Letzte Ruhe am Ende der Welt... - Tod und Bestattung in der PilgerInnenkultur

Allgemeine Diskussionen zur Pilgerei und ihrer Geschichte
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Simsim
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Re: Letzte Ruhe am Ende der Welt... - Tod und Bestattung in der PilgerInnenkultur

Beitrag von Simsim »

Ja, der Tod ist in unserer Gesellschaft zumeist ein Tabu.
Umso mehr habe ich die 10 Jahre im Ökodorf Sieben Linden geschätzt, eine große Lebensgemeinschaft in Sachsen Anhalt. Dort starben in meiner Zeit fünf Menschen. Es wurde sehr offen mit allen Etappen des Sterbens umgegangen und auch das Begräbnis war jedes Mal ein wunderbares und selbst gestaltetes Ereignis.
Der jeweilige Sarg wurde mit einem schönen Haflingergespann zum Dorffriedhof gefahren und die ganze Gemeinschaft plus Familie und Freunde von außen bildeten den Trauerzug.
So wie es sicher in früheren Dorfgemeinschaften auch war, als die Leute noch miteinander zu tun hatten.
Auch die Kinder erleben so, wie Menschen sterben und oft hielten Kinder gerne Totenwache. Wobei es nicht ihre eigenen Angehörigen waren.
Sie hatten einen ganz friedlichen Umgang damit und zeigten uns manchmal, wie es sein kann. Einmal sagte eine 11 jährige mir kurz nach dem plötzlichen Tod eines nahen Freundes:
"sei nicht traurig,
schau, er schmilzt jetzt, wie der Schnee" Und in der Tat, standen wir im schmelzenden Schnee.....
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Via Comitis
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Letzte Ruhe am Ende der Welt... - Tod und Bestattung in der PilgerInnenkultur

Beitrag von Via Comitis »

donjohannes hat geschrieben: ↑10. Jan 2021, 14:34 ... Bestattungskultur ist zwar immer ein bisschen im Wandel, ...

" Reerdigung " (Kompostierung von Leichen) als neue Bestattungsform: Die christlichen Kirchen stehen dem Projekt positiv gegenüber.

"Bei der Reerdigung wird der Leichnam in einen sogenannten "Kokon" gelegt. Das ist ein Metallsarg, in dem Heu, Stroh und Blumen/Gräsern liegen. Auf dieses Bett wird der Leichnam dann gelegt und anschliessend mit einem Deckel versehen. Der Kokon wird für 40 Tage geschlossen. ... Die Knochen wiesen nach 40 Tagen bereits eine Alterungsstruktur auf wie die eines Leichnams bei einer Sargbestattung nach 20 bis 50 Jahren."

Ergebnisse sind bislang hygienisch unbedenklich und nun gibt es erstmals einen speziellen Begräbniswald .


Gruss

Stefan :-)
Der Versuch das Leben (richtig) zu verstehen führt zu einem bewussteren und vor allem zu einem anderen denken - handeln - leben. [Amen]
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Via Comitis
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Letzte Ruhe am Ende der Welt... - Tod und Bestattung in der PilgerInnenkultur

Beitrag von Via Comitis »

Matt Merchant hat geschrieben: ↑9. Jan 2021, 12:13 ... Nicht weniger als zwei PilgerInnen traf ich auf meinen Wegen, die mit der Asche ihrer Eltern bzw. LebensgefährtIn unterwegs waren. ...
Asche verstreuen auf dem Jakobsweg? "Es war Reinholds letzter Wunsch. “Ich möchte, dass Du mit mir auf Reisen gehst. Nimm mich mit und verteile mich überall wo es schön ist.” Er pilgert den 300 Kilometer langen Weg von Portugal nach Spanien und erweist seinem Vater die letzte Ehre. ... Viele Menschen wünschen sich nach Ihrem Ableben nirgendwo “verweilen” zu müssen oder beigesetzt zu werden, sondern dass ihre Überreste den Weg zu den vier Elementen finden. ..."

Hinweis: Im Gegensatz zu Deutschland gibt's in der Schweiz keine allgemeine Bestattungspflicht - dadurch kann die Asche frei im Wald, auf Almwiesen oder in einem Fluss verstreut werden.

Frau Holle hat geschrieben: ↑22. Jul 2025, 20:56 ... Das klingt, als sei es auf dem Camino passiert?
Für einen Pilger nicht nur schlechteste Art zu gehen…
Tritta hat geschrieben: ↑23. Jul 2025, 10:57 ... Aber vielleicht war es sogar ihr Wunsch auf einem Camino zu sterben. ...
Georg 2 hat geschrieben: ↑8. Jan 2024, 08:08 ... ich kann mir gut vorstellen das es einige schwerkranke gibt die bewusst dem Tod auf den Weg entgegengehen
Vielleicht können sich einige noch an das Thema im Sven-Forum erinnern: "wer auf einem Pilgerweg stirbt kommt direkt in den Himmel?"

Apropos Himmel - das Himmlische Jerusalem in Rom (eine Art Ersatz Jerusalem) - die Rom-Pilger kennen ihn wahrscheinlich, den
Campo Santo Teutonico im Vatikan : "Der Friedhof war von Anfang an für jeden Pilger aus dem Heiligen Römischen Reich gedacht, der von der Pilgerfahrt nicht mehr heimkehren konnte. ..."

Simsim hat geschrieben: ↑13. Jan 2021, 17:37 Ja, der Tod ist in unserer Gesellschaft zumeist ein Tabu. ...
Leben mit dem Tod : "Für viele Gläubige ist der Tod nicht das Ende. Aber was geschieht danach? Wann setzt der Tod ein? Und haben wir eine Seele? Die Wissenschaft kann das Tabu-Thema zumindest versachlichen, der Rest ist eine Glaubensfrage. ... In die Trauer über den Verlust eines Menschen durch Krankheit, Alter, Gewalt oder Unfälle mischt sich bei gläubigen Menschen die Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist. ... Für die meisten Menschen gilt: Nicht der Tod selber macht uns Angst, sondern das Unwissen, was beim Sterben und danach mit uns passiert. ..."

CyrusField hat geschrieben: ↑22. Nov 2023, 08:56 ... man (in dem Fall: ich) macht sich seine eigene Sterblichkeit viel zu selten bewusst.
Pooh_der_baer hat geschrieben: ↑7. Jan 2024, 17:10 Der Tod gehört zum Leben. ...
donjohannes hat geschrieben: ↑10. Jan 2021, 14:34 ... Denn der Tod scheint mir ohnehin schon zu weit aus dem Leben verdrängt. ... aber ich denke Bruder Tod ... vor dem wir alle gleich sind, sollte sichtbar in unserer Mitte bleiben. Es würde den Christen vielleicht helfen "gut" zu sterben. ...
“Death Positive” - Junge Bestatter verbinden Tod mit Lebensfreude: "Eine traditionelle Bestattung oder eine Riesenparty? In Deutschland gibt es einen Trend zur “Death Positive”-Bewegung. Kann das helfen, den Tod besser anzunehmen? ... “Death Positive” heisst die Bewegung, die die Amerikanerin Caitlin Doughty schon vor Jahren geprägt hat; dabei geht es darum, Tod und Trauer wieder mehr in den Alltag der Menschen zu integrieren. ... Es gehe bei Death-Positive nicht nur ums Party-machen, sondern darum, den Tod wieder ein Stück weit ins Leben hereinzuholen, ... ."


Darf ich hier - ausgerechnet zu diesem Thema - Ute [✝️] zitieren?
beliperegrina hat geschrieben: ↑16. Okt 2022, 23:42 Ich denke, jeder Gedanke an Ute ist einfach willkommen, auch wenn die Erinnerung traurig macht. ...
Uti hat geschrieben: ↑10. Jan 2021, 11:39 ... Das Bestattungsritual, in welcher Form auch immer, ist für mich eher für die Angehörigen da. Ich wünsche mir, dass meine Angehörigen mit dem, was sie auswählen, für sich einen guten Weg des Abschieds finden. ...
"Ab unter die Erde" - Abschiedsparty statt Trauermarsch: "Im christlichen Abendland sollten wir generell darüber nachdenken, warum Bestattungen so traurig sein müssen, wenn wir doch davon ausgehen, dass es nach dem Tod weitergeht. ..."


Als gläubiger Christ dürfte mich der Gedanke an den eigenen Tod nicht ängstigen, denn es gibt Gott-sei-Dank die Hoffnung . Aber was bleibt von dieser Hoffnung letztendlich noch übrig bei dem (erschreckenden) Gedanken, dass wir auf einer sich drehenden Kugel ( Erde ) leben & sterben, die mit einer unglaublichen Geschwindigkeit durch ein unendliches Weltall rast/schwebt?¿?

Tja, die Macht der Gedanken ☛ Manchmal ist der schlimmste Ort, an dem man sein kann, der eigene Kopf!


Gruss

Stefan :-)
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Berta71
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Re: Letzte Ruhe am Ende der Welt... - Tod und Bestattung in der PilgerInnenkultur

Beitrag von Berta71 »

Mir gefällt der Beitrag von Stefan sehr.
Danke dafür!
Ja den Tod wieder mehr ins Leben holen..... Wieder neu lernen dass der Tod genauso dazu gehört wie das geboren werden.... unausweichlich!

Deine Gedanken Stefan, dass wir als Christen ja wissen, dass es dann weitergeht bei unseren Herrn ist gut einfach wieder zu lesen.

Aber auch der Gedanke von Ute glaub ich, dass das Ritual der Beerdigung für die Angehörigen wichtig ist . Denn sie sind diejenigen, die damit dann weiterleben müssen und dürfen.
Bei der Beerdigung meiner Mutter hat meine Schwester gefragt, Mama ist doch im Herzen katholisch, können wir sie nicht auch katholisch beerdigen? Das war für meinen Bruder u mich OK, auch wenn wir ev groß geworden sind und Mama lange schon ev war. Ja im Herzen war sie katholisch. Aber ist das nicht egal? Sie hatte Jesus im Herzen und das war das wichtigste, also sind wir dem Wunsch unserer Schwester gerne nachgekommen und haben es so gemacht, denn für sie war das wichtig. Für uns andere ok.
Ich setzte mich selber sehr stark seit meinem Camino mit dem Tod auseinander, bzw vorher schon auch allein durch meinen Beruf als Krankenschwester, wo ich viele Menschen in den Tod begleiten durfte. Ich sage bewusst durfte, denn es ist gut wenn für den sterbenden eine Hand da ist, so er/sie das möchte.

Für mich selber bzw für meine Familie mache ich mir Gedanken, die ich ihnen zum Teil sage bzw aufschreibe, dass es ihnen gut geht wenn ich gehen darf.
Wie schön dass sie da offen für sind.

Meine jüngste Tochter war 6 Jahre alt, als Oma und Opa nicht mehr kommen konnten aus gesundheitlichen Gründen und der andere Opa starb. Sie wollte ihn unbedingt sehen und sich von ihm verabschieden. Das haben wir ihr ermöglicht und so ging sie dann später bei der Beerdigung locker neben der Urne her und versorgte später gerne das Grab mit Blumen. Das war gut mit anzusehen. Natürlich hat sie geweint, das haben wir alle und ist auch gut so!

Ich wünsche jedem von euch gute Gedanken und Umgang mit dem Thema Tod, ich gebe zu, dass es nicht leicht ist......
Liebe Grüße Brigitte
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Fiftyniner
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Re: Letzte Ruhe am Ende der Welt... - Tod und Bestattung in der PilgerInnenkultur

Beitrag von Fiftyniner »

@Simone: Interessant, was Du über den „Tod des Camino“ schreibst! Ich fühlte einen kleinen Tod und eine Leere, als ich nach 5 Wochen mit meinen Pilgerfreunden auf der Plaza in Santiago vor der Kathedrale stand……. Ratlos, wie es jetzt weitergeht, die Reise war zu Ende, es fühlte sich wie ein kleiner Tod an. Abschied nehmen vom täglichen eat, sleep, walk.

P.S. mein persönliches Ziel des CF erreichte ich bereits kurz vor Galizien in der Herberge in LaFaba. Dort oben, mit Blick auf die Berge in der kleinen uralten Kapelle fand ich meinen Frieden. (Meinen Frieden mit meiner vor einem Jahr verstorbenen Mutter, wegen der ich den Camino gelaufen bin)

Liebe Grüße
Jürgen
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