Welche historischen Jakobspilger faszinieren euch?

Allgemeine Diskussionen zur Pilgerei und ihrer Geschichte
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donjohannes
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Welche historischen Jakobspilger faszinieren euch?

Beitrag von donjohannes »

Bin gerade dabei mein Buch über die Via Alpina Sacra ins Englische zu übersetzen. Es ist nett, den Weg, den ich vor 7 Jahren gelaufen bin, auf diese Weise wieder zu "erleben". Heute kam mir (Tag 109) Abt Eldrad aus Novalesa unter:
Die Abtei von Novalesa wurde im Jahr 726 an der alten Passstraße zum Moncenesio gegründet. Gefördert von den Frankenkönigen, reichten ihre Besitzungen bald bis Ligurien. Zu einer ersten Blüte kam es zu Beginn des 9. Jahrhunderts unter dem heiligen Abt Eldrad, dessen Leben in der nach ihm benannten Kapelle in kostbaren Fresken dargestellt ist.
Geboren als Sohn einer adeligen Familie im Tal der Isère, verlor er beide Eltern im Alter von 20 Jahren. Er verkaufte die Burg und seinen Besitz, gab das Geld den Armen und lebte eine Weile von einfacher Arbeit am Feld. Schließlich schloss er sich vorbeiziehenden Pilgern an, die auf dem Weg zur erst kurz davor entdeckten Grabstätte des heiligen Jakobus in Compostela waren. Auf seinem Rückweg zog er weiter über die Alpen und kam nach Novalesa. Dort wollte er ins Kloster eintreten, wurde jedoch zunächst mit einem neuen Pilgerstab und einer neuen Pilgertasche fortgeschickt. Das geschah um seinen Willen zu prüfen. Erst als er später zurückkehrte, wurde er als Mönch aufgenommen und irgendwann vor 825 zum Abt gewählt. Er starb um 844 im Ruf der Heiligkeit.
Der hl. Eldrad, der nicht mal einen Wikipediaeintrag hat, ist mir irgendwie sympathisch. Da hab' ich mir die Frage gestellt, ob es andere historische Jakobspilger gibt, die vielleicht euch faszinieren? Und zwar solche, die vor der Neubelebung des Weges unterwegs gewesen sind?. Bin gespannt.
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Gertrudis
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Re: Welche historischen Jakobspilger faszinieren euch?

Beitrag von Gertrudis »

Birgitta von Schweden. Die hat natürlich schon einen Wikipedia -Eintrag.

https://de.wikipedia.org/wiki/Birgitta_von_Schweden

Sie fasziniert mich, weil sie ein unglaublich reiches und einflussreiches Leben gelebt hat. Weil sie im praktisch irdischen Leben (8 Kinder, Erzieherin am Königshaus, Einfluss auf die Politiker ihrer Zeit) ebenso zu Hause war wie im Spirituellen mit ihren Visionen und ihrer Ordensgründung.
Sie hat alle die Pilgerziele erreicht, zu denen auch wir heutzutage noch pilgern: Trondheim, Santiago de Compostela, Assisi, Rom, und - mit 69 Jahren - Jerusalem.
andrea+wildgans
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Re: Welche historischen Jakobspilger faszinieren euch?

Beitrag von andrea+wildgans »

Danke, Gertrudis! Birgitta von Schweden war auch die erste (und im Moment einzige), die mir auf Deine Frage einfiel. Von ihr soll der Satz stammen: Herr, weise mir den Weg und mache mich willig, ihn zu gehen. - möglicherweise eine Anlehnung an entsprechende Psalmverse z.B. Ps 25,4.
Die Frau war irgendwie ganz schön tough für ihre Zeit!!
Ich bin mal gespannt, wer eventuell hier noch so "auftaucht"!
Liebe Grüße, Andrea
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Matt Merchant
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Re: Welche historischen Jakobspilger faszinieren euch?

Beitrag von Matt Merchant »

Bei mir ist's natürlich Martin Luther,
der in seiner Zeit als Augustiner-Mönch von Erfurt die Via Francigena nach Rom gepilgert ist.
Es gibt, glaube ich, bis heute in Rom einen Altar, an dem er die Hl. Messe zelebriert haben soll - und der darf gemäß Folklore bis heute nicht mehr benutzt werden. :lol:
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donjohannes
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Re: Welche historischen Jakobspilger faszinieren euch?

Beitrag von donjohannes »

Matt, das ist geschummelt - wohl dem verehrten Martin L zuliebe ;-)
Meine Frage war auf den Jakobsweg bezogen um es etwas kompakter zu halten. Und was Martin Luther davon hielt - und dem "Geläuff" ganz allgemein -, ist ja bekannt. Sonst, wenn Rom gelten würde, dann würde ich Hilaire Belloc anführen, dessen "The Path to Rome" (1902) unterhaltsam geschrieben ist.

Einer ist mir zwischenzeitlich eingefallen, der in Santiago gewesen ist, und der uns beiden wohl gefällt: Franz von Assisi - wenigstens nach der Tradition. Ganz sicher bin ich nicht.

Aber der hl Dominikus ist historisch verbürgt nach Santiago gepilgert (und hat unterwegs gepredigt).

Und Benedict Joseph Labre im 18. Jahrhundert natürlich, der ja zum Wanderer Gottes schlechthin geworden ist.
Zuletzt geändert von donjohannes am 19. Nov 2025, 09:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Matt Merchant
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Re: Welche historischen Jakobspilger faszinieren euch?

Beitrag von Matt Merchant »

donjohannes hat geschrieben: 19. Nov 2025, 08:33 Matt, das ist geschummelt - wohl dem verehrten Martin L zuliebe ;-)
Upps, schuldig im Sinne der Anklage, und das am Buß- und Bettag! :oops:
Stimmt, ich habe Deine Frage unsauber gelesen, meine Nase hängt zur Hälfte in der Korrekturfahne des Gemeindebriefes.
Ja, Franz von Assisi gefällt mir natürlich sehr, obwohl der auch bevorzugt nach Rom unterwegs war. :-)

Wobei: Ich finde es faszinierend wie erheiternd, wie sich gerade die evangelischen Kirchen derzeit das Jakobspilger-Phänomen zunutze machen und es nachgerade aszetisch okkupieren... Aber das ist ein anderes Thema. ;)
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donjohannes
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Re: Welche historischen Jakobspilger faszinieren euch?

Beitrag von donjohannes »

Matt Merchant hat geschrieben: 19. Nov 2025, 08:53 Wobei: Ich finde es faszinierend wie erheiternd, wie sich gerade die evangelischen Kirchen derzeit das Jakobspilger-Phänomen zunutze machen und es nachgerade aszetisch okkupieren... Aber das ist ein anderes Thema. ;)
Faszinierend ist es. Aber, um die Evangelische Kirche etwas zu verteidigen, war Luthers Kritik, von der Reliquienverehrung abgesehen, wohl auch in der (alten) Bedeutung des christlichen Pilgerns (Buße, Ablass) begründet, die er im Zusammenhang mit seiner (neuen) Soteriologie als "Werkegerechtigkeit" abgelehnt hat. Zwar laufen auch heute noch viele nach Spanien, um etwas zu "schaffen", aber die wenigsten werden vermutlich im Sinne Luthers schuldig. Denn die meisten suchen weniger das Heil als vielleicht sich selbst. Und das ist "offen" genug, meine ich, für die heutige Evangelische Kirche, um nicht ein theologisches Problem im modernen Pilgern zu sehen. Aber da wirst du mehr darüber wissen als ich.
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donjohannes
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Re: Welche historischen Jakobspilger faszinieren euch?

Beitrag von donjohannes »

Gertrudis hat geschrieben: 18. Nov 2025, 22:44 Birgitta von Schweden.
Stimmt, eine beeindruckende Persönlichkeit.
andrea+wildgans hat geschrieben: 19. Nov 2025, 00:36 Herr, weise mir den Weg und mache mich willig, ihn zu gehen.
Das ist das wohl das rechte Motto eines Weges, der nicht in die Fremde, sondern zum eigentlichen Pilgerziel des Menschen führt.
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Camineiro
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Re: Welche historischen Jakobspilger faszinieren euch?

Beitrag von Camineiro »

Vielleicht passt ja Hermannus Künig von Vach in diese illustre Runde.

Als Mönch des Servitenordens in Erfurt machte er sich 1488 auf den Weg nach Santiago dC und kehrte 1490 in den deutschen Sprachraum zurück nach Aachen.
Über seine Pilgerreise schrieb er einen Pilgerführer, der heute tlw antiquarisch erhältlich ist.

Seinen Pilgerführer leitete er mit folgenden Sätzen ein: (Zitat) “Ich, Hermann Künig von Vach, will mit Gottes Hilfe ein Büchlein machen, das Sankt Jakobs Straße heißen soll. Darin will ich Wege und Stege beschreiben, und wie sich jeder Jakobsbruder mit Essen und Trinken versorgen soll. Auch will ich darin mancherlei Gemeinheiten und Kapaune nicht unerwähnt lassen und ansprechende Belehrung geben, wovor alle sich in Acht nehmen sollen.“
(Quelle: Klappentext Das Wallfahrtsbuch des Hermannus Künig von Vach, ISBN 978-3-95770-556-3).

Eine wenig bekannte Jakobswegvariante - Via Kunig - ist nach ihm benannt.

Faszinierend finde ich den Gedanken, dass zur Zeit der Pilgerreise des Hermann Künig die Entdeckung der “Neuen Welt“ durch Christoph Columbus noch bevorstand und dass man(n) sich gegen Ende des Mittelalters allein auf die Reise in unbekannte Länder begab.
Dazu bedarf es Abenteuerlust, Mut und Gottvertrauen.


Interessant in diesem Zusammenhang, dass sich spanische Gruppen und Individualisten um die Erschließung und Pflege des Weges bemühen, während diese Jakobswegvariante unter deutschen Pilgern nahezu unbekannt ist.

Ein Film des spanischen Fernsehens rtve gibt einen ersten Eindruck des Weges (leider nur auf Spanisch).
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donjohannes
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Re: Welche historischen Jakobspilger faszinieren euch?

Beitrag von donjohannes »

Frau Holles Beitrag über die Zahlen hat einen schönen Nebeneffekt und Beitrag auch für diesen Faden:

Aus https://daspilgerforum.de/viewtopic.php?t=1131&start=15
Matt Merchant hat es inzwischen auf 1072 gebracht.
In dieser Zeit machte sich die Gräfin Richardis von Lavant (wohl als eine der ersten namentlich genannten Pilgerrinnen) auf den Weg nach Santiago de Compostela. Dort kam sie auch an, aber leider überlebte sie die Rückreise nicht und starb im Jahr 1072.
Kenn die gnädige Frau nicht, aber vielleicht war auch sie faszinierend.
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Re: Welche historischen Jakobspilger faszinieren euch?

Beitrag von Camineiro »

donjohannes hat geschrieben: 19. Nov 2025, 17:47 Frau Holles Beitrag über die Zahlen hat einen schönen Nebeneffekt und Beitrag auch für diesen Faden:

Aus https://daspilgerforum.de/viewtopic.php?t=1131&start=15
Matt Merchant hat es inzwischen auf 1072 gebracht.
In dieser Zeit machte sich die Gräfin Richardis von Lavant (wohl als eine der ersten namentlich genannten Pilgerrinnen) auf den Weg nach Santiago de Compostela. Dort kam sie auch an, aber leider überlebte sie die Rückreise nicht und starb im Jahr 1072.
Kenn die gnädige Frau nicht, aber vielleicht war auch sie faszinierend.
Im diesem Wikipedia-Eintrag wird sie genannt.
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Re: Welche historischen Jakobspilger faszinieren euch?

Beitrag von Gertrudis »

Da ist mir gerade noch eine wohl ziemlich "spezielle" Pilgerin eingefallen - Margery Kempe.
Ich habe vor Jahren mal ein Buch über sie und ihre Pilgerreisen gelesen ("Leben und Pilgerfahrten der Margery Kempe. Erinnerungen einer exzentrischen Lady" von Louise Collins).

Sie ist auf dem Camino Inglés nach Santiago gepilgert, und hier steht etwas über sie zu lesen:

https://www.fundacionjacobea.org/en/dis ... o-in-1417/
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Re: Welche historischen Jakobspilger faszinieren euch?

Beitrag von Camineiro »

Im englischsprachigen Pilgerforum von Ivar wurde ich auf folgende Pilger-Liste aufmerksam.

Dort werden offenbar Namen von Pilgern gelistet, die hauptsächlich zwischen 1830 und 1896 in Santiago angekommen sind.
Es gibt sogar noch ältere Einträge (z.B. 1379, 1414 oder 1663 bzw. aus dem 16. und 17. Jhdt.).

Vielleicht sind ja bekannte Persönlichkeiten darunter.

Die Liste kann nach Jahreszahl, Nationalität oder Familiennamen sortiert werden.
Wenn man im Suchfenster “Alemania“ eingibt, werden nur deutsche Pilger angezeigt.
Entsprechend mit Suchwörtern Francia, Polonia etc.

Der Link zur Liste wurde im folgenden Faden genannt.


Eine interessante Anekdote gibt es über John Adams, den 1. Vizepräsidenten und 2. Präsidenten der USA in Verbindung zum Jakobsweg zu erzählen: (Quelle) “Während der amerikanischen Revolution wurde John Adams (der spätere zweite Präsident der Vereinigten Staaten) vom Kongress beauftragt, nach Paris zu reisen, um dort Geld für die Sache zu beschaffen. Sein Schiff begann zu lecken, und so ging er 1779 mit seinen beiden Söhnen in Finisterre von Bord. Von dort aus folgte er dem Jakobsweg in umgekehrter Richtung, um auf dem Landweg nach Paris zu gelangen. Er machte keinen Zwischenstopp in Santiago, was er später bereute. In seiner Autobiografie beschrieb Adams die Bräuche und Unterkünfte, die den Pilgern des Heiligen Jakobus im 18. Jahrhundert geboten wurden, und erzählte die Legende, wie sie ihm erzählt worden war.“

Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)
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Re: Welche historischen Jakobspilger faszinieren euch?

Beitrag von donjohannes »

Danke für den Hinweis. Das ist in der Tat eine interessante Liste!
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