"Pilgern auf Ligurisch": ein Jakobsweg und ein Franziskusweg (Juni 2020) Reisebericht

Auf den Spuren des Franz von Assisi und auf anderen Wegen in die ewige Stadt
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donjohannes
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"Pilgern auf Ligurisch": ein Jakobsweg und ein Franziskusweg (Juni 2020) Reisebericht

Beitrag von donjohannes » 7. Jul 2020, 08:21

"Pläne sind Späne" sagte ein Weiser einst - oder war es Pumuckl? Dies galt auch für mich in diesem Corona-Sommer. Und so bin ich kurzerhand nach den Lockerungen der Bestimmungen von meiner Quarantäne-Hütte in die Nachbarprovinz Ligurien gefahren, um auf der Alta Via dei Monti Liguri eine Lücke meines Sentiero Italia zu schließen. Doch wenn so wenig internationale Touristen wie heuer zugegen sind, dann lohnt es sich vielleicht auch ein paar Tage an der Küste der Via della Costa bzw dem Sentiero Verde Azzurro Richtung Cinque Terre zu folgen, sprach ich und tats. Nach dem höchsten Punkt der AVML am anderen Ende bin ich hingegen nicht nach Ventimiglia abgestiegen, sondern hab noch ein Stück der Alta Via dei Alpi Liguri (AVAL) drangehängt. 13 Tage, 560 Kilometer und satte 28.000 Höhenmeter - da hatte ich schon in den Alpen "flachere" zwei Wochen. Und bis auf das letzte kleine Stück sind beide Teilstrecken auch Pilgerwege. Zu diesen hier kurz mehr:

Die Via della Costa ist 350 Kilometer lang und folgt der ganzen Länge der Küste Liguriens. Am südlichen Ende kann man in Sarzana an die Francigena anschließen. Im Westen geht es an der französischen Grenze weiter Richtung Arles. Ich fand den Weg, von dem ich allerdings nur die östlichsten 150km gelaufen bin, sehr schön, habe ihn aber auch mit dem Sentiero Verde Azzurro kombiniert, der manchmal die naturbelassenere Variante wählt (etwa auf der Portofino Halbinsel nach San Fruttuoso statt im Hinterland). Jahreszeitlich kann es ein schöner Herbst-/Winter-/Frühlingscamino sein. Im Sommer wird's sehr schnell sehr heiß und schwül. Bei mir war es auch Mitte Juni ok, wobei die Temperaturen wohl unter dem Durchschnitt lagen. Nicht unterschätzen darf man die Höhenmeter. Es ist ein "Treppen-Camino" mit viel kurzem, steilen Auf und Ab. Zugegeben ich bin sehr lange Etappen gegangen (45km+) und hab dadurch sehr viel Aufstiege summiert (z.T. mehr als 2000 Höhenmeter Aufstieg am Tag), aber "Küste" ist eben nicht Strand. Mehr info (Eng/Fr/It/Esp) auf viadellacosta.it

Die Alta Via dei Monti Liguri ist zwar seit 1983 ein Weitwanderweg und Teil des Sentiero Italia, wird aber vor allem von den Franzosen als eine Variante gewählt, um nach Assisi zu Pilgern. Nach der Auskunft am Weg, stellen diese Pilger den Großteil der internationalen Präsenz zwischen April und Mai. Infrastruktur zum Übernachten gibt es hier grundsätzlich - wobei nicht alle ehemaligen Unterkünfte mehr offen sind (Sterben der kleinen Dörfer in den Bergen). Manchmal ist ein Transport notwendig. Die Möglichkeiten zeigt altaviainfoh24.com (englische Version aber spärlich

Soweit also zu den Wegen. Zu meinem Weg, der beide in Teilen kombiniert, und meinen Erfahrungen in Ligurien habe ich einen
Video-Reisebericht zusammengestellt.
Ihr findet ihn hier auf youtube (Achtung: 52 Minuten! Gesamtlänge):

https://youtu.be/AUDP945osGw

Die Impressionen von der Reise stammen von der kleinen GoPro Hero 7 und einem neuen Wanderbegleiter, der dji magic mini. Es war ein erster Test, ob das Schleppen einer Drone auf weiteren Strecken gerechtfertigt ist. Fazit? Schön sind sie schon die neuen Perspektiven. Nur musste deshalb die gute Kamera mit den Wechselobjekten aus Gewichtsgründen zuhause bleiben. Nicht so schlimm - bei einem glorifizierten, persönlichen Homevideo.

Hier jetzt auch die Kurzversion als "10 Minuten-Highlight-Reel" ohne Worte:

https://www.youtube.com/watch?v=wDaN-XDWdb0

Viel Spass also mit den Eindrücken und Geschichten aus Ligurien.
Zuletzt geändert von donjohannes am 7. Jul 2020, 14:55, insgesamt 4-mal geändert.
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Via2010
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Re: "Pilgern auf Ligurisch": ein Jakobsweg und ein Franziskusweg (Juni 2020) Ein Reisebericht

Beitrag von Via2010 » 7. Jul 2020, 11:30

Danke Johannes,
das hört sich sehr interessant an. Ich werde mir die Infos in Ruhe zu Gemüte führen. Vielleicht ein idealer Weg, um ihn mit meinen italienischen Freunden zu genießen.
Wie hoch waren denn die durchschnittlichen Unterkunftskosten?
Ich nehme an, auf Italienisch gibt es mehr Infos und diesbezügliche Sprachkenntnisse sind von Vorteil.
Ich lerne schon seit 2 Jahren fleissig für die angestrebte Via Francigena.

BC
Alexandra

wanderer
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Re: "Pilgern auf Ligurisch": ein Jakobsweg und ein Franziskusweg (Juni 2020) Ein Reisebericht

Beitrag von wanderer » 7. Jul 2020, 12:47

@ Alexandra, dann schau doch mal den Blog von Kerstin und Hans-Jürgen an http://zu-fuss.blogspot.com/.( Ich war mal so frei, Kerstin :-) )
Aber sie werden sich auch bestimmt noch persönlich hier melden !

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donjohannes
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Re: "Pilgern auf Ligurisch": ein Jakobsweg und ein Franziskusweg (Juni 2020) Ein Reisebericht

Beitrag von donjohannes » 7. Jul 2020, 12:57

Hallo Alexandra,
Pilgerspezifische Unterkünfte an der Küste habe ich keine gesehen (weil nicht gesucht). Um die 40-50€ für Einzelzimmer war bei mir im Juni (Hochsaison). Hab aber immer des Billigste genommen und Cinque Terre (sehr teuer) in einem durch bis zu einem Zeltplatz. Nebensaison wird billiger. Auswahl via Booking.com oder ähnlicher Plattform. Da kann man auch mal an den Etappenorten für den gewünschten Reisezeitraum "sondieren". Allerdings gibt es eine Unterkunftsliste (ist sie aktuell?), die an Pilger gerichtet ist: http://viadellacosta.it/01-da-sapere/os ... a/?lang=en

Für die Alta Via gibt es Albergos (= Pensionen 30-50 €), Berghütten (Rifugios - bei mir waren die Lager alle wegen Covid geschlossen. Am Monte Aiona (Rifugio Pratomollo kostet zB. B&B 30 und Halbpension 50), und kostenlose Bivacks (eines sieht man im Video bei Minute 30). Allerdings wäre ich jetzt während Covid ohne Zelt nicht weit gekommen. Normal wird es besser sein, aber manchmal muss man für reguläre Quartiere den Grat verlassen (manche Anbieter holen einem ab, hab ich gelesen). Aber als Zelt-Mensch bin ich da kein guter Ratgeber. D
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