Absolute Musses - Camino del Norte

Der Küstenweg in Nordspanien über Hendaye, Oviedo und Lugo am Atlantik entlang
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Andrea Ilchmann
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Absolute Musses - Camino del Norte

Beitrag von Andrea Ilchmann » 2. Sep 2019, 15:00

Was hat euch besonders gut auf dem del Norte gefallen? Wo muss man unbedingt anhalten, sich hinsetzen, seine Füße ausstrecken, einen café con leche trinken, reinschauen? Wo sollte man einen Abstecher zu einem besonders schönen (stillen) Örtchen machen? Für welches Plätzchen würdet ihr den Weg glatt noch einmal gehen?
Pilger, die beim Gehen manchmal einfach nur Bauch und Füße sind - #Bauchfüßler eben.

Jojo
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Re: Absolute Musses - Camino del Norte

Beitrag von Jojo » 22. Sep 2019, 13:38

Hallo, ich bin im Mai den Camino del Norte gelaufen. Es war mein erster Jakobsweg, und es war wunderschön. Auch wenn ich in der zweiten Hälfte tolle Momente hatte, sind mir landschaftlich doch die ersten zwei Wochen von Irun bis Llanes am meisten in Erinnerung geblieben, die ich nächstes Jahr unbedingt noch einmal gehen möchte.

Ich schaue immer mal wieder in dieses Forum und kann deine Frage einfach nicht länger unbeantwortet lassen, weshalb ich mich jetzt angemeldet habe und antworte. :) Also zu den Musses:

1. Möglicherweise den schönsten Blick des ganzen Weges hat man gleich kurz hinter Irun auf dem Berg Jaizkibel auf rund 600 Meter Höhe. Zur einen Seite hat man das weite Meer, zur anderen das bergige Hinterland, zudem natürlich das von dort oben winzige Städtchen Irun. Einfach atemberaubend. Außerdem laufen hier oben Pferde frei herum. Wer in San Sebastian startet, verpasst etwas.

2. Kurz vor San Sebastian läuft man eine Weile durch den Wald, ehe sich rechter Hand die Äste lichten und man plötzlich auf die Großstadt San Sebastian und ihren Strand hinabschaut. Ich habe mich richtig erschrocken, als auf einmal dieses Meer an Hochhäusern neben mir auftauchte. Solch einen Blick hatte ich noch nie. Kein wirkliches Muss, das nimmt man mehr so im Vorbeigehen mit. ;)

3. Hier war ich leider selbst nicht: Der Strand von Zumaia (für viele Ende der dritten Etappe) ist wohl Drehort der Serie "Game of Thrones." Dort befindet sich in der Serie "Dragonstone". Zwar habe ich die Serie nie gesehen, interessant hätte ich es dennoch gefunden. Und so bekannt scheint es mir unter Jakobspilgern nicht zu sein, weil es nicht in den Führern steht.

4. Bilbao war für mich persönlich kein Muss, da mir Städte nicht so liegen. Allein das Guggenheim-Museum könnte aber für viele einen Besuch wert seiin.

5. Auch hier war ich selbst leider nicht, weil sich der Hinweis im Pilgerführer in einem unentwirrbaren Varianten-Wust befand: Hinter Santona (Kilometer 230) kann man einen Abstecher zum Faro del Caballo machen, einen paradiesich gelegenen Leuchtturm, den man über etwa 700 Stufen erreicht, die man auch alle wieder zurücklaufen muss. Die Bilder davon sind jedoch traumhaft.

6. Pater Ernestos Herberge in Güemes (KM 260). Im Grunde ist es wie ein großes Klassentreffen. Alle, die knapp vor oder knapp hinter dir sind, werden hier sein. Eine sehr schöne Pilgeratmosphäre mit charismatischem Herbergsvater. Manche bemängelten dort zuletzt eine Art Kult-Gehabe durch Mitarbeiter und so. Den Eindruck kann ich nicht teilen. Genauso schön, wenn auch kleiner ist es 25 Kilometer weiter bei Nieves in Bezana.

7. Für einige könnte das Städtchen Santillana del Mar ein Muss sein. Mir sagte es nicht so zu, aber mittelalterlicher wird es auf dem Weg definitiv nicht mehr. ;)

8. Die Strecke ab Comillas (KM 350) habe ich als wunderschön in Erinnerung. Wichtig ist, dass man kurz nach Comillas über einen Deich Richtung Strand marschiert. Dort kommt man durch eine völlig deplatziert wirkende Einöde/Steppe/Wüstenlandschaft mit verdorrten Bäumchen, Sand, ein paar Tümpeln etc. (ich beschreibe das sicher nicht korrekt ;)), aber mir gefiel diese vermeintliche Ödnis, Naturpark Oyambre genannt, exzellent. Ein paar Kilometer weiter den Berg hinauf hat man wieder einen traumhaften Ausblick. Vor einem liegt ein toller weiter Sandstrand, im Hintergrund erheben sich die schneebedeckten Gipfel der Picos de Europa. Was für ein Kontrast!

9. In Serdio hat man die Möglichkeit einen 60 Kilometer weiten Abstecher nach Santo Toribio de Liebana in die Ausläufer der Picos zu beginnen. In dem Kloster soll das größte Stück des Kreuzes Christi liegen - das man auch anfassen darf. Ich habe den bergigen, einsamen Weg in zwei Tagen geschafft und hatte Pilgerherbergen ganz für mich allein. Zurück auf den Weg kommt man per Bus. Die Rückfahrt zwischen den steilen Felswänden hindurch war fast spektakulärer als die Wanderung. ;) Man kann natürlich auch mit dem Bus hin und wieder zurück als kleine Halbtagestour. Ob es ein Muss ist, weiß ich nicht, aber ich wollte es unbedingt machen und habe im Vorfeld wenige Informationen darüber gefunden, wie ich es in meinen Weg integrieren kann, daher erwähne ich es.

10. Zurück auf dem Hauptweg geht es spektakulär weiter. Wichtig ist, dass man ein paar Kilometer nach Colombres (KM 360), nachdem man aus einem kleinen Waldstück eine Straße betritt, über die Schienen durchs Gebüsch schlüpft und auf eine Wiese zur Steilküste strebt. Auf den nächsten Kilometern jagt ein Höhepunkt den nächsten: die Bufones, grummelnde Felsspalten, die bei unruhiger See Fontänen in die Luft schießen lassen, tolle Steilküste, Strände, Felsbuchten, eine düstere Höhle, ein von Steilwänden umgebener Fluss und vor Llanes endlich auch der Küste vorgelagerte Felsformationen, die mitten aus dem Meer ragen und mein Kopfkino anspringen lassen. Piraten, die da ihre Schätze verstecken und so ... ;)

Nach Llanes hat mich dann komischerweise nur noch selten etwas vom Hocker gehauen. Warum kann ich gar nicht erklären, vielleicht war ich zu verwöhnt oder hatte mich schon zu sehr an die Schönheit des Weges gewöhnt. Obwohl ich auf diesen Strecken menschlich möglicherweise sogar die intensivsten Erfahrungen gemacht habe.

11. Nach Soto del Barco (KM 530) sollte man unbedingt für die nächsten Kilometer auf den spanischen Küstenweg E9 wechseln. Herrliche Strände und Klippen bestimmen hier das Bild.

12. Noch empfehlenswerter ist das Wechseln auf den Küstenweg E9 nach Luarca bis Navia (stand leider nicht in meinem gelben Führer). Dort kommt man teils an schwarze Sandstrände, die höllisch heiß sind, und an Strände mit wahnsinnig kräftigen Wellen. Hier war ich auch das (leider) einzige Mal im Wasser. :)

13. Galicien war bei mir ziemlich verregnet, deswegen ist es mir nicht sonderlich schön in Erinnerung geblieben. Mir fehlte außerdem das Meer, und ab der Zusammenführung mit dem Frances in Arzua war es mit entspanntem Pilgern ohnehin vorbei. Empfehlen möchte ich aber nach Mondonedo (KM 670) den neuen offizielen Weg über den Berg. Dort oben auf schneeweißen Wegen durch grüne Wiesen zu laufen, ist wunderschön.

14. Die beiden Pilger auf dem Monte do Gozo vor den Toren Santiagos. Neben diesen beiden Figuren zu stehen, die Türme der Kathedrale in Sichtweite, hat einen sehr emotionalen Moment bei mir ausgelöst, den die Worte "Pff, ich verweigere einfach das Ankommen" ganz gut zusammenfassen. ;)

Insgesamt war der Weg sehr schön. Die "ganz normalen" Küsten-, Klippen und Strandabschnitte habe ich ja nicht mal erwähnt. Oder das ganz normale traumhafte Bergpanorama im Baskenland mit den dazwischen liegenden idyllischen Küstenstädtchen. Es gab auch viele Abschnitte entlang von Straßen, die im konkreten Moment genervt haben, an die man sich hinterher angesichts der Fülle an tollen Momenten aber gar nicht mehr erinnert.

Edit: Wie ich gerade merke, habe ich fast mehr "Musses" beschrieben, die ich selbst nie gesehen habe oder die dann vielleicht doch gar keine "Musses" sind :lol: , aber die Liste ist ja hoffentlich nur ein Anfang. ;)

lungwei
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Re: Absolute Musses - Camino del Norte

Beitrag von lungwei » 25. Sep 2019, 13:40

Die Herberge in Tapia de Casaregio ist zwar klein und eng aber ihre Lage und der Rastplatz daneben ist toll.
Ebenso wie der Ort

Birgit
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Re: Absolute Musses - Camino del Norte

Beitrag von Birgit » 19. Nov 2019, 23:04

Die Lage der Herberge ist zwar wunderbar, die Herberge selbst war im Mai 2017 nicht sehr sauber.
Liebe Grüße Birgit

Birgit
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Re: Absolute Musses - Camino del Norte

Beitrag von Birgit » 19. Nov 2019, 23:39

Hallo Andrea,
ich kann die oben beschriebenen Musses nur bestätigen und möchte noch ein paar ergänzen.
Ein absolutes Highlight war der Küstenweg vor Deba, im gelben Führer beschrieben.
Die außergewöhnliche Kirche San Miguel Arcangel in Markina-Xemein mit ihrem megalithischen Altar.
Dann die schöne Stimmung und die Gesänge der Mönche im Kloster Zenaruzza.
Gernika berührte mich sehr, besonders das Bild von Picasso.
Die vielen besonderen Brücken in Bilbao.
Spannend war auch die verbotene Abkürzung!
Für mich ein absolutes Muss, die Höhlen von Altamira!
In Comillas bewunderte ich das Schlößchen El Capricho de Gaudi.
Der Sonnenuntergang vom Hotel Gerra Mayor La Gerruca - das Hotel mit pilgerfreundlichen Preisen liegt traumhaft!
Die vielen wunderbaren Küsten und Strände, besonders die einsame Playa de Vega!
In Gijon beeindruckte mich die Capilla del Santisimo in der Iglesia de San Pedro.
Eine Übernachtung in Villapedre, im Schlösschen Villa Auristela zu Pilgerreisen und in Vilamartin Grande in der privaten Wohlfühlherberge tentempe bei Carmen und Natalia!
Gemütliches Ambiente am Dorfplatz in Mondonedo!
Uralte Edelkastanie mit Kunstwerk in Baamonde.
Übernachtung im Monasterio de Santa Maria de Sobrado.
Luxusübernachtung in Tabernavela bei Heidi!
Ach war das schön!
Liebe Grüße Birgit

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Giselle de compostelle
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Re: Absolute Musses - Camino del Norte

Beitrag von Giselle de compostelle » 9. Dez 2019, 17:32

Huhu,
in Baamonde unbedingt beim BILDHAUER rein gehen, und sich alles zeigen lassen. Wunderbar!
Sobrado dos Monxes, das Kloster ist der Hammer, Übernachtung unbedingt !

Cobreces ist auch schön... Die Herberge in der alten Schule/Internat ist wunderbar.

Und alles andere ist subjektiv...es gibt sooo viele schöne und weniger schöne Orte... das muss jeder selbst entscheiden.

LG

Giselle
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