COVID-19: GAME OVER • Und nun?

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M@rio d'Abruzzo
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COVID-19: GAME OVER • Und nun?

Beitrag von M@rio d'Abruzzo » 7. Jun 2020, 23:38

War es möglich, in der Krise neue Sichtweisen zu entdecken? Oder war diese Zeit nur eine ärgerliche Unterbrechung des Gewohnten?

Was meint Ihr?

Mario
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Raimund Joos
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Re: COVID-19: GAME OVER • Und nun?

Beitrag von Raimund Joos » 8. Jun 2020, 00:00

.... für mich persönlich ist es noch zu früh das zu beurteilen ... ich denke ich stecke im Moment noch zu sehr drin um das schon mit Abstand beurteilen zu können ... Obwohl einige Erkenntnisse habe ich schon gewonnen ... aber noch nicht viele ... ich hoffe da kommt noch mehr.

Aber danke dass du das zu Bewußtsein rufst...

BC

Raimund

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Mirabilis
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Re: COVID-19: GAME OVER • Und nun?

Beitrag von Mirabilis » 8. Jun 2020, 06:13

Guten Morgen,

meiner Meinung nach ist das "Game" noch lange nicht "over".

Eine Erkenntnis habe ich aber schon: So mancher zeigt sein wahres Gesicht, im Guten wie im Schlechten.

Nach wie vor: Savety first und gesund bleiben!

Notburga
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Thüringer
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Re: COVID-19: GAME OVER • Und nun?

Beitrag von Thüringer » 8. Jun 2020, 08:02

Raimund Joos hat geschrieben:
8. Jun 2020, 00:00
.... für mich persönlich ist es noch zu früh das zu beurteilen ... ich denke ich stecke im Moment noch zu sehr drin um das schon mit Abstand beurteilen zu können ... Obwohl einige Erkenntnisse habe ich schon gewonnen ... aber noch nicht viele ... ich hoffe da kommt noch mehr.

Raimund
Du beurteilst doch schon seit Anfang an und versuchst, die Pilger.... völlig uneigennützig... auf den Weg zu bringen. Wenn du jetzt nicht viele Erkenntnisse hast....wie viele hattest du , als du z.B.vor Wochen eingeladen hast, dich beim erkunden der Lage vor Ort zu begleiten,um neue Updates über die aktuelle Situation zu erstellen?

Thüringer
4 mal den Camino auf verschiedenen Wegen durch die Schweiz, Frankreich und Spanien von der Haustür nach Santiago.
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Re: COVID-19: GAME OVER • Und nun?

Beitrag von Via2010 » 8. Jun 2020, 09:03

Hallo,

ich finde es schade, dass Einige, kaum dass die Infektionszahlen sich etwas beruhigt haben, nur noch an die schnellstmögliche Rückkehr zur Normalität denken und aus den vergangenen Wochen scheinbar keine Lehren gezogen haben. Viele Forderungen, die jetzt an die politisch Verantwortlichen herangetragen werden, maskieren die dahinter liegenden eigenen finanziellen Interessen kaum noch. So bringt die Krise für mich in den Menschen das jeweils Beste, aber auch das jeweils Schlechteste deutlicher hervor.

Mir hat die Entschleunigung sehr gut getan. Die Krise hat mir auch gezeigt, dass ich meine Arbeit anders organisieren kann und nicht jeden Tag 80 km einfache Wegstrecke pendeln muss. 2 mal die Woche reicht und die Umwelt wird es mir danken. Die so eingesparte Fahrtzeit konnte ich für die Unterstützung meiner Eltern verwenden, die die häufigen Besuche sehr genossen haben. Mit ihnen bin ich ohnehin durch manchen gemeinsam gelaufenen Camino besonders verbunden.

Ich habe festgestellt, dass weniger Flugverkehr der Umwelt sehr gut getan hat - seit meiner frühen Kindheit kann ich mich nicht mehr an derart blaue Himmel ohne Kondensstreifen und Ablassen überflüssigen Kerosins über unserer schönen Eifel erinnern. Daher werde ich, wenn ich wieder ins Ausland reise, die Anreise mit Zug oder Bus als Teil des Urlaubs bewusst mit einplanen.

Ich bin sehr dankbar, dass meine Region von hohen Infektionszahlen verschont geblieben ist und ich in meinem persönlichen Umfeld, auch bei meinen ausländischen Freunden, keine Erkrankten oder gar Tote zu beklagen habe.

BC
Alexandra
Zuletzt geändert von Via2010 am 10. Jun 2020, 11:21, insgesamt 1-mal geändert.

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Raimund Joos
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Re: COVID-19: GAME OVER • Und nun?

Beitrag von Raimund Joos » 8. Jun 2020, 09:30

Thüringer hat geschrieben:
8. Jun 2020, 08:02

Du beurteilst doch schon seit Anfang an und versuchst, die Pilger.... völlig uneigennützig... auf den Weg zu bringen. Wenn du jetzt nicht viele Erkenntnisse hast....wie viele hattest du , als du z.B.vor Wochen eingeladen hast, dich beim erkunden der Lage vor Ort zu begleiten,um neue Updates über die aktuelle Situation zu erstellen?

Thüringer
Hallo Türinger

Ich habe Marios Thrade eigentlich als Angebot zu einem Brückenbau und nicht als Startschuß für eine neue Schlammschlacht persönlicher Art verstanden.

Schau doch mal hier

viewtopic.php?f=41&t=730
viewtopic.php?f=41&t=743

Und wenn Du bei Facebook angemeldet bist wo man Likes verteilen kann dann kannst du hier sehen wie viel Anklang meine Infos im Gegensatz zu persönlichen Unterstellungen mir gegenüber finden ...

https://www.facebook.com/groups/portugi ... 981078944/

Bon Camino

Raimund

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Andrea Ilchmann
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Re: COVID-19: GAME OVER • Und nun?

Beitrag von Andrea Ilchmann » 8. Jun 2020, 09:40

Guten Morgen alle!!!!

Hm, Fred, das ist eine gute Frage. Meine Antwort für mich: Ich weiß es nicht, aber ich fürchte ....

Bei der ersten Person ohe Maske im Supermarkt war es ganz bestimmt nur ein Versehen, die dritte, die ich freundlich darauf hinwies, dass sie etwas vergessen hat, wollte mich in eine Diskussion verwickeln, die wenig fruchtbar gewesen wäre (es gibt einfach Menschen, mit denen kann man nicht diskutieren!). Freitags stehe ich in einem regelmäßigen Stand-in von Leuten, die die Maske mit merkwürdigen Sprüchen an der Stirn tragen und "den verunsicherten Menschen die Angst nehmen möchten". Die Parolen, die ich da höre, möchte ich hier nicht wiedergeben. In BW herrscht auf Märkten keine Maskenpflicht, es gilt die Meinungsfreiheit, also ist das soweit faktisch OK. Ich finde, was nicht OK ist, ist, wenn Menschen - ob mehr oder weniger verdeckt - aufgefordert werden, ihre Vorsicht über Bord zu werfen, was leider zunehmend geschieht. Die vorgeschobene Absicht, Verunsicherung zu nehmen, hat am Ende meiner Meinung nach nur das Ziel, eben diese Verunsicherung zu nutzen, um Menschen in die gewünschte Richtung zu manipulieren. Dieses - nach meiner Meinung verantwortungslose - Verhalten schlummerte leider nur in den ersten Wochen des Lock-downs. Oft wird dieses Verhalten einer bestimmten politischen Richtung zugeordnet, aber ich fürchte, diese Vereinfachung ziemlich gefährlich.

Umgekehrt stehen ganz viele Menschen trotz keiner Maskenpflicht und Spuckschutz mit Maske vor mir. Ihnen ist es wichtig, sich selbst und andere zu schützen oder auch einfach nur ein Zeichen zu setzen. Gerade in den Supermärkten halten jedoch viele den Abstand nicht mehr ein, was allerdings auch sehr schwierig umzusetzen ist (ich habe den Eindruck, der Eintritt ist dort schon lange nicht mehr begrenzt, was ich komisch finde, weil vor kleinen Geschäften die Menschen schlangestehen).

Die Zahlen, die wir aus den Medien erhalten vermitteln vielen eine Un-/Sicherheit, die mir zu schwammig ist, weil Bezugsgrößen fehlen und die Dunkelziffer eben das bleibt, was sie ist, eine Ziffer im Dunkeln.

Für mich bleibt der Umgang mit Covid ein Tanz auf einem schaukelnden Seil. Ich sehe, na klar, ich bin ja selbst betroffen, geschäftliche Interessen und finanzielle Probleme, bei ihrer Wertung bei dagegen-Abwägung menschlicher Aspekte (Verantwortung, Sicherheitsbedürfnis) trennen sich allerdings die Gemüter. Für mich heißt das (das ist, glaube ich, son eine Lebensphilosophie von mir): Am Ende bin ICH es, die ihr Verhalten auch vor anderen, vor allem aber vor mir selbst rechtfertigen können muss ... wobei ich hier - wie jeder - nur von mir schreiben kann.

Ob diese Krise Auswirklungen auf die Zukunft hat? - Ich hoffe, ja. Ich hoffe, dass zumindest ein Teil der Menschen etwas achtsamer werden, ihre Werte überdenken, Verantwortung übernehmen und das Sicherheitsbedürfnis anderer respektieren. Allerdings fürchte ich, die Tendenz geht schon jetzt bei vielen dahin, die Gefahr zu bedeckmänteln und zur Tagesordnung überzugehen.

Aber wenn sich meine Hoffnung nur bei ganz wenigen erfüllt, ist das doch schon mal mehr als nix!

:arrow: :arrow: :arrow:
Pilger, die beim Gehen manchmal einfach nur Bauch und Füße sind - #Bauchfüßler eben.

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Re: COVID-19: GAME OVER • Und nun?

Beitrag von Frau Holle » 8. Jun 2020, 11:03

Auch hier:

Bitte achtet auf euren Ton, greift einander nicht an und behandelt euch mit Respekt!


Wir alle wissen, dass Corona ein Thema ist, das die Gemüter extrem aufwühlt bzw. aufwühlen kann und dass es verschiedene Meinungen gibt, die bestimmt ihre Berechtigung haben.

Diskutiert gern, bleibt sachlich und wundert euch nicht, wenn wir jetzt ein besonderes Auge auf alle Coronathemen haben.

Danke
Juhuu, das Forum ist wieder da!

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Uti
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Re: COVID-19: GAME OVER • Und nun?

Beitrag von Uti » 8. Jun 2020, 15:10

Auch wenn ja beim Thema Covid mit Sicherheit noch nicht “Game over“ ist, finde ich doch, dass man nach knapp drei Monaten schon mal ein kleines Resumé ziehen kann.

In dieser Zeit habe ich einiges negatives, aber insgesamt in meinem Umfeld mehr positives in Bezug auf das Miteinander erlebt. Von Beginn an, gab es bei uns in Nachbarschaft und Stadtteil sehr viel Unterstützung besonders für Risikopatienten, es wurden Einkaufsdienste organisiert und andere Erledigungen gemacht. Im Supermarkt hat man mit freundlichem Lächeln einen großen Bogen um den anderen gemacht. Die Solidarität war riesig und das fand ich ganz wunderbar zu erleben. Es war trotz Abstand eine große Nähe zu spüren. All das hat mir gezeigt, wie viel man mit Zusammenhalt schaffen kann.
Aber wo Licht, da natürlich auch Schatten. Immer wieder habe ich es erlebt, dass Bekannte versucht haben mir Gespräche “aufzudrücken“, wer nun wieder was im Bekanntenkreis evtl. falsch in Bezug auf die Coronaregeln gemacht hat, manchmal hatte ich das Gefühl, es wurde nur auf irgendeinen Regelverstoß gewartet. Und ich glaube es haben hier noch nie so viele Leute so oft beim Ordnungsamt angerufen um irgendetwas zu melden. Und ja, ich beobachte es ebenfalls, dass in den letzten Wochen die Gegenseitige Achtsamkeit, das Abstand halten weniger werden bzw. gar nicht mehr eingehalten werden. Daraus folgt für mich die Erkenntnis, dass dieser Zusammenhalt nur für eine begrenzte, sehr akute Situation gut funktioniert. Sobald wir die Gefahr nicht mehr so extrem vor Augen sehen, vergessen wir leider schnell.
Ein negatives Erlebnis hatten wir im Familienkreis gerade erst letzte Woche. Meine 38-jährige Schwägerin wurde letzte Woche positiv auf Corona gestestet. Leider ist auch sie Risikopatientin und hat auch recht starke Sypmtome. Um die Durchführung des entsprechenden Tests musste sie zwei Wochen beim Arzt kämpfen, ja, sogar betteln. Man sagte ihr immer wieder, sie habe kein Corona, da es im Ort kaum Fälle gab. Sie selber hat seit Beginn ihrer Symptome das Haus nicht mehr verlassen. Nachdem jetzt eben nach langem Betteln der positive Test vorlag, wurde auch ihre Tochter getestet und hat ein positives Ergebnis (allerdings keinerlei Symptome). Daraufhin riefen zwei Väter ihrer Klassenkameradinnen an und beschimpften die Tochter! aufs übelste, was ihr den einfiele zur Schule zu kommen. Sie war natürlich total fertig. Kein Wort des Mitleids für die schwere Situation.

Für mich persönlich hat sich nochmal bestätigt (was ich eigentlich natürlich schon wusste :D ) was ich für tolle Kinder habe, die die ganzen Wochen Schulausfall ohne Möglichkeit sich mit Freunden zu treffen und mit Homeschooling super mitgemacht haben und mich dabei sogar noch einigermaßen in Ruhe im Homeoffice arbeiten lassen haben. Ach ja, das Homeoffice, puh, für mich gar nix. So bequem es auch ist, die Fahrwege zu sparen. Mir ist nochmal klar geworden, was ich an meinen lieben Kollegen so habe und dass ich sie um mich herum brauche. Alleine zu hause als Einzelkämpfer zu sitzen, gar nicht meins. Dafür aber im Beruf schön zu sehen, wie schnell man sich doch auf andere Aufgabengebiete einstellen konnte. Da in unserer Abteilung kaum Arbeit anfiel, mussten wir andere Abteilungen unterstützen, komplett neue Aufgabengebiete. Auch hier aber ganz viel Hilfe und Unterstützung von Kollegen, so dass das Einarbeiten selbst aus dem Homeoffice gut geklappt hat.

Was die Langfristigkeit von Veränderungen in Bezug auf Solidarität und mehr Achtsamkeit angeht, bin ich aufgrund der gewonnenen Erkenntnis, dass wir einfach sehr schnell vergessen, sehr skeptisch. Aber ich sehe das nicht so negativ, denn ich finde es ist auch schon mal schön zu wissen, dass man sich aufeinander Verlassen kann, wenn es wirklich darauf ankommt.
Jedes Gehen auf unvertrauten Wegen ist eine Reise ins Vertrauen.

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Re: COVID-19: GAME OVER • Und nun?

Beitrag von M@rio d'Abruzzo » 22. Jun 2020, 12:13

Meine eigenen Gedanken zu COVID-19.

Ich fang mal ganz aktuell an:

BILLIGFLEISCH.

Gibt es auch auf dem Camino Francés. Und BILLIGEIER. Massig.

Wie sonst sollen die günstigen Pilgermenüs für die reichen Mitteleuropäer möglich gemacht werden?

Wen macht die Banane krumm

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Hobbypilger
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Re: COVID-19: GAME OVER • Und nun?

Beitrag von Hobbypilger » 22. Jun 2020, 19:30

Mario d'Abruzzo hat geschrieben:
22. Jun 2020, 12:13
Meine eigenen Gedanken zu COVID-19.

Ich fang mal ganz aktuell an:

BILLIGFLEISCH.

Mario
Vermutlich wird Covid-19 am Fleischpreis in Deutschland nichts ändern.

Die deutsche Gesetzgebung müsste von der Tierhaltung über die Verarbeitung und den Umweltschutz notwendige Regeln vorgeben.

Dann würden die Preise sicherlich auf ein korrektes Niveau steigen, den Tieren und Menschen würde das in mehrfacher Hinsicht gut tun.

Die Tiere müssten zu ihrer Lebenszeit und bei der Schlachtung nicht leiden, die Menschen bekämen ein ordentliches Lebensmittel zu essen, die Mitarbeiter der Produktionsfirmen hätten ein vernünftiges Einkommen und erträgliche Arbeitsbedingungen.

Meinen Fleischkonsum habe ich extrem heruntergefahren. Nicht bewusst gezielt, sondern unbewusst nach immer wiederkehrenden Medienberichten über die Qual der Tiere, die Verseuchung des Grundwassers und einigen Beobachtungen in der Realität.

Ciao
Detlef
Sept. 2018 Camino Francés (SJPdP - Santiago)
März 2020 Camino del Norte (Bilbao - Santander, Abbruch wegen fehlender Übernachtungsmöglichkeiten bis Santiago)

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Re: COVID-19: GAME OVER • Und nun?

Beitrag von Pooh_der_baer » 22. Jun 2020, 19:58

Hallo Mario,

wenn nicht der Zufall zu Hilfe gekommen wäre, hätte nahezu niemand von den unmöglichen Zuständen in der Tiertötund und Fleischzerteilung etwas
mitbekommen.

Diese miserabelen Zustände sind schon lange bekannt. Nur hat sich niemand, besondes in der Politik, darum gekümmert.
Das deutsche Modell wurde sogar zu einem "Exportschlager".
Schlachtfirmen der EU haben sich über das deutsche Modell beschwert.Schlachtbetriebe im grenznahen EU-Ausland haben, lt. Medienberichte vor Jahren,geschlossen, da diese Arbeit in der D viel billiger war.

So umgeht man die dt. Mindestlöhne, die auch nicht besonders hoch sind.

https://de.statista.com/statistik/daten ... in-der-eu/
Wer sich nicht erinnert, den bestraft die Zukunft.

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Beitrag von M@rio d'Abruzzo » 22. Jun 2020, 21:51

Heute um 12:13 Uhr hab' ich mein erstes Stichwort zum Thema »Und nun?« formuliert. Das BILLIGFLEISCH. Ich hätte auch QUÄLFLEISCH schreiben können. Dann wäre aber die Überschrift der SPIEGEL-Kolumne von 14:51 Uhr nicht so treffend die FLEISCHFAUST auf's Auge geworden:

Zitat (Quelle): »Fleischindustrie
Billig ist nicht böse
Eine Kolumne von Nikolaus Blome

Nach den Corona-Ausbrüchen in Fleischfabriken wird "billig" zum neuen Schimpfwort. Dahinter stecken ökonomische Unkenntnis oder sinistre Erziehungsfantasien.
«

Hmmh. Herr Blome meint, dass BILLIGFLEISCH sei unbedingt notwendig: »Billig ist für Millionen Menschen auch in diesem Land eine zentrale Alltagskategorie. Billig oder nicht billig entscheidet für sie darüber, ob am Monatsende noch Geld übrig ist, oder am Geldende noch unangenehm viel Monat.«

Warum diese »Millionen Menschen in diesem Land« so schlecht bezahlt werden, gerade die »Systemrelevanten«, die auch Blome aufzählt, hinterfrägt Journalist Blome geflissentlich nicht. Dabei hängt doch alles zusammen. Nicht nur bei den Schlachttieren vor dem Zerlegen durch in prekären Verhältnissen lebende Quasiselbständige mit Werkverträgen... Ach so - klar: mein Einwand beruht ja auf »ökonomischer Unkenntnis«.

Lach...

Mario
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Re: COVID-19: GAME OVER • Und nun?

Beitrag von M@rio d'Abruzzo » 23. Jun 2020, 21:35

Wenn man den aktuellen COVID-19-Forschungsstand z.B. im SPIEGEL täglich verfolgt und dann hier im Forum mitliest, wie Einzelne denken, dass bald wieder alles wie 'VORHER' sein wird, kann man wirklich nur fassungslos den Kopf schütteln.

Hier zwei Beispiele:
COVID-19 ist alles andere als ein zuordnungsbares Corona-Virus. Alles steht zur Diskussion. Schwere Langzeitschäden auch bei jungen Menschen mit geringen Symptomen, völlige Unsicherheit in Bezug auf Antikörpertests, völlige Unklarheit, wie lange eine Immunität vorhält etc. Die beiden Artikel unbedingt lesen, soweit es ohne Paywall möglich ist.

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Re: COVID-19: GAME OVER • Und nun?

Beitrag von Andrea Ilchmann » 7. Jul 2020, 10:23

.... Und nun?

Ich sitze hier und bin erschrocken.

Am Anfang haben alle für Pflegekräfte geklatscht, alle haben den ihnen möglichen Teil zur Eindämmung des Virus beigetragen und sich gegenseitig dafür Wertschätzung entgegengebracht. Wir waren uns alle irgendwie einig. So schrecklich die Situation war, hat sie mir eine gewisse Sicherheit gegeben: Alle ziehen an einem gemeinsamen Strang - vielleicht, so war da meine Hoffnung, bringt uns das Virus auch etwas Positves, lässt uns trotz oder gerade wegen Abstand näher zusammenrücken.

Inzwischen ...

... klatscht niemand mehr und von Einigkeit kann keine Rede mehr sein. Ich werde komisch angeguckt, wenn ich einen Schritt zurücktrete, damit andere mit Abstand passieren können. Dabei geht es mir gar nicht so sehr darum, dass ich MICH schütze, sondern es ist meine Art und Weise, meinem Gegenüber/Passierer den Respekt zu erweisen. Ich schäme mich fürchterlich, wenn mich jemand an die Abstandsregel erinnern muss!

Und jetzt fragt mich bitte nicht, wie es mir dabei geht, dass ich zu allen Menschen Abstand halten soll/möchte! Händeschütteln ist für mich so was von überflüssig, ich möchte umarmen!!!! Ich möchte drücken!!!! Ich möchte Menschen spüren!!! Wie soll ich mit Kindern ein Gummibärchenlagerfeuer machen, wenn ich 2 m Abstand einhalte??? Das geht nicht!!!!

Jede kleinste Einzelheit wird in einer Art und Weise diskutiert, die nichts mehr mit Wertschätzung, Respekt, Toleranz zu tun hat - im Alltag und hier im Fourm: Jede kleinste Bemerkung endet in einem Scharmützel. Normalerweise schreibe ich Charmemützel, aber mit Charme hat es irgendwie ebenso wenig zu tun wie mit einem "leichten Feuergefecht".

So schrecklich die Situation war, hat sie mir zu Anfang eine gewisse Sicherheit gegeben: Alle ziehen an einem gemeinsamen Strang - vielleicht, so war da meine Hoffnung, bringt uns das Virus auch etwas Positves, lässt uns trotz oder gerade wegen Abstand näher zusammenrücken. Diese Hoffnung musste inzwischen leider der Befürchtung weichen, dass es einen Riss zwischen den Menschen - im Alltag, aber auch hier im Forum - gibt, der, wenn überhaupt, nur ganz schwer wieder zu flicken ist.
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