Wenn die Schuhe klatschnass sind...

Was der Pilger braucht. Schuhe, Socken, Blasenpflaster...
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Matt Merchant
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Wenn die Schuhe klatschnass sind...

Beitrag von Matt Merchant » 18. Sep 2020, 15:55

Liebe MitpilgerInnen,

oft sind ja die banalsten Dinge auf dem Weg auf einmal die allerwichtigsten.
Und so würden mich Erfahrungsberichte und Tipps Eurerseits sehr interessieren, wie ihr es praktisch handhabt, wenn ihr wirklich einmal in einen Starkregen geratet und am Ende der Etappe Eure Schuhe triefend 'durch' sind, also so, dass sich die Imprägnierung in den Ruhestand verabschiedet und sie beim Auftreten nurnoch schmatzen, gurgeln und triefen - kurz: sodass eigentlich für den Folgetag gefühlsmäßig nichts mehr geht.
Was für Trockenmaßnahen ergreift ihr neben dem guten alten Zeitungspapier? Und, viel wichtiger: was tut ihr, wenn partout kein Zeitungspapier verfügbar ist? Gibt es 'Zaubertricks', die Schuhe über Nacht ein paar Prozent trockener zu kriegen...?

Ich frage deshalb, weil ich auf meinem letzten Weg, auf dem Fränkischen Jakobsweg bei Bad Staffelstein, diese Situation erlebt habe und mit meinem Equipment völlig abgesoffen bin. Glücklicherweise fand sich eine nette Pension mit rettendem Heizungskeller. Wäre dem nicht so gewesen, hätte ich kaum gewusst, wie ich weiterlaufen soll.

In diesem Sinne: Danke für Tipps ;-)
Matthias
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Simsim
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Re: Wenn die Schuhe klatschnass sind...

Beitrag von Simsim » 18. Sep 2020, 16:27

Dieses lief ich zum ersten Mal mit leichten, niedrigen Schuhen, die nicht wasserdicht sind und nur so eine Art dicken Leinenstoff als Obermaterial haben. Sie wurden einige Male klatschnass und sind immer am Fuß wieder getrocknet. Absolut super!
Ansonsten hatte ich den Trick, Plastiktüten über die Socken zu ziehen, am Besten die Einlagen auch mit rein, so kann ich auch in nassen Schuhen trockene Füße behalten. Die Schuhe tränken sich so auch weniger durch, denn Socken und Einlagen wirken wie Schwämme.
Ist aber keine Option für Fuss-Schwitzer.
Wenn fette Wanderschuhe erst mal klatschnass sind, hilft Zeitungspapier sehr gut, aber das braucht Zeit...und natürlich Föhn, Wärme....speziellere Tricks kenn ich nicht.

Simsim
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Re: Wenn die Schuhe klatschnass sind...

Beitrag von Simsim » 18. Sep 2020, 16:34

Ach doch, mir fällt noch ein, dass ich manchmal statt Zeitungspapier Klopapier missbraucht habe, und wenn auch davon nicht genug da war, dann halt irgendwas anderes saugfähiges. Zur Not auch mal ein Geschirrtuch oder ähnliches.

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Ronald
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Re: Wenn die Schuhe klatschnass sind...

Beitrag von Ronald » 18. Sep 2020, 21:52

Auf dem Primitivo war ich mal ein einer Herberge, die hatte Schuhtrockner für alle. Wunderbar. Und es hatte wirklich geschüttet an dem Tag ...

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Matt Merchant
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Re: Wenn die Schuhe klatschnass sind...

Beitrag von Matt Merchant » 19. Sep 2020, 10:30

Liebe Simone,

die Idee mit den Plastiktüten ist originell; die merke ich mir.
Danke Dir!
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Re: Wenn die Schuhe klatschnass sind...

Beitrag von Gertrudis » 19. Sep 2020, 11:34

Wenn es warm ist, ziehe ich bei Starkregen nur meine Teva-Sandalen an und packe die Wanderschuhe und alles Andere unter den Plastikponcho. In diesen Sandalen gehe ich ohnehin gern.
Das ist natürlich keine Option im Winter oder bei Bergtouren...

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Re: Wenn die Schuhe klatschnass sind...

Beitrag von donjohannes » 19. Sep 2020, 12:29

Bin bei Gertrudis. Sandalen (ohne Socken natürlich) bei Regenwetter sind eine echt gute Sache. Manche haben auf ihrem Weg ja ohnehin Badeschlappen für die Duschen in den Rifugios oder den Abend mit. In dem Fall empfiehlt sich ein Upgrade zu Trekkingsandalen. Wer es verträgt kann auch Bedrocks (mit Vibramsohle) nehmen. Leicht, klein, minimalistisch und wer Zero-Drop (also Sprengung = 0mm) gewohnt ist kann damit den ganzen Tag gehen. Allerdings finde ich persönlich sie wegen der fehlenden Dämpfung bei 40km Asphalt nicht mehr geeignet. Wer aber auf wechselhaften Trails unterwegs ist, der kann aber eine übliche Tagesetappe durchaus schaffen.
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Re: Wenn die Schuhe klatschnass sind...

Beitrag von Superfrauandrea » 21. Sep 2020, 08:37

voriges Jahr auf dem CP hatten wir einen Tag, wo wir bis auf die Unterhose nass wurden. Dementsprechend nass waren auch meine Schuhe.
Wir hatten zu sechst eine Ferienwohnung gemietet, in der Küche das Backrohr auf 100 Grad geheizt und die Schuhe bei offenem Backrohr trocknen lassen. Waren auch nach Stunden noch nicht trocken, bzw. hatten sich meine Schuhe danach ein wenig verbogen - also KEIN guter Tipp zum Nachmachen. Mit feuchten Schuhen gings dann am nächsten Tag weiter, die trockneten dann am Fuß.

lg. Andrea

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Matt Merchant
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Re: Wenn die Schuhe klatschnass sind...

Beitrag von Matt Merchant » 22. Sep 2020, 10:45

Liebe Andrea,
Backofen klingt wirklich hardcore, denn da verbrennt einem doch das Leder... :o
Wobei ich gestehen muss, dass ich's in der von Dir beschriebenen Lage wahrscheinlich genauso gemacht hätte.

In diesem Sinne: nächstes Jahr nehme ich wohl wirklich mal ein paar Trekkingsandalen mit und schaue, was passiert...
Danke für die Tipps!!
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Re: Wenn die Schuhe klatschnass sind...

Beitrag von Gerhard2020 » 23. Sep 2020, 10:21

Lieber Matthias,
bei den Schuhen gibt es zwei Ebenen:
A) Die Schuhe sollten nicht komplett nass werden
B) Nasse Schuhe trocknen
Schuhe trocknen am besten, wenn Sie nicht komplett nass geworden sind.
Ich habe mir deswegen Gamaschen aus einer alten Zeltplane selbst genäht,
da mir die Gamaschen vom Handel zu schwer sind! Das verhindert nicht, dass die
Schuhe im Laufe des Tages doch etwas nass werden. Auf diese Weise habe ich mir
nie komplett nasse Schuhe eingehandelt. Gefährlich ist auch eine Wiese mit Frühtau!
Habe immer zwei große Seiten einer Tageszeitung dabei. Damit wickle ich
meine Trinkflaschen ein und kann somit das Aufheizen um ca. drei Stunden
hinauszögern. Ferner kann man die Seiten notfalls auch als Sitzunterlage verwenden,
oder die die Wanderschuhe einmalig ausstopfen. Ich habe außerdem ein
halbes Küchentrockentuch für Schmuddel - Aufgaben dabei.
Am nächsten Tag wechsle ich mehrmals die Wandersocken und erhalte somit schneller
trockene Schuhe. Ich habe meine Wanderschuhe auf dem Camino nie vom Dreck befreit,
da möglicher Dreck vom Grass abgestreift wird oder beim abtrocknen von selbst abfällt.
Warmes Wasser greift auf alle Fälle die Appretur an und dringt schneller in das Material ein.
Bon Camino :P
Gerhard
Trier - Le Puy 2019
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Re: Wenn die Schuhe klatschnass sind...

Beitrag von Icecube84 » 23. Sep 2020, 11:06

Wenn die Schuhe klatschnass sind... laufe ich nicht mehr um die Pfützen drum herum, lohnt sich eh nich ;)

Bisher hatte ich in allen Herbergen Zeitungen zum ausstopfen rum liegen. Oder ich kauf mir ne Zeitung...
Wenns am nächsten Morgen nicht trocken ist, dann Plastetüte (manchmal auch zwei) über die Socken...
Buen Camino,
Jani

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Re: Wenn die Schuhe klatschnass sind...

Beitrag von Hobbypilger » 26. Sep 2020, 09:04

Simsim hat geschrieben:
18. Sep 2020, 16:27
.....................
Ansonsten hatte ich den Trick, Plastiktüten über die Socken zu ziehen, am Besten die Einlagen auch mit rein, so kann ich auch in nassen Schuhen trockene Füße behalten.
........................
Bei Radtouren ist das die Methode die ich anwende. Auf dem Jakobsweg hatte ich für den Notfall entsprechende Tüten dabei. Ich hoffe das klappt dann ähnlich gut.

Bild

Ciao
Detlef
Sept. 2018 Camino Francés (SJPdP - Santiago)
März 2020 Camino del Norte (Bilbao - Santander, Abbruch wegen fehlender Übernachtungsmöglichkeiten bis Santiago)

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