Via Francigena von Lausanne nach Rom mit Pilgerwagen machbar, und weitere Fragen.

Auf den Spuren des Franz von Assisi und auf anderen Wegen in die ewige Stadt
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Aldo79
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Via Francigena von Lausanne nach Rom mit Pilgerwagen machbar, und weitere Fragen.

Beitrag von Aldo79 »

Hallo,

ich habe eigentlich keine Erfahrung mit Pilgerwegen bzw. langen Wandertouren. Aber seit ich vom Via Francigena gehört, gesehen, gelesen habe, ist das mein Vorhaben für - vermutlich erst Ende April 2024 - vielleicht doch auch schon 1 Jahr eher? Man wird sehen. Davor wollte ich eigentlich immer mal den Jakobsweg erwandern.

Jedenfalls hab ich viel im Net gelesen, die Etappen, die App, etc.
Ich weiß nicht, vielleicht liegts am Alter (62) und nicht gerade der sportlichste Typ, jedenfalls war mein Gepäck bei den bisherigen Touren meist das meiste und schwerste. Bisher war ich maximal 3 Tage von Hütte zu Hütte unterwegs.
Meine Sorge ist die, dass mir das über die ca. 50 Tage bis nach Rom mit dem Rucksack zu viel wird. Mein Sohn lachte, als ich ihm sagte, wie ich bloß 50 Unterhosen, Shirts, Socken etc. alles tragen soll. War nicht ganz ernst gemeint, aber die Tendenz ist da, mich nicht mit 2 Wechselgarnituren begnügen zu wollen. Darum bin ich sehr angetan von diesen Pilgerwagen, die aber auch nur hilfreich sind, wenn die Wege dafür geeignet sind.

Das wäre meine erste Frage: Kann mir jemand sagen, ob die Wege ab Lausanne bis Rom dafür gehen? Ich plane ohne den St. Bernhard, sondern die Strecke von Martigny bis Aosta mit dem Bus (oder Zug, falls das möglich ist). Bus 12.211 Martigny - Aosta habe ich gefunden.
Ich hab mir die App heruntergeladen, möchte sonst auch weitgehend diese Etappen von da so wandern. Nebenbei stelle ich mir die Etappen noch selbst mit Komoot zusammen, da kann ich Toiletten, Trinkwasser, Gasthöfe, Sehenswürdigkeiten, Bushaltestellen etc. alles vorher schon mal berücksichtigen und habe zumindest mal einen Anhaltspunkt. Aber ob die Wege gut sind mit Pilgerwagen zu wandern, sehe ich da auch nicht.

Meine 2. Frage wäre dann diese: Brauche ich für die Pilgerunterkünfte Schlafsack und dickere Isomatte, oder haben die Betten? Falls nicht, wäre es noch mehr Gepäck. Bzw. sollte ich besser auf jeden Fall nen Schlafsack mitnehmen? Ich las, dass es nicht überall diese Pilgerunterkünfte gibt, meist aber auch sonst bezahlbare Unterkünfte, mit Ausnahme der Schweiz, das ist teuer, aber sind ja nur 3-4 Tage.

Meine 3. Frage: Brauche ich den Pilgerausweis? Bekomme ich dadurch die Übernachtungen günstiger? Ich bin nicht katholisch und das katholische ist mir auch nicht wichtig, wobei ich schon gläubig bin. Bei der St. Jakobusbruderschaft Trier kann ich den wohl günstig bestellen, wobei mir die Stempel glaub nicht so wichtig wären. Aber falls sich da meine Meinung noch ändert würde mich interessieren, wo ich in den jeweiligen Etappenzielen dann diesen Stempel herbekomme, vor allem wenn ich da in nem normalen Gasthof übernachte?

Ich danke Euch schon mal für Eure Tipps, Hilfe, Ratschläge.

Viele Grüße
Aldo
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Gertrudis
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Re: Via Francigena von Lausanne nach Rom mit Pilgerwagen machbar, und weitere Fragen.

Beitrag von Gertrudis »

Hallo Aldo,

Wir sind (zu zweit) letzten August Teilstrecken der Via Francigena gewandert.
Abgesehen vom St. Bernhard, den Du ja weglässt (ist wahrscheinlich im April sowieso gesperrt), haben wir schon einige sehr schöne und anstrengende Wegstrecken erlebt, die ich mir mit Pilgerwagen jetzt nicht vorstellen möchte.
Gleich hinter Aosta geht es z.B. recht gach in die Hügel hinauf in die Weinberge - herrlich dort, wäre sehr schade, das zu verpassen.
Oder später z.B. die gerölligen, teils steilen Wege zwischen Cassio und Berceto. Oder nach dem Cisa-Pass...wunderbarer Pfad, großartige Aussicht, aber so einen Wagen hinten dran empfände ich da wohl als hinderlich.
Das sind nur ein paar Beispiele, die mir gerade spontan einfallen, wir sind ja , wie gesagt, nicht den ganzen Weg gegangen und haben uns eher die bergigen Abschnitte rausgepickt :)
Natürlich gibt es immer auch asphaltierte Straßen von einem Ort zum andern, aber da muss man sich eben entscheiden, was einem wichtiger ist und mehr Freude macht... (tatsächlich haben auch wir mal die Straße dem vom Track vorgeschlagenen Höhenwanderweg vorgezogen, weil ich mir den Fuß böse verstaucht hatte). Eventuell könntest Du Dich an der Wegführung für die Radfahrer orientieren.

Zu Frage 2: Die Pilgerherbergen haben Betten, aber meistens keine Decken.
Wir hatten uns auch ausgemalt, dass wir in nette Privatunterkünfte gehen, das war aber bis auf wenige Ausnahmen - zumindest im August - ein Flop. Fast alles ausgebucht. Also sind wir, wie alle unsere Mitpilger, brav von einer Herberge zur nächsten und haben da immer einen Platz bekommen.
Also - man muss entweder rechtzeitig vorbuchen (und schränkt sich damit selbst ziemlich ein) oder man nimmt halt seinen Schlafsack mit ;)

Zu 3: Den Pilgerausweis wollten sie in manchen Herbergen sehen. Stempel kriegst überall, einfach fragen.
Ich habe die Pilgerausweise hier bestellt: https://www.haus-st-jakobus.de/de/24/Pi ... weise.html

Zum Gepäck: es ist egal, ob Du 3 oder 50 Tage unterwegs bist. Du brauchst immer dasselbe. (Naja, so ziemlich)
Ich kriege alles in meinem 30-Liter-Rucksack unter, obwohl ich nicht zu den Ultraleichtfreeks gehöre.
Wäschewaschen gehört einfach zum täglichen Pilgerritual, alle machen das.

Liebe Grüße
Gertrudis
Holger
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Registriert: 12. Dez 2022, 12:41

Re: Via Francigena von Lausanne nach Rom mit Pilgerwagen machbar, und weitere Fragen.

Beitrag von Holger »

Aldo79 hat geschrieben: 28. Dez 2022, 23:56 Hallo,

ich habe eigentlich keine Erfahrung mit Pilgerwegen bzw. langen Wandertouren. Aber seit ich vom Via Francigena gehört, gesehen, gelesen habe, ist das mein Vorhaben für - vermutlich erst Ende April 2024 - vielleicht doch auch schon 1 Jahr eher? Man wird sehen. Davor wollte ich eigentlich immer mal den Jakobsweg erwandern.

Jedenfalls hab ich viel im Net gelesen, die Etappen, die App, etc.
Ich weiß nicht, vielleicht liegts am Alter (62) und nicht gerade der sportlichste Typ, jedenfalls war mein Gepäck bei den bisherigen Touren meist das meiste und schwerste. Bisher war ich maximal 3 Tage von Hütte zu Hütte unterwegs.
Meine Sorge ist die, dass mir das über die ca. 50 Tage bis nach Rom mit dem Rucksack zu viel wird. Mein Sohn lachte, als ich ihm sagte, wie ich bloß 50 Unterhosen, Shirts, Socken etc. alles tragen soll. War nicht ganz ernst gemeint, aber die Tendenz ist da, mich nicht mit 2 Wechselgarnituren begnügen zu wollen. Darum bin ich sehr angetan von diesen Pilgerwagen, die aber auch nur hilfreich sind, wenn die Wege dafür geeignet sind.

Das wäre meine erste Frage: Kann mir jemand sagen, ob die Wege ab Lausanne bis Rom dafür gehen? Ich plane ohne den St. Bernhard, sondern die Strecke von Martigny bis Aosta mit dem Bus (oder Zug, falls das möglich ist). Bus 12.211 Martigny - Aosta habe ich gefunden.
Ich hab mir die App heruntergeladen, möchte sonst auch weitgehend diese Etappen von da so wandern. Nebenbei stelle ich mir die Etappen noch selbst mit Komoot zusammen, da kann ich Toiletten, Trinkwasser, Gasthöfe, Sehenswürdigkeiten, Bushaltestellen etc. alles vorher schon mal berücksichtigen und habe zumindest mal einen Anhaltspunkt. Aber ob die Wege gut sind mit Pilgerwagen zu wandern, sehe ich da auch nicht.

Meine 2. Frage wäre dann diese: Brauche ich für die Pilgerunterkünfte Schlafsack und dickere Isomatte, oder haben die Betten? Falls nicht, wäre es noch mehr Gepäck. Bzw. sollte ich besser auf jeden Fall nen Schlafsack mitnehmen? Ich las, dass es nicht überall diese Pilgerunterkünfte gibt, meist aber auch sonst bezahlbare Unterkünfte, mit Ausnahme der Schweiz, das ist teuer, aber sind ja nur 3-4 Tage.

Meine 3. Frage: Brauche ich den Pilgerausweis? Bekomme ich dadurch die Übernachtungen günstiger? Ich bin nicht katholisch und das katholische ist mir auch nicht wichtig, wobei ich schon gläubig bin. Bei der St. Jakobusbruderschaft Trier kann ich den wohl günstig bestellen, wobei mir die Stempel glaub nicht so wichtig wären. Aber falls sich da meine Meinung noch ändert würde mich interessieren, wo ich in den jeweiligen Etappenzielen dann diesen Stempel herbekomme, vor allem wenn ich da in nem normalen Gasthof übernachte?

Ich danke Euch schon mal für Eure Tipps, Hilfe, Ratschläge.

Viele Grüße
Aldo
Lieber Aldo,

ich habe mich über diesen Weg informiert und werde ihn -anders als Du eher mit leichtem Rucksack - ab Mitte Mai gehen. Bei meiner Vorbereitung hat mir sehr die Beratung durch Almuth Belard geholfen: geholfen: https://www.jakobus-franken.de/pilgerwe ... erberater/ Falls Du mit Ihr sprichst, schöne Grüsse von mir. Auch die Autorin des aktuellen Pilgerführers kann sicher helfen. Siehe hier: http://www.retterath.net/ Im Übrigen gilt jedenfalls für mich: Fürchtet Euch nicht! Nur Mut ! Ohne Übermütig zu werden. Denn oft bekommt man echte abturnende Warnhinweise, die sich später auf den Wegen gar nicht bewahrheiten.

Wie auch immer: Ich wünsche Dir einen zuversichtlichen Aufbruch, schöne Begegnungen und eine gesunde Heimkehr!

Schöne Grüsse,

Holger (Hamburg)
tsetse
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Re: Via Francigena von Lausanne nach Rom mit Pilgerwagen machbar, und weitere Fragen.

Beitrag von tsetse »

Servus, Aldo,

willkommen bei uns im Forum!

Auf meinem Weg nach Rom kam ich bisher nur bis zur italienischen Riviera, versuche aber trotzdem, Deine Fragen zu beantworten.

• Pilgerwagen
Die Strecke über den St. Bernhard ist damit nicht zu bewältigen, aber die möchtest Du ja eh mit dem Bus zurücklegen. Allerdings musst Du ja auch noch über den Apennin, und durch die Toscana. Den Weg runter nach Pontremoli empfand ich als sehr steil und ermüdend, ein von hinten schiebender Pilgerwagen hätte mich da echt überfordert.
Auf dem Weg durchs Zentralmassiv habe ich einen Pilger kennengelernt, der aus gesundheitlichen Gründen nur mit Pilgerwagen gehen konnte. Er hat morgens beim Frühstück immer mit Pilgerfreunden das nächste Etappenziel abgesprochen und ging dann unten in den Tälern auf der Straße, während die Pilgerfreunde auf den Trampelpfaden über die Berge gingen. Und alle waren glücklich mit dieser Lösung.

• Pilgerausweis, Schlafsack
Wenn Du (ab und zu) in Pilgerherbergen übernachten möchtest, brauchst Du aus hygienischen Gründen einen Schlafsack sowie als „Zutrittsberechtigung“ den Ausweis. Stempel bekommst Du in Kirchen, Rathäusern, Gaststätten usw.

• Isomatte
Außer in Orsières (da fährst Du mit dem Bus durch) gabs in allen Pilgerunterkünften, in denen ich war, Betten. In der Nähe von Pavia gab es allerdings nur ein einziges, ca. 1.20 m breites Bett, das ich mir mit einem Pilgerfreund teilte. Wir lagen beide sehr dicht an unseren jeweiligen Bettkanten und vermieden jegliche Regung. Und unser dritter Pilgerfreund schlief in dieser Nacht im Keller auf dem Boden. Es hat am nächsten Tag einige Kilometer gedauert, bis unsere Bewegungen rund und geschmeidig waren :lol:
Danke fürs Zurückbringen dieser wunderbaren Erinnerung! Hätten wir Isomatten dabeigehabt, wärs nicht halb so witzig gewesen.

Also, um meine Antwort kurz zusammenzufassen: Mach einfach. Geh los, mach Deine Erfahrungen, und entscheide von Tag zu Tag, was aufgrund der Strecke, Deiner Verfassung und Deinen Pilgerfreunden richtig ist.
Und, ganz wichtig: Erzähl uns hinterher davon!!

BC
Christine
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Johannes Cassian
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Walter
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Re: Via Francigena von Lausanne nach Rom mit Pilgerwagen machbar, und weitere Fragen.

Beitrag von Walter »

Hallo Aldo,

ich fange mal bei Frage drei an:
Wenn du in einer Pilgerherberge übernachten willst, dann ist der Pilgerpass schon mal dein „Türöffner“. Dein Pilgerausweis bringt dir keine Verbilligungen, sondern einen Zugang in „Pilgerherbergen“. Deine Konfession spielt hier keine Rolle.
Wenn du in keiner Pilgerherberge übernachtest kannst du deinen Stempel auch im Hotel bekommen.

Und dann wären wir auch schon mal beim Schlafsack. Du wirst ihn, wenn auch nicht immer, brauchen, oder du weichst eben in Pensionen etc. aus. Isomatte habe ich nie gebraucht. Meine Übernachtungsstätten waren eine bunte Mischung. Wenn du mir per PN deine Mailadresse zukommen lässt bekommst von mir eine Liste wo ich 2015 übernachtet habe. Die ist sicher nicht gerade aktuell, aber ganz sicher ein Anhaltspunkt. Noch mehr Unterkünfte findest du in diesem Heftchen >>> https://pilgershop.via-francigena.com/p ... -download/

Zum Rucksack – du solltest dich mit zwei Garnituren begnügen; eine am Körper, eine im Rucksack. Und wenn alle Stricke reißen, du bist nicht im Busch unterwegs, sondern du kannst dir unterwegs auch etwas kaufen!
Zum Pilgerwagen kann ich dir nicht viel sagen, aber auch nach Aosta ist es bergig und über den Apennin findest du nicht überall nur Fußwege und das gilt auch noch in der Toskana ...

Zu deinem jugendlichen Alter .... nach einer Woche läuft sich alles wunderbar ein. :D

Würde mich freuen, wenn dir mit meiner Info etwas geholfen wurde.

Ich wünsche dir und allen Lesern ein gutes und friedvolles Jahr ... oder besser Jahre!

Gruß Walter
Cam. Frances, Cam. del Norte, Via Gebennensis, Via de la Plata, Via Podiensis, Via Regia, Jakobsweg Schweiz, Via Francigena, Olavsweg, Caminho Português, Ignatiusweg, Fränkisch Schwäbischer Jakobsweg, Münchner Jakobsweg, Via Scandinavica, Franziskusweg.
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donjohannes
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Re: Via Francigena von Lausanne nach Rom mit Pilgerwagen machbar, und weitere Fragen.

Beitrag von donjohannes »


Ist jemand schon mit Pilgerwagen auf der VF unterwegs gewesen?

Bin am Rückweg von Jerusalem Teile der Via Francigena in die andere Richtung mit Pilgerwagen gegangen - und zwar zwischen Aosta und Lucca
(da vorher am Benedikts- und Franziskusweg nach Norden unterwegs stieß ich erst bei Lucca auf die VF).

Ist dieser Abschnitt von Aosta bis über den Appennin mit dem Pilgerwagen also möglich?
Grundsätzlich, ja.

Ist er immer schön?
Nein. Es gibt über die Berge ein paar nicht so tolle Passagen. Aber auch zwischen den Weinbergen des Aostatals möchte man nicht immer was im Schlepptau haben

Sind die Wege aber irgendwie bewältigbar?
Ja, kommt aber sicher auch auf den Pilgerwagen drauf an. Es gibt zwei Haupttypen: Ein Rad, zwei Räder.
Vorteil ein Rad: geländegängiger
Vorteil zwei Räder: mehr Gewicht auf der Achse und damit nicht von dir zu stützen oder tragen.

Welche generellen Nachteile haben Pilgerwägen?
Es geht nicht nur um Wege. Man kann sie je nach Bauart auch nicht in einen Laden oder das Quartier mitnehmen - gerade die größeren Einrädrigen sind sperrig. Dann muss man sie draussen stehen lassen und hoffen, dass sie niemand mitnimmt. Nb.: meinen hat man aber auch auf 14.000km nie mitgenommen

Kann man die Route für den Pilgerwagen anpassen?
Ja. Man kann sich dazu vielleicht an der Radroute der VF orientieren. Schön sind Straßen mit Verkehr aber nicht. Denn davon gibt es auch so noch genügend auf der VF

Was war mein Pilgerwagen?
Mein Pilgerwagen war ein Carrix. Das Vollgummirad hat den Vorteil keinen Platten zu bekommen. Der Nachteil ist die Größe. Größerer Radumfang hilft meist gerade im schwierigeren Gelände. Es gibt solche mit größeren Luftreifen > Monowalker

Warum war ich mit Pilgerwagen unterwegs?
Ich hatte viel Gewicht dabei und dachte, es sei besser so. Bin Priester und hatte alles zum Messfeiern dabei. Dazu kamen Filtersysteme für andere Gegenden des Ostens und technische Ausrüstung. Alleine diese Dinge, die du sicher nicht brauchst - dazu Zelt etc - kamen auf 8kg

Gehe ich heute noch mit Pilgerwagen?
Nein. Die letzten zwei langen Wege habe ich einen Rucksack dabei - wegen Gelände und Flexibilität. Mit dem Aarn Pack habe ich ein System gefunden, dass das Gewicht besser verteilt und ich kann damit auch mit mehr Gepäck aufrecht und beschwerdefrei täglich sehr lange Etappen gehen.

Was wäre eine Alternative
Kurze Etappen (mehr Zeit einplanen). Leichteres Gepäck! Pilgern heißt auch loslassen lernen. Eine Garnitur für das Laufen. Eine Garnitur für den Abend. Jeden Abend die Laufgarnitur waschen, wenn man sich selbst sonst nicht aushält. Leichte Kunstfaser dafür nehmen, die schnell trocknet. Wenn man es nicht aushält, dann halt unterwegs noch ein shirt dazukaufen. Aber REDUZIEREN (egal ob mit Wagen oder ohne) ist generell etwas, das dir praktisch JEDER Pilger am Ende des ersten Wegs sagen wird.
Österreich -Santiago 1998
Liechtenstein - Jerusalem und zurück 2013-14 (http://www.4kmh.com/neo)
Triest - Cannes (Via Alpina Sacra) 2018 ( http://www.4kmh.com/vas )
Irland - Italien (Via Columbani) 2022
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Pilger Franz
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Re: Via Francigena von Lausanne nach Rom mit Pilgerwagen machbar, und weitere Fragen.

Beitrag von Pilger Franz »

Meine Erfahrungen mit einem Pilgerwagen

Zuvörderst steht die Entscheidung, ob ich einen Pilgerwagen benötige. In der Regel sind das Gewicht des Gepäcks und/oder meine Physis (die Tragfähigkeit des eigenen Rückens, die Knie usw.) die bestimmenden Faktoren. Sobald klar ist, dass es nur mit PW geht, werden alle weiteren Bedingungen gemanagt. Auf der Francigena 2015 habe ich mehrere davon unterwegs gesehen. Sie alle werden wohl ihren Kurs gefunden haben.

Vor 3 Jahren habe ich umgesattelt von Rucksack auf Rucksackwagen (2 Räder), aus den o.a. Gründen.
https://abload.de/thumb/dscn4021xkqkhw.jpg

Die Vorteile liegen in der Ebene, auf normalbreiten Wegen, diese möglichst mit fester Oberfläche. Damit spielt das Gewicht des Rucksacks praktisch keine Rolle mehr. Der Wagen läuft samt Gepäck leicht mit.

Etwas mühsamer wird es bei längeren/steilen An- und Abstiegen und bei engen Wegführungen wie Pfaden oder Wegen mit lockerer Oberfläche. Dann strenge ich mich halt ein Stück weit an (tut man mit Rucksack sicher auch) oder nehme den Rucksack für eine kurze Strecke huckepack. Der entlastete Wagen rollt dann problemlos mit.

In den Pilgerführern OUTDOOR und ROTHER gibt es die Hinweise für Radfahrer, die man beherzigen kann, auch KOMOOT bietet Informationen zur Wegbeschaffenheit an. In Bussen und Bahnen geht der PW problemlos mit. Nur im Flixbus habe ich mal für ihn extra bezahlen müssen.
BC
Franz
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Re: Via Francigena von Lausanne nach Rom mit Pilgerwagen machbar, und weitere Fragen.

Beitrag von Aldo79 »

Hallo,

ganz herzlichen Dank für Eure Tipps, Anregungen, Überlegungen, ...

Im Moment denke ich, ich versuche es ohne Pilgerwagen. Andrerseits ist ein Hersteller nicht so weit entfernt von hier (Benpacker), vielleicht fahre ich mal hin und teste und schaue vorort.
Was ich denke ich nicht möchte ist, dass ich nun den Radweg nutze, wenn ich zu Fuß pilgern möchte. Dann kann ich auch mit e-Bike gehn, was sich für mich aber "falsch" anfühlt, also ich nicht wirklich mit pilgern in Verbindung bringe.
Also der Pilgerwagen mit 2 Rädern und Bremsen wäre sehr angenehm, wenn es die Wanderwege zuließen. Wenn nicht, bzw. wenn es eben mehr als ein paar Meter, Treppen, Felsen, Baumwurzeln sind, dann möchte ich glaube ich besser mit Rucksack auf dem Rücken das angehen.

Ich muss mich einfach beschränken, wird schwer werden. Bergab gehen bereitet mir Probleme in der Leiste, aber mit Wanderstock geht es bisher. Und sollten eben sehr starke körperliche Gebrechen, Schmerzen auftreten, zwingt mich niemand, weiter zu machen. Oder man nimmt sich ein, zwei Tage Auszeit. Als baldiger Rentner kann man das dann ja.

Bzgl. Pilgerunterkünfte gibt´s ja hier --> https://www.eurovia.tv/unterkunft-via-francigena.html noch die Ergänzungen zu diesem Unterkunftsbüchlein, das ich mir sicher noch bestellen werde.

Dazu schaue ich mir nebenbei noch philipps PILGERLOG auf youTube an und seine Erfahrungen. Jeden Tag 16 Minuten seiner Etappen anzuschauen hilft mir, mir ein Bild von den Wegen und den Erlebnissen zu machen, schöne und anstrengende. Was ich bisher in den 9 Tagen sah, lädt nicht unbedingt ein, das mit Pilgerwagen zu versuchen, auch wenn ich den St. Bernhard Paß auslassen würde. Wobei das sicher auch wunderschön wäre, wenn man von der Anstrengung absieht. Nur, wenn man sich zu viel zumutet, kann es schnell passieren, dass man sich überfordert und dann aufgibt.
Daher denke ich, ich lasse diese schweren, mit vielen Höhenmetern gespickte Etappen gleich zu Beginn weg.

Tja Komoot hat viele Wege nun mit Bildern hinterlegt, dass man die Wegbeschaffenheit besser einschätzen kann anhand der Bilder. Nur in den 7 Etappen (die ich bisher mal geplant habe) der Via Francigena ist kein einziges Bild eines Weges hinterlegt.

Der beste Rat ist vielleicht wirklich der, es einfach zu machen. Schon gut planen, sich aber nicht verrückt machen. Alles bis ins Kleinste im voraus schon einzuplanen, und ja nix vergessen, geht wohl eh nicht. Jedenfalls hab ich in den Filmen gesehen, unbedingt an eine Wäscheleine und Klammern zu denken, neben allem anderen.

Viele Grüße
Aldo
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Erika
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Wohnort: Annweiler

Re: Via Francigena von Lausanne nach Rom mit Pilgerwagen machbar, und weitere Fragen.

Beitrag von Erika »

Hallo, Aldo,

https://opapilgertwieder.jimdofree.com/blog-1/

das ist die Website von Reinhard Wagner, der 2014 mit Pilgerwagen von Windeck, NRW, bis Rom gelaufen ist.

Seinen blog kann man online noch lesen, ist sehr ausführlich beschrieben und enthält auch Fotos vom Wheely.

Habs gerade mal gegoogelt, das Buch von ihm " Nach Rom ist gar nicht soweit: Eine Pilgerreise zu Fuß von der Haustür bis zum Petersplatz" ist bei amazon für 29,90 noch erhältlich.

Er ist wegen Rücken mit Pilgerwagen gelaufen. Allerdings hatte er auch nicht mehr Gepäck im Wägelchen als wir im Rucksack.

Ansonsten würde auch ich eher zum Rucksack tendieren. Wieviel Unterwäsche gedenkst Du denn einzupacken ?

Die Pilgerherbergen am Wegesrand haben alle Duschen und warmes Wasser.

Schlafsack - ja

Isomatte - nein,

Pilgerpass - unbedingt

Vor Pfingsten wird man wahrscheinlich nicht zu Fuß über den Col du Grand Saint Bernard kommen, Busse fahren aber durch den Tunnel.
Das wäre jedoch schade, weil die Übernachtung im Hospiz und auch die Gastfreundschaft der Chorherren ein ganz besonderes Erlebnis auf der VF ist.

Die Unterkunftsliste, von gronze, die Gertrudis im Thread Gesucht Rother Führer zur Via Francigena verlinkt hat, ist echt gut und sehr übersichtlich.

Und jetzt, viel Spaß beim Planen und Stöbern wünscht

Kerstin

www.Zu-Fuss.blogspot.com
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