Meine ausführliche zusammenfassende Einschätzung zum Thema "Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?"

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Raimund Joos
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Meine ausführliche zusammenfassende Einschätzung zum Thema "Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?"

Beitrag von Raimund Joos » 11. Jan 2021, 13:13

Hallo

Ich stelle hier mal meinen ausführlichen Text zum Thema "Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?" rein. Da der Text für eine Internetseite meines Verlages bestimmt war, mußte ich zuerst das Ok für die Veröffentlichung von diesem einholen, das ich eben bekommen habe... Bitte entschuldigt die "Sie-Form" ich müßte sonst alles umschreiben.
Bon Camino! 🙂

Raimund

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Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?

(Der Text wurde am 14.12.2020 erstellt)

Vorab: Es dürfte unbestritten sein, dass es unmöglich ist, die Coronasituation auf den Jakobswegen wie sich diese 2020 darstellte hier erschöpfend zu beschreiben. Eben so wenig ist es möglich, eine nur annähernd sichere Prognose für das zukünftige Infektionsgeschehen auf der iberischen Halbinsel und deren Jakobswegen zu stellen. Die Entscheidung, ob wie und wann man sich auf den Weg macht bleibt immer eine persönliche Aufgabe und dies gilt noch viel mehr in Coronazeiten.

Als Autor von Pilgerführern, der auch Mitte 2020 zu Recherchezwecken auf den Jakobswegen in Portugal und Spanien unterwegs war, kann ich Ihnen aber bei diesem Entscheidungsprozess evtl. mit der einen oder anderen Sachinformation, persönlichen Erfahrungen und Überlegungen weiterhelfen. Und in diesem Sinne will auch dieser Text – ebenso auch wie meine Pilgerführer – als persönliche Entscheidungshilfe und Wegbegleiter für Ihren zukünftigen persönlichen Weg verstanden werden.

Bei dieser Gelegenheit verweise ich auch gerne auch auf den unten veröffentlichten Erfahrungsbericht meiner Recherchereise auf dem Caminho Portugués von 18.06. bis 01.07.2020

Corona auf den Jakobswegen in Spanien und Portugal – kurze Rückschau auf das Jahr 2020

Das Jahr 2020 begann auf dem Jakobsweg zunächst wie jedes andere. Als dann Mitte März über die europäischen Länder plötzlich die Nachricht her reinbrach, dass die schnelle Ausbreitung der Pandemie wohl vorerst nicht mehr zu stoppen sei, waren viele Pilger bereits mit der Planung ihres Jakobsweges beschäftigt und die ersten hatten sich bereits auf ihren Weg gemacht. Schnell stellte sich heraus, dass sich das Virus in Spanien bereits wesentlich weiterverbreitet hatte als zunächst angenommen und so kam es in Spanien bald zu einem offiziellen, plötzlichen und totalen Lockdown, von dem auch Beherbergungsbetriebe und Restaurants und somit auch der Jakobsweg im vollen Umfang betroffen war. Die allermeisten bereits vor Ort befindlichen Pilger reisten abrupt ab, die Landesgrenzen wurden bald dicht gemacht und somit schien die Saison 2020 beendet, bevor sie noch richtig begonnen hatte.

Etwas unterschiedlich stellte sich die Situation in Portugal dar: Wenngleich es hier zunächst zu wesentlich weniger Infektionen und keiner offiziellen Schließung der Herbergen und auch zu keiner Einstellung des Luftfahrtverkehrs kam, führte die unsichere Situation in der Praxis doch auch zunächst dazu, dass die meisten Herbergen und Pensionen schlossen und Pilger dann innerhalb von wenigen Tagen abreisten.

In Folge der ersten Coronawelle hatte Spanien eine sehr hohe Anzahl an Todesopfern zu beklagen, einige Pilgerherbergen wurden sogar als Quarantänestationen und Behelfskrankenhäuser für leichtere Coronafälle bereitgestellt. Der konsequente Lockdown und das wärmere Klima brachte aber bald wieder eine deutliche Verbesserung der Infektionslage mit sich und so wurde nach zahlreichen anderen europäischen Urlaubsländern am 16. Juni auch Spanien wieder für den Fremdenverkehr geöffnet. Für die Pilgerherbergen wurde kurzfristig ein strenges Hygienekonzept entwickelt und nach einigem Zögern machten sich auch wieder die ersten Pilger auf den Weg.

Bis in den August hinein stieg die Zahl der wiedereröffneten Herbergen und ebenso auch die Anzahl der Pilger kontinuierlich an und erreichte so seinen Höchststand. Zu Sperrungen von Wegabschnitten, Herbergen und Lokalen, kam es hierbei nur in wenigen Einzelfällen. Ab Mitte August führten die höheren Infektionszahlen wieder zu einem Absinken der Pilgerzahlen und im Oktober letztlich de facto zu einem erneuten – diesmal länger angekündigten und weniger extremen Shutdown.

In Portugal stiegen die Infektionszahlen dagegen zunächst wesentlich moderater an, sodass hier noch bis Mitte Oktober – also bis zum Ende der normalen Saison – zahlreiche Pilger unterwegs waren. Viele Pilger überschritten dabei ab August aber nicht mehr die portugiesisch-spanische Grenze und nutzen die jeweils andere der beiden Hauptvarianten (Küstenweg bzw. traditioneller Weg) als Weg zurück zum Ausgangspunkt nach Porto.

Persönliche Gefährdungslage
Ob man an Corona erkrankt und wie schwer der Verlauf der Erkrankung sich gestaltet, ist letztlich auch schicksalhaft, wenngleich hier auch verschiedene Risikofaktoren eine signifikante Rolle spielen. In jungen Jahren ist die Gefahr an Corona zu versterben statistisch nicht höher als bei einer normalen Grippe. Mit 60 Jahre besteht hier schon eine wesentlich höhere Gefährdung und ab dem 80. Lebensjahr muss im Krankheitsfall mit einer sehr hohen Gefahr an Corona zu versterben gerechnet werden.

Wenn man bedenkt, dass weniger als 20 % der Jakobspilger über 60 Jahre alt sind, könnte zunächst (fälschlicherweise) der Eindruck entstehen, dass es sich bei Corona eher um das Problem eine Minderheit der aktiven Pilger handelt. Bekannterweise kommen aber auch weitere Risikofaktoren durch (versteckte) Vorerkrankungen hinzu und was die Abwehr des Virus angeht können natürlich auch Faktoren wie die allgemeine Fitness und die persönlichen Abwehrkräfte eine wesentliche Rolle spielen.

Gegen Ende 2020 wurden (wie auch bei zahlreichen anderen Infektionserkrankungen) verschiedene Spätfolgen von eher moderaten Coronaerkrankungen bekannt. Wie stark und häufig diese ausgeprägt sind, war bis dahin noch wenig bekannt und erforscht.

Da die Gefährdungslage also individuell sehr unterschiedlich ist, obliegt es der Verantwortung jedes Einzelnen evtl. in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt die persönlichen Gesundheitsrisiken zu klären und die entsprechenden persönlichen Entscheidungen zu fällen.

Aber auch in dem Fall, dass kein besonders hohes persönliches Risiko vorliegt, kann die Coronasituation bei der Planung und Durchführung einer Pilgerreise bis auf weiteres zu verschiedenen Unwegsamkeiten führen…

Regionale Gefährdungslage in Spanien und Portugal

Spanien gehörte während der ersten Coronawelle bekanntermaßen zu einem der am härtesten betroffenen Länder Europas. Betrachtet man das Infektionsgeschehen aber genauer, so war hier ebenso wie auch innerhalb von Deutschlands erkennbar, dass sich das Infektionsgeschehen auch hier je nach Region sehr unterschiedlich darstellte. Besonders betroffen waren anfangs Metropolen fern des Jakobsweges wie Madrid und Barcelona. Größere Ausbrüche in kleineren Städten und Ortschaften wie z. B. in Santo Domingo de la Calzada (Camino Francés) waren dagegen eher selten.

Nach dem Lockdown stellte sich die Infektionslage im Juni zunächst ähnlich niedrig wie in Deutschland und Österreich dar. Später kam es zunächst wieder vermehrt zu Fällen in den eben genannten Metropolen sowie später auch in Aragon, dem Baskenland und Navarra. Und ab dem 3. Oktober galt wieder eine Reisewarnung für ganz Spanien, die allerdings nicht mehr wie zu Zeiten der ersten Welle bei praktisch allen Pilgern zu einem sofortigen Abbruch der Pilgerreise führt. Bei einer Reisewarnung handelt es sich ja schließlich um kein generelles Reiseverbot…

Das Infektionsgeschehen war in Portugal bis zum Sommer erfreulich niedrig, was sich dann aber mit dem Herbst erwartungsgemäß änderte. Ab Mitte Oktober bestand auch hier eine Reisewarnung für den Bereich es Caminho Portugués.

Insgesamt betrachtet waren die Regionen, durch welche die bekanntesten Jakobswege in Spanien und Portugal verlaufen somit eher weniger von hohen Infektionszahlen betroffen. Besonders moderat stellte sich die Infektionslage dabei in Portugal, Galicien und Asturien dar. Etwas weniger gut kamen die ersten Etappen des Küstenweges und des Camino Francés weg. Wesentlich relevanter für eine Infektionsgefahr ist aber nach zahlreichen Expertenmeinungen nicht die Infektionslage in der unmittelbaren Umgebung, sondern das soziale Verhalten in verschiedenen infektionsgefährlichen Situationen, auf die hier nun näher eingegangen werden soll…

Infektionsgefahren und organisatorische Probleme bei der An- und Abreise mit dem Flugzeug
Zahlreiche einschlägige statistische Untersuchungen belegen, dass eine Infektion im Flughafen und im Flugzeug zwar möglich aber doch relativ unwahrscheinlich ist. Da die Räume gut durchlüftet sind und die Maskenpflicht sehr streng kontrolliert wird kam es so bisher zu keinen größeren Ausbrüchen unter Fluggästen. Die Ansteckungsgefahr dürfte also eher geringer als in einem öffentlichen Verkehrsmittel sein und wer als zusätzlichen Schutz eine geschlossene FFP2 Maske (ohne Ventil) verwendet minimiert das Ansteckungsrisiko noch weiter, sodass hier von keiner signifikant erhöhten Gefahr gesprochen werden kann. Zudem planen einige Fluglinien Schnelltests für ihre Fluggäste und es liegt im Rahmen des Möglichen, dass von Einreisewilligen in Zukunft die Vorlage eines neueren negativen Testergebnisses verlangt werden wird.

Der Ausbruch der ersten Coronawelle hatte die ersten Pilger des Jahres 2020 kalt erwischt. In kürzester Zeit musste eine Rückreise zurück in die Heimat organisiert werden, was sich gelegentlich chaotisch und auch kostspielig gestaltete, da zahlreiche Flüge abgesagt wurden. Im Gegensatz zu Rückreisen aus außereuropäischen Ländern gelang die Rückreise aus Spanien und Portugal aber in den allermeisten Fällen auch dank der Hilfe zahlreicher Hospitaleros vor Ort ohne allzu lange Wartezeiten. Nur wenige Pilger verblieben in Spanien (und wenn, dann auch gelegentlich eher freiwillig).

Ab Wiedereröffnung der Grenzen im Juni verkehrten zunächst nur einige Flüge und viele ausgeschrienen Verbindungen (besonders von Billigfluglinien wie Ryanair) fielen mittelfristig doch aus. Langsam stabilisierte sich die Situation aber auch hier wieder. Bei der dann ab August folgenden nun wesentlich undramatischeren Abreise von Pilgern aufgrund der erneut erhöhten Infektionslage gestaltete sich die Flugsituation dann aber wesentlich geordneter und ein erneutes Chaos blieb aus.

Prognose für 2021: Es ist bereits absehbar, dass die Fluggesellschaften nach den Erfahrungen der letzten Monate bereits in gewisser Weise „geimpft“ sind, was die Zu- und Abnahme von Infektionslagen im In- und Ausland angeht. Es besteht also Grund zur Hoffnung, dass ein Flugchaos, wie dieses zu Anfang und Ende der ersten Welle Anfang bis Mitte 2020 eintrat in Zukunft ausbleiben wird. Dennoch ist aber auch absehbar, dass die Coronasituation weiter den internationalen Flugbetrieb wesentlich beeinflussen wird. Zum einen werden zahlreiche Hygienemaßnahmen wohl auch 2020 weiter fortbestehen und evtl. auch noch (z.B. durch Schnelltests) erweitert werden. Zum anderen dürfte es auch zu einem geringeren Flugaufkommen, einigen Umbuchungen und moderat höheren Flugpreisen kommen.

Pilgertypische Infektionsgefahren

Die Gefahr sich zu infizieren ist nicht nur von der örtlichen Infektionslage, sondern zumindest im genauso hohen Maße von den dort angetroffenen potenziellen Infektionssituationen abhängig. Wer sich z. B. in München regelmäßig auf dem Weg zur Arbeit in belebten Straßen und öffentlichen Verkehrsmitteln aufhält, setzt sich hier wohl einem wesentlich höheren Risiko aus als z. B. ein Camper an einem einsamen spanischen Strand. Da man sich als Pilger im Wesentlichen im Freien auf dem Weg aufhält und es dort ohne weiteres möglich ist, mehr als 10 Metern Abstand zum nächsten Pilger zu halten, erscheint die Infektionsgefahr in dieser Situation sehr gering. Sie steigt beim Durchqueren von betriebsamen Städten und Ortschaften etwa an, was im normalen Tagesablauf aber eher die Ausnahme als die Regel darstellt.

Wesentlich kritischer erscheint auf den ersten Blick dagegen die Unterbringung in den Herbergen und hier vor allem das Übernachten in den Schlafsälen. Schon ab Wiedereröffnung des Weges wurden hier deshalb weitreichende verpflichtende Hygienemaßnahmen ergriffen wie z.B. die Begrenzung der Kapazitäten der Herbergen auf ca. 50 %, das Verwenden von Desinfektionsmitteln, die Pflicht des Tragens von Gesichtsmasken in den Gruppenräumen und die Schließung oder sehr begrenzte Verwendung der Gemeinschaftsküchen.

Zahlreiche Kritiker betrachteten die so von den zuständigen örtlichen Epidemiologen und Behörden verordneten strengen Maßnahmen dennoch als gänzlich unzureichend zur Vermeidung eines erhöhten Infektionsgeschehens auf den Jakobswegen. Wilde Gerüchte von der Pflicht des Tragens von Masken während des Schlafens in den Schlafsälen machten unter den Pilgern die Runde … Insgesamt stellte gerade dieser Aspekt so den wohl umstrittensten Problembereich unter Experten und Pilgern dar.

Wenngleich das Coronavirus immer für Überraschungen gut ist, kann aber aus den 2020 praktisch gesammelten Erfahrungen das vorläufige Resümee gezogen werden, dass sich diese Bedenken bisher aber nicht bestätigt haben. Die Schlafsäle der Herbergen waren solcher Vermutungen zum Trotz nämlich dank der getroffenen Hygienemaßnahmen bisher erfahrungsgemäß keine Orte eines ausgeprägten Infektionsgeschehens und dies, obwohl nicht wenige Herbergen während einiger Wochen im Sommer durchaus bis zur Grenze ihrer nun stark reduzierten Kapazität belegt waren. Die Disziplin unter den Pilgern und den Hospitaleros wurde als meist gut beschrieben und nur selten fanden sich Berichte von Pilgerpartys und überbelegten Schlafsälen.

Es zeigte sich darüber hinaus, dass die Unterbringung in Pensionen und Hotels an Beliebtheit gewann, da hier ein noch geringeres Infektionsrisiko zu vermuten ist.

Die Küchen der meisten Herbergen waren – wenn vorhanden – meist nur eingeschränkt verwendbar – weshalb die Pilger dann erfahrungsgemäß öfter auf Bars und Restaurants auswichen. Auch hier liegt naturgemäß ein höheres Infektionsrisiko vor. Da diese aber im Sommer gewöhnlich auch das Servieren von Speisen im Außenbereich anbieten, lässt sich auch hier das Risiko deutlich minimieren.

Üblicherweise tätigt man als Pilger auch kleinere und damit häufigere Einkäufe in Lebensmittelläden als zu Hause. Sicher stellt auch dies ein reelles Infektionsrisiko dar, das aber dadurch minimiert werden kann, dass eben nur ein Pilger einer Pilgergruppe den Laden betritt und sich auch kürzer dort aufhält, als bei einem Wocheneinkauf zu Hause.

Insgesamt zeigte sich bei den Tests von Urlaubsheimkehrern, dass sich vorwiegend zurückgekehrte Heimaturlauber z. B. aus dem Balkan infizierten, die sich dort oft im engeren Kontakt mit Freunden und Familienangehörigen befanden. Unter den Touristen und Outdoorurlaubern, die aus den klassischen Urlaubsländern wie Spanien und Italien zurückkehrten, fanden sich dagegen erwartungsgemäß eher wenige Infektionsfälle.

Prognose für 2021: Auch wenn die Pilgerszene was Coronaerkrankungen angeht 2020 offenbar mit einem blauen Auge davongekommen ist, lässt sich hier keineswegs eine Garantie für 2021 ableiten. Es ist zu hoffen, dass die bisher verbreitete Disziplin auf allen Seiten keiner Pandemiemüdigkeit – und somit einem gefährlichen Schlendrian bei der weiteren Durchhaltung der Hygieneregeln – weicht. Es erscheint absehbar, dass die Coronapandemie auch noch 2021 zunächst eine Gefahrensituation auf dem Weg darstellen wird und deshalb vorerst weiter mit Hygienemaßnahmen zu rechnen ist. Die derzeitige Entwicklung gibt aber auch durchaus Anlass für Hoffnung: Regelmäßige Schnelltests bei der Einreise und auf den Jakobswegen könnten für eine höhere Sicherheit sorgen und auch die anlaufende Impfung der spanischen und portugiesischen Bevölkerung wird das Infektionsrisiko gegenüber den Pilgern Schritt für Schritt senken.

Mögliche Probleme bei Unterkunft und Verpflegung

Nach Öffnung der Wege stellte sich die Herbergssituation zunächst stellenweise etwas unsicher und chaotisch dar, da einige Herbergsbetreiber von der dann doch schnellen Wiedereröffnung überrasch wurden und sich zunächst nicht in der Lage sahen, die geforderten Hygienemaßnahmen sofort umzusetzen. Einige Hospitaleros verzichteten zunächst auf eine Widereröffnung, da sie selbst oder Familienmitglieder eine Risikogruppe angehören oder sie noch vorerst keine ausreichende Nachfrage an Übernachtungsmöglichkeiten vermuteten.

Die widereröffneten Unterkünfte konnten dann – insbesondere im Falle der Herbergen mit großen Schlafsälen – nur mit einer Kapazität von ca. 50 % der Betten dienen. Innerhalb von wenigen Wochen klärte sich die Lage aber und so waren dann auf den meisten bekannten Wegen genügend Betten für die dann allerdings zunächst auch wesentlich weniger Pilger vorhanden. Besonders gut stellte sich die Lage dabei auf dem Caminho Portugués sowie in ganz Galicien und Asturien dar. Probleme gab es – auch aufgrund der dort schlechteren Infektionslage – auf den ersten Kilometern des Camino Francés und des nordspanischen Küstenwegs sowie der gesamten Via de la Plata.

Die Wiedereröffnung von Pensionen und Hotels verlief von Anfang an unproblematischer und so stellte diese 2020 ein wichtiges zuverlässiges Standbein bei der Unterbringung von Pilgern dar.

Was die Versorgung durch Restaurants, Bars und Lebensmittelläden angeht, so kam es 2020 selten zu Problemen, wenngleich auch hier natürlich die üblichen Hygienemaßnahmen den Alltag prägten.

Prognose für 2021: Es ist zu vermuten, dass auch 2021 wieder nach und nach eine bedeutende Zahl an Herbergen ihren Betrieb aufnehmen wird. Von einer permanenten Schließung aufgrund Geschäftsaufgabe oder persönlichen gesundheitlichen Gründen ist m.E. in nicht mehr als 25 % der Fälle zu rechnen. Allgemein wird die Zahl der zur Verfügung stehenden Betten zumindest in den ersten Monaten besonders in den großen Herbergen weiter wesentlich reduziert sein. Es ist aber auch wieder damit zu rechnen, dass der Pilgerstrom zunächst erst langsam ins Rollen kommt und so können sich dann Angebot und Nachfrage erneut ausgleichen. Sicher ist dies aber nicht – was aber im Grunde keine neue Situation darstellt, da man auf dem Jakobsweg auch in normalen Jahren nie ganz sicher sein kann ohne Probleme ein Bett zu bekommen. Auch 2021 wird wohl deshalb – ebenso wie schon 2020 – die Möglichkeit des Reservierens von Übernachtungsmöglichkeiten per Handy, Internetportalen und Reiseagenturen eine hohe Beliebtheit genießen.

Mögliche Wegsperrungen und Behinderungen auf dem Weg

Während des ersten Lockdowns war der Jakobsweg zwar in Teilen später wieder geöffnet, aber praktisch doch kaum begehbar, da keine geöffneten Unterkünfte zu finden waren. Seit der Wiedereröffnung im Juni bis zum Shutdown im Oktober kam es nur an wenigen Hotspots für wenige Tage zu einer praktischen Sperrung des Weges, da man die betroffenen Regionen dann zwar betreten aber bis zum Absinken der Infektionszahlen nicht wieder verlassen durfte. Da die Sperrungen aber rechtzeitig angekündigt wurden, konnten die entsprechenden Gebiete dann von den Pilgern rechtzeitig verlassen bzw. umgangen werden. So kam es dann auf den Küstenweg und den Camino Francés nur während weniger Tage zu Sperrungen von je 2 bis 3 Tagesetappen. Anfangs wurden den Pilgern dann kostengünstige Sammeltaxis organisiert, mit welchen Sie die betreffenden Regionen kostengünstig abkürzen konnten. Später wurden dann z. B. im Falle einer Sperrung um Burgos kostenlose Pilgerbusse angeboten.

Ob und wo Pilger auf dem Jakobsweg zum Tragen einer Gesichtsmaske verpflichtet waren, stellte 2020 eine reichlich unklare Reglung dar. Anfangs war dies kaum der Fall – später wurde dies an verschiedenen vielbesuchten Orten mehr oder weniger verpflichtend. Der Pilger, der sich genötigt sah, mit der Gesichtsmaske durch den einsamen Wald zu pilgern blieb aber von einigen kuriosen Einzelfällen abgesehen, eher eine Legendengestallt aus dem Reich der Sensationspresse. Insgesamt erschien die Praxis der Maskenpflicht um und auf dem Jakobsweg in den Augen der meisten Pilger im Rahmen eines gesunden Menschverstandes durchaus nachvollziehbar.

Medizinische Versorgung und Quarantäne vor Ort im Infektionsfall
Der Hauptgrund für die hohen Sterblichkeitszahlen in Spanien war während der ersten Welle vor allem der Überlastung des Gesundheitssystems in Ballungsgebieten wie z. B. Madrid zuzuschreiben. In der zweiten Welle, in der es kaum zu derartiger Überlastung mehr kam lag die Sterblichkeit bereits um ein Vielfaches niedriger. Touristen, bei denen im Sommer 2020 eine Coronaerkrankung bekannt wurde, wurden in speziell dafür „reservierten“ Hotels untergebracht und bei gravierenden Symptomen in den nächsten Krankenhäusern verlegt. Ein derartiger Urlaubsverlauf gestaltet sich natürlich unerfreulich. Es wurden aber zum Glück nur sehr wenige Infektionsfälle von Pilgern bekannt. Wer für wenige Euro eine Reiserücktransportversicherung für den Krankheitsfall abschließt, kann (nur) dann, wenn es im Genesungsverlauf zu ernsteren Komplikationen kommt, mit einem kostenlosen Krankenrücktransport ins Heimatland rechnen.

Erhöhte Reisekosten

Die Kosten für Flüge, die aufgrund der Coronasituation ausfallen, müssen von den Fluggesellschaften in der Regel vollständig zurückerstattet werden, was derzeit allerdings einige Zeit dauern kann. Das kurzfristige Buchen von Ersatzflügen könnte dann aber allerdings gelegentliche etwas teurer ausfallen. Das Gleiche gilt auch für kurzfristig gebuchte Rückflüge, wofür aber 2020 meist nur im Zuge des ersten abrupten Lockdowns eine zwingende Notwendigkeit bestand.

Die meisten Herbergen beließen die Preise 2020 auch trotz Corona auf dem gleichen Niveau wie ohnehin vorab angekündigt. Lediglich 20 bis 30 % hoben die Preise als Reaktion auf die Pandemie, um 2 bis 3 € an umso die Hygienemaßnahmen zu finanzieren. Pilger, die bisher vorzugsweise selber in den Küchen der Herbergen kochten, mussten etwas öfters auf eine Verköstigung in Restaurants oder Bars ausweichen, wo Sie aber die gleichen, meist ohnehin günstigen Preise, vorfanden wie auch vor der Pandemie. Insgesamt führte die Coronasituation also kaum zu zwangsläufig wesentlich höheren Kosten.

Prognose 2021: Vermutlich werden 2021 die Preise für die Flugreisen wie schon erwähnt moderat ansteigen. Eine Verteuerung für Unterkunft und Verpflegung von mehr als € 2 pro Person und Tag ist aber kaum zu erwarten.

Grenzschließungen, Reisewarnungen, Test-, Impf- und Quarantänepflicht
Bei den oben genannten Maßnahmen handelt es sich nicht allein um epidemiologisch gebotene, sondern vor allem auch um (m. E. Großteils nachvollziehbare) politische Entscheidung, die in der Vergangenheit daher zahlreichen Anlass für politische und juristische Auseinandersetzungen lieferten und deshalb auch entsprechend oft geändert wurden. Wenn man bedenkt, dass die Infektionszahlen beim Verfassen dieses Textes Ende 2020 in Bayern seit Wochen wesentlich höher lagen als in den meisten Teile Spaniens, wofür aber nach wie vor eine Reisewarnung besteht, wird hier m. E, eine gewisse Paradoxie deutlich, die an dieser Stelle aber nicht erschöpfend thematisiert werden kann.

In der Gesamtschau des oft chaotischen Regelwirrwarrs während des Jahres 2020 kann aber zusammenfassend festgestellt werden, dass mit Ausnahme der Zeit der schnellen dramatischen Zuspitzung der Situation Anfang 2020 die meisten Einschränkungen rechtzeitig öffentlich bekannt gegeben wurden oder zumindest vorhersehbar waren. In der Praxis kam es daher kaum zu bösen Überraschungen, auf die man sich nicht hätte rechtzeitig einstellen können. Somit blieben negative Folgen wie eine längere Quarantäne nach Rückkehr meist aus.

Prognose für 2021: Verschiedene europäische Länder werden wohl auch weiter einerseits durch eine solche restriktive (Symbol-) Politik die Absicht verfolgen, besorgen Bürgern ihres Landes (zumindest ein Gefühl der) Sicherheit durch Abgrenzung zu vermitteln. Andererseits kann wohl auch weiterhin insbesondere im Sinne des europäischen Gedankens kaum ein politisches Interesse darin bestehen, die Grenze wieder quasi dich zu machen und so die Sommerreisesaison 2021 durch zu strenge Reglementierungen zu sehr abzuwürgen. Auch 2021 wird es also vermutlich wieder zunächst zu verschiedenen Einschränkungen und Kontrollmaßnahmen im Zuge des Urlaubsreiseverkehrs kommen. Da aber im Laufe des Frühlings und Sommers wieder mit einer Abnahme der Infektionszahlen und auch einer verbesserten Situation was die Verfügbarkeit von Schnelltests und Impfungen angeht zu rechnen ist, besteht die Hoffnung, dass die Situation sich weiter entspannt und aufgrund der bisherigen Erfahrung dann auch übersichtlicher gestaltet werden wird, als dies noch 2020 der Fall war.

Verantwortung gegenüber den Menschen im Gastgeberland und bei Rückkehr in der Heimat
Sicher setzen Sie sich, wie bereits oben näher beschrieben als Pilger einem gewissen Infektionsrisiko aus (das aber von Fall zu Fall durchaus auch niedriger liegen kann als in der jeweiligen heimatlichen Umgebung). Und natürlich kann dies nicht nur eine Gefahr für Sie selber sondern auch für die sie umgebenden Mitmenschen bedeuten. In zahlreiche Foren wurde daher kontrovers darüber gestritten, ob es als verantwortungsbewusst bezeichnet werden könne, die Bevölkerung des Gastlandes nur deshalb einer Infektionsgefahr auszusetzen, weil man meint, dem persönlichen Interesse eines erholsamen Urlaubes nachgehen zu müssen. Der Einwand erscheint berechtigt, aber die Abwägung hierüber, ob der örtlichen Bevölkerung letztendlich mit einer Einstellung des Tourismus eher gedient ist, als dass ihr dies schadet, haben in erster Linie die demokratisch gewählten Volksvertreter der Gastländer selbst zu fällen. Die Einnahmen durch den Fremdenverkehr stellen nämlich durchaus keinen verzichtbaren Luxus dar. Sie prägen viele Einzelschicksale der im dort beschäftigen Menschen und haben ebenso auch mittelbaren Einfluss auf die ohnehin prekäre Finanzlage der örtlichen Sozial- und Gesundheitssysteme.

Natürlich bleibt es ungeachtet dieser politischen Vorentscheidungen dem einzelnen Herbergsbetreiber und Pilger überlassen, aufgrund persönlichen Risikoüberlegungen oder Grundüberzeugungen auf eine Öffnung der Herberge bzw. auf das Antreten einer Pilgerreise zu verzichten. Ebenso besteht auch für jeden weiterhin eine besondere Verpflichtung auf das Wohle der Menschen des Gastlandes zu achten. Das Einhalten der örtlichen Hygieneregeln sollte also mehr als selbstverständlich sein und wenn Sie es sich leisten können, sind Sie dazu aufgerufen den in Schieflage geratenen Pilgerherbergen und Speiselokalen mit reichlich Trinkgeld und unaufgeforderten freiwilligen Spenden den Rücken zu stärken.

Zurück zu Hause sind es ihren Mitmenschen schuldig (über die evtl. ohnehin verpflichtenden Schutzmaßnahmen hinaus) alles zu tun, um die Weitergabe einer evtl. unentdeckten Coronainfektion zu vermeiden.

Persönliches Pilgererleben in der Coranasituation
2020 waren trotz der Coronakrise nicht wenige Pilger auf den spanischen und portugiesischen Jakobswegen unterwegs und berichteten an verschiedenen Stellen von ihren persönlichen Erlebnissen. Die Schilderung der Eindrücke fiel hierbei durchaus vielseitig und unterschiedlich aus. Nicht wenige blickten in diesem Jahr auf eine besonders intensive Pilgererfahrung zurück, in der sich die Pandemie für sie eher als Vorteil erwies, da man den Weg nun Dank der gesunkenen Pilgerzahlen stellenweise fast schon für sich alleine hatte. Auch die Kontakte zwischen den Pilgern wurden von einigen gerade wegen der Krisensituation als besonders intensiv und persönlich bereichernd erlebt. Selbstverständlich sahen dies nicht alle Pilger in gleiche Weise so und dass Pilger wegen der auf dem Weg erlebten Unwegsamkeit ihre Pilgerreise schließlich frustriert abbrachen, war durchaus auch in einigen Fällen zu beobachten.

Die Art und Weise wie man den Jakobsweg in der Coronakrise erlebt hängt dabei wie so vieles andere auch – wohl zum einen von den dort persönlich vorgefundenen Gegebenheiten und ebenso auch von dem „Auge“ des Betrachters selber ab. Kurz nach Wiedereröffnung der Wege waren so vorerst nur wenige erste „Pioniere“ unterwegs. Diese fühlten sich dann, (wie z. B. ich selber), an die gute alte Zeit erinnert, als Pilgern noch nicht so von der Gefahr bedroht war, ein immer seichterer hipper Wellnessurlaub für immer größere Menschenmassen zu werden … Später folgte dann eine etwas größere Zahl an Pilgern und die Stimmung änderte sich wieder etwas in Richtung der gewohnten „Normalität“. Mit den erneut steigenden Infektionszahlen trübte sich auch die Stimmung unter einigen Pilgern ein, welche diese Situation als zunehmend belastend empfanden … andere wiederum nahmen dieses Geschehen eher mit der vielgepriesenen Gelassenheit eines Pilgers hin.

Insgesamt entsteht beim mir der Eindruck, dass die meisten der Pilger, welche 2020 den Jakobsweg trotz allen Unwegsamkeiten wagten, auf ein für sie lohnendes wenn auch teilweise persönlich herausforderndes Erlebnis zurückblicken, das sie nicht missen wollen.

Prognose für 2021: Pilgern ist und bleibt auch weiter („dank“ Corona) ein persönlich herausforderndes Wagnis, das jeder persönlich erlebt und bewertet – und das ist gut so. Sicher wird der Jakobsweg auch 2021 – insbesondere auch durch die Pandemie – eine Herausforderung bleiben, die nicht für jeden bestimmt ist und immer eine bewusste persönliche verantwortliche Entscheidung voraussetzt. Aus den Unwegsamkeiten auf unterwegs erwächst aber auch manche Chance und wo wieder die „Normalität“ einkehrt, öffnet sich der Weg auch wieder einer größeren Menge an Interessenten … verliert dann aber in gleicher Weise vermutlich auch wieder etwas seines besonderen Reizes fern des gewohnten Alltäglichen.

Resümee und Ausblick
Auch wenn es Anfang 2020 noch so schien, als wäre Pilgern auf den Jakobswegen in Spanien und Portugal bis auf weiters in das Reich der Träume verbannt, begann zu Mitte des Jahres wieder mit langsamen Schritten die Pilgersaison. Auch wenn wir nun (Stand 13.12.2020) wieder unmittelbar vor einem erneuten harten Shutdown in Deutschland stehen – wird auch 2021 wieder ein Frühling kommen – und sich dann – irgendwann erneut die ersten Pilger auf ihren Weg wagen. 🙂

Es ist zu vermuten, dass auch das Pilgerjahr 2021 weiter durch die Coronakrise geprägt sein wird, aber es besteht bei aller gebotenen Vorsicht auch viel Grund zur Hoffnung. Es scheint durchaus im Rahmen des Möglichen liegen, dass dank der fortgeschrittenen Erfahrungen und der neuen technischen und medizinischen Möglichkeiten wie Coronaschnelltests und Impfungen die kommende Saison nicht wie im vergangenen Jahr erst im Juni, sondern evtl. schon im Mai oder April eröffnet werden könnte und dann auch mit immer weniger Einschränkungen zu rechnen ist.

Schritt für Schritt in Gelassenheit Zuversicht zu leben ist einer der viel gepriesenen Pilgertugenden und dies einzuüben, dafür bietet die derzeitige Coronasituation genügend Möglichkeiten.

Wo ein Wille da – früher oder später – auch ein Weg!
Zuletzt geändert von Raimund Joos am 22. Jan 2021, 16:05, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Meine ausführliche zusammenfassende Einschätzung zum Thema "Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?"

Beitrag von Odelaine » 13. Jan 2021, 09:57

Nur Mut!
Wir sind 2020 gepilgert und werden es auch 2021 wieder tun. ;)
von Görlitz über Einsiedeln und Lourdes nach Gasteig (Baskenland)

Tom1969
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Re: Meine ausführliche zusammenfassende Einschätzung zum Thema "Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?"

Beitrag von Tom1969 » 13. Jan 2021, 15:43

Am liebsten würde ich sofort los. Alles leider gerade bissl schwierig im Moment.

Aber für den Sommer bin ich einigermaßen optimistisch.. :D

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Re: Meine ausführliche zusammenfassende Einschätzung zum Thema "Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?"

Beitrag von Sabrina » 20. Jan 2021, 10:04

Vielen Dank für diese ausführliche Einschätzung! Ich plane immer noch an meinem ersten Camino, nachdem ich letztes Jahr wegen Corona nicht gehen wollte.

Vielleicht korrigierst du das hier noch?!
Wesentlich kritischer erscheint auf den ersten Blick dagegen die Unterbringung in den Herbergen und hier vor allem das Übernachten in den Schlafsälen. Schon ab Wiedereröffnung des Weges wurden hier deshalb weitreichende verpflichtende Hygienemaßnahmen ergriffen wie z.B. die Begrenzung der Kapazitäten der Herbergen auf ca. 50 %, das Verwenden von Infektionsmitteln, die Pflicht des Tragens von Gesichtsmasken in den Gruppenräumen und die Schließung oder sehr begrenzte Verwendung der Gemeinschaftsküchen.


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Re: Meine ausführliche zusammenfassende Einschätzung zum Thema "Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?"

Beitrag von Via2010 » 21. Jan 2021, 10:58

Wer dieses Jahr Pilgern gehen möchte, wird vermutlich Möglichkeiten finden, das umzusetzen.

Was ich aber sehr schade finde: Viele gemeindliche oder kirchliche Donativo-Herbergen sind noch geschlossen, entweder, weil es an finanziellen und/oder räumlichen Möglichkeiten fehlt, die Hygieneauflagen umzusetzen oder weil sich derzeit keine freiwilligen Hospitaleros finden.

Ich hoffe doch sehr, dass sich das spätestens im Sommer ändert.

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Re: Meine ausführliche zusammenfassende Einschätzung zum Thema "Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?"

Beitrag von Hobbypilger » 21. Jan 2021, 19:26

Via2010 hat geschrieben:
21. Jan 2021, 10:58
Ich hoffe doch sehr, dass sich das spätestens im Sommer ändert.
Das wäre sehr erfreulich. Ehe ich geimpft bin würde ich jedoch nicht gehen. Es ist noch abschließend zu erforschen ob Geimpfte im Fall einer neuen Ansteckung, die ihnen selbst wenig ausmachen sollte, das Virus weitergeben können. Sofern ja, würde ich auch nicht gehen.

Ciao
Detlef
Sept. 2018 Camino Francés (SJPdP - Santiago)
März 2020 Camino del Norte (Bilbao - Santander, Abbruch wegen fehlender Übernachtungsmöglichkeiten bis Santiago)

Tom1969
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Re: Meine ausführliche zusammenfassende Einschätzung zum Thema "Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?"

Beitrag von Tom1969 » 22. Jan 2021, 09:47

"Sofern ja, würde ich auch nicht gehen."

Das ist zwar löblich, hätte aber zur Konsequenz, dass du nie wieder den camino gehen wirst. Es werden nie alle geimpft sein

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Re: Meine ausführliche zusammenfassende Einschätzung zum Thema "Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?"

Beitrag von Hobbypilger » 22. Jan 2021, 17:06

Tom1969 hat geschrieben:
22. Jan 2021, 09:47
Das ist zwar löblich, hätte aber zur Konsequenz, dass du nie wieder den camino gehen wirst. Es werden nie alle geimpft sein
Da hast du natürlich recht. Ich war zu unpräzise. Auch löblich finde ich es von mir nicht, sondern es entspricht eher einem normalen Umgang mit Corona wie ich es mir wünsche. Mir ist schon klar, dass andere Wünsche auch bevorzugt werden.

Ich hoffe das allen relativ schnell eine Impfung angeboten wird.
Zudem bin ich zuversichtlich, dass ab Mitte oder Herbst des Jahres Medikamente vorhanden sein werden die auch Erkrankten helfen. So das Corona ähnlich wie Grippe zu beherrschen ist.

Ciao
Detlef
Zuletzt geändert von Hobbypilger am 22. Jan 2021, 18:01, insgesamt 1-mal geändert.
Sept. 2018 Camino Francés (SJPdP - Santiago)
März 2020 Camino del Norte (Bilbao - Santander, Abbruch wegen fehlender Übernachtungsmöglichkeiten bis Santiago)

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chrisbee
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Re: Meine ausführliche zusammenfassende Einschätzung zum Thema "Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?"

Beitrag von chrisbee » 22. Jan 2021, 17:13

In der Pressekonferenz, die die Kanzlerin diese Woche gab, wurde deutlich: Mit der Bereitstellung eines Corona-Impfstoffes für alle gibt die Regierung auch die Verantwortung für eine Infektion an jeden Einzelnen zurück. In Bezug auf Corona entlässt sie sich dann aus der staatlichen Vorsorge-Verpflichtung. Es wird dann auch keine Schließungen mehr geben (auch deshalb, weil man in D. keine „Insel“ sei wie Australien, Neuseeland, Taiwan, wo auch eine andere Politik, nämlich möglichst Null-Neuinfektion möglich sei). Sofern Corona-Mutationen der Regierung keinen Strich durch die Rechnung machen, wird Corona spätestens im 3. Quartal dieses Jahres den Status einer gefährlichen Infektionskrankheit einnehmen, gegen die zu immunisieren jedem freisteht, weil er/sie dann auch den Impfstoff zur Verfügung und die Wahl dafür oder dagegen hat.
Und damit , glaube ich, erledigt sich auch die (moralische) Frage nach der Ansteckungsgefahr, die von mir selbst ausgehen könnte (und mich vom Reisen abhalten könnte). Aber auch das muss jeder selbst für sich entscheiden.
Ob damit auch die volle Reisefreiheit wieder da ist, ist eine andere Frage. Gut möglich, dass einzelne (oder alle Länder) bei der Einreise den Nachweis einer Schutzimpfung verlangen. Wie es ohnehin für etliche Krankheiten üblich ist. Also wieder total normal.
Gruß chrisbee

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Raimund Joos
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Re: Meine ausführliche zusammenfassende Einschätzung zum Thema "Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?"

Beitrag von Raimund Joos » 22. Jan 2021, 18:21

Wenn ich mir eine Fitnesscenter oder eine Pilgerherberge vorstelle, in der nur geimpfte (und evtl getestete) Personen finden macht das was die Infektionsgefahr in diesem Raum angeht wohl keinen Unterschied ob dies nun in 3 Monaten oder erst am Ende des Jahres, wenn fast alle Bürger des Landes (außerhalb des Fitnescenters oder der Herberge) geipft sind der Fall ist.....

Wenn keine oder eine sehr verminderte Infektionsgefahr vorliegt ist es kein "Privileg" wenn das dann für diese kontrollierte Gruppen geöffnet wird sondern es wäre eher eine Schikane denn dort wo keine Gefärdung mehr besteht, besteht auch keine Grund für die Einschränkung von Grundrechten. Wer soll sich in einem Fitnesscenter denn anstecken wenn da nur noch geimpfte drin sind!

Das Argument dass man ja evtl auch geimpft so eine Virus weitergeben kann zieht m.E. nicht so richtig denn dann stellt sich überhaupt die Frage warum man überhaupt impft in der Hoffnung dass dann eine Herdenimunität ausgebildet wird.

Das ist also im Grunde nicht nur eine politische Entscheidung sondern auch eine juristische ... und da hat die Politik schon mehrfach eine auf die Finger bekommen. Man kann da in der Argumentation nicht zweierlei Maß ansetzen. Warum für Sachsen immer noch keine Reisewarnung mit den entsprechenden Vorschirften (Test nach Rückkehr und Quarantäne) gilt obwohl die horrent hohe Zahlen ahaben- verstehe ich bis heute nicht - In Spanien gab man schon bei einer Rate von 50 eine Reisewarnung raus.

In der Praxis wurden auch 2020 die Grenzen geöffnet - und da gab es (anfangs) weder Tests noch Impfungen. Es würde mich also wundern wenn die Grenzen dicht gemacht werden usw...

Aber was nun die Praxis des Pilgerns angeht: Ich meine es macht wenig Sinn sich zu dieser Zeit über dieses Thema zu viele Gedanken zu machen .... In zwei Monaten sieht die Lage wieder ganz anders aus. Dann sind die Personengruppen die zu 80% die Intensivstationen belegen geimpft und dann hat man wesendlich mehr Bewegungsfreiheit was die Infektionszahlen und Gesundheitsversorgung angeht, denn dann ist der drohende Zusammenbruch des Gesundheissysthems kein Argument mehr und jeder kann dann im Prinzip selber entscheiden ob er sich der Gefahr einer Infektion aussetzt oder nicht und sich dann entsprechend verhalten.

BC

Raimund

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Re: Meine ausführliche zusammenfassende Einschätzung zum Thema "Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?"

Beitrag von Tom1969 » 22. Jan 2021, 18:36

Was mir übrigens bei dem Thema "Impfen" immer etwas unangenehm aufstößt:

a) Es wird immer von möglichen "Privilegien" Geimpfter gesprochen. Die Rücknahme von Einschränkungen der Grundrechte ist IMHO kein Privileg

b) "Impfplicht" ist in Deutschland anscheinend ein unerwünschtes Wort. Wieso eigentlich? Lehrer (unterer Jahrgänge) und Erzieher müssen sich gegen Masern Impfen lassen, Kinder an öffentlichen Schule der entsprechenden Jahrgänge ebenso. Pfleger in Altenheimen etc. sehen das offensichtlich etwas entspannter. Sind Masern also die größere Gefahr?

c) Ein Bekannter von mir arbeitet in Österreich in einer Pflege-Einrichtung, da schaut es ähnlich aus wie bei uns. Kleine Anekdote: Eine Umfrage unter Bewohnern und Personal ergab eine durchschnittliche Impfbereitschaft um die 50 %. Dann kam ein Anruf: Morgen wird geimpft, wir haben genug für alle, kommen aber im nächsten Jahr nicht mehr bei euch vorbei. Resultat: > 90 % waren am Ende des Tages geimpft.

Der Beitrag ist etwas "off topic", das ist mir auch klar. Ich frage mich nur nur immer mehr, was unsere sogenannten Grundrechte eigentlich wert sind und warum ein Pieks anscheinend als größere Einschränkung angesehen wird.

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Raimund Joos
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Re: Meine ausführliche zusammenfassende Einschätzung zum Thema "Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?"

Beitrag von Raimund Joos » 22. Jan 2021, 19:06

Geht eigentlich am Thema Jakobsweg vorbei .... oder evtl doch nicht wie ich später noch zeigen werde...

Ich denke es ist einerseits irgenwie unlogisch eine Impflicht zu fordern. Wenn mein Kind geimpft wurde dann kann ich es ja wohl ohne Bedenken in den Kindergarten schicken auch wenn dort ungeeipfte Kinder drin sind... Oder habe ich so große Zweifel daran dass die Impfung wirkt?

Das gleiche gilt m.E auch für Corona ... was geht es mich an ob sich ein anderer impfen läßt wenn ich doch selber geipft und somit zu mehr als 90% sicher bin. Da Corona auch mit Impflicht kaum ausgerottet werden kann macht also eine Ipfplicht m.E. keinen Sinn und ist somit eher kontraproduktiv.

Was nun besondere Berufsgruppen angeht sieht das m.E. teilweise etwas anders aus... Wer in der Gastronomie tätig ist unterliegt auch besonderen Gesundheitsbestimmungen - das gehört einfach zu seinem Beruf. Und wenn ich als Reisleiter einen Personentransporter fahre muss ich vorher einen neueren Augentest nachweißen ... Schließlich hat ja keiner Lust sich von einem halb blinden fahren zu lassen - er hat ja immerhin wie auch bei einem Taxi dafür bezahlt professionell tranportiert zu werden.

Ich meine also bei bestimmten Berufsgruppen die im Gesundheistdienst tätig sind wäre da eine Impfpflicht schon eher angebracht ..... und um auf den Jakobsweg zurück zu kommen: Für Personen die im Tranportgewerbe (Flugunternehmen) und Fremdenverkehr (Pilgerherbergen) tätig sind sollten da schon nicht ohne sehr guten Grund so eine Impfung ablehnen können. Ich habe ja keine Lust mir schon bei der Begrüßung in der Herberge den Virus zu holen wenn meine Impfung evtl doch nicht (mehr) vollständig wirkt ...

BC

Raimund

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Re: Meine ausführliche zusammenfassende Einschätzung zum Thema "Pilgern in Spanien und Portugal zu Coronazeiten?"

Beitrag von Tom1969 » 22. Jan 2021, 19:39

Ist echt ein schwieriges Thema.

Schön wäre halt, wenn die Impfquote so hoch ist, dass wieder ein Leben ohne von oben diktierte Einschränkungen möglich ist. Ansonsten bin ich voll bei dir: Jeder ist seines Glückes Schmied und wer sich nicht impfen lassen will, der will halt nicht und muss ggf. mit Einschränkungen leben.

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