Erholung / Regenerierung

Allgemeine Diskussionen zur Pilgerei und ihrer Geschichte
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Matten
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Re: Erholung / Regenerierung

Beitrag von Matten » 15. Aug 2019, 07:52

Nach dem Camino empfehlen/brauchen meine Frau und ich noch ein paar freie Tage um zu Hause anzukommen. Bei mir als Rentner ist es problemlos, bei ihr müssen ein paar Urlaubstage geopfert werden. Wir brauchen immer ein paar Tage um wieder anzukommen. Erst dann sind wir körperlich und vor allem mental wieder zu Hause.
Diesen Drang zur Bewegung verspüren wir dann auch.

Mental hatte ich mich nach dem CF 2017 so sehr erholt, dass ich 3 Wochen benötigte um mein Kennwort für den iMac zu rekonstruieren. Ich hatte eines gewählt, von dem ich meinte ich könne es nicht vergessen....

Körperlich mußte ich 2018 abbrechen, da ich mir unter meinem Zehnagel eine Blutblase gelaufen hatte. War meine Schuld: falsche Schuhe, zu lange Etappen....
Der Nagel benötigte ca 11 Monate zum nachwachsen.

Die Ratschläge der anderen Pilger kann ich unterschreiben.

Also Bernd: Höre auf Dich und Deine Füße und den restlichen Körper. Mach zu Anfang kürzere Etappen, bis Du Dich eingelaufen hast, dann klappt’s auch mit dem Pilgern.

Buen Camino
wünscht Martin
Mit 66 Jahren da fing das Pilgern an... :D
2015 Via Scandinavica HL bis LG
2016 CF ab Pamplona bis Fisterra
2017 CF SJPdP bis SdC
2018 CF Pamplona bis Logroño
2019 CF Leon bis SdC

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Windsbraut
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Re: Erholung / Regenerierung

Beitrag von Windsbraut » 15. Aug 2019, 08:02

Es ist tatsächlich sehr erstaunlich, was der Körper so schaffen kann. Das habe ich erst so wirklich auf dem Jakobsweg erfahren. Bei den ersten Wegen hatten wir zu viel Gepäck dabei, das ging sehr in die Beine und wir hatten sehr starken Muskelkater die ersten Tage. Und auf längeren Etappen, die dann auch noch viel Asphalt beinhalteten, taten die Füße sehr weh. Mit Blasen hatten wir glücklicherweise fast nie zu schaffen.

Trotz alldem ist es erstaunlich, wie weit man noch laufen kann, obwohl man eigentlich schon 'fertig' ist. Und noch erstaunlicher ist es, dass man, wenn man sich nach solch einem anstrengenden Tag eine Stunde aufs Bett haut und dann doch noch beschliesst, mal ins Städtchen zu gehen, ohne Beschwerden, Müdigkeit oder sonstwas es schafft, ohne Rucksack dann doch noch eine relativ große Runde zu drehen.

Das Daheim-Ankommen war bisher kaum ein Problem, was aber wohl eher daran liegt, dass ich nie länger als 12 Tage weg war. Nach dem ersten Weg hatte ich zwei Wochen lang Alpträume davon, dass wir keine Unterkunft finden. Die anderen Wege haben wir meist ein/zwei Tage früher als beabsichtigt abgebrochen, weil es zu heiß war. Hitze ist das Anstrengenste überhaupt, finde ich. Wenn es mal nicht so heiß ist, schafft man Erstaunliches. Auf unserem letzten Weg war es auch sehr heiß (ich habe berufsbedingt immer nur im August längeren Urlaub gehabt). So war z.B. die Strecke nach Einsiedeln bei Hitze für uns sehr anstrengend, in der Nacht hatte es gewittert und sehr stark abgekühlt. Der Tag danach war dann eher regnerisch und kühl. Das Besondere: Wir sind auf dieser Etappe aufs Hagenegg (höchster Punkt des Jakobsweges in der Schweiz) quasi 'geflogen'. Ich war sehr erstaunt, denn das war nicht das erste mal dass ich da hochgestiegen bin und ich hatte es noch sehr ansrengend in Erinnerung.
Von dem her war ich immer froh, wieder zu Hause in der Kühle zu sein bei den meisten Wegen, aber körperlich hatte ich nicht das Gefühl, mich jetzt erst einmal erholen/regenerieren zu müssen.
Jakobsweg 2010 Konstanz - Interlaken (Schweiz)
Jakobsweg 2011 Interlaken - Nyon (Schweiz)
Jakobsweg 2013 Görlitz - Riesa (Via Regia)
Jakobsweg 2015 Nürnberg - Ulm
Jakobsweg 2017 Rorschach - Brienz (Schweiz)

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Gertrud
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Re: Erholung / Regenerierung

Beitrag von Gertrud » 15. Aug 2019, 11:22

So lange ich unterwegs bin, ist alles gut. Kaum Schmerzen, nur Freude, Glück und selbst bei Erschöpfung noch ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. Aber kaum bin ich zuhause, totale Müdigkeit, ausgelaugt, keine Kraft. Es dauert Wochen, bis ich wieder "normal" bin.
Ich muss zugeben, dass ich auf den Touren meinem Körper viel abverlange, da ich kaum Pausen mache und selbst die Ernährung vernachlässige. Oft ist es bereits später Nachmittag, bis ich wieder etwas esse. Deshalb nehme ich auch regelmäßig einige Kilos ab (bei 59kg Körpergewicht nicht notwendig). Ich versuche dies zu verbessern.
Der Hauptgrund für die Kraftlosigkeit hinterher liegt aber, so glaube ich inzwischen, daran, dass ich nicht nach Hause will, nicht ankommen will im Alltag. Wie weiter oben schon geschrieben wurde: der Körper ist da, die Seele aber noch unterwegs. Es vergeht kaum eine Nacht, in der ich nicht noch vom Weg träume.
Und kaum da, kommen schon wieder diese Gedanken, welchen Weg gehe ich als nächstes? Schlimm. Auch jetzt, dabei habe ich zum ersten Mal mit den Füßen große Probleme, vermutlich Überlastung. Aber ich bin zuversichtlich. Neues planen fördert die Regeneration :D

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