Abenteuer spanischer Jakobsweg

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joggertrapper1955#
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Abenteuer spanischer Jakobsweg

Beitrag von joggertrapper1955# » 2. Jun 2020, 20:36

Hallo,

mein Name ist Reinhard und bin beim Wandern noch völlig grün um die Ohren. Walke zwar sehr viele Kilometer im Monat, aber ich denke, es ist ein Unterschied, dass Ganze mit Gepäck zu meistern.
Ich gehe im Mai 2021 in Rente und plane ca. Mitte Mai 2021 den klassischen spanischen Jacobsweg in ca. 6 Wochen zu laufen.
Kann mir jemand Ratschläge geben, welcher Rucksack empfehlenswert ist, welche Schuhe und natürlich, was sollte man mitnehmen und was weglassen, um Gewicht zu sparen. Wie sieht es mit den Unterkünften aus? Könnte mir auch vorstellen, mich anderen Pilgern anzuschließen.
Fragen über Fragen und ich gespannt, ob mir nette Leute gute Ratschläge geben können. :?:

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Anhalter
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Re: Abenteuer spanischer Jakobsweg

Beitrag von Anhalter » 2. Jun 2020, 20:52

Hallo Reinhard,

erst einmal: Mach das. Unbedingt. Das wird eine tolle Erfahrung werden.

Zu deinen anderen Fragen: Der Anwalt sagt immer "kommt drauf an". Mir war es sehr wichtig, möglichst leicht unterwegs zu sein. Andere (die meisten) bevorzugen Ausrüstung, die sich etwas stabiler anfühlt. Zu Schuhen gehen die Meinungen ebenso auseinander, was für den einen funktioniert ist für den anderen ungeeignet. Ich würde den Camino Frances (also den "klassischen Jakobsweg" bzw. "Hape Weg") immer wieder mit Trailrunnern machen, jemand mit untrainierten Bändern oder Problemen mit der Achillessehne hätte daran aber gar keine Freude...

Du hast ja glücklicherweise noch einige Zeit dich zu informieren und auch Sachen auszuprobieren. Wenns die Fragen dann konkreter werden kann man das bestimmt auch noch ausgiebig diskutieren :)

Nachtrag: Achso, das "anschließen" an andere Pilger funktioniert unterwegs ganz automatisch. Man ist eigentlich nie alleine, wenn man das nicht möchte.

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Gerhard.1
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Re: Abenteuer spanischer Jakobsweg

Beitrag von Gerhard.1 » 3. Jun 2020, 00:08

Hallo Reinhard,

Fernwandern und/oder Pilgern mit Rucksack ist das schönste Geschenk, das man sich selber machen kann. Da würde ich an deiner Stelle nicht mal warten bis zum Rentenbeginn, sondern nach dem Rucksackkauf schon mal als Vorbereitung auf den Camino Francés eine mindestens 2-3 Tage dauernde Streckenwanderung planen und realisieren.

Ich hatte bereits vor 32 Jahren damit begonnen und mich mit meiner Frau auf meinem damaligen Traumweg, dem 280 km langen "Westweg", von Pforzheim nach Basel über die Schwarzwaldhöhen aufgemacht. Es war DAS Schlüsselerlebnis, obwohl es mir nach der 1. Etappe gar nicht gut ging, da ich mit 13 kg viel zu viel Gepäck dabei hatte und wir daraufhin am nächsten Morgen alles, was nicht unbedingt erforderlich war, nach Hause schickten. Mit einigen Sachen meiner Frau, waren das immerhin 3,5 kg unnötiger Ballast, den wir bis Basel nie vermissten. Wir waren bei der Ankunft so glücklich, dass wir beschlossen, jedes Jahr eine Fernwanderung zu unternehmen und dafür einen Teil des Urlaubs zu "opfern". Nach meinem Rentenbeginn, 2001, waren dann die Jakobswege neue und beglückende Erlebnisse.

Als Rucksack trage ich, nach anderen Marken, den Osprey exos 35, ein leichter, vollwertiger Rucksack mit Tragegestell und optimaler Ausstattung, auch der Rücken bleibt bestens hinterlüftet. Den würde ich wieder kaufen, das Nachfolgemodell ist der etwas größere exos 38.

Bei der Ausrüstung spart man mit nur 2 Garnituren viel Gewicht, wenn man sich zum Grundsatz macht, jeden Abend nach dem Duschen die verschwitzte Wäsche (Hemd und U-Hose) auszuwaschen, die frische Garnitur abends und am nächsten Morgen anzuziehen und die über Nacht getrocknete Wäsche in Rucksack zu packen. Als Schlafshirt habe ich eines, das man notfalls auch tagsüber mal anziehen kann.
Als Wind-und Regenschutz habe ich außer einem Automatik-TrekkingTaschenschirm einen sehr leichten Goretex-Anorak mit Kapuze dabei. Wanderstiefel MID GTX sind für mich unverzichtbar, da es mitunter verschlammte Wege gibt und bei anderen Pilgern miterlebte, dass ihnen Schlick in die Trailrunner lief. Zusätzlich habe ich Trekkingsandalen (Leder) dabei und leichte Badelatschen.

Wenn Du magst, klicke meine Webseite an und rechts dann "Rucksack leichtern wird begeistern" in Versform.

Schöne Vorbereitungszeit und
buen camino
Gerhard
ein klick auf meine homepage
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Pooh_der_baer
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Re: Abenteuer spanischer Jakobsweg

Beitrag von Pooh_der_baer » 3. Jun 2020, 09:13

Hallo Reinhard,

ich habe meinen Jakobswegtraum 2010 ab Lepuy erfüllt. War damals 61 Jahre alt.
Meine Vorbereitung bestand darin, dass ich jede Woche 1-2 mal 6 km mit Stöcken walkte.

Schuhe habe ich im Fachgeschäft gekauft. Da ich leicht umknicke, war für mich klar, dass es Stiefel sein müssen.

Den Rucksack habe ich ebenfalls in einem Outdoor-Laden erworben. Habe damals jede Menge Rucksäcke im Geschäft mit Gewicht
probiert. Bin an Ende an einem "Schrankkoffer" hängen geblieben. Der hat mich bis jetzt trotz seines hohen Gewichtes über 3000 km
schmerzfrei begleitet.

Bei Schuhen und Rucksack hilft nur probieren, probieren. Diese Teile nur auf Zuruf kaufen, kann dir den Weg nur unnötig schwer machen, evt. sogar
zum Abbrechen zwingen.

Nehme immer neben einem Seidenschlafsack auch einen Leichtgewichtsschlafsack mit. Verwende diesen meist als Decke, da mir die Decken in den
Herbergen oft zu wider sind. Dreckig, ebenso wie die Matratzen. Daher nehme ich für den Kopf ein Microfaserhandtuch, 65x90cm, mit, das ich mit
Sicherheitsnadeln an den Matratzen befestige.

Du hast je noch Zeit dir die Teile zu suchen. Viel Spass dabei und Vorfreude auf den schönen und interessanten Weg.
Wer sich nicht erinnert, den bestraft die Zukunft.

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Matten
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Re: Abenteuer spanischer Jakobsweg

Beitrag von Matten » 3. Jun 2020, 11:49

Hallo Reinhard
Das wird ein Weg den man nicht vergisst. Jedenfalls ging es meiner Frau und mir so.
Ob der CF trotz Coronavirus begangen werden kann.
Schaun wir mal. Hoffentlich geht’s, dann ich möchte auch wieder hin.
Die meisten Pilger gehen allein. Aber sie bleiben nicht allein. Selbst wenn man zu zweit geht, ist man die meiste Zeit mit sich und den Eindrücken (Menschen, Landschaft, Städte, Dörfer....) beschäftigt. Der Weg ist so gut ausgeschildert, dass man ihn eigentlich nicht verlassen kann.
Ausrüstung: Schuhe und Rucksack sind die wichtigsten Gegenstände. Die müssen unbedingt passen, denn Du willst 800 Km damit unterwegs sein.
Der Rest: überlege Dir worauf Du nicht verzichten magst, und wiege dann jedes einzelne Teil. Ich habe mir eine Numbersliste (Mac) angelegt. Dann kann man mit den unterschiedlichen Teilen und Gewichten jonglieren.
Man wundert sich, dass T-Shirts nicht gleiche Gewichte haben usw.
Aktuell habe ich ein Rucksackgewicht von ca. 6,5 Kg und bin insgesamt mit ca. 10 Kg unterwegs.
Es gibt hier im Forum Pilger, die mit deutlich geringerem Gewicht unterwegs sind. Aber ich habe mich für einen gewissen Luxus entschieden. 😃

Es gibt Packlisten im Netz und in Büchern sowie auf YouTube

Wenn Du Deine Liste hier einstellst, wirst Du Kommentare bekommen.

Keine Angst: die fallen trotz unterschiedlicher Meinungen fair aus. Das merkst Du auch an den bisherigen Antworten, die ich alle unterschreiben kann.

Jetzt wünsche ich angenehme Planung 😃
Die hat mir stets viel Freude bereitet.

Buen Camino
Martin
Niemand weiß was in ihm steckt, bevor er nicht versucht hat es herauszuholen.
Ernest Hemingway

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Backgammon
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Re: Abenteuer spanischer Jakobsweg

Beitrag von Backgammon » 3. Jun 2020, 15:17

Hallo Reinhard,
sei willkommen.

Zur Ausrüstung wirst du zu vielen Gegenständen widersprüchliche Meinungen finden:

Regenjacke oder Poncho oder Schirm. Ich bin nach dem Live-Test zwischen Poncho und Regenjacke bei der Jacke geblieben.
Falls du dich für eine Jacke entscheiden solltest: lass dich nicht von Angaben zur Atmungsaktivität beeindrucken: wenn du ein Normaltanspirierer bist, schwitzt du trotzdem so viel, dass es auch innen feucht wird. Ich habe Jacken zwischen 60 und 750 Euro getestet: leider immer das gleiche Ergebnis: Jacke von außen dicht und je nach Marschtempo, Schweißbildung und Außentemperatur innen auch feucht.

Rucksack: Zwischen 500 gr und 3 Kilo findest du alles. Angefangen habe ich mit einem Osprey 48 und ca. 1450 gr. Nach meinem Umdenken hin zur Gewichtsreduzierung bin ich bei einem Leichtrucksack mit 36 L ohne Gestell (dafür mit Sitzpolster als Rückenpolster) und ca. 600 gr gelandet. Das fehlende Gestell fällt mir beim Laufen gar nicht mehr auf, richtiges Packen vorausgesetzt.
Wichtig: den Rucksack erst kaufen, wenn du deine Ausrüstungsgegenstände zusammen hast und nicht umgekehrt.

Schuhe: Erste Wanderungen in den Bergen Italiens fanden mit Wanderstiefeln von Lowa und über 1,2 kg Gewicht pro Paar statt. Auch davon bin ich ab und zu Trailrunnerschuhen und ca. 600 gr Gewicht gewechselt. Bis jetzt null Probleme. Das Argument, wegen Umknickens auf Stiefel auszuweichen, kann ich nicht nachvollziehen: wenn man richtig schnell und mit Gewicht umknickt, wird wahrscheinlich kein Stiefel helfen (zahlreiche Erfahrungsberichte anderer Wanderer im Internet haben dies bestätigt). Außerdem ist es so, dass du meistens mehrere hundert Gramm pro Schritt anheben musst. Dann kann man sich vorstellen, dass du bei 800 km mehrere Tonnen hebst.

Wanderstöcke: ich gehe nie mehr ohne auf längere Strecken. Diese sollten leicht (Alu oder Carbon) und faltbar oder versenkbar (Teleskop) sein.

Du siehst, Entscheidungen stehen an :)

Ich würde als Erstes eine Packliste hier einstellen und von den gefräßigen und hilfsbereiten Raben hier "zerfleddern" lassen ;)
Keine Angst, es wird nur zu deinem Besten sein und: du entscheidest.

Let´s go.

Pinie
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Re: Abenteuer spanischer Jakobsweg

Beitrag von Pinie » 3. Jun 2020, 21:04

Guten Abend Raimund,
Zum Thema Schuhe/Stiefel :
Ich bin da nicht ganz der Meinung der vorgehenden Stellungnahmen.
Ich selbst habe „ungeschickte Füße „, d.h. Bereits diverse Bänderrisse und Zerrungen hinter mir.Auch auf ebenen Wegstrecken trage ich in der Regel Wanderstiefel (Lowa Camino). Das Gewicht ist mir egal,auch unter Berücksichtigung meiner persönlichen Konstitution.Ich neige dazu, leicht umzuknicken,auch mit schwerem Rucksack; da haben mich die Stiefel bereits mehrfach vor Verletzungen geschützt.
Probier es aus,was du benötigst....dann entscheide,was DU brauchst.
BC Pinie

Pinie
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Re: Abenteuer spanischer Jakobsweg

Beitrag von Pinie » 3. Jun 2020, 21:06

Entschuldige bitte : REINHARD

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Mirabilis
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Re: Abenteuer spanischer Jakobsweg

Beitrag von Mirabilis » 4. Jun 2020, 07:19

Lieber Reinhard,

ich bin zum Ende meiner Arbeitszeit meinen ersten Camino gegangen. Mit einem offenen Rückfahrtticket. Ich wollte keinen Zeitdruck, den hatte ich im Arbeitsleben oft genug. Zeit zu haben und den Moment zu leben und mich nur um mich zu kümmer, war die schönste Erfahrung.

Was gehört in den Rucksack, was nicht, das kann, meiner Meinung nach, nur jeder selbst entscheiden. Wichtig ist, das Equipment von zu Hause aus auszuprobieren. Das Wichtigste: Schuhe und Rucksack müssen individuell angepaßt sein. Der eine meint, leichte Schuhe reichen, der andere braucht eine feste Sohle und Halt um die Knöchel. Meinen ersten Camino ging ich mit einen Rucksack, der schon ein paar Jahre alt war und mich schon auf Reisen durch die griechische Inselwelt begleitet hatte. Vor dem 2. Camino leistete ich mir einen neuen Rucksack. (Lange Suche und viele ausprobiert) Mein Rücken und die Füße freuten sich. Er paßt sich viel besser an und sitzt einfach gut. Ist die "halbe Miete".

Ich habe unterwegs immer wieder Sachen verschenkt, die ich nicht benötigte. Auch das war eine sehr gute Erfahrung, die mir keine zerfledderte Packliste hätte geben können. Sicher weniger ist mehr, aber das wenige ist für den einen dies und den anderen das. Du hast ja noch Zeit bis zum Start, alos teste deine Sachen durch, dann weißt du, was dir gut tut und was nicht.

Schönes Vorbereiten, auch das ist schon Camino
und dann einen guten Weg
LG Notburga
Nichts geschieht ohne Grund!

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