XACOBEO 2021

Allgemeine Diskussionen zur Pilgerei und ihrer Geschichte
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Camineiro
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Camineiro » 6. Sep 2019, 14:56

Greta, dass der Ablass nicht durch 100km Pilgern nach Santiago gewährt wird, ist doch hinlänglich bekannt.

Die Bedingungen für den Ablass sind mWn:

- Pilgerreise nach Santiago (das kann zu Fuss, aber auch mit Bus, Zug oder bspw Flugzeug erfolgen. Insofern erfüllt der Fussmarsch lediglich eine von mehreren Voraussetzungen).

- Teilnahme an der Messe in der Kathedrale

- Ablegen der Beichte

- Beten am Jakobusschrein

Soweit mir bekannt ist das alles von keinerlei finanziellen Gegenleistung abhängig.
Insofern kann man kaum von Handel sprechen.

Ergänzend dazu kann man im heiligen Jahr durch die Pforte schreiten und erhält dadurch einen vollständigen Ablass.


2010 bin ich 2x in Santiago gewesen und habe die Pforte mehrfach durchschritten - nach dem Motto: viel hilft viel.
Leider nützt mir das alles nix, da ich kein Katholik bin. 🤷🏻‍♂️
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Bicigringo
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XACOBEO 2021

Beitrag von Bicigringo » 6. Sep 2019, 16:08

Reminder - Die Fakten zum vollkommenen Ablass (indulgencia plenaria) https://vivecamino.com/la-peregrinacion ... o-jacobeo/

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Frau Holle
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Frau Holle » 8. Sep 2019, 19:25

Im Supermarkt stehen auch schon Weihnachtsmänner, wenn es draußen noch über 30 Grad heiß ist.
Lang angekündigte Werbung finde ich jetzt nicht so ungewöhnlich, dass sie dafür jetzt schon werben finde ich nicht so überraschend.
Ich arbeite seit meiner Teeniezeit auf einer großen Jugendfreizeit mit, die nur alle zwei Jahre stattfindet. Da wurd auch immer schon ein Jahr vorher für geworben.

Das heilige Jahr wird bestimmt ein Jahr voller Events in Santiago, aber ich würde nicht unterstellen, dass alle, die sich daran beteiligen auf Geld aus sind.
Ich kann mir auch vorstellen, dass da viele dran beteiligt sind, die sich einfach darauf freuen und gern ein Teil von diesem heiligen Jahr sein wollen, auf das sie 11 Jahre gewartet haben und auf das sie danach wieder 6 Jahre warten müssen.

Meine Fotobücher, die ich am Freitag an meine lieben Mitpilger vom Camino Finisterre überreicht habe habe ich auch im Juni angefangen zu basteln, obwohl ich da noch über 2 Monate warten musste, bis ich sie übergeben konnte. Aber ich hab mich so darauf gefreut und wollte nicht warten mit der Vorbereitung. Dafür war die Vorfreude zu groß.

Natürlich wird es auch Beteiligte geben, die sich einfach auf großen Umsatz freuen, aber ich möchte das nicht grundsätzlich unterstellen. Große Events brauchen eine lange Vorbereitungszeit, besonders wenn man Bühnen, Techniker, Musiker und so weiter braucht (und die wird es ja bestimmt irgendwo geben). Und da man ja schon lange das Datum kennt man auch schon konkret werben.

Also ich kann gut nachvollziehen, dass jetzt schon die Werbetrommel gerührt wird- und das ist doch gut für die, die sich auch freuen und auch für die, die dann wissen, wann sie nicht nach Santiago sollten, wenn sie dem Rummel entgehen wollen.

2014 bin ich an einem Tag angekommen, an dem der gesamte Vorplatz der Kathedrale abgesperrt war, Bühnen aufgebaut wurden und ich es echt nicht genossen habe. Wenn das am 25.7.2021 auch so sein sollte beneide ich dir Pilger nicht, die ihre Reise an diesem Tag beenden. Aber ich spiele trotzdem mit dem Gedanken mir das ganze Treiben dort anzutun 😅
Juhuu, das Forum ist wieder da!

Christoph Kühn
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Christoph Kühn » 19. Sep 2019, 18:14

Das Xacobeo ist etwas anderes als das Año Santo Compostelano. Das Xacobeo ist ein kultureller und touristischer Veranstaltungsreigen, den die Regierung der Autonomen Region Galicien seit 1993 ausrichtet. Das Año Santo Compostelano ist ein religiöses Gnadenjahr der Kirche, das seit 1428 nachweisbar ist und Gläubigen eine innere Umkehr ermöglichen möchte. Beides hat nur soviel miteinander zu tun, als die Regierung Galiciens das Xacobeo anlässlich des Año Santo Compostelano ausrichtet, somit beide Jahre zeitlich zusammenfallen.

Viele Grüße

Christoph

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Raimund Joos
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Raimund Joos » 20. Sep 2019, 11:35

DANKE! :)

Bicigringo
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XACOBEO 2021

Beitrag von Bicigringo » 20. Sep 2019, 16:51

Zum Thema „wirtschaftliche Auswirkungen des Āno santo“ gibt es interessante Prognosen vom Minister für Kultur und Tourismus in der Presse:

https://www.farodevigo.es/galicia/2019/ ... 68379.html

Der Minister für Kultur und Tourismus, Román Rodríguez, Die Zahl der Pilger hat nicht aufgehört zuzunehmen und im vergangenen Jahr wurde der Rekord mit 327.378 Menschen gebrochen, die hauptsächlich die französische Route für den Zugang nach Santiago benutzten. Der Minister hob die wirtschaftlichen Auswirkungen hervor, die sie hervorrufen, und erinnerte an seine Prognosen: Allein im Heiligen Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt Galiziens um 1% gesteigert - rund 600 Millionen Euro - und es werden 11.500 Jobs geschaffen. (Maschinell übersetzt)

I‘ll be there 😂🚴‍♀️

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Andrea Ilchmann
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Andrea Ilchmann » 20. Sep 2019, 17:15

Bicigringo hat geschrieben:
20. Sep 2019, 16:51
Zum Thema „wirtschaftliche Auswirkungen des Āno santo“ gibt es interessante Prognosen vom Minister für Kultur und Tourismus in der Presse:

https://www.farodevigo.es/galicia/2019/ ... 68379.html

Der Minister für Kultur und Tourismus, Román Rodríguez, Die Zahl der Pilger hat nicht aufgehört zuzunehmen und im vergangenen Jahr wurde der Rekord mit 327.378 Menschen gebrochen, die hauptsächlich die französische Route für den Zugang nach Santiago benutzten. Der Minister hob die wirtschaftlichen Auswirkungen hervor, die sie hervorrufen, und erinnerte an seine Prognosen: Allein im Heiligen Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt Galiziens um 1% gesteigert - rund 600 Millionen Euro - und es werden 11.500 Jobs geschaffen. (Maschinell übersetzt)

I‘ll be there 😂🚴‍♀️
Rekord gebrochen - es gibt seit Jahren jedes Jahr einen Rekord, der im nächsten gebrochen wird, auch ohne Heiliges Jahr.

600 Millionen Euro ... ist eine ganze Menge, aber wenn da 11.500 neue Arbeitsstellen geschaffen werden ... helfe ich dabei gerne mit und freu mich drauf! :D

I‘ll be there 😂🚴‍♀️ .... too, aber to Fuß :lol: :lol: :lol:
Pilger, die beim Gehen manchmal einfach nur Bauch und Füße sind - #Bauchfüßler eben.

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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von moviable » 15. Okt 2019, 23:22

Es gibt noch Menschen, denen etwas heilig ist, die den Jakobsweg ohne Zweifel für einen christlichen Pilgerweg halten. Jakobus war der erste Märtyrer unter den Aposteln Jesu, es ist der Weg zu seinem Grab, er endet in einer bedeutenden katholischen Kathedrale!?!

Jahrhundertealte christliche Traditionen scheinheilig zu nennen, katholischen Sakramentglauben ohne eigene Erfahrung und Prüfung in Frage stellen find ich vermessen, ist das Heilige anderer mit Füßen treten. Anderen vom heiligen Jahr abraten, weil es voll werden könnte, und sie so um eine vielleicht entscheidende geistige Erfahrung zu bringen, durchaus fragwürdig. Nur weil einige es nicht spüren, nicht glauben, nicht an sich ranlassen, bedeutet es ja nicht, dass es nicht wahr ist, keine Heilswirkung hat oder es nicht existiert. Es ist, als ob man sagen würde, Schokolade hab ich noch nie gegessen, sie schmeckt nicht.

Ich werde im Heiligen Jahr nach Santiago pilgern, weil es Heiliges Jahr ist, weil es mir sehr heilig ist. So wie ich im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit nach Rom gepilgert bin und dadurch selbst an der Heiligung spürbar partizipieren durfte. Ich freu mich drauf.

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Bertram
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Bertram » 16. Okt 2019, 08:56

@moviable
Danke für Deine angenehmen, mutigen und motivierenden Beiträge.
Gruß
Bertram
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Raimund Joos
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Raimund Joos » 16. Okt 2019, 11:02

moviable hat geschrieben:
15. Okt 2019, 23:22
! Jahrhundertealte christliche Traditionen scheinheilig zu nennen, katholischen Sakramentglauben ohne eigene Erfahrung und Prüfung in Frage stellen find ich vermessen, ist das Heilige anderer mit Füßen treten.
Sorry - dann hast du meinen Beitrag nicht richtig gelesen .... ich habe absolut nichts an der Tradition des Pilgerns auszusetzen - wohl aber an dem Tampam um das sogenannte heilige Jahr das wohl auch dazu dient einige Kassen zu füllen.

In Santiago beweißt man ja hier durchaus geschick wenn ich daran denke das mit der Porta de Gloria und den Butterfumeiro passiert.

Mir scheint hier eher jemand hat da was dagegen dass man da einige heilige Kühe schlachtet die aber nur sehr wenig mit der wirklich christlichen Botschaft und auch wenig mit Pilgern zu tun haben .... was ich beides sehr schätze.

in diesem Sinne weiter

Bon Camino

Raimund

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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von moviable » 16. Okt 2019, 14:34

Das "Tamtam" gehört zum Heiligen Jahr, da dem Heiligen eine besondere Größe und Bedeutung gebührt. Es existiert jetzt wohl so seit schlapp 600 Jahren und gibt vielen besondere Hoffnung. Warum sollte man ihnen dies wegnehmen? Wer sind denn die, die hier heilige Kühe schlachten wollen, die doch zum Glauben der Hindus gehören? So, wie ich die Leute in Santiago und am Camino kennenlernen durfte, ist ihnen das Heilsgeschehen bei weitem wichtiger als der Mammon. Oder warum führen durch Spanien - trotz der Preiserhöhung in Galicien - neben Portugal noch immer die bei weitem preiswertesten Pilgerwege ?

Einen Butterfumeiro habe ich in Santiago nie kennengelernt. Da hab ich wohl eine Bildungslücke.

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Raimund Joos
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Raimund Joos » 16. Okt 2019, 20:45

moviable hat geschrieben:
16. Okt 2019, 14:34
So, wie ich die Leute in Santiago und am Camino kennenlernen durfte, ist ihnen das Heilsgeschehen bei weitem wichtiger als der Mammon.
Echt jetzt! Ich habe eher den Eindruck, dass man gerade Santiago, wo viele Normalbürger von den Pilgermassen zunehmend genervt sind eher in sich hineinlächelt wie viele Pilger dieser doch recht druchsichtigen Werbetour auf den Leim gehen.
.... aber natürlich wird man das natürlich nicht zu laut herausposaunen wenn man dann im direkten Kontakt mit der zahlenden Kundschaft ist. Wäre ja auch gemein den Leuten den Urlaub mit sowas zu versauen.
Sorry aber ich habe schon von vielen gehört wie die wirklich darüber denken ... die wenigsten kommen auf die Idee da selber auf den Weg zu gehen weil die das nur noch verrückt finden und sich nicht lächerlich machen wollen. Aber auch in Spanien gibt es ähliche Redensarten wie "Man beißt nicht in die Hand die einen füttert" und hällt sich dann "vornehm" zurück. Dir Frage ist eben nur wie ehrlich man da gegenüber anderen und letztlich sich selber ist ....

BC

Raimund

WoM
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von WoM » 16. Okt 2019, 21:02

moviable hat geschrieben:
15. Okt 2019, 23:22
Es gibt noch Menschen, denen etwas heilig ist, die den Jakobsweg ohne Zweifel für einen christlichen Pilgerweg halten. Jakobus war der erste Märtyrer unter den Aposteln Jesu, es ist der Weg zu seinem Grab, er endet in einer bedeutenden katholischen Kathedrale!?!

Jahrhundertealte christliche Traditionen scheinheilig zu nennen, katholischen Sakramentglauben ohne eigene Erfahrung und Prüfung in Frage stellen find ich vermessen, ist das Heilige anderer mit Füßen treten. Anderen vom heiligen Jahr abraten, weil es voll werden könnte, und sie so um eine vielleicht entscheidende geistige Erfahrung zu bringen, durchaus fragwürdig. Nur weil einige es nicht spüren, nicht glauben, nicht an sich ranlassen, bedeutet es ja nicht, dass es nicht wahr ist, keine Heilswirkung hat oder es nicht existiert. Es ist, als ob man sagen würde, Schokolade hab ich noch nie gegessen, sie schmeckt nicht.

Ich werde im Heiligen Jahr nach Santiago pilgern, weil es Heiliges Jahr ist, weil es mir sehr heilig ist. So wie ich im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit nach Rom gepilgert bin und dadurch selbst an der Heiligung spürbar partizipieren durfte. Ich freu mich drauf.
Könnte man hier ein Like setzen, dann würde ich es sofort tun.
Als überzeugter Evangele habe ich eine etwas andere Sicht, aber deine Haltung gefällt mir, da du offensichtlich überzeugt bist und das auch lebst!
Sollte ich im heiligen Jahr gehen, dann aus Interesse, wie hier der katholische Glauben gelebt wird. Klar gibt es den Profit etc, aber auch der gelebte Glaube - lieber ich bewundere die Perlen im Dreck, als dass ich alles mit einem Federstrich schlecht mache :D
Nach dem Camino ist vor dem Camino 8-)

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Raimund Joos
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Raimund Joos » 16. Okt 2019, 21:29

WoM hat geschrieben:
16. Okt 2019, 21:02
Sollte ich im heiligen Jahr gehen, dann aus Interesse, wie hier der katholische Glauben gelebt wird. Klar gibt es den Profit etc, aber auch der gelebte Glaube - lieber ich bewundere die Perlen im Dreck, als dass ich alles mit einem Federstrich schlecht mache :D
"der katholische Glaube"
Sorry - ich bin selber katholisch und würde sofort austreten, wenn ich Spektakel wie diese unbedingt glauben müßte um mich katholisch nennen zu dürfen. Zum Gück sind solche Spektakel weder der Kern des christlichen Glaubens noch der des Katholischen Glaubens sondern eher sowas wie Regionalfolklore an die man auch als Katholik glauben kann oder aber auch nicht.

Abgesehen davon scheint mir auch als Katholik die Lehre Luthers da recht wertvoll, der eben die Verquickung von Kommerz und Heilsgeschehen schon im Mittelalter kritisch betrachtete und da ganz in der Tradition von Jesus steht.

Keineswegs habe ich etwas gegen eine Heiligenverehrung und auch nichts gegen sowas wie religiöse Feiertage o.A. Aber die Vequickung von Kommerz und Glaube darf auch heute noch kritisiert werden ... nicht um den Glauben zu bekäpfen wie es auch hier wohl untersellt wird sonder um diesen immer wieder von Neuen zu leutern.

Die Tatsache dass die meisten Pilger, die den Weg nicht nur die letzten 100 km laufen das heilige Jahr wohl eher kritisch sehen und eher wegbleiben zeigt mir dass da ein ein wenig Nachdencken durchaus nichts schaden kann...... um die Perle wieder aus dem Dreck zu holen - um in Deiner Redensart zu bleiben.

Bon Camino

Raimund

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Gertrudis
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Gertrudis » 16. Okt 2019, 21:47

Es geht ja hier um das "Xacobeo 2021" und gar nicht um das Año Santo Compostelano, wie Christoph Kühn weiter vorne schon ausgeführt hat. Das Xacobeo ist durchaus eine Veranstaltung mit kommerziellen Interessen.
Aber zum Heiligen:
Die Begründung, dass "Tamtam" zum Heiligen Jahr gehöre, weil dem Heiligen eine besondere Größe und Bedeutung gebühre, finde ich interessant.
Tatsächlich habe ich, seit ich jahrelange persönliche, hautnahe Erfahrungen in einer katholischen Dorfkirchengemeinde machen konnte, verstanden, dass der Zusammenhang zwischen dem Heiligen und dem Tamtam für sehr viele Menschen tatsächlich etwas Selbstverständliches ist. Je " heiliger" das Fest, desto mehr Weihrauch, Blasmusik, bunte Trachten, Böllerschützen, Fahnen, Bier, Schweinsbraten, Bratwürste, Schnaps und nochmal Bier. Ich vermute, die Menschen wollen, indem sie sich einfach als Bestandteil einer feiernden Menge fühlen, Anteil an dem Heiligen haben. Es fühlt sich wie Gänsehaut an, wenn der Weihrauch zum Orgelbrausen durchs Kirchenschiff wabert, und man kann, sofern man dies genießen möchte, vom Schauer des Numinosen angenehm erfasst werden, und weil so viel Heiliges sonst gar nicht auszuhalten wäre (bzw. den eigenen inneren Zustand in Frage stellen könnte), braucht es einen Ausgleich, z.B. in Form von Bier.

Ich habe durchaus einige Jahre gebraucht, bis ich diesen Zusammenhang zwischen dem Heiligen und dem Tamtam verstanden habe. Denn ich hatte mich dem Heiligen bislang von einer anderen Seite zu nähern versucht.
Ein wichtiger Punkt dabei war (und ist es immer noch) Stille. Und Abgesondertsein von der Menge. Um der Seele das Hören zu ermöglichen, denn das Heilige nähert sich meinem Innern in der Stille, nur so kann ich zu ihm in Kontakt treten. Wie ja auch Elija Gott nicht im Feuersturm, sondern im leisen sanften Säuseln hörte.
Und so hatte ich in dieser katholischen Gemeinde durchaus das schmerzvolle Gefühl, dass "das Heilige anderer(nämlich mein Heiliges) mit Füßen getreten" würde. Und ich weiß sehr wohl, wie Schokolade schmeckt und die Sakramente gehören zu meinem Lebenserfahrungsschatz.

Ich verstehe also wirklich gut, wenn sich jemand, dem sein Heiliges tatsächlich heilig ist, über das Tamtam im "Heiligen Jahr" ärgern muss, mit Recht. Und ich bin sicher, auch Raimunds Zorn ist ein heiliger Zorn.

Aber so sind nun mal die Menschen. Heilig und vergnügungssüchtig und gierig, und die Gier hat derzeit die Oberhand. Im Tempel zu Jerusalem waren auch schon Händler, um ihre Geschäfte mit den Pilgern zu machen (und den Pilgern war' s bestimmt auch Recht), Jesus hat sie bekanntlich rausgeschmissen.
Der Besitz von Reliquien (=materialisiertes Heiliges) und die dadurch entstehenden Pilgerfahrten waren schon immer eine der bedeutendsten Einkunftsquellen der katholischen Kirche - Luther hat dagegen gewettert, genau gegen die Scheinheiligkeit, die sich bei der Verbindung von Geld und Heiligem nun mal nur schwer wegdenken lässt...

Aber ich wünsche jedem das, was er braucht, um vom Heiligen berührt zu werden. Tamtam und ein botafumeiro oder stille Anbetung am einsamen Ort oder die unfassbare Schönheit der Natur oder nahe Menschen, die den Glauben des Herzens teilen....

Gertrudis

Ich hab das jetzt übrigens VOR Raimunds Antwort geschrieben ;)

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