Ruta de la Lana - der Hinweg

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Pilger Franz
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Ruta de la Lana - der Hinweg

Beitrag von Pilger Franz »

Nach der Schilderung der Ruta de la Lana, im Jahre 2019 gegangen von Norden (Burgos) nach Süden (Valencia) viewtopic.php?p=31685#p31685, kommen hier meine Erlebnisse auf der Ruta von Süden (Alicante) nach Norden (Burgos), aus dem Jahr 2018.
Angeregt zu diesem Weg und ermutigt hat mich der blog https://gertrudisaltendorferrutadelalana.wordpress.com/
Danke, Gertrudis! Die Angaben zu Führern usw. stehen bei Gertrudis.
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Anreise: Dienstag 27. März 2018 Freiburg – Straßburg – Paris – Barcelona – Alicante
Von einer Interrail-Reise ist noch ein Tag übrig – das passt! Ich entschließe mich, ihn zur Reise nach Alicante zu nutzen. Ich bin, schon im Reisefieber, frühzeitig am Zug nach Offenburg und Straßburg. Der TGV ist ziemlich voll. Das ist ungewohnt. Ankunft in Paris am Gare de l’Est. Der Bus 65 zum Gare de Lyon fährt 25 Minuten, eine kleine Stadtrundfahrt. Auch der nächste TGV, ein Doppelzug, nach Barcelona ist sehr voll, auch das ist ungewohnt, dazu kommt, dass ich mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzen muss.
Ab Montpellier finde ich einen freien Tisch und sitze nun in Fahrtrichtung. Plötzlich merke ich, dass um mich herum niemand mehr sitzt. Das Bordbistro ist aufgeräumt und niemand mehr da. Ich sitze im Zugteil, der nur bis Perpignan geht!! Der Zug wird gerade abgekoppelt. Ganz flott schnappe ich meine Sachen, beim Kontrollblick zurück auch mein Smartphone 😉 und raus! Ich schaffe es noch in den vorderen Zugteil nach Barcelona. Das Bahnpersonal draußen an der Tür spornt mich zusätzlich an. Uff, das war knapp.
Der TGV hat in Barcelona zehn Minuten Verspätung, das reicht mir für die Interrail-Reservierung am Schalter für den Talgo nach Alicante um17h wohl nicht mehr. Also 18h. Am Schalter, den ich endlich finde, sind es noch gut fünf Minuten Zeit. Ich erreiche den Zug nach Alicante auf die letzte Minute, trotz einer Kontrolle (ziemlich oberflächlich, wonach suchen die denn eigentlich?!). Auch das war knapp.
Jetzt sitze ich im Talgo nach Alicante und schreibe Tagebuch: Viel Nichtstun heute und auch energische Aktionen, wo nötig. Schöne Abendstimmung, während der Zug in Sichtweite des Mittelmeers fährt. Es ist lange hell. Ich fahre sehr gern Zug, aber die letzten zwei Stunden werden etwas mühsam, das Sitzfleisch hat genug.
In Alicante nehme ich ein Taxi und lande in einer Oster-Prozession rund um die Concatedral de San Nicolás de Bari. Es ist die Karwoche! Daran hatte ich nicht gedacht. Das Taxi kommt nicht durch und setzt mich ein ganzes Stück vor dem Ziel raus. Zweimal muss ich Passanten fragen, dann finde ich die Pension San Nicolas, die genau hinter der Kathedrale liegt, und werde freundlich aufgenommen. Das Zimmer geht auf den Lichtschacht hinaus, dafür ist es ruhig, vom Feierlärm draußen höre ich nichts mehr.
Pension San Nicolas C/San Nicolás 14 Tel: 00.34.965.217.039 / 00.34.699.864230 (auf der Rückseite der Concatedral de San Nicolás de Bari, nahe am Weg, auch auf booking.com)
Zuletzt geändert von Pilger Franz am 1. Jan 2023, 18:22, insgesamt 3-mal geändert.
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Gertrudis
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Re: Ruta de la Lana - der Hinweg

Beitrag von Gertrudis »

Da bin ich jetzt gespannt auf Deinen Bericht, lieber Franz!
Der Weg von Alicante bis Cuenca steht ja immer noch auf meiner Wunschliste...
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Pilger Franz
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Re: Ruta de la Lana - der Hinweg

Beitrag von Pilger Franz »

94 Ruhetag: Mittwoch 28. März 2018, Alicante
Am Morgen gehe ich zum Frühstücken in eine Bar nahebei. Das mag ich an Spanien: Man bekommt in vielen bares schon früh am Morgen einen Kaffee und was Süßes. Damit fängt der Tag gut an. Früh draußen zu sein genieße ich immer wieder!
Vormittags ein Spaziergang durch die Stadt, den Burg-Felsen hinan, zur Ermita Santa Cruz.
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Weiter den Berg hinauf zur Burg mag ich nicht gehen. Ist schließlich der erste Tag in einer klimatisch anderen Umgebung. Warm ist es geworden, also heim zur Mittagsruhe.
Alicante ist eine große Stadt mit großzügigen Straßen und Gebäuden. Viel Auto- und Motorroller-Verkehr, viele Touristen. Unheimlich viele restaurantes und bares gibt es, jedoch keinen Supermarkt (ich finde zumindest keinen). Die Temperaturen sind angenehm, ich laufe im T-Shirt rum. Die meisten Menschen in der Stadt tragen noch Winterjacken!
Nach der Mittagsruhe will ich zur Basilica de Santa Maria gehen, wo die Ruta als Camino de Santiago beginnt. Ich verlaufe mich und lande am Strand. Oh, ist der breit und lang! Blauer Himmel, blaues Wasser, leichte Wellen, viele Strandgäste. Ein Kaffee zum Genießen, dann zurück ins Zimmer.
Zweiter Anlauf: die Basilica de Santa Maria gleich gefunden.
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Eine Tafel nennt den Camino del Sureste, der Pilger vom Mittelmeer zum Atlantik führt. Kleine Tafeln mit einem Pfeil weisen als „Camino de Santiago“ den Weg. Die Ruta de la Lana wird nicht genannt. Beide Caminos verlaufen bis Villena gemeinsam und trennen sich danach. Ich laufe dem Camino nach bis zum Hauptbahnhof. Zwischendurch Sitz- und Schreibpausen im Park Portal de Elche mit den großen Gummibäumen.
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Abendessen im Gartenrestaurant und kurz die abendliche Prozession geguckt.
Danach früh zu Bett. Ruhetag eben.
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Pilger Franz
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Re: Ruta de la Lana - der Hinweg

Beitrag von Pilger Franz »

1. Tag: Donnerstag 29. März 2018, Alicante – Orito, 24 km
Um 8 h gehe ich los. Ich will die Stadt möglichst schnell hinter mir lassen. Die erste Strecke, ca. 5 km im Stadtgebiet, fahre ich mit dem Bus 04 vom Plaza de Santa María zur Plaza del Cemeterio.
Weiter geht es auf Straßen, es wird wärmer. Ich laufe an der Eisenbahnlinie Alicante - Valencia entlang durch eine wahre Müllhalde von Plastiksäcken und –tüten, eklig.
Es geht ca. 13 km durch Ansiedlungen von Gewerbe und Industrie, schließlich über eine Autobahn. Dahinter kommt der barranco del invierno (‚Gebirgsbach der Hölle‘), in einer zerklüfteten Landschaft. An einem Haus unterwegs, mit einer Pilgermuschel, kann ich mir Wasser besorgen. Später pausiere ich nochmals, im Schatten von Kiefern – das tat gut. Am Ende der Bachschlucht liegt ein steiler Aufstieg zu einer Straße: Verlockend ist es, links runter Richtung Orito zu gehen. Rechts geht es steil hinauf zur Cueva St. Pascual, einer Grotte mit einem kleinen Kirchlein. Ich entscheide mich für „steil rauf“ und genieße dann den Rundblick. Ebenso steil ist dann der Abstieg über fiese Felsplatten. Im Rückblick am Fuß der Anhöhe sind oben das Kirchlein und am Hang überdimensionale Darstellungen zu sehen, gelegt aus weißen Steinen – ‚land art‘.
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Ankunft in Orito um 18 h, Erfrischung in der bar und Frage nach der Unterkunft. Oh Wunder, der Wirt weiß was! Wegen der Messe in der Kirche soll ich noch bis 19 h warten, dann kommt eine Frau, die mir das ‘Pilgerzimmer’ in der Casa de los Peregrinos zeigt. Es klappt. Ein schönes Zimmer mit drei Einzelbetten. 15 € in bar und alles ist gut.
Abendessen in der bar, einfach und gut: Kartoffeln mit Knoblauchsoße und – klar: vino tinto.
Die Landschaft heute: Viel bebautes und landwirtschaftlich genutztes Gelände, dazwischen Halbwüste und Kalkstein in Schichten, sehr steinig und staubig und geröllig, teilweise unangenehm zu gehen.

Die Lehren dieses Tages:
- Vor allem beim Abwärtsgehen auf Geröll unter der Sohle achten.
- Beim Fehlen von Wegzeichen an einer Verzweigung 50 bis 100 m vorgehen, bis evtl. ein Zeichen auftaucht, dann ggf. zurück und den anderen Weg prüfen.
- Spontan Leute anquatschen, wo immer nötig und irgend sinnvoll. Nur keine Hemmungen! Das schafft Kontakte und liefert u. U. nützliche Hinweise.
Albergue “Casa del Peregrino” Pza. Nuestra Señora de Orito, Telf. 65 53 64 394 info@acogidacristianaenelcamino 15€ im Pilgerzimmer, sehr gut; in der Bar nebenan weiß man Bescheid
Zuletzt geändert von Pilger Franz am 11. Jan 2023, 16:58, insgesamt 2-mal geändert.
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Pilger Franz
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Re: Ruta de la Lana - der Hinweg

Beitrag von Pilger Franz »

Meine Unterkünfte in 2018 + 2019
177 Diese Übersicht gebe ich hier vorab. Dann muss niemand das Ende meines Pilgerberichts abwarten :-)
Die Unterkünfte waren durchweg ordentlich, bis auf wenige Ausnahmen ;-)
Preise usw. habe ich nicht aktualisiert.
Weitere Hinweise s. www.jakobus-info.de/unser_weg/camino12.htm mit weiteren Quellen

Alicante Pension San Nicholas, C/San Nicolas 11, Tel. 0034.965.217.039 (auf der Rückseite der Concathedrale San Nicolás de Bari, nahe am Weg, 25€ o. F.)
Orito [iAlbergue Casa del Peregrino, Tel. 65 53 64 394, 15€ im Pilgerzimmer, sehr gut; in der Bar nebenan weiß man Bescheid.
Elda Hotel Santa Ana (Innenstadt, an der Kirche), EZ 15€ o. F.
Villena Hotel Salvadora Av. De la Constitucion Nr. 102, liegt am Weg, am anderen Ende der Stadt, 30€ EZ o.F.
Caudete Albergue, sehr gut; liegt gaaanz oben bei der Kirche Santa Ana, donativo
Almansa Hotel El Estudio, am Mercado central nach links + 200m, DZ 28€ o. F., Albergue bei den Esclavas de Maria, C/ Miguel de Cervantes Nr. 7, 8€
Alpera Hotel El Cazador 25€ m.F.
Alatoz Refugio de peregrinos, OK, 8€
Alcalá del Júcar Hotel Al Júcar, EZ 40€, m.F., Hotel Pelayo EZ m. F. 50€
Casas Ibañez Hostal San Jorge, 20€
Villamalea Hostal El Bodegon, 25€ o. F.
Graja de Iniesta Hostal Pepe, 27€ m. F.
Campillo de Altobuey Bungalow (für bis zu 4 Personen), Feriendorf nah am Convento, Tel. 652 908 037 Ana, 50€; Casa Rural de la Higueira, nach dem Convento (Marie-Pilar), 15€
Paracuellos de Comarca la Vega Bodenlager/Turnmatte im Centro Social, Schlüssel in der Bar, oder Tienda; das Paraje rural La Ermita, 4 km außerhalb von P., öffnet wohl nur in der Hauptsaison; nur mit bestätigter Reservierung hingehen!!
Monteagudo de las Salinas Casa rural Rincon de Sandra, ganze Wohnung, sehr gut, 20€ o. F. (Selbstversorger), am Dorfeingang fragen und ggf. gleich in der Tienda einkaufen
Fuentes Los Palancares 25€ m. F., gleich in der ersten Bar an der Hauptstraße fragen
Cuenca Albergue Casa del Peregrino, sehr gut; donativo
Villar de Domingo Garcia Albergue municipal, sehr eng; C/Escuelas, davor eine Bank und an der Wand ein großer gelber Pfeil, Schlüssel in der Bar Goyo am Ortseingang
Torralba (ca. 10 km nach Villar) sorgt Luis (in der Bar Goyo Tel. 647 889 125) für gute Unterkunft + Verpflegung, donativo. Empfehlung!
Villaconejos de Trabaque Albergue municipal, sehr gut; donativo (Pepe)
Albendea Casa rural Gabriela (am Hauptplatz, gegenüber von Bar+Bäcker), 20€
Salmerón Albergue municipal, sehr gut, sauber; 5€
Viana de Mondejar Refugio de Peregrinos, sehr gut
Trillo Albergue municipal de peregrinos, sehr gut;
Cifuentes Hostal Las Secuoyas (am Hauptplatz), 20€; Hostal San Roque 44€
Mandayona Hostal Rural Cumbres de Castilla, 60€ m. F.;
Aragosa Casa rural Rio Dulce, 30€ m. F. nur direkt/bei Anruf! 629 228 919 (70€ über booking.com)
Sigüenza Hotel in Carabias, 60€ m. F., Hotel Laberinto 36€ o.F.
Atienza Hotel Rural Mirador, 24€ m. F. [eine öffentliche Herberge gibt es, war mir aber zu schmuddelig]
Retortillo Hostal La Muralla, 35€ m. F.; es gibt auch eine private Herberge Aurora, 15€, Tel. 699 867 933
Wer den Weg durch den Cañon (Radler?!) und die nachfolgende "Unterkunfts-Durststrecke" bis San Esteban de Gormaz umgehen möchte, schafft dies über Gormaz, 23 km von Retortillo entfernt, und auf dem Camino del Cid über El Burgo de Osma.
In Gormaz gibt es eine ganz neue Pilgerherberge, Tel. 975 183 473, 8€ https://www.caminodelcid.org/servic...m ... a-2241323/
Caracena Eigentümer holten mich ab (10 km) nach La Rasa, Casa Rural La Navazuela, 60€ m.F. (über booking.com)
San Esteban de Gormaz Hostal Rivera de Duero (Stadtmitte, nah am Weg), 45€, über booking.com 59€; eine öffentliche Herberge gab es 2019 nicht.
Alcubilla de Avellaneda Casa Rural Marquesas de Tavira, (Pilgerpreis 35€ mit HP, direkt reserv., EZ 42€ m.F. über booking.com)
Huerta de Rey Casa rural La Tejera, 20€, C/Arias de Miranda 28 (nicht 32!)
Santo Domingo de Silos Albergue de peregrinos, C/Santo Domingo 34 (nicht 2; gegenüber dem Klostereingang mit den zwei Plastiken), donativo
Covarrubias Pension Galin, 24€ m. F.
Burgos Hotel Cordón EZ 55€; Hotel Jacobeo 55€ m.F. (beide über booking.com)
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Pilger Franz
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Re: Ruta de la Lana - der Hinweg

Beitrag von Pilger Franz »

2. Tag: Karfreitag 30. März 2018, Orito – Novelda – Elda, 20 km
269 Nachts bin ich mal wach, es windet draußen deutlich. Den Himmel kann ich sehen, er ist klar. Frühstücken in der Bar, los bei Sonnenschein und Wind. Im nächsten Ort, Monforte del Cid, suche ich lange rum - die Wegmarkierungen innerhalb von Ortschaften sind anders/spärlicher als in der Landschaft - entdecke die Kirche auf der Anhöhe und finde schließlich den Plaza del Parador, wo viele (vor allem ältere) Männer sich lautstark die Zeit vertreiben. Kaffee auf der Bank draußen vor der Bar. Beim Weiterziehen kaufe ich eine ensaimada. Mmh.
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Novelda. Am Stadtausgang hält mich Paco Serra an, einer der lokalen amigos del camino de Santiago. Wir plaudern ein bisschen, dann laufe ich weiter am Fluss Vinalopó entlang (nach links). Geradeaus geht es auf die Alternative über Petrer.
Regenschauer ziehen durch, kühl ist es.
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Elda zieht sich, auch hier fehlen die gewohnten Markierungen. Ich muss mehrmals nach dem Ayuntamiento fragen, neben dem das Hotel Santa Ana liegt. Sehr freundlicher Empfang, das Zimmer ist ordentlich und liegt nach innen, zum Lichtschacht hin, ist aber hell. Beim Eintreten fällt die innere Türklinke runter, macht gut Krach auf dem Fliesenboden: Der Haltestift fehlt. Ich bringe sie notdürftig wieder an, da kommt der Portier gelaufen. Er kennt das Geräusch schon. Reparieren tut er das Ding nicht.
Der Regen hat aufgehört, Sonne, blauer Himmel. Abendessen in der Bar nebenan. Dann schaue ich der Karfreitags-Prozession eine Weile zu und bin gerührt über so viel Ernsthaftigkeit. Schließlich vertreibt mich der starke und arg kühle Wind. Im Zimmer wasche ich ein paar Sachen. Abends gibt es einen Krimi im ZDF – deutsches TV ist selten zu sehen in Spanien.
Nachts höre ich den Wind. Ändert sich das Wetter?!
Elda Hotel Santa Ana C. Iglesia, 4, Tel. 965391391 www.elhoteldesantaana.com (an der Kirche/ nahe am Ayuntamiento von Elda) inforeserva@hotel-santaana.net Spezialpreis für Pilger mit Credencial; Cafébar mit Pilgermenu gleich nebenan
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Pilger Franz
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Re: Ruta de la Lana - der Hinweg

Beitrag von Pilger Franz »

3. Tag: Karsamstag 31. März 2018, Elda – Sax – Villena, 23 km
315 Ich habe gut geschlafen. Alle gewaschenen Sachen sind schon trocken. Der Himmel ist klar. Ich entdecke die Bäckerei an der Kirche, das ist wichtig für später. Frühstück in der Bar nebenan, mal was Salziges zum Frühstück: pan tostado mit Tomatenmus, Pfeffer und Salz. Einkauf Käse + Schokopudding im kleinen Supermercado schräg gegenüber. Der junge Inhaber outet sich als Pilger, kennt den Camino francès und den Norte. Schöner Schwatz. Brot kaufe ich dann beim Bäcker.
Beim Verlassen der Stadt viel blauer Himmel und ein unangenehmer Wind von vorne, ein langer Aufstieg am Bahnhof vorbei zum Hospital. Bis dorthin hätte ich auch mit dem Bus hinfahren, mir den Aufstieg sparen können…
Der Weg geht weg von der Landstraße und entpuppt sich als steiniger, doch schöner Wanderweg auf karstigem Boden. Er trifft oben am Pass wieder auf die Straße.
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Steiniger Abstieg zum Fluss Vinalopó. Es geht am Ufer entlang bis zu einer Furt, die aber nicht passierbar ist. Also weiter am Ufer, bis der Weg aufhört: Privatgrund. Statt auf die Landstraße auszuweichen, lasse ich mich nicht entmutigen und klettere auf der steilen Böschung weiter. Ich kämpfe mich durch 😊 und tatsächlich - dahinter geht ein normaler Weg bis Sax - die Burg grüßt schon von weitem.
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In Sax Pause + Käffchen. Der rechte Zeh drückt, Pflaster drauf. Später hilft es sehr, einfach eine der beiden Socken auszuziehen. Gang durch die Stadt, schöne Burg hoch droben. In Sax finde ich an der Plaza de Constitution eine Tafel als Wegweiser mit „Camino de Santiago del Sureste“ ohne einen Hinweis auf die Ruta.
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Stadtauswärts laufe ich bis zur jenseitigen Brücke, dann links ab von der Straße nach Villena [gesprochen Bìlena]. Immer noch Gegenwind und Sonne. Mittagsrast in einem Kiefernwäldchen, im Windschatten.
Beide Füße machen trotz Teerstraße gut mit, dafür bin ich sehr dankbar! In Villena gehe ich, strikt nach der Beschreibung im spanischen Führer, zum Hotel Salvadora, das am anderen Ende der Stadt liegt. Das Zimmer liegt zum Innenhof und ist ruhig. Abendspaziergang, ein Thermometer zeigt 11ºC an. Dann finde ich nach einigem Suchen auch noch ein Geschäft für einen passenden Strohhut!
Villena Hostal Salvadora, Avda. Constitución, 102, Tel. 965800950. “Gute Preise für Pilger”, liegt am Weg/am anderen Ende der Stadt, 30€ EZ o. F.
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Steven
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Re: Ruta de la Lana - der Hinweg

Beitrag von Steven »

Danke Franz für den tollen Bericht - phantastisch wie viele verschiedene wundervolle Wege es doch gibt. :)

Ich bin schon gespannt, wie der Weg weiterführt und entsprechend auf deinen weiteren Bericht.

Grüße, Steven
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Pilger Franz
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Re: Ruta de la Lana - der Hinweg

Beitrag von Pilger Franz »

4. Tag: Ostersonntag 1. April 2018, Villena – Caudete, 16 km
474 Um 8h bin ich zum Joggen raus, auf der automatischen Anzeige stehen 3ºC!
Zum Frühstück gibt es nochmals pan tostado mit Tomate. Ich kann gemütlich machen, heute sind es nur 16 km. Um 11h gehe ich los, der Himmel ist diesig bedeckt. Viele Leute auf den Straßen, sie genießen den Sonntag. Die Bars sind geöffnet. Das ist sonntagvormittags immer so, auch zu Ostern. Ich finde zwei weitere Geschäfte mit Strohhüten, egal, ich habe schon einen, der reicht.
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Käffchen auf der Avenida, kurz vor der Stadtgrenze. Hässlicher Übergang ins freie Land, überall wilde Müllkippen und verwahrloste Gegenden. Schade drum. Lange geht es geradeaus an der Ausfallstraße entlang, dann links ab, weiter in Sichtweite der Eisenbahnlinie. Es wird wärmer, Pause in einem Kiefernwäldchen, wo ich einzelne Nester der Prozessionsspinnerraupen entdecke. Sonne.
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Dann taucht die schöne Kuppel einer Kirche auf – Caudete.
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Die Begrüßungstafel am Ortseingang klärt auf: Hier in Caudete befindet sich das „Cruce de Caminos Sureste/Lana“.
Von hier geht eine breite plattierte Allee los, autofrei, sehr lang, bis ins Zentrum. Ein Käffchen gönne ich mir am Hauptplatz. Ein jüngerer Mann spricht mich, während ich mit dem Kaffee auf einer Bank sitze, auf das Pilgern an. Er kennt auch Miguel von der Albergue.
Langes Suchen nach der Herberge und Umherirren. Die Beschreibung und die Markierungen passen irgendwie nicht zusammen. Schließlich finde ich das Kirchlein Santa Ana mit der Pilgerherberge: gaaaanz oben. Die Wegbeschreibung im spanischen Führer hätte ganz kurz und knapp lauten können: arriba, siempre arriba!
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Auf meinen Telefonanruf hin erscheint Joaquin, ein tatkräftiger Mann, der ein engagierter Pilger ist und alles mit aufgebaut hat. Am Ende der (sehr) ausführlichen Hausführung und Erklärung aller(!) Regeln frage ich ihn nach einem Taxi am nächsten Morgen, um die Strecke nach Almansa um ca. 7 km auf machbare 20 km zu verkürzen. Hin und her, schließlich bietet er mir an, mich am nächsten Morgen selbst zu fahren. (Wochentags fährt ein Bus nach La Encina, einer Bahnstation mit einem Restaurant, von weitem erkennbar.) Wir machen 8 h aus. Super!!
Spaziergang durch das Städtchen, in dem ich mich immer besser auskenne – der Lohn des Herumirrens 😊. Dann koche ich mir was, da praktisch alle Bars geschlossen sind. Ist wohl sonntagnachmittags immer so, auch an Ostern! Cous-Cous aus meiner Kochreserve auf dem schwächelnden Herd und Albondigas aus der Dose (Hausvorrat) in der Mikrowelle. Nun, die Albondigas (Fleischbällchen mit Soße) waren nicht so gut, der Hunger zwingt sie rein, samt zwei Dosen Bier (die sind allerdings OK).
Es ist kalt in der Herberge, da verzichte ich auf’s Duschen, gehe zu Bett mit Schlafsack und Radiator. Es geht, weil es muss. Die Flutlichter vor der Kirche scheinen direkt herein und gehen auch nachts nicht aus. Ich lasse die Verdunkelung lieber offen, ich möchte beim Aufwachen den Himmel sehen können.
Caudete Albergue de Santa Ana - Plza Santa Ana, 2; Tel. 634 30 75 71, sehr gut; liegt gaaanz oben bei der Kirche Santa Ana, donativo
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