Leben genommen?
Simone, das ist tatsächlich eine sehr gute Beobachtung. Mir fallen gleich mehrere Camino-Begebenheiten ein, die mich im jeweiligen Moment vielleicht gestört haben, die mich aber bis heute beschäftigen und mein Leben auf eine einzigartige Weise bereichern. Ich habe z.B. schon mehrfach Pilger getroffen, die - meiner Meinung nach - freiwillig obdachlos sind und auf dem Camino leben. Warum treffen Menschen eine derartige Entscheidung? Und warum denke ich so oft an sie?
- donjohannes
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Re: Was habt ihr von eurem Pilgern mit ins Leben genommen?
@TimCamino
Gründe mag es viele geben. Manchmal fromme, manchmal nicht. Ich kenn die Gründe natürlich bei keinem. Aber mir fällt dazu spontan das ungewöhnliche Leben von Benedikt Joseph Labre ein - ein Jakobspilger (unter anderem) des 18. Jahrhunderts. Ich frag mich oft, was ich in diesem heiligen Mann gesehen hätte, wäre er mir über den Weg gelaufen. Hätt ich ihn überhaupt gesehen, oder mit ohm geplaudert? Und: für wen und was bin ich heute ebenfalls blind?
Gründe mag es viele geben. Manchmal fromme, manchmal nicht. Ich kenn die Gründe natürlich bei keinem. Aber mir fällt dazu spontan das ungewöhnliche Leben von Benedikt Joseph Labre ein - ein Jakobspilger (unter anderem) des 18. Jahrhunderts. Ich frag mich oft, was ich in diesem heiligen Mann gesehen hätte, wäre er mir über den Weg gelaufen. Hätt ich ihn überhaupt gesehen, oder mit ohm geplaudert? Und: für wen und was bin ich heute ebenfalls blind?
AT-Santiago (1998) FL-Etschmiadsin-Jerusalem-Rom-FL (2013-14) Via Alpina Sacra (2018)
Kolumbansweg IE-IT (2022) Martinsweg HU-FR Mitteroute Plus (2025)
Kartäuserpfad Köln-Kalabrien (2025)
www.4kmh.com
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Superfrauandrea
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Re: Was habt ihr von eurem Pilgern mit ins Leben genommen?
ich kann mehr als ich jemals geglaubt habe. Mein Körper kann mehr als ich geglaubt habe. Ich traue mich mehr als ich jemals gedacht habe.
- SteinimSchuh
- Beiträge: 208
- Registriert: 16. Jun 2022, 19:14
Re: Was habt ihr von eurem Pilgern mit ins Leben genommen?
Ich denke jetzt schon ein bisschen drüber nach und frage mich warum dieses Thema "Einfachheit/Verzicht" bei mir gar nicht resoniert. Ich lebe relativ einfach und leiste mir oft nicht viel, habe auch nicht so viele unnötige Dinge. Aber fürs Pilgern gönne ich mir dann bessere Schuhe, freue mich sonstwie wenn ich einen tollen gebrauchten Rucksack auftreiben kann, etc... und die Frage "Was nehme ich mit? Fehlt mir was? Habe ich zu viel dabei" nimmt recht viel Raum ein (zelte halt auch auf dem Weg und brauche dadurch mehr Zeugs). Eigentlich wird es also komplizierter mit den Dingen. Auch das Thema Essen z.B. beschäftigt mich auf dem Weg nicht unbeding weniger als im Alltag. Vielleicht bin ich da einfach noch nicht so weit, an diesen Stellen loszulassen und zu lernen, was dann alles möglich ist. Woran ich stattdessen denken könnte, wenn das nicht so viel Raum einnimmt.
Ich habe auf dem Weg gelernt, besser mit mir leben zu können. Ich finde man wird stärker mit sich selbst konfrontiert. Wenn ich heute eine komische Interaktion hatte, wo ich mich frage "warum habe ich da denn jetzt SO drauf reagieren müssen? Warum so scheu? So vorlaut? So verurteilend? So schlecht zuhörend?...", dann geht das total unter in einem überfordernden Gesamtrauschen, und am Ende des Tages bin ich vielleicht diffus unzufrieden. Auf dem Weg blasen sich solche Themen manchmal auf wie Luftballons, werden riesig, fliegen dann aber auch wieder davon. Alles hat Platz, darf kommen und gehen. Und ich merke: ist nicht so schlimm. Ich kann/darf trotzdem weitergehen, auch wenn ich (oder die anderen!) wohl gelegentlich ein komischer Vogel bin. Vielleicht ist so was auch eher ein Thema für jüngere Pilger_innen. Jedenfalls konnte ich etwas von diesem Prozess des Gehen-Lassens und Annehmens vom Weg mitnehmen... das ist ein klasse Geschenk.
Vieles kann angestossen werden durch diese ganzen inneren Monologe, für die man sich im Alltag wohl oft keine Zeit nimmt.
Ich habe auf dem Weg gelernt, besser mit mir leben zu können. Ich finde man wird stärker mit sich selbst konfrontiert. Wenn ich heute eine komische Interaktion hatte, wo ich mich frage "warum habe ich da denn jetzt SO drauf reagieren müssen? Warum so scheu? So vorlaut? So verurteilend? So schlecht zuhörend?...", dann geht das total unter in einem überfordernden Gesamtrauschen, und am Ende des Tages bin ich vielleicht diffus unzufrieden. Auf dem Weg blasen sich solche Themen manchmal auf wie Luftballons, werden riesig, fliegen dann aber auch wieder davon. Alles hat Platz, darf kommen und gehen. Und ich merke: ist nicht so schlimm. Ich kann/darf trotzdem weitergehen, auch wenn ich (oder die anderen!) wohl gelegentlich ein komischer Vogel bin. Vielleicht ist so was auch eher ein Thema für jüngere Pilger_innen. Jedenfalls konnte ich etwas von diesem Prozess des Gehen-Lassens und Annehmens vom Weg mitnehmen... das ist ein klasse Geschenk.
Vieles kann angestossen werden durch diese ganzen inneren Monologe, für die man sich im Alltag wohl oft keine Zeit nimmt.
Re: Was habt ihr von eurem Pilgern mit ins Leben genommen?
Meine Erkenntis war bei meiner Rückkehr von all meinen Caminos, die Bescheidenheit und Zufriedenheit und das Glücklich sein mit dem wenigen was man mit hat. Zuhaus angekommen und man stellt fest das man hier auf vieles verzichten könnte um Glücklich zu sein. Man lernt sehr viele Menschen kennen, man öffnet sich, man spricht auch mal über Probleme, und man bekommt antworten von Menschen die ganz unbefangen ihre Sichtweise einem mitteilen.
Aber das grösste auf meinen Caminos was ich erfahren habe war, und ich habe es richtig gespürt, es war eine Macht an meiner Seite die mich an die Hand genommen hat und mich führte, ich hatte meinen Weg geplant, aber die höhere Macht hat auch für mich geplant hat und mich geführt, der Weg war anders als mein geplanter Weg. Vielleicht hätte ich sonst meinen Camino nicht überlebt.
Dafür bin ich so Dankbar.
Aber das grösste auf meinen Caminos was ich erfahren habe war, und ich habe es richtig gespürt, es war eine Macht an meiner Seite die mich an die Hand genommen hat und mich führte, ich hatte meinen Weg geplant, aber die höhere Macht hat auch für mich geplant hat und mich geführt, der Weg war anders als mein geplanter Weg. Vielleicht hätte ich sonst meinen Camino nicht überlebt.
Dafür bin ich so Dankbar.
Re: Was habt ihr von eurem Pilgern mit ins Leben genommen?
Whow hejo, das ist schön, was Du da schreibst! Danke!
Mir ist heute auch noch ein Gedanke dazu gekommen:
Ich bin grad bis über beide Ohren mit sehr komplizierten Ämtergeschichten beschäftigt. Das ist so aufreibend und nervig, dass ich eine vage Vorstellung davon bekomme, wie es vielen Menschen in ihrem Alltag gehen muss. Man ist total eingespannt und beschäftigt.
Der Camino ist für mich die Erfahrung und Erinnerung, dass noch eine ganz andere Dimension existiert, als das irdische tägliche Leben. Dass es ein anderes Zuhause gibt. Dass ich dorthin unterwegs bin, aber während des Pilgerns auch schon ein Stück dort bin. Es fällt mir schwer, Worte zu finden...aber der Camino, das Pilgern, ist sowas wie inkarniertes Gebet für mich.
Mir ist heute auch noch ein Gedanke dazu gekommen:
Ich bin grad bis über beide Ohren mit sehr komplizierten Ämtergeschichten beschäftigt. Das ist so aufreibend und nervig, dass ich eine vage Vorstellung davon bekomme, wie es vielen Menschen in ihrem Alltag gehen muss. Man ist total eingespannt und beschäftigt.
Der Camino ist für mich die Erfahrung und Erinnerung, dass noch eine ganz andere Dimension existiert, als das irdische tägliche Leben. Dass es ein anderes Zuhause gibt. Dass ich dorthin unterwegs bin, aber während des Pilgerns auch schon ein Stück dort bin. Es fällt mir schwer, Worte zu finden...aber der Camino, das Pilgern, ist sowas wie inkarniertes Gebet für mich.
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andrea+wildgans
- Beiträge: 400
- Registriert: 19. Aug 2023, 14:24
- Wohnort: Emsland
Re: Was habt ihr von eurem Pilgern mit ins Leben genommen?
Ich stimme dir voll und ganz zu, Simone! Mir fällt dazu das Lied ein "Wir sind nur Gast auf Erden", das meistens leider nur mit Beerdigungen in Verbindung gebracht wird... oder auch die Schriftstelle aus dem Brief an die Hebräer11,13-16a.
Dir viel Kraft und Ausdauer mit deinen "Ämtersachen"...
Liebe Grüße, Andrea
Dir viel Kraft und Ausdauer mit deinen "Ämtersachen"...
Liebe Grüße, Andrea
Re: Was habt ihr von eurem Pilgern mit ins Leben genommen?
Oh, wie lieb! Vielen Dank Andreaandrea+wildgans hat geschrieben: ↑29. Jan 2026, 20:26 Ich stimme dir voll und ganz zu, Simone! Mir fällt dazu das Lied ein "Wir sind nur Gast auf Erden", das meistens leider nur mit Beerdigungen in Verbindung gebracht wird... oder auch die Schriftstelle aus dem Brief an die Hebräer11,13-16a.
Dir viel Kraft und Ausdauer mit deinen "Ämtersachen"...
Liebe Grüße, Andrea
Re: Was habt ihr von eurem Pilgern mit ins Leben genommen?
Meinen ersten Weg ("nur" von SdC nach Fisterra und Muxia) bin ich gegangen, um mir zu "beweisen", dass ich das "kann".
Es war für mich eher eine "sportliche" Entscheidung, ob ich es wirklich schaffe, nach meiner Verletzung, bei der nicht ganz sicher war, ob ich je wieder normal gehen kann, jeden Tag eine große Strecke zurück zu legen.
Das war mein Beweggrund, mich auf eine "Weitwanderung" zu begeben.
Als ich dann unterwegs war, mit viel zu viel Gepräck, habe ich sehr schnell bemerkt, mit welch wenigen Sachen man unterwegs zurecht kommt, wie wenig man eigentlich zum Leben braucht.
Ich war überwältigt vom gehen, und wusste, "ich will mehr"!
Im selben Jahr bin ich dann den Münchner Jakobsweg gegangen.
Als ich dann so nach und nach "aus der Bevölkerung" raus gegangen bin, sprich aus dem beleten München raus ins ruhigere Allgäu ging, und dann auf einmal ins "belebte Marktoberdorf" kam, wurde mir so richtig bewusst, wieviel "Stress" man eigentlich täglich hat.
Auf einmal waren wieder überall Menschen, die in der früh sich abhetzten, um in die Arbeit zu kommen, die Kids in die Schule eilten ... alle hatten es eilig.
Dies war so mein persönlicher Knackpunkt, dass Leben ruhiger und gelassener anzugehen.
Man hat so viel "Stress" im Alltag, welchen man nicht wirklich wahr nimmt.
Man trifft sich um 19 Uhr zum Abendessen mit Freunden ... nicht einfach "abends".
In der Früh "muss man" die Bahn um 7:45Uhr nehmen, um "pünktlich" im Job zu sein.
Alles ist streng getaktet.
Vieles geht in unserer Gesellschaft nicht anders, aber ich muss nicht immer auf diesen Zug aufspringen!
Was ich für mich also von meinen Wegen mitgenommen habe:
- Entschleunigen! ... es geht auch gemütlich
- Gelassenheit! ... es bringt nichts, sich aufzuregen! Dadurch ändert sich an der Situation rein gar nichts.
- Man braucht nicht viel um glücklich zu sein!
Es war für mich eher eine "sportliche" Entscheidung, ob ich es wirklich schaffe, nach meiner Verletzung, bei der nicht ganz sicher war, ob ich je wieder normal gehen kann, jeden Tag eine große Strecke zurück zu legen.
Das war mein Beweggrund, mich auf eine "Weitwanderung" zu begeben.
Als ich dann unterwegs war, mit viel zu viel Gepräck, habe ich sehr schnell bemerkt, mit welch wenigen Sachen man unterwegs zurecht kommt, wie wenig man eigentlich zum Leben braucht.
Ich war überwältigt vom gehen, und wusste, "ich will mehr"!
Im selben Jahr bin ich dann den Münchner Jakobsweg gegangen.
Als ich dann so nach und nach "aus der Bevölkerung" raus gegangen bin, sprich aus dem beleten München raus ins ruhigere Allgäu ging, und dann auf einmal ins "belebte Marktoberdorf" kam, wurde mir so richtig bewusst, wieviel "Stress" man eigentlich täglich hat.
Auf einmal waren wieder überall Menschen, die in der früh sich abhetzten, um in die Arbeit zu kommen, die Kids in die Schule eilten ... alle hatten es eilig.
Dies war so mein persönlicher Knackpunkt, dass Leben ruhiger und gelassener anzugehen.
Man hat so viel "Stress" im Alltag, welchen man nicht wirklich wahr nimmt.
Man trifft sich um 19 Uhr zum Abendessen mit Freunden ... nicht einfach "abends".
In der Früh "muss man" die Bahn um 7:45Uhr nehmen, um "pünktlich" im Job zu sein.
Alles ist streng getaktet.
Vieles geht in unserer Gesellschaft nicht anders, aber ich muss nicht immer auf diesen Zug aufspringen!
Was ich für mich also von meinen Wegen mitgenommen habe:
- Entschleunigen! ... es geht auch gemütlich
- Gelassenheit! ... es bringt nichts, sich aufzuregen! Dadurch ändert sich an der Situation rein gar nichts.
- Man braucht nicht viel um glücklich zu sein!
Liebe Grüße und Buen Camino
Chris
Chris
Re: Was habt ihr von eurem Pilgern mit ins Leben genommen?
donjohannes hat geschrieben: ↑16. Jan 2026, 10:40 Müsste ich drei Dinge nennen, dann vielleicht:
- Mut
- Vertrauen
- Einfachheit (Reduktion)
Was fällt euch dazu ein? Wie seid ihr gewachsen? Oder worin wollt ihr wachsen?
Das trifft’s:Superfrauandrea hat geschrieben: ↑19. Jan 2026, 17:02 ich kann mehr als ich jemals geglaubt habe. Mein Körper kann mehr als ich geglaubt habe. Ich traue mich mehr als ich jemals gedacht habe.
Ich habe mit Menschen gesprochen, denen ich abseits des Camino nie begegnet wäre.
Ich bin viel mutiger geworden.
Ich kann mehr, als ich denke.
Ich kann jeden Tag locker 20 km laufen.
Ich brauche viel, viel, sehr viel weniger, als ich habe.
Es gibt jeden Tag ein Geschenk. Mindestens eines!
Wünschen hilft. (Aufpassen – es hilft wirklich!)
Und ich habe keine Angst mehr vor Regen.
Aber was ich davon „mitnehme“ in den Alltag…?
Mehr Gehen & selbst bewegen. Weniger haben. Weniger ärgern, mehr wundern. Den nächsten Camino gedanklich vorbereiten
Und sich beschränken. Deswegen mache ich hier Schluß, obwohl ich natürlich noch viele wichtige Gedanken zum Teilen hätte…
"Selig die Menschen, die Kraft finden in dir, die Pilgerwege im Herzen haben." (Ps 84,6)
C. Portugués 2022; Klosterroute (Worms - Metz) 2023/24; C. Inglés mit Fistera 2024; C. Inglés mit Fistera & Muxia 2025.
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