Pilgern mit Zelt und weitere Fragen

Der Küstenweg in Nordspanien über Hendaye, Oviedo und Lugo am Atlantik entlang
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Jochen
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Pilgern mit Zelt und weitere Fragen

Beitrag von Jochen » 7. Mär 2021, 15:06

Hallo,
ich beschäftige mich schon seit einer langen Zeit zu pilgern.
Wenn alles passt, will ich nächstes Jahr den Camino der Norte komplett gehen.
Nun habe ich an Euch einige Fragen:

1. Bis zum Ende der Welt: Wie lange sollte ich einplanen?

2. Ich will in keinen Herbergen schlafen, sondern unabhängig bleiben:
a) Erfahrungen bezüglich Wildcampen?
b) Erfahrungen mit Pensionen, Hotels?

3. Welche Zelt - Art sollte man kaufen?

4. Welche Schuhe?

5. Welcher Rucksack?

Danke für Eure Antworten

LG
J.

Simsim
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Re: Pilgern mit Zelt und weitere Fragen

Beitrag von Simsim » 7. Mär 2021, 15:45

Hallo Jochen,

Vorerst nur ein Tipp zum Zelt als solches:

Ich laufe seit vielen Jahren mit dem Gatewoodcape von Sixmoondesigns (Google). Das ist ein fast vollwertiges Zelt und Regenponcho in einem, wiegt etwa 300 Gramm. Es gibt dazu auch ein Innenzelt, das hab ich jetzt seit einem Jahr und bin sehr zufrieden. Zusammen bist Du mit 6 Heringen und etwas Schnur bei 650 g, Poncho inclusive.
Für mich die ideale Lösung.

Grüße,

Simone

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Camineiro
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Re: Pilgern mit Zelt und weitere Fragen

Beitrag von Camineiro » 7. Mär 2021, 20:15

Jochen hat geschrieben:
7. Mär 2021, 15:06
Hallo,
ich beschäftige mich schon seit einer langen Zeit zu pilgern.
Wenn alles passt, will ich nächstes Jahr den Camino der Norte komplett gehen.
Nun habe ich an Euch einige Fragen:

1. Bis zum Ende der Welt: Wie lange sollte ich einplanen?

2. Ich will in keinen Herbergen schlafen, sondern unabhängig bleiben:
a) Erfahrungen bezüglich Wildcampen?
b) Erfahrungen mit Pensionen, Hotels?

3. Welche Zelt - Art sollte man kaufen?

4. Welche Schuhe?

5. Welcher Rucksack?

Danke für Eure Antworten

LG
J.


Hallo Jochen,

Willkommen im Pilgerforum.

zu 1) von Irun bis Finisterre (ca. 940km) würde ich ca. 5 - 5 1/2 Wochen benötigen.
Ich gehe im Schnitt ca. 5km/h und lege am Tag zwischen 25 - 30 km zurück.

zu 2) Wild Campen ist in Spanien offiziell verboten, wird aber bei Pilgern mitunter geduldet.
Wenn man sich spät am Tag in die Büsche schlägt, morgens früh vor Morgengrauen sein Zelt abbricht und keinen Müll zurücklässt,
wird sich vermutlich niemand dran stören.
Alternativ könnte man bei Herbergen oder Landwirten fragen, ob man auf dem jeweiligen Grundstück campieren darf.
Bei Herbergen hätte das den Vorteil, dass man (gegen Gebühr) bei Bedarf deren Sanitäreinrichtungen nutzen könnte.

Mady Host hat 2009 ein Buch über ihre Pilgerreise geschrieben - Zwei Mädels. Ein Weg. Ein Zelt.
Nicht mehr brandneu, aber das Zelten dürfte heute noch so ähnlich wie damals sein.

zu 3) da bin ich nicht kompetent

zu 4) Ich war früher ein Verfechter schwerer Wanderschuhe 🥾 à la Meindl, Lowa & Co.
Davon bin ich mittlerweile abgekommen. Gute Trailwalker reichen völlig.
Der Camino del Norte ist mitunter relativ asphaltlastig.

zu 5) das ist die Frage für die Kristallkugel.
Ein Rucksack muss - genau wie die Schuhe - den Bedürfnissen des Trägers passen.
Da hilft nur Ausprobieren im Laden.
Generell würde ich eine Größe zwischen 40 und 60 Litern anpeilen, je nachdem wieviel Campinggepäck Du dabei hast.
Ohne Zelt, Kocher und Isomatte komme ich mit einem 35/40Liter Rucksack hin.

Buen Camino
Uwe
Eifelcamino 2020
Moselcamino 2020

Jochen
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Re: Pilgern mit Zelt und weitere Fragen

Beitrag von Jochen » 8. Mär 2021, 22:41

Uwe:
Vielen Dank für die ausführlichen Informationen und die Buchempfehlung.
Bleib gesund :D

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Via2010
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Re: Pilgern mit Zelt und weitere Fragen

Beitrag von Via2010 » 9. Mär 2021, 13:57

Hallo Jochen,

wenn Du neben dem Zelten auch Pensionen/Hotels in Deine Überlegungen einbeziehst, solltest Du vielleicht auch Pilger- und Jugendherbergen eine Chance geben. Einen guten Überblick über die verschiedenen Unterkunftsmöglichkeiten gibt Dir die spanische Website von Gronze.

https://www.gronze.com/etapa/irun/san-sebastian

Hier kannst Du Dich anhand vorgeschlagener Etappen durchklicken, Unterkünfte angucken, aber auch alternative Übernachtungsorte planen.

Für die detaillierte Planung findest Du z. B. hier ein Werkzeug:

https://www.rutasasantiago.com/BDCamino ... -del-Norte

Links den Anfangsort auswählen, rechts den Zielort Deiner diesjährigen Pilgerreise. Mit "Seguir la Configuración" bestätigen. Dann kommst Du auf eine neue Seite, wo Du die Tagesetappen festlegst. Das Ergebnis kannst Du Dir sogar als Miniführer "microguia" ausdrucken.

Ab Arzua sind es noch 1-2 Etappen auf dem Camino Francés bis Santiago. Bis Finisterre oder Muxía nochmals 3-5 (+1).

Zelt bedeutet automatisch höheres Rucksackgewicht, Pensionen im Umkehrschluss geringeres (da Bettwäsche gestellt wird). Daher guck Dir erst einmal die verfügbaren Unterkünfte an, ehe Du in ein leichtes Zelt und weitere Ausrüstung investierst.

BC
Alexandra

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Gerhard.1
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Re: Pilgern mit Zelt und weitere Fragen

Beitrag von Gerhard.1 » 9. Mär 2021, 22:44

Jochen hat geschrieben:
7. Mär 2021, 15:06
Hallo,
ich beschäftige mich schon seit einer langen Zeit zu pilgern.
Wenn alles passt, will ich nächstes Jahr den Camino der Norte komplett gehen.
Nun habe ich an Euch einige Fragen:

1. Bis zum Ende der Welt: Wie lange sollte ich einplanen?

2. Ich will in keinen Herbergen schlafen, sondern unabhängig bleiben:
a) Erfahrungen bezüglich Wildcampen?
b) Erfahrungen mit Pensionen, Hotels?

3. Welche Zelt - Art sollte man kaufen?

4. Welche Schuhe?

5. Welcher Rucksack?

Danke für Eure Antworten

LG
J.
Hallo Jochen,

zur Rucksackfrage kann ich dir nur empfehlen, die Rucksäcke von Osprey unter die Lupe zu nehmen und Probe zu tragen.
Meine Frau und ich haben bereits vor über 30 Jahren mit Fernwanderungen begonnen, allerdings immer ohne Zelt Vor mehr als 15 Jahren waren wir lange auf der Suche nach neuen Rucksäcken und sind schließlich auf den Osprey exos 35 gestoßen, die wir einige Tage lang probetragen durften, bevor wir uns zum Kauf oder der kostenfreien Rückgabe entscheiden mussten. Wir waren vom Tragekomfort, der perfekt durchdachten Ausstattung, der guten Belüftung des Rückens und dem geringen Gewicht begeistert, haben sie gekauft und würden es jederzeit wieder tun. Sie wiegen gerade mal knapp über 1 kg, alles hat darin Platz, nichts musste jemals außen rumbaumeln, auch nie die Wanderstiefel, wenn wir in den Trekkingsandalen liefen. Mit deiner Ausrüstung sollte es evtl. der Osprey exos 48 (1,19kg) oder 58 (1,23kg) sein, jeweils in Größe M.
Nähere Infos findest Du im nachgenannten Link:
https://cdn.ospreyeurope.com/wp-content ... S18_DE.pdf

Viel Vorfreude, mit Zeit bei der Suche, Anprobe, Kauf und
buen camino
Gerhard
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Via2010
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Re: Pilgern mit Zelt und weitere Fragen

Beitrag von Via2010 » 10. Mär 2021, 07:54

Ich kann Gerhards Rucksackempfehlung unterstützen. Gerade beim Rucksack gibt es sehr große Unterschiede in Gewicht und Funktionalität. Ein ausgiebiger Vergleich lohnt. Ein zweiter Zugang zum Hauptfach - meist ein störanfällig rund geführter Reißverschluss, der sich bei voller Beladung kaum betätigen lässt - lohnt bei durchdachtem Packen nicht. Wohl aber ein Deckelfach für schnell benötigte Utensilien und Außentaschen für Trinkflaschen...

Von Osprey gibt es auch noch den Talon, z. B. mit 33 L oder mit 44 L. Das entsprechende Damenmodell Tempest hat jeweils um die 2 L weniger, ist in den Schultern schmaler und in der Hüfte etwas weiter geschnitten.

Mir reicht - ohne Zelt - der Talon 33, der nicht ganz 1 kg auf die Waage bringt und mit dem ich gegenüber dem Vorgänger Deuter bei gleichem Inhalt knapp 800 g Gewicht eingespart habe.

Jochen
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Re: Pilgern mit Zelt und weitere Fragen

Beitrag von Jochen » 24. Mär 2021, 22:02

Hallo,
vielen Dank für sehr hilfreichen Tipps und Empfehlungen.
Ich bin gespannt, was uns 2022 so alles bringt, aber im Frühjahr soll es dann losgehen.
Bis dahin sollte alles hoffentlich wieder normal sein..
LG
Jochen

Bleibt gesund!

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KarstenD
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Re: Pilgern mit Zelt und weitere Fragen

Beitrag von KarstenD » 2. Apr 2021, 11:44

Moin Jochen,

zum Zelt kann ich dir versuchen meine Erfahrung zu schildern.
2017 war ich auch am Überlegen ob ich mit Zelt Pilgern möchte, hatte mich dann aber für einen Poncho entschieden, der bei Regen sowieso benötigt wird. Der war mit 2x3 Meter und Kapuze in der Mitte für 29,- mit knapp 300g auch in mehreren Versionen als Zelt nutzbar (Fotos und Link schicke ich dir gerne auf Anfrage). Also war ich gewappnet und hätte Zelten können... Hätte! Ich hab es nicht benötigt und ohne die Herbergen hätte mir sehr viel der Kontakten zu den anderen Pilgern gefehlt.

Für meine weiteren Wege hab ich mir ein günstiges Zelt von Bressersport besorgt, nicht UL aber mit etwas optimieren unter 1,8Kg für den Preis, gerade als Doppelwandiges Zelt, auch vom Gewicht mehr als OK.
Allerdings würde ich das nur für Wochenende oder maximal eine Woche benutzen, mir persönlich ist das auf Dauer doch etwas zu schwer.
Leichter hab ich nur ein Einwandiges Zelt, was ich ganz selten benutze, da ich dort immer Probleme mit Schwitzwasser bekomme.

Im letzten Winter konnte ich ein Schnäppchen machen und habe von Big Agnus das Fly creek HV 2 gekauft. Zwei Personen ist zwar etwas großzügig formuliert aber sie würden theoretisch dort rein passen, es ist aber ein wirklich sehr komfortables ein Personen Zelt, Doppelwandig und im Lieferzustand gerade mal 1kg (incl. Packsack, Heringe + Seile) mit Optimieren auf die benötigten Teile komme ich jetzt auf 930g.

Damit war ich bis jetzt leider noch nicht unterwegs, ist nur 2 x zur Probe aufgestellt worden, macht aber einer sehr guten Eindruck.


Gruß Karsten

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