Wieder Italien - Via Francigena

Auf den Spuren des Franz von Assisi und auf anderen Wegen in die ewige Stadt
Shabanna
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Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Shabanna » 11. Aug 2020, 08:11

Shabanna hat geschrieben:
9. Aug 2020, 20:11
... dann runter ans Wasser (wirst du über Marina di Massa gehen?) ...
Jam hat geschrieben:
10. Aug 2020, 13:21
Mein Weg von Fidenza soll mich u.a. über Pontremoli, Aulla, Massa, Pietrasanta, ....
Ja, der offizielle Weg führt über Hügel landeinwärts über Massa weiter nach Pietrasanta. Im Rother wurde dann eine kleine Variante beschrieben, die über Marina di Massa (also direkt ans Meer) und von dort aus nach Pietrasanta führt. Dieser Weg ist nicht ausgeschildert, aber man kann sich nicht verlaufen - einfach immer Richtung Meer orientieren :) Die meisten nehmen diesen Schlenker (der eher eine Abkürzung ist), zumal Massa nicht grade ein Highlight ist und die Unterkunftssituation schlecht.

Marina di Massa hat den etwas melancholischen Flair einer glanzvollen Urlaubshochburg aus den 70er Jahren - hier und dort ahnt man, was hier wohl mal los war ...

Aber es gibt einige Unterkünfte, gutes Essen und ... ja, das Meer!

LG,
Andrea

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Jam
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Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Jam » 11. Aug 2020, 16:00

Danke Andrea,

deine Tipps helfen mir sehr weiter. Die empfohlene Variante über Marina di Massa habe ich mir angeschaut und aufgezeichnet.

LG Heribert
Zuletzt geändert von Jam am 13. Aug 2020, 09:54, insgesamt 1-mal geändert.
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vogelnest588
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Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von vogelnest588 » 12. Aug 2020, 20:14

Hallo miteinander,

ich bin neu hier und auch ganz neu was das Pilgern angeht. Da ich einen Teil des Via Francigena pilgern möchte, habe ich jetzt dieses Thema genutzt, anstatt ein neues Thema zu öffnen. Ich hoff, das ist okay so. Ich habe schon Berg-Hüttenwanderungen gemacht, letztes Jahr zum Beispiel im Zillertal und bin auf jeden Fall für die Strecken trainiert.
Jetzt habe ich Lust das Pilgern auszuprobieren und da passt es eigentlich gut, dass Bekannte von mir ab dem 6.9.2020 in Bolsena am Bolsena-See sind. Meine Überlegung ist nun, dass ich mich eine Woche schon auf mache und von Siena nach Bolsena pilgere. Frage vorab, weil ich verschiedene Aussagen gehört habe: Ist der Weg schön oder sehr asphaltiert? Gibt es eigentlich Wegmarkierungen/-beschilderungen oder sollte ich mich doch ans GPS halten?
Habt ihr Tipps, wie ich am besten von Stuttgart oder München nach Siena komme? Gibt es da gute Reiseseiten? Wie komme ich dann bestenfalls zum Ausgangspunkt der Wanderung, z.B. in Siena? Mit Bus und Taxi?

Eine ungefähre Route, je nach Übernachtungsmöglichkeiten, wäre die, die ich von diesem Anbieter Pures Reisen gefunden habe:
1. Tag: Siena – Buonconvento (ca. 34 km, ca. 150 Höhenmeter)
2. Tag: Buonconvento – San Quirico d´Orcia (23 km, 500 Hm)
3. Tag: San Quirico d´Orcia – Radicofani (25 km, 550 Hm)
4. Tag: Radicofani – Agriturismo S. Apollinare (21 km, 440 Hm)
5. Tag: Agriturismo S. Apollinare – Acquapendente (18 km, 340 Hm)
6. Tag: Acquapendente – Bolsena (23 km, 220 Hm)
Ist diese empfehlenswert oder habt Ihr weitere / gute Tipps zur Route? Vor allem auch zu den Unterkünften?
Leider kann ich kein Italienisch (verstehe durch Spanisch- und Französisch-Kenntnisse aber etwas) und komme bei einigen Organisationsfragen nicht weiter, weshalb ich mich hiermit an Euch wende. Zum Beispiel verstehe ich nicht ganz, wie ich Pilgerunterkünfte organisieren kann. Ich habe hier im Thread den Link gesehen, zu den geöffneten Pilgerunterkünften in Corona-Zeiten, vielen Dank! Wenn ich online nach Unterkünften, wie booking, suche, dann kosten die oft jenseits der 50 Euro für eine Nacht. Ist das normal? Das würde mein Budget erheblich übersteigen. Oder was sind das für Unterkünfte in dem Link? Ich hatte gedacht, dass Pilgerunterkünfte weniger als 20 Euro/Nacht kosten.. Gibt es dabei irgendwas zu beachten? Gibt es dazu auch eine Buchungs-/Reservierungsseite ähnlich wie ich das von Hütten auf Bergwanderungen kenne? Oder ist es immer einzeln anzufragen? Brauch ich einen Schlafsack?

Sorry für die vielen Anfänger-Fragen! Ich hoffe ihr habt Verständnis für meine "komischen" Fragen und könnt mir viel mit Euren Erfahrungen weiterhelfen und Tipps geben.

Bin über jede Antwort und jeden Tipp dankbar!

Viele Grüße
vn

Shabanna
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Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Shabanna » 12. Aug 2020, 22:28

Hey vogelnest,

herzlich willkommen im Forum!

Ich habe mir deine Etappenplanung mal angesehen ... und finde die - ehrlich gesagt - nicht so ganz ideal. Kannst/willst du wirklich am ersten Tag 34 km gehen? Dann: Hast du dir das erwähnte Agriturismo mal angeschaut? Schön, aber ... teuer. Ich frage mich, warum die Etappe genau da enden soll? Die Etappe San Quirico - Radicofani ist definitiv um einiges länger, hier stimmen die angegebenen Kilometer nicht. Sie kann aber geteilt werden. Gallina bietet sich dafür an, da gibt's ein paar nette B&Bs.

Kurzum: Warum kaufst du dir nicht eines der gängigen Büchlein (Rother oder Outdoor)? Damit kannst du deine Etappen super planen und du hast zudem noch die Unterkünfte drin, mit Kontaktdaten und Preisen. Auch in den oben verlinkten Unterkunftslisten findest du ja E-Mail-Adressen. E-Mail-Adressen haben den Vorteil, dass du deine Reservierungsanfragen vorher mit Google ins Italienische übersetzen lassen kannst. Einige Hospitaleros (vor allem die jüngeren) sprechen natürlich auch englisch. Und tatsächlich habe ich bei Mitpilgern festgestellt, dass man mit Spanisch auch ganz gut durchkommt.

Die Preise für die Pilgerunterkünfte sind in Italien sehr moderat (wenn auch etwas höher als in Spanien), manchmal gegen Spende. Entsprechend teurer sind natürlich Agriturismi, B&Bs und Hotels. Eine spezielle Buchungsseite kenne ich nicht. Es ist möglich, dass alle Unterkünfte (Ostellos, Klöster, B&Bs, Agriturismi, Hotels) dieses Jahr aufgrund der durchzuführenden Hygienemaßnahmen preislich etwas angezogen haben.

Die Beschilderung auf der VF ist sehr gut. Zur Sicherheit kannst du dir aber auch zusätzlich die Tracks fürs Handy suchen und runterladen. Ich selbst geh nie ohne :) Wenn du dir ein Büchlein besorgst, kannst du dir die Tracks auch über den Verlag herunterladen.

Von München aus kommst du gut mit dem Zug nach Siena. Der EC (tagsüber) oder der Nightjet (über Nacht) fährt durch bis Bologna. Auf Bahn.de findest du alle Verbindungen und Sonderpreise.

In Siena auf die VF zu kommen, ist nicht schwierig, in der Innenstadt finden sich auch Markierungen. Die VF führt quasi mitten durch. Ansonsten kannst du natürlich auch im Ufficio Turistico fragen oder in deiner Herberge. Im Büchlein hast du auch Kartenausschnitte. Übrigens: Es ist gut, in Siena etwas Zeit zu haben. Und wenn du nur zwei Stunden aufm Piazza del Campo sitzt und das besondere Licht auf dich wirken lässt. Siena ist eine meiner absoluten Lieblingsstädte auf der VF.

Der Weg ist schön, allerdings hat er vermutlich nicht sehr viel gemeinsam mit den dir bekannten Berg-/Hüttenwanderungen. Ganz ohne Asphalt geht's auf keiner Etappe.

Ich wünsch dir viel Spaß bei deinen weiteren Planungen! Halt uns auf dem Laufenden.

LG,
Andrea

P.S.: Ich sehe grade, dass der Rother fast überall ausverkauft ist, da er im Februar neu aufgelegt wird. Hier hab ich ihn noch gefunden. Oder ich schick dir meinen leihweise!

vogelnest588
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Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von vogelnest588 » 16. Aug 2020, 15:21

Hallo und schönen Sonntag,

ganz herzlichen Dank, Andrea, für deine ausführliche und sehr hilfreiche Antwort! Das hat mir wirklich sehr geholfen.
Ich habe mir mittlerweile den VF Outdoor-Pilgerführer (VF Lausanne - Rom) geholt und schon viel durchgelesen. Das war echt eine gute Idee und ich konnte mich dadurch viel besser orientieren.
Auch bei komoot habe ich eine gute Strecke gefunden, die meinen Erwartungen entspricht. Mittlerweile plane ich nämlich lange Etappen, aber ich habe auch Lust gut Strecke zu machen:
1) Siena - Ponte D'Arbia: ca. 30 km
2) Ponte D'Arbia - San Quirico D'Orcia: ca. 27,5 km
3) San Quirico D'Orcia - Radicofani: ca. 34,5 km
4) Radicofani - Acquapendente: ca. 23,3 km
5) Acquapendente - Bolsena: ca. 24,3 km

Jetzt geht es für mich ans Organisieren und Kontakt aufnehmen zu den Pilgerunterkünften. Dabei frage ich jeweils eine der gelb markierten Accoglienza pellegrina aus der Liste an. Gibts von euch bei den Etappen Tipps und Empfehlungen? Soo viele sind es derzeit ja gar nicht. Meint ihr ich bin generell dafür zu kurzfristig dran, wenn es in zwei Wochen schon los gehen soll? Gibts coronabedingt Wichtiges zu beachten? Wie kann ich mir so eine accoglienza pellegrina eigentlich vorstellen? Ist das so eine Art rustikales Matratzenlager? Brauche ich Schlafsack und Isomatte?

Freue mich über weitere Tipps!

Viele Grüße
vn

Shabanna
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Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Shabanna » 16. Aug 2020, 16:59

Hey super, vogelnest, da bist du ja schon deutlich weiter gekommen mit deinen Planungen!

Die Pilgerunterkünfte an der VF sind unterschiedlich - von seeehr rustikal bis zum totalen Luxus gibt's alles.

Deine erste Etappe wird dich ins Centro Cresti führen, nehm ich mal an. In Ponte d'Arbia gibt's nur eine Brücke und ein paar Häuser ... und eine Bar, direkt vor der Brücke, die wirst du brauchen nach 30 km ;)
Schau mal hier, da findest du alle Infos: http://centrocresti.it/en/the_structure/
Das Centro Cresti ist gegen Spende, ein Schlafsack ist notwendig.

Ich fand es ganz okay dort, zwar feucht und kalt, aber damals hatte es auch tagelang geregnet und ich war total erkältet. Würde mir das heute passieren, müsste ich vermutlich in Quarantäne, denk ich mir grad :o

Was dort coronabedingt zu beachten ist, findest du hier: http://centrocresti.it/en/guidelines-2/ .

San Quirico ist ein nettes Örtchen, ich war im Ostello Parrocchiale, schau hier:
https://www.parrsanquiricodorcia.it/cas ... erie.html
Da war's ganz okay, es gibt eine Küche, in der wir abends alle zusammen gekocht haben. Äh, das heißt, ich war mit den Männern einkaufen und Rosanna hat gekocht :lol:

Übrigens interessant, was hier über die Hygienevorschriften steht:
Sie müssen das im Preis (15,00 €) enthaltene Einweg-Kit erwerben, das, wie bereits erwähnt, Folgendes enthält: Laken/Kissenbezug + Handtuch + Handwaschgelbeutel. Dieses Kit ist in einem kompostierbaren Beutel untergebracht, in dem am nächsten Morgen die gebrauchten Teile gesammelt werden, die jeder Pilger/jede Gruppe in die entsprechenden Mülleimer wirft. Tragen Sie eine Maske, Seife und Hausschuhe!

Jeder Pilger erhält ein Vademecum des Verhaltens, das zur Annahme unterschrieben wird.


Die letzten 7 oder 8 km bis Radicofani geht's nur bergauf und ich war ganz schön froh, oben angekommen zu sein. Da hast du ne Hammer-Etappe geplant ;) Aber es ist faszinierend dort oben. Es hat ja nur das Rifugio A. Gestri offen, also Fußwaschung bleibt dir erspart (wobei ich fast vermute, dass die eh coronabedingt ausfällt). Bilder siehst du hier: https://pilgrimstorome.org.uk/places/it ... -gestri/

Die offenen Unterkünfte in Acquapendente kenne ich nicht, ich hab's mal kurz überflogen, das scheinen Ferienwohnungen zu sein. Beide Unterkünfte, in denen ich übernachtet habe, sind geschlossen.

Tja, und dann bist du ja schon fast in Bolsena. Der See liegt wunderschön und ich hab von oben tolle See-Sonnenuntergangs-Fotos geschossen. Da hat nur das Santa Cristina offen. Ich war da zweimal ... warum, weiß ich eigentlich nicht so genau :) Die Schwester dort war launisch und seltsam.

Hier auch eine aktuelle Bewertung in Sachen Hygiene:
Ich war gestern, 1. Juli 2020, im Gebetshaus Santa Cristina in Bolsena. Trotz der freundlichen Begrüßung durch Frau Rina muss ich leider darauf hinweisen, dass die Herberge sehr schmutzig war, von den Schlafzimmern über die Badezimmer bis zur Küche. Trotz der Hygienevorschriften von gestern und heute befindet sich dieses Hostel in einem grenzwertigen hygienischen Zustand und muss gründlich und gründlich gereinigt werden. In Bezug auf zukünftige Pilger, die alle das Recht haben, sich an hygienisch korrekten Orten auszuruhen, lade ich die Manager der Herberge ein, dringend Maßnahmen zu ergreifen.

Vielleicht gibt's ja über Booking oder so ein nettes B&B, das würd ich mir schnappen.

Bin gespannt, wie deine Planungen vorangehen. Freu mich auf deine weiteren Infos und natürlich über deinen Erfahrungsbericht, wenn du zurück bist!

LG,
Andrea

Jens
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Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Jens » 31. Aug 2020, 21:54

Liebe Pilgerfreunde,
ich bin in 2 Wochen von Bourg Saint Pierre nach Pontremoli unterwegs und dies zum 3. mal und würde gerne wissen, ob in den Pilgerunterkünften aufgrund von Corona noch Decken vorhanden sind? Bislang konnte ich mit einem dünnen Seidenschlafsack unterwegs sein. Brauche ich jetzt evtl einen warmen Schlafsack?
Danke im Voraus für eure Hinweise.
Jens

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Via2010
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Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Via2010 » 1. Sep 2020, 15:11

Hallo Jens,

das wurde zumindest für die spanischen Herbergen so kommuniziert. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die in Italien das anders handhaben, zumal Andrea oben von Einweg-Bettlaken und Kopfkissenbezügen berichtet. Daher solltest Du einen wärmeren Schlafsack einplanen. In Gebäuden sollten aber, solange Du nicht im Winter gehst, was wohl bei der gewählten Strecke ausscheided, so um die 700 gr, z. B. von Decathlon, ausreichend sein.

BC
Alexandra

Shabanna
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Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Shabanna » 1. Sep 2020, 17:31

Jens, ich möchte nicht zu neugierig sein, aber mich würde interessieren, warum du nun schon zum dritten Mal exakt diese Strecke gehst?

Ich meine, auch die Etappen davor und danach sind ja nicht zu verachten :)

LG,
Andrea

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Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Shabanna » 2. Sep 2020, 13:55

Weil's so schön ist ...

52 Nächte, 45 Tage zu Fuß, 1200 km zurückgelegt. Eine Reise zu Fuß auf der Via Francigena und darüber hinaus, die meine Heimat berührt, gebeutelt und zerrissen von der Pandemie. Ich durchquerte 7 Regionen, von der Magie des Val d'Aosta bis zu den Gerüchen meiner Heimat Lazio, und ging durch halb bekannte Dörfer, die einem den Atem rauben, bis zu den bezaubernden Prärien, die die sonnigen Nachmittage des Hochsommers begleiten. Und ich bin schnell durch die Städte gelaufen, um nicht den Frieden zu verlieren, den nur eine Landstraße, ein Wald oder ein langer Feldweg bieten kann. Ich traf viele Tiere und respektierte sie, indem ich leise war, den Schritt verkürzte und darauf achtete, keinen Lärm zu machen. Im Wald sind wir Gäste einer Welt, die nur der Natur gehört, wir können sie mit Freundlichkeit genießen.

Ich schloss die Augen und lauschte dem Wind, der Luft, der Erde, dem Wasser und dem Feuer im Inneren. Ich könnte nicht ohne Wasser leben, was das Hauptgut für unseren Körper ist, aber vor allem für den Geist. Wenn ich es in Flüssen fließen höre, es von Wasserfällen fallen sehe, seine Tänze und Balancierspiele beobachte, die Ruhe des flachen Meeres, alles an ihm erfüllt meine Seele. Unter dem Sturm zu laufen ist wunderbar, ich würde nie davon träumen, Schutz zu suchen, wenn es regnet. Nicht ich.

Ich schwitzte viel, Tropfen der Gnade, dachte aber nie daran aufzuhören. Mein Weg ist kein Rennen und ich habe keine Ziele zu erreichen. Ich gehe, um mich frei und geschützt zu fühlen. Ich gehe alleine unter vielen. Ich mag es nicht zu wissen, wo ich abends sein werde, wo ich schlafen werde und ob ich schlafen werde. Entscheiden, gehen oder bleiben. Wundervolle Menschen treffen, die einen mit Leib und Seele erfüllen. Ich habe jeden von ihnen geliebt.

Meine Via Francigena und darüber hinaus war wieder so viele Emotionen. So viel Freude. Eine schöne Reise direkt in mein Leben. Von Norden nach Süden. Bis nach Hause.


https://www.wildway.net/

LG & buon cammino,
Andrea

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Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Jens » 3. Sep 2020, 10:58

Du hast recht Andrea und meine Gedanken für 2021 gehen auch zu der Via Francigena Süd.
Liebe Grüße Jens
www.wandern-pilgern.de

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Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Shabanna » 3. Sep 2020, 12:41

Oh nein, ich wollte gar nicht Recht haben, war nur naseweis :)

Hatte dich wohl auch falsch verstanden - dachte, du bist nur diesen Teil der VF dreimal gelaufen und sonst noch gar nichts. Hatte gehofft, dass du vielleicht in Bourg-Saint-Pierre wohnst und immer von zu Hause losgehst :) Gehofft deshalb, weil die Einwohner von BSP ja was ganz Besonderes sein müssen. Ich denke immer wieder darüber nach, wie damals die Einwohner dieses kleinen Dorfes es geschafft haben, Napoleon und seine 46.000 Soldaten zu beherbergen und zu verpflegen.

Heute, als moderner Pilger auf der VF, sind die Etappen über den Pass wunderschön und nicht besonders schwierig zu gehen. Jedenfalls dann, wenn man das schneelose Zeitfenster erwischt. Vom Hospiz oben konnte ich mich am nächsten Morgen kaum losreißen.

LG,
Andrea

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Jam
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Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Jam » 28. Sep 2020, 21:48

Von Fidenza heute in 19 Tagen in Rom angekommen. Alles weitere zum Weg in ein paar Tagen. Danke für die Tipps Andrea!
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Re: Wieder Italien - Via Francigena

Beitrag von Shabanna » 28. Sep 2020, 22:45

Jam, du bist zurück! Du glaubst gar nicht, wie oft ich an dich gedacht habe!

Irgendwann mal habe ich dein Lebenszeichen gesehen: Das Ostello Ponte de Medici ... oh jeee, dachte ich, der abgefuckte Schuppen 8-) Aber da wusste ich, dass du auf der Spur bist :)

Hoffentlich bleibt er gesund und munter, dachte ich zwischendurch immer mal ... und schielte besorgt auf die Reisewarnungen. Aber auch da war's verhältnismäßig ruhig. Ruhiger als bei mir in Österreich :cry:

Herzlichen Glückwunsch, Jam, zur Ankunft in ROMA!

Bin gespannt, was du erzählen wirst.

LG,
Andrea

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