Stuttgarter Zeitung: Die dunkle Seite des Jakobswegs

Allgemeine Diskussionen zur Pilgerei und ihrer Geschichte
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Mario d'Abruzzo
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Re: Stuttgarter Zeitung: Die dunkle Seite des Jakobswegs

Beitrag von Mario d'Abruzzo » 9. Jan 2020, 23:59

Der West-östliche Divan, eigentlich könnte Goethe ganz gut zu meiner Idee einer versöhnlichen Jakobsweg-Erzählung passen. Irgendwie mag ich ihn, den Johann Wolfgang :-) Der Faust als Abi-Thema, das war mehr als Pflichtlektüre...

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Re: Stuttgarter Zeitung: Die dunkle Seite des Jakobswegs

Beitrag von Mario d'Abruzzo » 10. Jan 2020, 12:57

Gotthold Ephraim Lessing und sein Ideendrama 'Nathan der Weise' mit der Ringparabel (im dritten Aufzug des Dramas) von 1779, in der Oberstufe hat mich das überhaupt nicht interessiert. Jetzt passt es...

»Nathan der Weise enthält sowohl tragische als auch komische Elemente, ist aber trotz des versöhnlichen Ausgangs weder eine Komödie noch eine Tragödie. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Ringparabel, somit im Kern die Frage nach der „wahren“ Religion.
[...]
Die Handlung spielt zur Zeit des Dritten Kreuzzugs (1189–1192) während eines Waffenstillstandes in Jerusalem.«
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Nathan_der_Weise

Somit liegt das Zeitfenster in einem für mich persönlich wichtigen Teil des Mittelalters:

1202 - 1204 • Vierter Kreuzug; statt Ägypten zu erobern wurde das christliche Konstantinopel eingenommen und geplündert.
1217 - 1221 • Fünfter Kreuzzug; Franz von Assisi versucht 1219 vor Ort in Damiette im Nildelta zu vermitteln, indem er den Sultan al-Kamil trifft.
1228 - 1229 • Sechster Kreuzzug[2]; Friedrich II. erreicht ohne Blutvergießen, nur durch geschickte Verhandlungen mit dem Sultan al-Kamil, für Christen den Zugang nach Jerusalem.

[1] »Diese Parabel von den drei Ringen gilt als ein Schlüsseltext der Aufklärung und als pointierte Formulierung der Toleranzidee. [...] Erfunden wurde er wahrscheinlich auf der Iberischen Halbinsel von sephardischen Juden.« Quelle • »siehe dazu Salomo ibn Verga: Schevet Jehuda. Hrsg. von Sina Rauschenbach (= Jüdische Geistesgeschichte, Band 6) Parerga Verlag, Berlin 2006, S. 106–108« Quelle

[2] zählt bei einigen Historikern auch noch zum Fünften Kreuzzug

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Re: Stuttgarter Zeitung: Die dunkle Seite des Jakobswegs

Beitrag von Mario d'Abruzzo » 11. Jan 2020, 15:43

Langsam rundet sich mein dunkelseitiges Bild unseres geschätzten Pilgerweges ab. Wenn man zu den speziell auf al-Andalus bezogenen populärwissenschaftlichen Büchern von Historikern noch Karlheinz Deschners 'Kriminalgeschichte des Christentums' Band 5-6 hinzuzieht, erklärt sich vieles aus dem Zeitgeist. Ich möchte hier mal betonen, dass ich kein Gegner des Christentums bin, eher ein wohlwollend kritischer Beobachter. Und ich bewundere viele Menschen, die ich durchs Wandern und Pilgern kennenglern habe, die ihren christlichen Glauben authentisch leben. Jetzt möchte ich hier nur noch mal kurz auf die angebliche Urheberschaft des Protestanten Johann Wolfgang Goethe an diesem 'Zitat' eingehen:

»Europa ist aus der Pilgerschaft geboren und das Christentum ist seine Muttersprache«

In einer amazon-Besprechung von Deschners Buch 'Der gefälschte Glaube' wurde von dem Rezensenten in Bezug auf Goethe folgendes geschrieben:

»Dabei zeigt er [Deschner], dass alles, was den Gläubigen als angeblich geoffenbarte Wahrheit gepredigt wird, Ausfluß jenes Mischmaschs von Irrtum und Gewalt ist, wie Goethe die Kirchengeschichte einst charakterisierte.«

Allen ein schönes Wochenende...

Mario
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Mario d'Abruzzo
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Re: Stuttgarter Zeitung: Die dunkle Seite des Jakobswegs

Beitrag von Mario d'Abruzzo » 11. Jan 2020, 23:07

Wenn man sich etwas einliest, dann könnte man auf die Idee kommen, dass es DIE CHRISTEN und DIE MUSLIME überhaupt nie als einheitliche, homogene Gruppe gab (und gibt)!

Bei den Mauren in al-Andalus muss man erst mal zwischen den Arabern aus der Levante und der Arabischen Halbinsel und den nordafrikanischen Berbern unterscheiden. Dann gab es im ersten Schnelldurchgang frisch islamisierte Berber und in einem zweiten Durchgang eine fast schon fanatisch grundlegend konsequent islamisierte zweite Berbergeneration mit Tuaregs aus der Sahara. Die Araber waren zu Beginn die Herrscher, die Berber die Kämpfer. Die Araber verachteten die weniger kultivierten Berber und die erste Berbergeneration verachteten die dem Wohlleben ergebenen Araber. Dann kam die zweite Berbergeneration nach al-Andalus und die verachteten die dem Wohlleben ergebene erste Berbergeneration (die sich inzwischen etwas an die angenehme arabische Lebensweise angepasst hatte) und die Araber. So kam es hier schon zu ersten Reibereien.

Bei den Christen in Europa und Hispanien, also das füllt wirklich Bücher; was da gegenseitig für ein Zoff statt fand. Erst mal das Thema Trinitätslehre, das ich schon angesprochen hatte. Dann der Gegensatz römische Westkirche vs. byzantinische Ostkirche, das abendländische Schisma. Dann Papst und Kaiser. Und die Vorläufer der Reformation: Katharer, Albigenser, Waldenser etc. Auch im 13. Jahrhundert der Versuch Franz' von Assisi, die weltlich gewordene Kirche wieder zu Jesus und dem Verkünden des Evangeliums zurückzuführen etc. etc. Wer jetzt behauptet, dass das christliche Pilgertum Europa geeinigt hätte, der betreibt, lieb und nett formuliert, ganz gewaltige Schönfärberei.

Im 12. und 13. Jahrhundert (mit Franz von Assisi und Friedrich II.) war die Eroberung Hispaniens durch die nördlichen Königreiche noch am laufen. 2015 hab' ich mal, dank Gabriele :-) aus dem (alten) Pilgerforum hier, an einem Seminar zum Thema '500 Jahre Reformation' teilgenommen (2017 bin ich dann ~1.300 km von Einsiedeln/Zürich (Zwingli) bis nach Wittenberg gepilgert). Während des Seminars am Seddiner See hab ich dann versucht, Luther als Endpunkt einer mehrere Jahrhunderte dauernden Bewegung zu einer Reformation hin einzuordnen:

Bild

John Wycliff - der 'Morgenstern der Reformation' - beeinflusste Jan Hus. Und irgendwann erkannte Luther, dass Wycliff alles schon vorweggenommen hatte. Wycliff wurde beim Konzil in Basel (1431-1448) als Häretiker verurteilt. Dummerweise konnte das erst 30 Jahre später durchgeführt werden. Dazu wurden seine Knochen ausgegraben und dann verbrannt.

John Wyclife - Der Morgenstern der Reformation YouTube-Link 48:51 Hörenswert!
Zitat: »Diese Lehren bringen die armen Menschen nicht zur Vergebung ihrer Sünden und in eine enge Beziehung zu Gott führen sie die Menschen schon gar nicht. Der Kirche geht es um Reichtum, Macht und Einfluss auf die Politik.« ~1375

Mit Jan Hus hat man das noch ein paar Jahre vorher beim Konzil in Konstanz (1414-1418) am lebenden Objekt praktiziert: Hus' Abschiedsworte auf dem Scheiterhaufen laut Legende (Husa = tchechisch Gans): »Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen.«

Bild

»Das Tafelbild von Hans Stiegler (18. Jahrhundert) zeigt Martin Luther als Reformator. Die enthüllte Kerze ist nicht nur eine Anspielung auf das Gleichnis vom Licht unter dem Scheffel (Mt 5,14–15; Mk 4,21–22; Lk 8,16 und 11,33), sondern hier auch ein Gleichnis für Luthers Reformation als Enthüllung des wahren Evangeliums. Rechts hinter Luther fügte der Tscheche Stiegler einen Schwan als Symbol für Luther ein. Jan Hus, der als Vorläufer Luthers angesehen wurde, weissagte, dass nach der Gans (tschechisch husa heißt „Gans“) ein Schwan kommen werde; dieser Ausspruch wurde später auf Luther gedeutet. Teil der Balustrade der Nordempore in der Amanduskirche in Beihingen, einem Stadtteil von Freiberg am Neckar.«
Quelle Bild und Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Hus

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Re: Stuttgarter Zeitung: Die dunkle Seite des Jakobswegs

Beitrag von Mario d'Abruzzo » 13. Jan 2020, 12:58

Bemerkenswert ist es schon, dass dieser Faden in kurzer Zeit nun schon fast 4.000 mal angeklickt wurde.

Heute kamen zwei Bücher von Karlheinz Deschner, u.a. 'Der gefälschte Glaube'. Also, das ist wirklich krass, was da zu lesen ist und ich werde hier im Forum NICHTS daraus zitieren, außer dem einen Satz, der zwar auf die Geschichte des Christentums bezogen ist, der aber die heutige Weltpolitik (USA, GB, IRAN) genau so zutreffen könnte:

"Denn wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, wer aber immer lügt, dem glauben Millionen ein Leben lang."

Ein weiteres Buch wird diese Woche eintrudeln, Klaus Herbers • Jakobsweg: Geschichte und Kultur einer Pilgerfahrt. Ich denke mal, das wird eine gute Gegenmeinung sein. Herbers ist ja wirklich unter Historikern und Pilgern sehr bekannt. Hat jemand hier im Forum dieses Buch schon gelesen?

Wie gesagt, Deschner ist krass und ich möchte niemanden im Forum mit Zitaten verletzen...

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Kruemel
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Re: Stuttgarter Zeitung: Die dunkle Seite des Jakobswegs

Beitrag von Kruemel » 13. Jan 2020, 13:13

Ich weiß jetzt nicht warum du K.H. Deschner so krass findest. Er hat sich, so wie du ja auch, sehr intensiv mit der Thematik befasst, Unmengen gelesen und in seinen Büchern mit verarbeitet. Alles was ich dazu quergesucht habe, habe ich auch so aus anderen Quellen bestätigt gefunden.
Ich finde wer etwas kritisch der Institution Kirche gegenübersteht kommt an Deschner nicht vorbei.
Ich lese ihn sehr interessiert und kann ihn nur empfehlen.

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Re: Stuttgarter Zeitung: Die dunkle Seite des Jakobswegs

Beitrag von Mario d'Abruzzo » 13. Jan 2020, 13:13

Teresa von Ávila

Hab' grad mal in den Faden 'XACOBEO 2021' reingeschaut. Da geht's ja ordentlich zur Sache...

Gegen Ende ging es um Teresa von Ávila. Ich hab bei ihr auch mal reingeschaut; interessant, wie alles mit allem verbunden ist...

Zitat (Quelle): "Ihr Großvater väterlicherseits war ein sephardischer Jude aus Toledo. 1485, als Teresas Vater Alonso Sánchez de Cepeda (1471–1543) vierzehn Jahre alt war, trat der Großvater, Juan Sánchez de Toledo Cepeda (1440–1507) mit seiner Familie zum Christentum über[1], erwarb einen Adelsbrief, und zog nach Ávila, um dort ein neues Leben zu beginnen. Mit dem Fortschreiten der Reconquista (siehe auch Zeittafel Reconquista) lag auf den sephardischen Juden ein zunehmender Druck zur Abkehr von ihrer religiösen Praxis, der dann im Jahre 1492 mit dem Alhambra-Edikt zu einer Vertreibung oder zu einer Zwangstaufe, conversos führte."

Mario
Zuletzt geändert von Mario d'Abruzzo am 13. Jan 2020, 13:32, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Stuttgarter Zeitung: Die dunkle Seite des Jakobswegs

Beitrag von Mario d'Abruzzo » 13. Jan 2020, 13:27

Ciao Kruemel,

mein 'krass' war nicht abwertend gemeint. Und ich habe inzwischen mehr als die Hälfte seiner zehnbändigen Reihe 'Kriminalgeschichte des Christentums' in meinen Regalen stehen.

Ich finde Deschner radikal, im positiven Sinne. An die Wurzel gehend. Und nicht plump diffamierend, wie es aus einer bestimmten, sich christlich nennenden und auch eher rechten Ecke gerne schallt.

Aber ich möchte hier niemanden verletzen. Erstens mal weil mir dazu die wissenschaftlich korrekte Qualifikation fehlt, bin ja nicht mal Amateur, und zweitens, solange mich niemand persönlich angeht, möchte ich gerne nach dem Grundsatz 'Leben und lebenlassen' handeln. Die Betonung liegt auf 'möchte'.

:-)

Mein Ausgangspunkt war und ist Franz von Assisi und wie seine Werte eliminiert und sein Name von der Papstkirche instrumentalisiert wurde. Übernachte ich nun beispielsweise in einem Kloster in Assisi, so begegnen mir dort ganz, ganz liebe und tiefgläubige Klosterschwestern. Und die haben einen Franziskus eingebleut bekommen und verinnerlicht, dass es mir graust. Mit denen über Franz von Assisi zu diskutieren, dass würde ich nicht schaffen...

Grüße aus Staufen!

Mario
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Re: Stuttgarter Zeitung: Die dunkle Seite des Jakobswegs

Beitrag von Mario d'Abruzzo » 14. Jan 2020, 12:46

Uff...

Rolf Legler • Sternenstraße und Pilgerweg
Der Jakobs-Kult von Santiago de Compostela. Wahrheit und Fälschung

Ich will mich ja nicht ständig wiederholen und eigentlich geht es mir nur um eine ehrliche Geschichte des Jakobsweges. Und damit könnte doch auch weiter von Rekord zu Rekord nach Galicien ferngewandert werden.

Nur vom oben erwähnten Legler-Buch ein kleines Zitat vom Klappentext: »Rolf Legler rekonstruiert akribisch genau die historischen Spuren, die nach Santisgo führen. [...] Könige, fromme Propagandisten, Kirchenmänner und Regierungen bauten einen Mythos auf - »Standortpolitik« im frühen 9. Jahrhundert. Millionen von Wallfahrern folgten dem Mythos. Ihre Reliquienverehrung bedeutete die Renaissance heidnischer Andachtsformen.«

Ich vergebe fünf von fünf möglichen Sternen...

Gleichzeitig kam heute auch noch das Buch von Klaus Herbers zum Jakobsweg. Bin gespannt darauf...

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Re: Stuttgarter Zeitung: Die dunkle Seite des Jakobswegs

Beitrag von Mario d'Abruzzo » 14. Jan 2020, 18:04

Klaus Herbers • Jakobsweg: Geschichte und Kultur einer Pilgerfahrt

Ich mag Herbers' sachlichen Schreibstil. Dieses Buch ist für mich eine wertvolle Ergänzung zum Verständnis des muslimischen Zeitalters in Spanien.

Herbers hat noch weitere Bücher zu diesem Thema geschrieben, aber da muss ich jetzt langsam aus finanziellen Gründen passen, obwohl das Thema sehr erhellend ist...

Klaus Herbers • Europa: Christen und Muslime in Kontakt und Konfrontation: Italien und Spanien im langen 9. Jahrhundert

Klaus Herbers • Geschichte Spaniens im Mittelalter: Vom Westgotenreich bis zum Ende des 15. Jahrhunderts


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Re: Stuttgarter Zeitung: Die dunkle Seite des Jakobswegs

Beitrag von Mario d'Abruzzo » 17. Jan 2020, 11:46

LA CANCIÓN DE MATAMOROS (versión en inglés)
With Saint James on Our Side

"[..]
I was taught and brought up there
The laws to abide
And that land that I live in
Has God on its side
Oh, the history books tell it
They tell it so well
The cavalries charged
The Indians fell
The cavalries charged
The Indians died
Oh, the country was young
With God on its side
[...]
Through many a dark hour
I've been thinkin' about this
That Jesus Christ was
Betrayed by a kiss
But I can't think for you
You'll have to decide
Whether Judas Iscariot
Had God on his side.
So now as I'm leavin'
I'm weary as Hell
The confusion I'm feelin'
Ain't no tongue can tell
The words fill my head
And fall to the floor
That if God's on our side
He'll stop the next war"

Bob Dylan 1963 • With God on Our Side YouTube-Link 07:05

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Re: Stuttgarter Zeitung: Die dunkle Seite des Jakobswegs

Beitrag von Mario d'Abruzzo » 18. Jan 2020, 19:14

Gut, das ist jetzt kein wissenschaftlicher Artikel; aber inhaltlich deckt er sich mit meinen fünf oder sechs anderen Büchern zum Thema der Geschichte Hispaniens. Herkunft dieses zitierten Textes ist eine Website mit dem Thema
"Leben in Portugal • Infos und Tipps zu Urlaub, Auswandern und Alltag in Portugal von Nord bis Süd".

»Der Untergang der Westgoten und die maurische Eroberung

Im Jahre 711 ging das Westgotenreich unter: Über die schmale Meerenge bei Gibraltar eroberten die Mauren die gesamte iberische Halbinsel, sie war ab 718 – bis auf nördliche Bergregionen – fest in arabischer Hand. Damit gehörte das Gebiet des heutigen Portugal ebenfalls zum Herrschaftsgebiet des arabischen Emirats, später des Kalifats von Córdoba. Es begann – im Gegensatz zur Herrschaft durch Sueben und anderer germanischer Völker – eine wahre Blütezeit für Wirtschaft und Gesellschaft: In der Landwirtschaft wurden durch den Einsatz künstlicher Bewässerung und neuer Nutzpflanzen ungeahnte Erfolge erzielt. Naturwissenschaften und Medizin erlebten einen ungeahnten Aufschwung, denn in beidem waren die Mauren den Europäern weit voraus. Kultur und Kunst entwickelten sich frei und dazu kam – heute kaum vorstellbar – eine weitgehende Religionsfreiheit.«
Quelle: http://www.leben-in-portugal.wiki/kultur-gesellschaft/geschichte/103-herrschaft-der-germanen-und-mauren.html

Wie in einigen Veröffentlichungen ist die Bezeichnung 'Araber' meist ungenau. Es geht um Araber UND Berber, beide muslimischen Glaubens, mit wechselnder Gewichtung. Besser ist die Sammelbezeichnung 'Mauren'...

Ach, übrigens die 'Sueben'. Bevor sich jetzt die württembergischen Leser*innen angesprochen fühlen: Die Sueben stammen wohl aus dem Gebiet Havel/Spree...

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Re: Stuttgarter Zeitung: Die dunkle Seite des Jakobswegs

Beitrag von Mario d'Abruzzo » 22. Jan 2020, 00:30

Irgendwie hab' ich immer noch das Ziel, eine für alle annehmbare Erzählung des Jakobsweges zu finden, ohne Lügen und Gewaltverherrlichung.

Aber es ist wohl schon nötig, sich von einigen christlichen Taboos frei zu machen. Auf Hispanien unter den Mauren bezogen geht es vor allem um die Frage, ab wann es um diese fanatische religiös motivierte Feindlichkeit zwischen Christen und Moslems ging. Am Anfang spielte die Religion nämlich eine eher untergeordnete Rolle.

Erschreckend in diesem Zusammenhang dieses Buch, dass die AI von amazon.de mir gerade vorstellte:

Heiliger Zorn: Wie die frühen Christen die Antike zerstörten
Titel der englischen Originalausgabe von 2017: The Darkening Age. The Christian Destruction of the Classical World
Catherine Nixey 2019 • Das Buch des Jahres in England

Zitat von der amazon.de-Seite: »Im Römischen Reich war das religiöse Leben vielfältig – bis unter den ersten christlichen Kaisern alles anders wurde: Mit aller Macht versuchten die frühen Christen, Andersgläubige zu bekehren, und erwiesen sich dabei nicht nur als extrem intolerant, sondern auch als äußerst gewalttätig. Im ganzen Imperium zertrümmerten sie Tempel und Kultgegenstände, verbrannten Bücher, jagten Philosophen aus den Städten und verfolgten diejenigen, die weiter den alten Göttern opferten.

In »Heiliger Zorn« zeichnet die britische Altphilologin und Journalistin Catherine Nixey ein gänzlich neues und zutiefst erschütterndes Bild der frühen Christen als die wahren Barbaren. Packend enthüllt sie die Gräueltaten, die hinter dem Triumph des Christentums stecken und mit zum Untergang der Antike führten.
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Re: Stuttgarter Zeitung: Die dunkle Seite des Jakobswegs

Beitrag von Mario d'Abruzzo » 22. Jan 2020, 08:52

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