Wir sind 2025 die Via de la Plata gelaufen (https://daspilgerforum.de/viewtopic.php?t=3946). Unsere ursprüngliche Idee war damals, schon in Tarifa zu starten - vom Mittelmeer bis zum Atlanik (Muxía). Aus Zeit-/Urlaubsgründen hat das aber nicht geklappt. Nun haben wir den fehlenden Abschnitt über die Weihnachtstage und den Jahreswechsel nachgeholt.
Unsere Etappen waren:
Algeciras - Tarifa - Bolonia - Barbate - Conil de la Frontera - Chiclana de la Frontera - Cádiz. Und dann im 2. Teil weiter auf der Via Augusta: Jérez de la Frontera - El Cuervo de Sevilla - Las Cabezas de San Juan - Utrera - Sevilla. Insgesamt nominal etwa 300 Kilometer. Tatsächlich allerdings etwas mehr, weil wir unterwegs öfter vom geplanten Weg abweichen wollten oder mussten. Ich schätze, tatsächlich waren es wohl rund 350 Kilometer.

Auf dem ersten Abschnitt bis Cádiz sind wir ab Tarifa weitgehend der EuroVelo-Route 8 gefolgt. An einigen Stellen haben wir sie angepasst, um möglichst nah am Wasser entlang zu wandern. Wir haben uns öfter die Frage gestellt, ob wir gerade eigentlich auf einem Jakobsweg sind oder nicht. Ich bin bis heute der Meinung, dass es sich um keinen Jakobsweg im Sinne des Pilgerbüros handelt, allerdings haben wir unterwegs gelegentlich Jakobsmuscheln auf Hinweisschildern gesehen und manchmal sogar auch die Bezeichnung "Camino de Santiago". Vermutlich waren das reine Marketingbezeichnungen, um den Weg attraktiver zu machen. Wenn jemand Infos darüber hat, wie diese Strecke offiziell klassifiziert ist, wäre ich dafür dankbar.
Übernachtet haben wir in Hostals, Pensionen und Hotels. Es gibt auf diesem Weg keine Herbergen. Alle Orte an der Küste sind in der Saison sehr touristisch. Wir waren froh, wenn wir überhaupt Übernachtungsmöglichkeiten gefunden haben.
Mit dem Wetter hatten wir insgesamt Glück. Es gab einige Regentage, die auch stürmisch waren, aber insgesamt waren die Bedingungen gut. Morgens sind wir meist bei etwa 4 Grad losgewandert, im Laufe des Tages stieg die Temperatur dann fast immer auf 10-15 Grad. Problematisch war an einigen Stellen die Wegqualität. Auf der Via Augusta mussten wir mindestens 30 Kilometer über klebrigen Lehm laufen. Auch der Weg nach Tarifa war ausgesprochen matschig, was den Weg - an steilen Abschnitten - teilweise gefährlich machte. Ab Tarifa sind wir dann oft über den Strand gelaufen. Ich glaube, ich bin noch nie einen Weg gelaufen, der so flach und insgesamt doch so anstregend war.
Die Verpflegung war kein Problem. Am 25.12. haben alle Geschäfte in Spanien (außer Tankstellen und einige Bars) geschlossen, aber darauf kann man sich ja problemlos einstellen. Silvester empfand ich ihn Spanien als wohltuend zivilisiert im Vergleich zu unserer verrückten Böllerei.
Fazit: Kann ich diesen Weg empfehlen?
Wenn man ihn bewusst als Zubringer für die Via sieht, würde ich sagen: ja! Von Algeciras bis Conil de la Frontera ist es ein wunderbarer Küstenweg mit traumhafter Aussicht bis nach Afrika und einigen interessanten historischen Orten (etwa Baelo Claudia und Kap Trafalgar). Die Via Augusta ist anschließend eine gute Vorbereitung auf die Via. Landschaftlich ähnelt die Via Augusta stark der Via nördlich von Salamanca: öde Wege mit endloser Landwirtschaft. Aber wie auf der Via erlebt man unterwegs faszinierende Städte, in diesem Fall nämlich Cádiz und Jérez, meiner Meinung nach sogar auch Utrera. Als eigenständigen Weg würde ich die Strecke allerdings nicht noch einmal laufen. Wenn man nicht die Via dranhängt, gibt es einfach zu wenig Pilgergefühl.
Übrigens gibt es auf Weg nach Utrera eine 18(!) Kilometer lange Schotterpiste, die sich schnurgerade entlang der Bahnlinie zieht. Dagegen ist sogar die Strecke nach Torremejía eine abwechslungsreiche Wohltat. Wir waren dankbar für die Piste, weil es immerhin kein klebriger Lehm war.





