15 Tage im Hochsommer - welchen Camino?

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Via2010
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Re: 15 Tage im Hochsommer - welchen Camino?

Beitrag von Via2010 » 28. Apr 2021, 15:47

Hallo Anhalter,

um nochmals auf Deine Ausgangsfrage zurückzukommen. Bei der beschriebenen Kondition sind beide Caminos für Dich wohl in 14 Lauftagen +x für An-und Abreise machbar.

Ich bin sowohl den Primitivo als auch den Portugues im Hochsommer gelaufen und fand beide Wege, obwohl nicht miteinander zu vergleichen, auf Ihre Art schön und bereichernd.

Portugal lebt eher von den Begegnungen, auch mit den extrem freundlichen Einheimischen. Hier könntest Du allerdings die landschaftlich reizvollere Variante Spiritual einplanen.

Auf dem Primitivo hast Du aufgrund des Höhenprofils und der Herbergsinfrastruktur vor Lugo nicht wirklich viele Gestaltungsmöglichkeiten. Aber auch dieser Weg dürfte mit Etappen bis 35 km für Dich in 11 Tagen machbar sein. Ich habe mir 2018 insgesamt 13 Tage Zeit gelassen, hätte aber sowohl auf den ersten Etappen als auch am Ende ohne größere Probleme einen Zusatztag rauslaufen können.

Eine mögliche Planung wäre hier:
Oviedo - Grado/San Juan de Villapanada (25/30) - Bodenaya/La Espina (26/31+evtl.1) - Campiello/Borres (25/28) - Berducedo (über Hospitales) (25/28) - Grandas de Salime (21, aber reichlich Höhenmeter) - A Fonsagrada (27) - O Cadavo Baleira (25, ein fieser Anstieg) - Lugo (31) - As Seixas (34) - Tabernavella (35) - Santiago (35)

Wenn Du einen Zusatztag in Santiago möchtest, könntest Du ggf. die Etappe nach Negreira mit dem Bus zurücklegen.

BC
Alexandra

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Frau Holle
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Re: 15 Tage im Hochsommer - welchen Camino?

Beitrag von Frau Holle » 28. Apr 2021, 22:25

Anhalter hat geschrieben:
28. Apr 2021, 12:39
Warum so defensiv? Ratschläge sind doch nichts schlechtes, auch wenn sie nicht passen.
Mein besonderes "Problem" ist, ich bin gern in Bewegung. Mir bereitet das Freude. Auf dem Frances hab ich eine Weile gebraucht das zu merken. Nach den Tagen mit "nur" 20km war ich nicht zufrieden (glücklich? ausgelastet?). Nach den Tagen mit 30-40km schon deutlich mehr. Mich unterwegs ins Gras zu legen, das ist nicht meins. Habs probiert, passt nicht ;)
Daraus ergibt sich natürlich die besondere Herausforderung, mit den Leuten in Kontakt zu bleiben, die einem so begegnen. Ich hab in der Vergangenheit dann immer einen extra Tag in den Städten verbracht, so konnte man mich einholen. Das wäre jetzt aber in der "Stressvariante" nicht möglich. Deswegen überlege ich eher, den Weg nach Fisterrra zu streichen und dann in dem einen oder anderen Örtchen einen Tag länger zu verweilen.

Die "Übung" die Coelho in seinem Buch zum Thema Langsamkeit beschreibt ist mir übrigens nicht unbekannt. Habe mich daran auch versucht. War eine Tortur.

edit: Durch das verkürzen müsste ich auch nicht so viel vorplanen sondern könnte natürlich einfach so lange laufen wie es mir gefällt. Das ist natürlich auch was, das für eine Portugisische Variante sprechen würde. Auf dem Primitivo sind die Herbergen dann wohl doch schon etwas seltener.
In den Fall würde ich dir einfach raten, dass du den Weg nach Finisterre läufst, wenn es passt und wenn nicht, dann nicht. Du musst es ja nicht vorher wissen, du kannst ja schauen, was der Weg bringt :)
Ich habe bei meinem ersten Camino bis wenige Tage vor Santiago nicht gewusst, ob ich per Bus oder pedes nach Finisterre komme. Als ich kurz vor dem Ziel war bei mir und meinen Begleitern klar: Für uns ist Santiago das Ziel und Finisterre die Kür, die wir gern mit dem Bus mitnehmen. Das hat sich in dem Moment richtig angefühlt und war es definitiv auch.

Wenn du auf dem Primitivo an eine Gruppe gerätst, ohne die du nicht mehr sein magst und das bedeutet, dass du nicht nach Finisterre laufen kannst: Na und? Dann fühlt es sich bestimmt richtig an und ist dann auch richtig.
Vielleicht findest du aber auch keinen richtigen Anschluss, weil sich in Coronazeiten keine richtige Gruppe bilden mag? Dann kannst du laufen, wie es dir gefällt und eventuell ist dann noch genug Zeit in Ruhe ans Meer zu wandern. Dann tu das :)

Eine Variante, die ich schon 2x gewählt habe ist übrigens: Mit dem Bus nach Cée, dann in meiner Lieblingsherberge übernachten (die mit den 2 süßen Hunden!) und am nächsten Tag die 12km bis nach Finisterre pilgern. Die Strecke ist größtenteils hübsch, man sieht das Kap und das Meer und kommt am Muschelstrand an. Das ist eigentlich alles, was ich brauche :D
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Anhalter
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Re: 15 Tage im Hochsommer - welchen Camino?

Beitrag von Anhalter » 28. Apr 2021, 22:56

Wow. Danke.
Das könnte wirklich der Puzzelstein gewesen sein der gefehlt hat.

Ich hab dieses begrenzte Zeitbudget. Deswegen versuche ich "so viel Camino wie möglich" zu machen. Ja, klingt doof, ist es vermutlich auch.
Dennoch, ich plane zuletzt wie blöd, dass es doch irgendwie machbar ist mit dem Primitivo... aber....
Eine wichtige Erkenntnis meines ersten Jakobswegs war eigentlich: Hättest du mal nicht so viel geplant und mehr einfach auf dich zukommen lassen.

Die von dir, Frau Holle, vorgeschlagene Idee fühlt sich auf jeden Fall erstmal gut an. Hinkommen. Laufen. Heimkommen. Alles weitere ergibt sich.
Klar, Fisterre per Pedes wäre schön. Per Auto kenn ich es ja bereits. Aber ich werd dieses Jahr 39.... da findet sich im Zweifel nochmal ne Möglichkeit.

Ich lass diese Idee jetzt mal reifen, vielleicht ist es wirklich die richtige :)

(natürlich auch Dank an alle anderen für den andauerenden konstruktiven Input)

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Peter
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Re: 15 Tage im Hochsommer - welchen Camino?

Beitrag von Peter » 1. Mai 2021, 09:50

Hallo Anhalter,

Warum ist der Camino Portugues eigentlich in den letzten Jahren so stark in den Focus gerückt?
Hier die üblichen, vielleicht etwas oberflächlichen Argumente (sorry liebe CPort Fans):

> Ein Camino den man in 14 Tagen Urlaub immer machen kann. Er hat einen Anfang und ein Ende: in Santiago
> der Camino Frances ist zu überlaufen (nur ab Sarria und im Sommer)
> läuft an der Küste entlang (Was natürlich nicht immer so ist)

Wie wäre es mit den CAMINO FRANCES in Kombination mit den CAMINO DEL INVIERNO?

Du hättest nicht zuviele MENSCHEN, großartige LANDSCHAFT, KULTUR und würdest in Santiago ankommen.
Übrigens: Wenn du im Juli startest wird der Camio definitiv nicht überlaufen sein. Er wir langsam "hochfahren" , so wie es in 2020 ebenfalls nach den Lockdowns war. Viele Internationale Pilger werden ebenfalls nicht einreisen (dürfen).

m Mittelalter wurde dieser Weg oft im Winter als Alternative gewählt um nicht über den verschneiten Cebreiro-Pass laufen zu müssen. Der Weg ist immer noch sehr einsam aber gut ausgeschildert. Er führt über die niedrigere Sierra Oriental Galiziens und ist um 57 Km länger. In Laxe trifft er auf die Via de la Plata in der Sanabresa Variante. Die Route ist eine gute Alternative für Pilger die auf den letzten 100Km nicht in den Pilgermassen laufen wollen. Allerdings verzichtet man auf die Bekannten Orte wie O Cebreiro.

z.b. Flug nach Santiago, Bus nach Astorga.

Wegstrecke:
Astorga - Foncebadon (26 Km) - Ponferrada (27 Km) – Las Médulas (27 Km) – O Barco de Valdeorras (26 Km) – A Rúa de Valdeorras (15 Km) – Quiroga (26 Km) – Monforte de Lemos (35 Km) – Chantada (30 Km) – Rodeiro (26Km) – Laxe (27 Km) – Outeiro ( 33 Km) – Santiago (16 Km)

Oder sogar alternativ auf dem CF bleiben bis Sarria ( so kannst du den O Cebreiro erleben). Von dort wenn es dir zuviel Pilger sind, mit dem Bus RIchtung Süden nach Monforte de Lemos und einfach auf dem Camino Invierno weiter.

Was haltet ihr von dieser Variante?

Buen Camino
Peter
"ich bin der Meinung dass vieles besser gehen würde, wenn man mehr ginge" ;)
Peter Kirchmann
https://jakobsweg-lebensweg.de

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Re: 15 Tage im Hochsommer - welchen Camino?

Beitrag von Rajasina » 1. Mai 2021, 14:03

Hallo Peter, gibt es zum Camino de Invierno einen Reiseführer. Kann Nichts in deutscher Sprache finden. In anderen gibt es einiges auf dem Markt.

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Frau Holle
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Re: 15 Tage im Hochsommer - welchen Camino?

Beitrag von Frau Holle » 1. Mai 2021, 14:33

Rajasina hat geschrieben:
1. Mai 2021, 14:03
Hallo Peter, gibt es zum Camino de Invierno einen Reiseführer. Kann Nichts in deutscher Sprache finden. In anderen gibt es einiges auf dem Markt.
Ja, gibt es. Schau mal nach der Userin Ilfuchur (hier klicken) 😊

In ihrer Signatur ist ein Link und sie weiß auch ganz viel über den (wie ich ihn gern nenne) Camino Inferno 🙃
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Re: 15 Tage im Hochsommer - welchen Camino?

Beitrag von ilfuchur » 1. Mai 2021, 16:10

Wenn du nagst: Der Link in meiner Signatur führt auf meine Pilgerseite mit meinen Camino-Blogs. Da darfst du dich gerne umsehen und ein paar Eindrücke erschnuppern - über den "Camino Inferno" ( :lol: :lol: :lol:) und alle anderen Wege, die ich gegangen bin.

Ein Inferno war der Weg für mich nur ein bisschen gefühlt, weil ich nach ein paar ersten gemeinsamen Tagen meine amerikanische Mitpilgerin hinter mir ließ (ich musste mich ein bisschen beeilen, weil ich in Santiago verabredet war 😘😘😘) und die drei Spanier, die mir erhalten blieben, mit sich beschäftigt waren. Der Weg war selbst ist wirklich schön. Am meisten haben mich die Las Medulas beeindruckt und mein absolutes Lieblingswegkreuz habe ich dort auch gefunden, auf dem Faro.
Pilger, die beim Gehen manchmal einfach nur Bauch und Füße sind - #Bauchfüßler eben.

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Anhalter
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Re: 15 Tage im Hochsommer - welchen Camino?

Beitrag von Anhalter » 1. Mai 2021, 18:03

Peter hat geschrieben:
1. Mai 2021, 09:50
Hallo Anhalter,...
Hi Peter,

vielen Dank für die umfangreiche Idee! Deine Statistik kenne ich, und ich stimm den Überlegungen hierzu auch durchaus zu.

Den Frances bin ich ja bereits gegangen, deswegen spricht es mich aktuell nicht so sehr an, nochmal aus "der gleichen Richtung" nach Santiago zu kommen. Die Strecke ab Sarria fand ich im Juni übrigens herausragend schön, und ausserhalb der Ortschaften hat sich das mit den Menschenmassen auch wirklich in Grenzen gehalten.

Ich denke es wird der Primitivo werden. Ein bisschen mach ich es noch davon abhängig, wie sich die Reisesituation entwickelt. Aktuell sind die verfügbaren Flugverbindungen etwas subotimal. Das kann sich aber noch bessern. Porto hätte halt den Vorteil, dass es viele Direktverbindungen gibt. Spart Zeit und ist auch weniger Aufwand wenn man Stöcke mitnehmen will. Aber daran wirds nicht scheitern :)

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Re: 15 Tage im Hochsommer - welchen Camino?

Beitrag von Frau Holle » 2. Mai 2021, 09:35

Anhalter hat geschrieben:
1. Mai 2021, 18:03
Spart Zeit und ist auch weniger Aufwand wenn man Stöcke mitnehmen will. Aber daran wirds nicht scheitern :)
Im Porto und in Oviedo gibt es einen Decathlon.
Wir sind damals in Oviedo morgens zum Decathlon marschiert und haben uns für je unter 10€ Stöcke gekauft und am Ende in Spanien zurückgelassen.
Das war definitiv günstiger und einfacher, da wir nur Handgepäck hatten.
Vielleicht wäre das auch eine Option für dich :)
Juhuu, das Forum ist wieder da!

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Anhalter
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Re: 15 Tage im Hochsommer - welchen Camino?

Beitrag von Anhalter » 2. Mai 2021, 09:47

Frau Holle hat geschrieben:
2. Mai 2021, 09:35
Anhalter hat geschrieben:
1. Mai 2021, 18:03
Spart Zeit und ist auch weniger Aufwand wenn man Stöcke mitnehmen will. Aber daran wirds nicht scheitern :)
Im Porto und in Oviedo gibt es einen Decathlon.
Wir sind damals in Oviedo morgens zum Decathlon marschiert und haben uns für je unter 10€ Stöcke gekauft und am Ende in Spanien zurückgelassen.
Das war definitiv günstiger und einfacher, da wir nur Handgepäck hatten.
Vielleicht wäre das auch eine Option für dich :)
Danke, aber ich habe sehr gute Stöcke. Ich werde einfach mit postlagerndem Versand arbeiten.

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Re: 15 Tage im Hochsommer - welchen Camino?

Beitrag von moviable » 4. Mai 2021, 08:34

Im Hochsommer spricht noch was für den Primitivo, nämlich dass die Morgen schön frisch sind. Man hat eigentlich jeden Morgen einen Anstieg zum Frühstück, der oft im Nebel beginnt, erst zur frühen Mittagszeit löst sich der Nebel auf und dann hat man Sommer, aber auch schon einen großen Teil der Wegstrecke geschafft. Auch das Gefühl "über den Wolken" ist immer wieder berauschend schön.

Bin damals ab Mitte Juli gelaufen, also ganz Deine Zeit. Portugal kann auch gern Mal 40 Grad haben.

Buen Camino!

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Re: 15 Tage im Hochsommer - welchen Camino?

Beitrag von Camino-Kumpane » 5. Mai 2021, 16:41

Hallo Stefan,

vielleicht steige ich ein bisschen spät in die Beratungen zu Deinem Urlaub :D ein, dafür habe ich aber einen Camino auf Lager, der bisher noch nicht genannt wurde.

Camino Vasco del Interior

Er führt von Irun nach Burgos (oder wahlweise nach Santo Domingo de la Calzada) und durchquert, wie der Name vermuten läßt, das Baskenland.
Als besondere Attraktion kann der Weg mit dem Tunnel von San Adrian aufwarten - einen natürlichen Bergdurchgang , der den maritim geprägten Teil des Baskenlandes von dem mehr kastilisch anmutenden Landesinneren in der Provinz Alava trennt.

Die Variante nach Burgos hat laut Gronze 12 Etappen, die nach Santo Domingo nur 9.

Ich bin diesen Weg 2019 gelaufen und war von der Landschaft, trotz des sintflutartigen Regens, total begeistert. Ab Hernani war ich auf der Wegvariante von Saiatz unterwegs. Die Landschaft dort ist atemberaubend, allerdings solltest Du mit dem alleine sein zurecht kommen, denn wenn es, wie bei mir, regnet, ist dort keine Menschenseele unterwegs.

Die An- und Abreise wäre möglicherweise über den Flughafen in Vitoria-Gasteiz möglich, der vor der Pandemie auch aus Deutschland angeflogen wurde. Ich bin vor zwei Jahren über Bilbao angereist.

Vielleicht ist es ja was für Dich.

Tschüß

Michael
Der Camino-Kumpane

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