XACOBEO 2021

Allgemeine Diskussionen zur Pilgerei und ihrer Geschichte
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Raimund Joos
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Raimund Joos » 16. Okt 2019, 21:59

Danke Gertrudis!!!
Wenn ich nicht wüßte, dass es doch noch einige Pilger von deiner Art geben würde hätte ich mir schon längst einen anderen Beruf gesucht.

Und für die Zeitgenossen, die es sich etwas zu leicht machen und meinen ich sei irgendwie gegen Kirche und Religion eingestellt hier mal zwei Links.
Ein Interview mit einem Theologen und eine Veröffentlichung bei einem recht kirchennahen Verlag

http://www.camino-de-santiago.de/hr2_do ... f_Joos.mp3
http://camino-de-santiago.de/Jakobsweg- ... .htm#schuh

BC

Raimund

Jaron
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Jaron » 16. Okt 2019, 22:00

moviable hat geschrieben:
15. Okt 2019, 23:22
Es gibt noch Menschen, denen etwas heilig ist, die den Jakobsweg ohne Zweifel für einen christlichen Pilgerweg halten. Jakobus war der erste Märtyrer unter den Aposteln Jesu, es ist der Weg zu seinem Grab, er endet in einer bedeutenden katholischen Kathedrale!?!

Jahrhundertealte christliche Traditionen scheinheilig zu nennen, katholischen Sakramentglauben ohne eigene Erfahrung und Prüfung in Frage stellen find ich vermessen, ist das Heilige anderer mit Füßen treten. Anderen vom heiligen Jahr abraten, weil es voll werden könnte, und sie so um eine vielleicht entscheidende geistige Erfahrung zu bringen, durchaus fragwürdig. Nur weil einige es nicht spüren, nicht glauben, nicht an sich ranlassen, bedeutet es ja nicht, dass es nicht wahr ist, keine Heilswirkung hat oder es nicht existiert.
Du wirfst da gerade sehr viel in einen Topf.
Ob Jakobus nun der erste, zweite oder dritte Märtyrer war, sei dahingestellt. Den Angaben in der Bibel kann man leider nur sehr eingeschränkt Glauben schenken.
Einigen können wir uns vielleicht darauf, daß Jakobus EIN Märtyrer war.

Christliche Traditionen werden nicht dadurch wahrhaftiger, daß sie Jahrhunderte alt sind. Sakramentglauben nicht dadurch irrtumsfreier, je länger er andauert.
Worauf beruht denn Wahrheit?
Auf das, was die Bibel mit all ihren Widersprüchen sagt?
Oder auf das, was die Kirche lehrt?
Und worauf beruft sich die Kirche?
Und welche Kirche ist die "richtige"?
In welche Kirche würde Jesus gehen, wenn er heute noch einmal zu uns käme?

Ob jemand eine entscheidende geistige Erfahrung macht, hängt nicht vom Heiligen Jahr ab oder vom jeweiligen Pilgerweg, sondern davon, für welche Erfahrung er innerlich bereit ist.
Ich habe keinen Zweifel daran, daß die Einheimischen dem von Jahr zu Jahr wachsenden Pilgerstrom mit Erstaunen gegenüberstehen und sich wundern, was die Pilger so alles in Kauf zu nehmen bereit sind. Nicht zuletzt finanziell. Ihnen sichert es ihren Lebensstandard.

In einem gebe ich der Bibel uneingeschränkt recht: "Dein Glaube hat Dich geheilt!"
Dabei spielt es allerdings keine Rolle, ob jemand Christ, Muslim, Jude oder Pastafarier ist.
Wir erschaffen uns unsere eigene Realität mit dem, was wir glauben, sagen und ständig denken.

Mir hat der Jakobsweg zu einer wunderbaren Erfahrung verholfen, die mich stark verändert hat.
Für mich war es keine religiöse, keine kirchliche, sondern eine spirituelle Erfahrung.

Dabei sind wir alle keine menschlichen Wesen, die eine spirituelle Erfahrung machen, sondern spirituelle Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen.

Manche aber brauchen das ganze Brimborium drumherum, um zu ihrer Erfahrung zu kommen.

Es ist wie mit dem Placeboeffekt:
ich kann jemandem einen Würfel Zucker geben und ihm sagen, daß es ihn heilen wird.
Er wird es nicht glauben.
Ich kann den Zucker einfärben, ihm eine andere Form geben, in Blisterpacks abfüllen und mit einem langen Beipackzettel versehen sowie ihn teuer verkaufen - und dann ist die Wirkung phänomenal!
(Und nein, das war jetzt kein Seitenhieb auf die Homöopathie, der ich sehr positiv gegenüberstehe.)

Jaron
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Jaron » 16. Okt 2019, 22:22

Gertrudis hat geschrieben:
16. Okt 2019, 21:47
Die Begründung, dass "Tamtam" zum Heiligen Jahr gehöre, weil dem Heiligen eine besondere Größe und Bedeutung gebühre, finde ich interessant.
Tatsächlich habe ich, seit ich jahrelange persönliche, hautnahe Erfahrungen in einer katholischen Dorfkirchengemeinde machen konnte, verstanden, dass der Zusammenhang zwischen dem Heiligen und dem Tamtam für sehr viele Menschen tatsächlich etwas Selbstverständliches ist. Je " heiliger" das Fest, desto mehr Weihrauch, Blasmusik, bunte Trachten, Böllerschützen, Fahnen, Bier, Schweinsbraten, Bratwürste, Schnaps und nochmal Bier. Ich vermute, die Menschen wollen, indem sie sich einfach als Bestandteil einer feiernden Menge fühlen, Anteil an dem Heiligen haben.
Sehr schöner Beitrag! :)
Es ist wie mit Weihnachten:
was wäre Weihnachten ohne pralle Schaufenster, ohne Lichterketten in den Geschäftsstraßen, ohne Weihnachtseinkaufsstreß?
Ohne Weihnachtsmärkte, Weihnachtsessen in der Firma, ohne Geschenke etc.pp.?

Für mich wäre es eine echte Weihnacht!

Als ich im Juli meinen ersten Camino (CP) lief und auf der ersten Etappe frühmorgens auf dem Weg vom Hotel zur Kathedrale in Porto war, sprach mich in der Altstadt ein Mann an. Ich hatte ihn gar nicht richtig wahrgenommen, als er auf mich zukam.
Er sprach mich dann auf portugiesisch an, was ich nicht verstand, und ich versuchte es auf Englisch.
"What do you want?"
Seine kurze und ehrliche Antwort: "Money."
Erst da hab ich gemerkt, daß es ein Obdachloser war. Und solche Menschen bekommen bei mir fast immer etwas.
Allerdings war ich in dem Moment völlig überrascht und wollte auch vor seinen Augen meinen Geldbeutel nicht öffnen. Vorsichtig bin ich ja dann doch.
Mit "Sorry, only card" hab ich mich dann der Situation entzogen. Geglaubt haben wird er es mir ohnehin nicht. Welcher Pilger zahlt nur mit Karte...?
Dieser Moment beschäftigt mich heute noch und ich ärgere mich auch heute noch, diesen Menschen nicht für einen Tag oder auch nur eine Stunde glücklich gemacht zu haben. Wie wenig hätte es mich gekostet und wieviel wäre es für ihn gewesen im ärmsten Land der EU?

Allerdings: für diese Erfahrung braucht man keinen Jakobsweg. Man kann sie vor der Haustüre machen.
Bei einer Pilgerreise aber begibt man sich in eine besondere, selbstgeschaffene Situation, in der man dafür weit offener ist.
Für andere ist es eben das Tamtam, das Brimborium.
Jedem das, was er braucht :)

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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von WoM » 16. Okt 2019, 23:33

@ Raimund

Ohne Luther wäre die katholische Kirche nicht das, was sie heute ist.
Als Evangele sehe ich die Heiligenverehrung sehr kritisch - warum die Zeit an einen Heiligen "verschwenden", wenn man direkt zu Jesus kommen kann. Aber so platt kann man es wohl nicht sehen, denn Vorbilder im Glauben sind sehr hilfreich. Daher respektiere ich das, solange es nicht aus dem Ruder läuft.
Da bei uns Fegefeuer und kirchliche Absolution keine Rolle spielt, freue ich mich nur an dem Weg und dem Austausch mit Mitchristen, egal welcher Couleur.
Offensichtlich scheinst du ein gebranntes Kind zu sein ...

Grüßle Wolfgang, der diesen Austausch durchaus zu schätzen weiß
Nach dem Camino ist vor dem Camino 8-)

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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Jaron » 17. Okt 2019, 00:05

WoM hat geschrieben:
16. Okt 2019, 23:33
Ohne Luther wäre die katholische Kirche nicht das, was sie heute ist.
Was ist denn die katholische Kirche heute? :)

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Bertram
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Bertram » 17. Okt 2019, 08:56

Auch von mir noch etwas Senf:

Wer verspürt "heiligen Zorn", wenn er für seinen Pilger-Führer einen ordentlichen Buchpreis bezahlt und diesen nicht auf Spendenbasis erhält? ;)
Wer kann einem unvorstellbaren, unendlichen Gott abstrakt begegnen, erfahren - OHNE Hilfsmittel wie z. B. eine (kitschige) Heiligenfigur, oder dem persönlichen "Du" im Gebet bis hin zur "Wolke des Nichtwissens"? ;)

Ich fand es in Spanien auch relativ laut, aber die Musik lebt doch von der Dynamik. ;)

Für mich als norddeutscher lutherischer Protestant ist es egal auf welchem Weg ich zu Gott gehe. Ich halte es aber mit Theresa: das Christentum ist ein "Königsweg" - auf dem wir sicher ans Ziel kommen. "Glauben" heißt für mich eben nicht etwas für wahr oder richtig zu halten, sondern es ist vielmehr kurz gesagt ein "Akt der LIebe". :D

Gruß
Bertram
Bin ein Pilger überall.
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Raimund Joos
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Raimund Joos » 17. Okt 2019, 15:34

Bertram hat geschrieben:
17. Okt 2019, 08:56
Auch von mir noch etwas Senf:

Wer verspürt "heiligen Zorn", wenn er für seinen Pilger-Führer einen ordentlichen Buchpreis bezahlt und diesen nicht auf Spendenbasis erhält? ;)
Mir ist nicht bekannt dass irgend ein deutssprachige Pilgerführer in einer Kirche verkauft wird noch dass man hier sonst irgendwie Kommerz und Religion in einer ungehörigen Weise miteinander vermischt in dem man die zB. mit "Gesegnete Sonderauflage zum heiligen Jahr" anpreist. Daher besteht m.E. kein Grund zu irgend einem Zorn.

Gegen Händler ist nichts einzuwenden ... lediglich wenn die Grenze zum Tempel damit überschritten wird, läuft da was schief... ich bin davon überzeugt dass du den feinen Unterschied durchaus erkennst.

BC

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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von moviable » 17. Okt 2019, 17:15

Jaron hat geschrieben:
17. Okt 2019, 00:05
Was ist denn die katholische Kirche heute? :)
Die katholische Kirche kann man wohl mit dem Beispiel der blinden Gelehrten und dem Elefant erklären.
Jeder mag sie auf seine Weise wahrnehmen und kann eine Geschichte erzählen, wie man selbst die Begegnung
mit einem oder vielen (Mit-)gliedern wahrgenommen hat. Trotzdem ist das immer nur eine Geschichte von einem
Glied von ganz vielen und beschreibt ein paar Zellen des Leibes Christi. Und dann hat sie noch darüber hinaus ihre
tiefe Eingründung im Schöpfer des Universums, der schon gar nicht erfassbar ist. Ihre Ausdehnung in der geistigen
Welt ist weder durch Raum noch Zeit begrenzt. Karl Rahner sagt: Glauben ist, die Unbegreiflichkeit Gottes ein
ganzes Leben lang aushalten.

Die katholische Kirche ist ca. 2000 Jahre alt und hat ungefähr so viele Mitglieder wie es Chinesen gibt, nur dass sie auf
allen Kontinenten und in allen Kulturen vertreten ist. Die Chinesen haben z.B. den Wackelpudding Internet an die Wand
genagelt (Begriff: Bill Clinton), doch so kann und will die katholische Kirche nicht handeln. Ihren eigenen Versuch in
dieser Hinsicht hat sie schon im Mittelalter aufgegeben.

Sie ist leise in der Eucharistischen Anbetung und laut im Orgelchoral und wenn über 100.000 Menschen
dasselbe Lied singen, sie ist einsam in der Klosterzelle und besser besucht als jedes Fußballstadion zu ihren Hochfesten
an den großen Wallfahrtsorten, sie ist tief in Brot und Wein, in Thomas von Aquin, Caterina von Siena, Theresa von Ávila,
Meister Eckart, Edith von Stein usw. und flach bei einigen, denen ihr Glaube nicht wichtig ist und die trotzdem dazugehören.
Die einen sagen, wir brauchen Geld, um den Betrieb hier am Laufen zu halten, die anderen sagen, "Nehmt kein Geld und
vertraut doch auf Gott!" und spenden nix. Sie feiert und sie fastet, beichtet, büßt. Sie betet in vielen Orden in der Welt
rund um die Uhr. Keiner weiß, wie unsere Welt aussehen würde, wenn wir diese stete Gebetsleistung nicht hätten.
Und was ist mit uns selbst? Letztes Wochenende hab ich mal als gemeinsame Bußübung 1000 Ave Marias hintereinander
gebetet, da hatte ich hinterher Apfelmus im Kopf.

Wie Theresa von Ávila sagte: Wenn fasten dann fasten, wenn Rebhuhn dann Rebhuhn.

Das Wort Humilité, Demut, fand ich dieses Jahr an der Rückwand einer kleinen katholischen Kapelle am Jakobsweg.
Im Dach war ein großes Loch, die Kirchenbänke bestanden aus aufgestapelten Steinen und links hinten in der Ecke
wuchs ein Feigenbaum. Wenn etwas so viel größer ist als wir, wer sind dann wir schon? Und welchen Wert hat unser
subjektives Urteil?

Beispiel: Wenn ich bedenke, dass Frauen vor weniger als 100 Jahren hier noch nicht allein eine Wohnung hätten anmieten können,
vor 100 Jahren erst wählen durften, so ist es klar, dass das Geschehen für manche von ihnen in der katholischen Kirche noch
suboptimal ist. Aber inzwischen habe ich auch viele Frauen kennengelernt, die keine Frauen als Priesterinnen haben wollen
und sehr zufrieden mit dem sind, wie es ist. Hier in Deutschland. Hier ist eine Scheidung auch kein Ding, aber in anderen
Kulturen fällt eine Geschiedene umgehend im freien Fall bis an den Unterboden der Gesellschaft durch.

Und im Moment? Nach dem erschütternden Missbrauchsskandal bin ich angetan von dem inzwischen entwickelten
Schutzkonzept. Die aktuelle Amazonassynode, die konkret den indigenen Völkern und anderen Bewohnern von Amazonien
über Umweltschutz und ihre Bedürfnisse zuhört und mit ihnen redet und gute Lösungen finden will; und dass der Papst
seine Umweltenzyklika "Laudato Sí" (kostenlos bei Audible) schon 2015 - lange vor Greta - veröffentlicht hat,
finde ich ausgesprochen erfreulich.

WoM
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von WoM » 17. Okt 2019, 17:51

Jaron hat geschrieben:
17. Okt 2019, 00:05
WoM hat geschrieben:
16. Okt 2019, 23:33
Ohne Luther wäre die katholische Kirche nicht das, was sie heute ist.
Was ist denn die katholische Kirche heute? :)
.... moderner und mehr bei den Menschen.
Durch Luther und Melanchthon konnten Menschen überhaupt einmal die Bibel in ihrer Sprache lesen, was damals von der Kirche nicht gewünscht war.
Das immense Geschäft mit der Absolution wurde hinterfragt
Vielleicht wurde die Inquisition zurückgefahren ...
Mehr Freiheit für die Gesellschaft und die Wissenschaft

Auf jeden Fall wurde selbständiges denken in der Kirche modern. Die katholische Kirche musste sich öffnen, denn mit Gewalt und Androhung des Fegefeuers konnte man die Schäfchen nicht mehr halten.

Etwas steile Aussagen, aber sicherlich nicht ganz verkehrt ;)
Nach dem Camino ist vor dem Camino 8-)

Jaron
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Jaron » 17. Okt 2019, 18:31

Bertram hat geschrieben:
17. Okt 2019, 08:56
Wer verspürt "heiligen Zorn", wenn er für seinen Pilger-Führer einen ordentlichen Buchpreis bezahlt und diesen nicht auf Spendenbasis erhält? ;)
Wenn Herbergen, die auf Spendenbasis gebaut haben, schon davon abkommen, weil sie davon nicht existieren können, kann es mit der Spendenbereitschaft nicht weit her sein.
Der Autor eines Pilgerführers steckt eine Menge Arbeit hinein. Noch mehr, wenn er regelmäßig recherchiert und seinen Führer aktualisiert.
Wir alle wollen von unserer Arbeit auch leben :)
Wer aber möglichst billig an einen Pilgerführer kommen will, kann ihn ja auch gebraucht kaufen. ebay und Konsorten machen es möglich ;)
Wer kann einem unvorstellbaren, unendlichen Gott abstrakt begegnen, erfahren - OHNE Hilfsmittel wie z. B. eine (kitschige) Heiligenfigur, oder dem persönlichen "Du" im Gebet bis hin zur "Wolke des Nichtwissens"? ;)
Ich! Und dazu braucht es nicht viel. Dazu braucht es nur innere Bereitschaft. Gott findet man nicht in kitschigen Heiligenfiguren oder pompösen Feierlichkeiten. Gott findet man in seinem Inneren. In der Stille. In der Meditation.
Trotzdem darf und soll man an Feierlichkeiten seine Freude haben ebenso wie an Heiligenfiguren. Hab mir solche Dinge selbst aus Santiago mitgenommen. Wenn aber der Kommerz alles überdeckt, nehme ich gerne Abstand.
Für mich als norddeutscher lutherischer Protestant ist es egal auf welchem Weg ich zu Gott gehe. Ich halte es aber mit Theresa: das Christentum ist ein "Königsweg" - auf dem wir sicher ans Ziel kommen.
Wenn ich mir vorstelle, daß es Christen waren, die die Schwarzen aus Afrika geraubt und versklavt haben und daß es ebensolche Christen waren, die die Indianer Nordamerikas gemeuchelt und halb ausgerottet haben und daß es Christen waren, die die südamerikanischen Indigenas und australischen Aborigines abgeschlachtet und ihnen ihr Land geraubt haben - und daß es Christen waren, die Massenvernichtungswaffen entwickelt und eingesetzt haben und die die Welt mit Müll und Abgasen vergiften und zerstören, dann, ja dann ist das Christentum der "Königsweg" schnurstracks in die Hölle!

moviable hat geschrieben:
17. Okt 2019, 17:15
Jaron hat geschrieben:
17. Okt 2019, 00:05
Was ist denn die katholische Kirche heute? :)
Die katholische Kirche kann man wohl mit dem Beispiel der blinden Gelehrten und dem Elefant erklären.
Jeder mag sie auf seine Weise wahrnehmen und kann eine Geschichte erzählen, wie man selbst die Begegnung
mit einem oder vielen (Mit-)gliedern wahrgenommen hat.
Geschichten von Begegnungen mit Geschöpfen Gottes finde ich überaus interessant. Es ist aber für mich belanglos, ob sie (Mit-)Glieder der katholischen Kirche sind. Es macht sie nicht wertvoller.
Karl Rahner sagt: Glauben ist, die Unbegreiflichkeit Gottes ein ganzes Leben lang aushalten.
Karl Rahner hat sich geirrt. Glauben bedeutet, die Unbegreiflichkeit Gottes ein ganzes Leben lang zu feiern.
Die katholische Kirche ist ca. 2000 Jahre alt und hat ungefähr so viele Mitglieder wie es Chinesen gibt,
Wenn man bedenkt, daß das Christentum mit dem Schwert verbreitet wurde und nicht durch Nächstenliebe, ist diese hohe Zahl weniger beeindruckend als bedauerlich.
Keiner weiß, wie unsere Welt aussehen würde, wenn wir diese stete Gebetsleistung nicht hätten.
Ich habe keinen Zweifel daran, daß diese Welt ein besserer Ort wäre, wenn diese Gebetsleistung weniger selbstverherrlichend wäre....
Letztes Wochenende hab ich mal als gemeinsame Bußübung 1000 Ave Marias hintereinander gebetet, da hatte ich hinterher Apfelmus im Kopf.
Kleiner Tip: wenn Du Deine Zeit weniger mit hunderten Ave Marias verschwenden und sie darin investieren würdest, zu versuchen, in jedem Menschen ein Geschöpf Gottes zu erkennen, welches von Gott bedingungslos geliebt wird, dann hättest Du keinen Apfelmus im Kopf, sondern würdest eine Gotteserfahrung machen!
Beispiel: Wenn ich bedenke, dass Frauen vor weniger als 100 Jahren hier noch nicht allein eine Wohnung hätten anmieten können,
vor 100 Jahren erst wählen durften, so ist es klar, dass das Geschehen für manche von ihnen in der katholischen Kirche noch
suboptimal ist.
Wenn es nach dem Willen der Kirche ginge, würde sich daran in den nächsten 10.000 Jahren auch nichts ändern :(
Aber inzwischen habe ich auch viele Frauen kennengelernt, die keine Frauen als Priesterinnen haben wollen
und sehr zufrieden mit dem sind, wie es ist. Hier in Deutschland.
Es gibt auch Frauen, die mit den "3K" (Kinder, Küche, Kirche) zufrieden sind. Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen ist mit Arbeit verbunden. :)
Nach dem erschütternden Missbrauchsskandal bin ich angetan von dem inzwischen entwickelten
Schutzkonzept. Die aktuelle Amazonassynode, die konkret den indigenen Völkern und anderen Bewohnern von Amazonien
über Umweltschutz und ihre Bedürfnisse zuhört und mit ihnen redet und gute Lösungen finden will; und dass der Papst
seine Umweltenzyklika "Laudato Sí" (kostenlos bei Audible) schon 2015 - lange vor Greta - veröffentlicht hat,
finde ich ausgesprochen erfreulich.
Und Du glaubst tatsächlich, daß die Kirche damit etwas verändert?

Bruder, wach auf!

WoM hat geschrieben:
17. Okt 2019, 17:51
.... moderner und mehr bei den Menschen.
(...)
Das immense Geschäft mit der Absolution wurde hinterfragt
Vielleicht wurde die Inquisition zurückgefahren ...
Mehr Freiheit für die Gesellschaft und die Wissenschaft

Auf jeden Fall wurde selbständiges denken in der Kirche modern. Die katholische Kirche musste sich öffnen, denn mit Gewalt und Androhung des Fegefeuers konnte man die Schäfchen nicht mehr halten.
Die katholische Kirche hat seit der Trennung von Kirche und Staat durch Napoleon nichts mehr zu kamellen. Und sie muß sich öffnen, weil die Schäfchen heute nicht mehr so dumm sind.

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Pooh_der_baer
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Pooh_der_baer » 17. Okt 2019, 18:42

Hi,hi,hi,

wollte mit meinem Beitrag am 01.09. nur darauf hinweisen, dass Galicien mit dem Xacobeo 2021 Werbung macht.
Schon interessant, was sich aus so einem einfachen Hinweis so entwickelt.

Die Dskussion nimmt schon interessante Formen an und ist m.E. noch sehr ausbaufähig.
Wer sich nicht erinnert, den bestraft die Zukunft.

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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Jaron » 19. Okt 2019, 10:40

Pooh_der_baer hat geschrieben:
17. Okt 2019, 18:42
Die Dskussion nimmt schon interessante Formen an und ist m.E. noch sehr ausbaufähig.
Hegst Du gewisse Erwartungen? ;)

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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von moviable » 19. Okt 2019, 19:05

Auch ich war mal "Protestant". Aber als ich anfing zu akzeptieren, wie die KK ist, dass sie auch auf dem Weg ist, und mich von der Kirche und vom Weg verwandeln ließ und mich einbrachte, statt sie verändern zu wollen, hat sich mein Leben klar zum Besseren gedreht. Besonders hat mich unterwegs Pater Waldemar von den Steyler Missionaren beeindruckt, der viele Jahre als Priester und Missionar auf Papua-Neuguinea gewirkt hat. Sein innerer Frieden, seine Menschenfreundlichkeit, Herzlichkeit und allgegenwärtige leise Heiterkeit haben mich schwer beeindruckt und mir klargemacht, dass in der katholischen Kirche ein echter Heilsweg möglich ist. So wollte ich mich auch fühlen. Ich bin auf dem Weg dahin und habe nicht das Gefühl zu schlafen.

https://steyler.eu/de/news-berichte/ber ... rpater.php

Jaron
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von Jaron » 19. Okt 2019, 20:26

Ich bin kein "Protestant" und will auch die Kirche nicht verändern. Das könnte ich eh nicht.
Ich bin an der Kirche nicht interessiert, sehr jedoch an Spiritualität.
Dafür brauche ich persönlich aber keine Kirche.
Was mir persönlich jedoch sehr sauer aufstößt, ist nicht einmal die vielfach kommerzielle Ausrichtung der Kirche, sondern deren vemittelte Lehre, daß nur die Kirche (welche von den zahllosen Denominationen das auch immer sein mag) den einzigen Weg zu Gott und zum Himmel kennt.
Die von mir bereits erwähnten Völkermorde, die bis in die Gegenwart reichen, sind unveränderlich Teil der kirchlichen Geschichte wie deren immer noch stete Verurteilung von Geschiedenen, Homosexuellen etc.pp.
Natürlich gibt es auch sehr viele Kirchenleute, die die wahre Botschaft Jesu verstanden haben und echte Nächstenliebe vermitteln.
Aber mich schreckt immer noch die Antiquiertheit der (kath.) Kirche ab.
Papst Benedikt hat hier geradezu einen Rückschritt in die kirchliche Steinzeit vorangetrieben.

Die Austrittszahlen sprechen für sich.
Und was auch für sich spricht, ist das ständig wachsende Interesse an Spiritualität.
Wer sich z.B. mit den Bänden "Gespräche mit Gott" von Neale Donald Walsch beschäftigt und Gleichgesinnte findet, wird eine vorurteilsfreie Akzeptanz und Nächstenliebe finden, die ich bei noch keinem Kirchennahen gefunden habe.

Wer allen Ernstes glaubt, die Kirche vermittle den "Königsweg", hat aus der Geschichte nichts gelernt.
Und wer aus der Geschichte nichts gelernt hat, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.

moviable
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Re: XACOBEO 2021

Beitrag von moviable » 19. Okt 2019, 20:58

Walsh habe ich vor 15 Jahren gelesen. Ich habe mich lange mit Spiritualität außerhalb der Kirche
beschäftigt. Das letzte Walsh-Buch "Freundschaft mit Gott" ist mir geklaut worden, bevor ich es lesen konnte.
Und das war gut so: Es war an der Zeit, selbst Freundschaft mit Gott zu schließen. Mein Weg führte
mich in die Kirche, die mir in Verbindung mit dem Pilgern mehr, wirksamere und umfassendere Antworten
gab als vorher Walsh, Tolle, Chopra, Dyer, Ucusic, Spezzano, you-name-it...

Lies doch einfach noch einmal nach, ob Du ausschließlich vorurteilsfreie Akzeptanz und Nächstenliebe in Deinen
Postings findest.

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